Samstag, 23. Januar 2010

Jetzt mal im Ernst...

Also, ich fühle mich gerade so, als wäre die ganze Welt gegen mich. Als hätten sich alle Kräfte gegen mich verschworen. Und warum? Ganz simple, banale Kleinigkeiten, die mir den letzten Nerv rauben! Die das gar nicht dürften, es aber tun. Zum Beispiel mein Laptop. Meine Festplatte hat es zerfetzt. Nachdem ich jetzt tagelang so gut wie nicht ins Internet konnte (10000 Neustarts führten dazu, dass ich jeden Tag einmal für ein oder zwei Stunden eine Verbindung erreichen konnte, die nicht gleich wieder zerbarst), nahm ich mir ein Herz und ging zum Saturn. Was ich nicht bedachte: da ich so verzweifelt mit diesem Gerät kämpfte, habe ich vergessen noch einmal eine aktuelle Sicherheitskopie zu machen. Na, super! Im ersten Moment fiel es mir noch nicht auf... Jajajaja, so viele Dinge, die ich schreibe, setze ich ja hier rein oder schicke es an andere Leute. Aber es gibt ein paar Texte, die noch nicht fertig waren, also noch nicht auf irgendeinem elektronischen Weg außer meiner eigenen Festplatte gespeichert wurden. Scheiße! Das ist schon schlimm genug angesichts der Tatsache, dass Dienstag die Textwerkstatt Darmstadt (ein Schreibforum) beginnt und ich meine ersten Texte mitbringen soll. Ja, wie mache ich das? Und wie blogge ich jetzt? Gerade friere ich mir die Füße ab in Chaudrys Lebensmittelladen, der keckerweise ein paar PCs in den Ladenraum gestellt hat, damit Idioten wie ich ins Internet können.
Das ist wie gesagt schlimm genug. Aber meine sämtlichen Dates haben sich in den Kopf gesetzt, mich dieses Wochenende zu boykottieren. Bei S. - den ich hiermit offiziell abschreibe, ist auch nicht soooooo schlimm. Obwohl er so niedlich schaut und so süß hessisch babbelt. Aber meine kleine süße Maus A. aus meiner alten Heimat - ach, das tut weh! A., möchte ich ihm zurufen, ich brauche heute ganz eindeutig Wärme und Geborgenheit, mein Laptop hat mich doch schon alleine gelassen. Oh no! Und immer wenn so etwas passiert, stelle ich mir die Sinnfragen. Was soll das alles? Was macht mein Leben für einen Sinn? Wieso bin ich seit einer Woche krank und fühle mich immer noch völlig abgeschlagen? Wieso bin ich Single? Wieso habe ich den Job, den ich habe, der mich in eine weitere Sackgasse führt? Und wieso in Gottes Namen bin ich so abgebrannt, dass ich mir nicht einfach einen neuen süßen... (Netbook natürlich) kaufen kann? Und wohin soll das alles führen?
Ich sollte mir nachher wieder ein Buch von Osho schnappen und lesen. Ich lese nur noch. Und was mache ich mit der Wärme? Der Geborgenheit? Und vor allem, was ich mit meinen sozialen Netzwerken im Internet? Oh my God! Jajajaja, ich bin süchtig. Als hätten wir das nicht alles schon vorher gewusst! Na und?! So lange ich wochenlang jeden Tag andere Leute daten/treffen kann, ohne die gleiche Person noch einmal zu treffen, habe ich wohl genug reale Beziehungen. Und lerne jede Woche neue Leute kennen... Trotzdem stelle ich mir auch in dieser Richtung die Frage, inwieweit die Sucht mich schon verändert hat, zum Negativen hin, meine ich natürlich. Wo ist die Rettung? Wie halte ich dieses schönbe Leben aus? Ich muss etwas tun... Ich lese... Also: Ciao!

Wo die Lyrik herkommt...

