Mittwoch, 21. Juni 2017

Kurzurlaub in Belgien - Tag 1

Es ist - ich sage es jetzt einfach, wie es einfach ist - mehr als zwanzig Jahre her. Damals hatte ich mir ein Radiohead Konzert in Straßburg angeschaut. Davor holte ich gemeinsam mit meinem Kumpel Bier, in der Schlange stand der schönste Junge auf der ganzen Welt, da war ich mir damals sicher - und redete mit seiner Schwester auf Griechisch. Plötzlich blickte er mich an und fragte auf Französisch nach Feuer. Ich hatte keines, verwickelte ihn aber trotzdem in ein Gespräch (todesmutig auf Griechisch), dabei stellte sich heraus, dass er 19 war und in Brüssel wohnte. Man kann sich die Herzchen in meinen Äugchen vorstellen. Ich stellte mir immer vor: du gehst nach Brüssel und dann triffst du diesen jungen Mann wieder - das ist dein Schicksal! Doch weder sah ich ihn nochmal auf dem Konzert, noch schaffte ich es jemals nach Brüssel zu kommen. Leider! 
Mehr als zwanzig Jahre später bin ich nun auf diesem Work-Life-Balance-Trip, habe mir fest vorgenommen, relaxt durch das Leben zu gehen. Mit viel Freude, Input und noch mehr Gelassenheit. Also war ich wieder dran, einen Kurzurlaub zu planen. Das letzte war ich ja in Frankfurt geblieben und habe Dinge gemacht, die ich schon lange machen wollte und nicht dazu kam. Dieses Mal wollte ich weg - und ich wollte irgendwohin, wo ich immer schon mal hinwollte. Also, standen Dublin und Brüssel zur wahl. Brüssel war praktischer. Also, buchte ich eine spottbillige Verbindung mit dem ICE und ein kleines, gemütliches Airbnb-Zimmerchen im beschaulichen Vorst, einem Teil Brüssels. Das Spannende war, dass ich mich gleich wie im Frankfurter Nordend (meinem Zuhause) fühlte - nur dass es hier noch schöner ist. Standesgemäß hatte ich einen schönen Park fünf Minuten entfernt von der Wohnung, den Duden-Park (!!!). Den besuchte ich gleich, mit Getränk und Buch im Gepäck. Und dann chillte ich da ganz lange. Schön war es!
Schließlich wollte ich mich ausruhen, den Kopf frei kriegen. Kein Programm am ersten Abend. Einfach nur in Brüssel ankommen und feststellen, dass ich hierher gehöre. Warum wusste ich da noch nicht -
das kam erst in den nächsten Tagen raus. ;-) 
Und dann hatte es ja ominös angefangen .... Richtung Drogenboss Schloss! :-D























Montag, 5. Juni 2017

CSD Wiesbaden


Kürzlich wurde ich von einem jungen Mann, den ich sehr schätze, gefragt, ob so etwas wie der CSD heutzutage überhaupt noch sein müsse. Schwul und lesbisch zu sein sei doch ganz normal in unserer Zeit. Ich musste auf mehreren Ebenen widersprechen. Nehmen wir Schwule und Lesben: es gibt das Verpartnerungs-Gesetz, aber noch keine gleichwertige Heirat von gleichgeschlechtlichen Menschen. Schwule und Lesben dürfen auch nicht gemeinsam Kinder adoptieren. Das sind nur zwei der Rechte, die Schwulen und Lesben verwehrt bleiben. Doch es geht weiter: der junge liebenswerte Mann mag Homosexualität normal finden, doch der Rechtsruck, der unsere Gesellschaft gerade zu einer weniger lebenswerten macht, betrifft auch Homosexuelle. Die Gewalttaten an Homosexuellen nimmt weiter zu, es wird hoffähig auch wieder Ressentiments in ihre Richtung abzuschießen. 
Der CSD ist jedoch nicht nur ein schwullesbisches Event, im Gegenteil, es ist eine queere Veranstaltung, ein LSBTIQ-Event - und da sind die Ressentiments noch sehr viel deutlicher spürbar. Bisexualität ist genauso ein Tabu (selbst bei Schwulen und Lesben) wie Transmenschen oder intersexuelle Menschen es sind. Ja, CSDs müssen noch immer sein, sie sind sogar wichtiger denn je: die sind politisch, sie schreien: wir sind auch noch da, uns gibt es, und wir sind nicht Wenige - und ihr müsst uns so akzeptieren wie wir sind. Denn wir sind ein Teil von euch, wir sind Teil dieser Gesellschaft. CSDs sind politisch, CSDs sprechen Themen an, zeigen, wo es hakt. Und dies passiert durch Schilder, durch Reden, durch Stände, durch Gespräche an Ständen usw. 
Ja, CSDs sind wichtiger denn je: zur Sichtbarmachung von LSBTIQ-Menschen, als politisches Instrument, als Partizipation eines nicht kleinen Teils der Gesellschaft - und deswegen sind gerade die kleinen CSDs wie der in Wiesbaden so wichtig, jeder einzelne CSD ist wichtig. Nicht nur in Großstädten leben LSBTIQ-Menschen, sondern auch in den Kleinstädten, in Dörfern, auf dem Land. 
Sich solidarisch zeigen, auf CSDs zu gehen, ist heute genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als noch zu Beginn dieser CSD-Bewegung in Deutschland. Und auf diesen kleinen CSDs sieht man auch, wie politisch sie sind, und dass natürlich der Kommerz auch nicht fehlen kann - es muss etwas zu essen und trinken geben und irgendwie muss der ganze Aufwand ja auch finanziell geleistet werden (Sponsoren). 
Der CSD in Wiesbaden war eine sehr schöne Veranstaltung, die zum Glück nicht ins Wasser gefallen ist. Los ging es vor dem Staatstheater, dann Richtung Landtag durch die Innenstadt, mit einer kleinen Kundgebung, um dann durch die Innenstadt hindurch zum Hauptbahnhof und dann zum Schlachthof zu gelangen. Es war eine bunte, eine schöne Veranstaltung, die Spaß macht, aber auch informiert und inspiriert.