Die CD Starry Night von Apergis, Kalimeri und Pavlidis
„Deine Worte sind Gift, Wolken deine Augen, einst warst du Wasser, jetzt bist du Feuer…“. So beginnt Lied 7 „Love in bonds“ (Αγάπη στα δεσμά) auf der CD Starry night (Νύχτα με αστέρια) der griechischen Musiker Antonis Apergis, Lizeta Kalimeri und Kostas Pavlidis, die bei Libra Music, Athen, 2007 erschienen ist. Einem Label, das 1992 gegründet wurde und andere balkanische Musiker um sich versammelt, als die, die bei uns bekannt sind. Der Gründer Alkis Vafias legt Wert darauf, Künstler zu unterstützen, die sich im Spannungsfeld von Weltmusik, Jazz und Tradition bewegen.
Der Begriff der Lyrik leitet sich von dem zentralasiatischen Instrument Lyra ab, das eines der vielfältigen Saiten- und Blasinstrumente ist, in den dreizehn Liedern dieses Albums benutzt. Antonis Apergis, der die Texte geschrieben, die Stücke komponiert und arrangiert hat, spielt neben der Lyra noch die Saz (eine türkische Laute), Querflöte, Gitarre; der Bass und die Ney (eine Längsflöte, die nur aus einem offenen Rohr des Pfahlrohrs besteht) gehören ebenso zu seinem Repertoire auf dieser Platte. Er wird von zahlreichen Gast-Musikern auf der Oud (einer arabischen Laute), Gitarren und Geigen begleitet. Gesungen werden die poetischen, getragenen Lieder abwechselnd von Kostas Pavlidis, einem Roma, der seine Wurzeln in die Arrangements und einen fremden Klang ins Griechische einbringt, und Lizeta Kalimera, die in ihrem Repertoire und ihrer Aura mit Etta Scollo aus Italien oder Bea Palya aus Ungarn zu vergleichen ist.
„Wieso verstummen plötzlich alle Vögel, und was bedeutet diese Stille; um sich zu beklagen, sind sie in den Wald geflüchtet, und dort wird ihr Schmerz geheim“, singt Kostas Pavlidis im ersten Lied des Albums. Melancholisch hört sich das an: Fast drei Minuten spielen die Instrumente ohne gesangliche Begleitung auf, zarte Gitarrenklänge und die Töne der weinerlichen Geige und der melodiösen Ney sind zu hören. Der Sänger setzt mit seiner zittrigen Stimme ein, die allerdings fester wird gegen Ende des Liedes, welches an positiver Ausstrahlung gewinnt, wenn die Hoffnung die Melancholie überwiegt. Das ganze endet fast fröhlich mit dem Vers: „ ... Und ich erwarte die Vögel, die wieder zwitschern, sie erinnern mich immer an Ankunft.“
Wie an einem sonnigen Tag auf einem Boot ausgestreckt zu liegen, sich auf einem ruhigen See treiben zu lassen und in den blauen Himmel zu schauen so hören sich diese Lieder an. Sie erinnern an schmerzhafte Erlebnisse aus vergangenen Liebesbeziehungen, erzählen davon, dass man sich wünschte, „den Kuss der Trennung“ niemals erhalten zu haben, und fragt: Wieso hast du ihn nicht jemand anderem gegeben? Lizeta Kalimeri singt das glaubhaft und authentisch, immer mit einem angemessenen Stück Pathos.
Alkis Viafas, sagt, dass jedes Album seine eigene kleine Welt darstellt, die man mit viel Liebe erschaffen muss. Das merkt man den Covern der Platten an; in diesem Fall liebevoll gezeichnete Sterne und ein Mond, eine stilsichere Farbwahl mit gelblichen und bläulichen Tönen. Die Welt, in die der Zuhörer eingeladen wird, ist eine andere als die der Zorbas-Musik, der Dancefloor-Hits einer Despina Vandi oder der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Helena Paparizou. In „Starry Night“ dominiert die Melancholie, die in einsamen sternklaren Nächten sensible Menschen überfallen kann. Poetische Texte, liebevolle Arrangements, verführerische Klänge. Hier waren Künstler am Werk, die etwas von Musik verstehen, die etwas von ihrer Welt vermitteln möchten; in „Dream“ heißt es: „Dieses falsche Leben, das dir folgt, entfliehe ihm und suche das wahre Leben.“

Dienstag, 19. Januar 2010

Meine Lieblingsfilme

Es ist schwierig, sich auf fünf Filme festzulegen oder DEN absoluten Lieblingsfilm zu benennen. Es gibt viele Filme, die mich beeinflusst haben, nachhaltig bewegt, zum Nachdenken angeregt und an die ich noch viele Gedanken lange Zeit nach dem Anschauen daran verwendet habe.

The Eternal Sunshine of a Spotless Mind (2004)
Regisseur: Michel Gondry
Schauspieler: Jim Carrey, Kate Winslett, Elijah Wood
http://www.imdb.com/title/tt0338013/

Lost in Translation (2003)
Regisseurin: Sofia Coppola
Schauspieler: Scarlett Johansson, Bill Murray, Giovanni Ribisi
http://www.imdb.com/title/tt0335266/

Donnie Darko (2001)
Regisseur: Richard Kelly
Schauspieler: Jake Gyllenhaal, Maggy Gyllenhaal, Patrick Swayze
http://www.imdb.com/title/tt0246578/

Billy Elliott (2000)
Regisseur: Stephen Daldry
Schauspieler: Jamie Bell, Julie Walters, Gary Lewis
http://www.imdb.com/title/tt0249462/

Let the right one in (So finster die Nacht) (2008)
Regisseur: Tomas Alfredson
Schauspieler: Kare Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar
http://www.imdb.de/title/tt1139797/

The machinist (2004)
Regisseur: Brad Anderson
Schauspieler: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh
http://www.imdb.com/title/tt0361862/

Calendar (1993)
Regisseur: Atom Egoyan
Schauspieler: Arsinee Khanjian, Ashot Adamyan, Atom Egoyan
http://www.imdb.com/title/tt0106504/

The Number 23 (2007)
Regisseur: Joel Schumacher
Schauspieler: Jim Carrey, Virginia Madsen, Logan Lerman
http://uk.imdb.com/title/tt0481369/

Wild Tigers I have known (2006)
Regisseur: Cam Archer
Schauspieler: Malcolm Stumpf, Patrick White, Fairuza Balk
http://us.imdb.com/title/tt0430768/

Die Stadt der verlorenen Kinder (1995)
Regisseur: Marc Caro, Jean-Pierre Jeunet
Schauspieler: Ron Perlman, Dominique Pinon, Daniel Emirfolk
http://www.imdb.com/title/tt0112682/

Le Grand Bleu (1988)
Regisseur: Luc Besson
Schauspieler: Rosanna Arquette, Jean Reno, Jean-Marc Barr
http://www.imdb.com/title/tt0095250/

Citizen Kane (1941)
Regisseur: Orson Welles
Schauspieler: Orson Welles, Joseph Cotton, Dorothy Comingore
http://www.imdb.com/title/tt0033467/

Magnolia (1999)
Regisseur: Paul Thomas Anderson
Schauspieler: Juliane Moore, William H. Macy, Tom Cruise
http://www.imdb.com/title/tt0175880/

The science of sleep (2006)
Regisseur: Michel Gondry
Schauspieler: Gael Garcia Bernal, Charlotte Gainsbourg, Miou-Miou
http://www.imdb.com/title/tt0354899/

Little Miss Sunshine (2006)
Regisseur: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Schauspieler: Abigail Breslin, Greg Kinnear, Toni Colette
http://us.vdc.imdb.com/title/tt0449059/

Cache (2005)
Regisseur: Michael Haneke
Schauspieler: Daniel Auteuil, Juliette Binoche, Maurice Benichou
http://www.imdb.com/title/tt0387898/

Hundstage (2001)
Regisseur: Ulrich Seidl
Schauspieler: Maria Hofstätter, Alfred Mrva, Erich Finsches
http://www.imdb.com/title/tt0290661/

I heart Huckabees (2004)
Regisseur: David O. Russell
Schauspieler: Jason Schwartzmann, Dusty Hoffmann, Lili Tomlin, Jude Law
http://www.imdb.com/title/tt0356721/

Thumbsucker (2005)
Regisseur: Mike Mills
Schauspieler: Ted Beckmann, Vincent D' Onofrio, Keanu Reeves
http://www.imdb.com/title/tt0318761/

Der dünne Mann (1934)
Regisseur: W.S. Van Dyke
Schauspieler: William Powel, Myrna Loy
http://www.imdb.de/title/tt0025878/

Das weiße Rauschen (2001)
Regisseur: Hans Weingartner
Schauspieler: Daniel Brühl, Anabelle Lachatte, Patrick Joswig
http://www.imdb.de/title/tt0276617/

Shortbus (2006)
Regisseur: John Cameron Mitchell
Schauspieler: Sook-Yin Lee, Paul Dawson, Jay Brannan
http://www.imdb.com/title/tt0367027/

Das Haus der Tausend Leichen (2003)
Regisseur: Rob Zombie
Schauspieler: Chad Bannon, William Bassett
http://us.imdb.com/title/tt0251736/

Die Weisheit der Krokodile (1998)
Regisseur: Po-Chih Leong
Schauspieler: Jude Law, Elina Löwensohn, Timothy Spall
http://www.imdb.de/title/tt0120894/

Mauvais Sang (1986)
Regisseur: Leos Carax
Schauspieler: Juliette Binoche, Michel Piccoli, Denis Lavant
http://www.imdb.com/title/tt0091497/

Natürlich gibt es noch sehr viele andere Filme, die mich sehr beeindruckt haben. Die Liste könnte ich noch sehr weit fortsetzen.

Montag, 18. Januar 2010

Wenn du singst, wie kannst du hassen?

Die Beschäftigung mit Klezmer-Musik sollte ebenso ein Bestandteil der Auseinandersetzung mit dem Judentum sein, wie die Geschichte der Judenverfolgungen, des Holokaust und die dementsprechende Lektüre (bzw. Filme). Die Klezmer-Musik stammt aus Ost-Europa und ist instrumentaler Gesang: Der Mensch selbst soll zum Instrument werden. Sie hat nichts mit Religion zu tun – Musik hat niemals mit Religion, Nationalität und Grenzen zu tun. Es gibt in Wahrheit keine Grenzen, sie sind nur Illusionen, wegen derer Millionen von Menschen ihr Leben verlieren. Musik ist unsichtbar, unberührbar, sie ist Sprache der Seele, sie ist Ausdruck der Liebe, sie kann keinen Hass ausdrücken. Natürlich schmerzt es, wenn Musik mit schrecklichen Ereig-nissen aus der Vergangenheit in Zusammenhang steht, aber gerade die schönste jüdische Musik ist in den Ghettos und Konzentrationslagern entstanden, womit die Musik – wie Kunst allgemein – beweist, dass nur der Körper angegriffen wird, die Seele jedoch unantastbar bleibt. Man hört in diesen Liedern sowohl die Qualen und Schmerzen, als auch die Hoffnung und die Vergebung. Giora Feidmann, der bekannteste jüdische Klarinettist, sagt, dass Musik eine heilige Sache sei, eine Verbindung mit unserem Schöpfer, und man solle vergessen, wer der Komponist sei, denn der wahre Ursprung stelle Gott dar. Dies wird auch mit dem Shalom gemeint: Shalom bedeutet Ganzheit; die Welt als Ganzheit betrachten, nichts vergessen, besonders im Sinne der Judenverfolgungen. Der in Argentinien geborene Giora Feidmann, der übrigens in der vierten Generation jiddischer Musiker ist, sagt weiterhin: „Alle Menschen sind geborene Sänger. Es ist eine natürliche Kraft.“ Was er bei seinen Konzerten beweisen möchte und kann: Er bringt den gesamten Saal zum Singen; ein ergreifendes Erlebnis. Giora Feidmann: „Mein Vater hat gesagt, die Klezmer-Musiker seien Diener der Gesellschaft. Sie seien ein Kanal durch den der Klang, die Musik und die Liebe fließen!“ Die Hauptinstrumente des Klezmer sind die Klarinette und die Geige, die die ausdrucks-vollsten Elemente der menschlichen Stimme am besten wiedergeben. Obwohl der Klezmer im engeren Sinne keine religiöse Musik ist, hat er ein religiöses Thema, denn er hat einen Teil des Rabbinergesangs aus den Synagogen übernommen: Der Rabbi steckt alle Emotionen, sein ganzes Herz in ein Lied und schmückt es mit Tönen um den Stimmenübergang herum. Die Tradition der jüdischen Musik bestand schon immer in der Auseinandersetzung mit der Umgebung, in der die Juden (so oft in der Diaspora) gerade leben, sei es in Rumänien, Odessa oder New York. Von daher ist es selbstverständlich, dass der Klezmer sehr viele Einflüsse aus anderen Bereichen vorzuweisen hat – beispielsweise aus dem Jazz und dem Tango. Ein Besuch in der Weltmusik-Abteilung der CD-Fachgeschäfte wird das beweisen! (Tipps: CDs von Giora Feidmann, den Klezmatics, Cora Laila, Kroke…)

Macht und Rebel von Faldbakken - Zitat 1

Außerdem hat Gretchen dank ihrer Studien an übersozialisierten Menschen solche Menschen schätzen gelernt, die NICHT übersozialisiert sind, also genau solche wie Macht (eine der beiden Hauptfiguren des Romans heißt so). Macht ein ein soziales Talent, und wie alle sozialen Talente weiß er genau, welche es zu befolgen gilt und welche nicht. Gretchen hat Folgendes ermittelt: Übersozialisierte Menschen sind in aller Regel unbegabt. Die mangelnde Begabung macht sie empfänglich für Phänomene wie Hypertoleranz, Rassismuspanik, Gleichheitshysterie und Unterschiedlichkeitsblindheit - Phänomene, die sich unter dem Begriff Diktatorischer Humanismus zusammenfassen lassen; so lautet denn auch der Titel ihres Buchs. Vor diesem Hintergrund akzeptiert sie gern, wie Macht sein Desinteresse mit ihrem Hintern begründet.

Samstag, 16. Januar 2010

Bedingungsloses Grundeinkommen...

Es gibt so viele Dinge, die man lesen sollte, die man sich aneignen, für die man kämpfen, sich engagieren müsste. Man bräuchte mehr als die 24 Stunden am Tag, zumindest ich. Jeder Tag müsste 36 Stunden haben, damit ich alles schaffen könnte, was ich schaffen möchte. Gerade lese ich Netzwerk Grundeinkommen (Hrsg.) den Text: Aktuelle Grundeinkommens-Modelle in Deutschland. Vergleichende Darstellung. (Welches ich jedem/r Interesseirten gerne zumaile). Es ist spannend, sehr spannend. In diesem Moment lese ich vom politisch festgelegten Existenzminimum (Regelsatz), der natürlich viel zu gering ausfälllt, wie man herausfindet, wenn man etwas logisch an die Sache herangeht und die wirklichen Bedarfe der Menschen berechnet. Das wird deswegen aufgeführt, weil man zu einer genauen Bestimmung des Bedingungslosen Grundeinkommens kommen muss, bevor man Finanzierungsmodelle heranzieht. Dass derzeitige politisch festgelegte Existenzminimum sichert weder die existenzielle Grundversorgung ausreichend ab, geschweige denn ermöglicht es eine soziale, kulturelle und politische (Mindest-)Teilhabe. Ich bin nun ein paar Seiten weiter und quasi ausgestiegen. Zu viel BWL. Hoffe aber bald wieder einsteigen zu können und etwas zu verstehen... ;-)
Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann in Form einer Sozialdividende oder als Negative Einkommensteuer organisiert werden: Die Sozialdividende wird vor einer abgabe- bzw. steuerrechtlichen Überprüfung der Einkommen und Vermögen an alle Bürger/innen ausgezahlt (echtes Grundeinkommen). Auf eine Negative Einkommensteuer (NES) hat jede/r nachträglich im Rahmen einer steuerlichen (nicht sozialadministrativen) Überprüfung einen Anspruch (unechtes Grundeinkommen). Abgabepflichtiges bzw. zu versteuerndes Einkommen wird prozentual auf den Grundeinkommensanspruch angerechnet. Wer oberhalb einer bestimmten Einkommensgrenze liegt, bekommt kein Grundeinkommen mehr ausgezahlt. Wer unterhalb einer bestimmten Grenze dieses Einkommens liegt bzw. kein Einkommen hat, erhält einen staatlichen Transfer in Form einer Negativen Einkommensteuer, also eine vom politischen Gemeinwesen ausgezahlte "Steuer". Die Negative Einkommensteuer kann nur als bedingungsloses Grundeinkommen bezeichnet werden, wenn sie die o. g. Kriterien erfüllt. Viele Negative Einkommensteuern, die z. B. unter dem Begriff Bürgergeld firmieren, erfüllen die Kriterien des Grundeinkommens nicht. Auch nicht solche, die nur an Erwerbstätige und deren Familien gezahlt werden.Mögliche Finanzierungen sind hier nachzulesen (verkürzt im Manuskript, das ich euch geben kann, aber in den Links kann man mehr dazu nachlesen):

www.solidarisches-buergergeld.de
www.die-linke-grundeinkommen.de/PDF/BAG_BGE_Konzept_16_07_06.pdf
www.bag-shi.de/sozialpolitik/arbeitslosengeld2/regelsatz-und-existenzgeld
www.iovialis.org/download/Dilthey-Modell.pdf

Letzteres soll mal als Beispiel zitiert werden:

Modell von Matthias Dilthey 1. Form des Transfers und weitere Angaben zum Modell a) Bei Einkommen bis zur fünffachen GE-Höhe (inkl. GE) handelt es sich um eine Sozialdividende (bis zu dieser Höhe wird auch keine Einkommensteuer erhoben). Darüber hinausgehende Einkommen werden mit einer 50prozentigen Einkommensteuer (flat tax) belegt. b) 2008 c) Teile des Modells sind veröffentlicht z. B. unter www.iovialis.org/download/Dilthey-Modell.pdf. 2. Personenkreis a) Alle Menschen mit legalem Aufenthaltsstatus in Deutschland haben Anspruch aufdas GE. b) Alle anderen Einwohner/innen haben einen Anspruch auf die Sozialhilfe nach altem Recht (Bundessozialhilfegesetz). 3. Höhe des Transfers a) Die Höhe des GE beträgt für Erwachsene 1.100 Euro (2007, 900 Euro in 2004) plus Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. b) Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr erhalten, gestaffelt nach dem Alter, durchschnittlich 500 Euro (2004) plus Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Auf jeden Fall soll die Höhe des Transfers für Kinder und Jugendliche, die Existenz, Erziehung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe absichern. c) Empfohlen wird zur Bestimmung der Höhe des Grundeinkommens für Erwachsene 60 Prozent des durchschnittlichen pro-Kopf-Bruttoeinkommens in Deutschland. d) Eine Dynamisierung der Höhe des Transfers ist entsprechend der Entwicklung des durchschnittlichen pro-Kopf-Bruttoeinkommens vorgesehen. 4. Finanzierung a) Träger des Grundeinkommens ist das politische Gemeinwesen (Staat). b) Die Kosten für das Grundeinkommen betragen jährlich ca. 810 Milliarden Euro brutto und 671 Milliarden Euro netto (bezogen auf 2004). c) Finanziert wird das GE durch Einsparungen steuerfinanzierter Sozialleistungen, durch eine Sozial-Umsatzsteuer (eine Konsumsteuer, die nur in den GE-Fonds fließt, neben der bisherigen und zu modifizierenden Mehrwertsteuer für allgemeine Staatsaufgaben), durch eine Sozial-Einkommensteuer (nur für höhere Einkommen, über die o. g. 50 Prozent-flat tax auf hohe Einkommen) und eine Sozial-Kapitalumsatzsteuer (Besteuerung des bisher umsatzsteuerfreien Handels mit Finanzprodukten). Da die bisherige Einkommensteuer (167 Milliarden Euro) entfällt, wird der Steuerausfall durch eine Anpassung der Mehrwertsteuer kompensiert. 5. Institutionelle Ausformung und Verwaltung a) Der Grundeinkommensfonds ist ein separater Fonds. b) Keine Angaben zu weiteren Beteiligungen an Organisation und Verwaltung. 6. Berücksichtigung Sonderbedarfe Analog der alten Sozialhilfe (Bundessozialhilfegesetz) werden für besondere Lebenslagen Sonderbedarfe anerkannt. Unterschiedliche Miethöhen sind kein Grund für Sonderbedarfe. 7. andere steuerfinanzierte Sozialtransfers Alle anderen steuerfinanzierten Sozialtransfers werden im Grundeinkommen zusammengefasst. 8. Sozialversicherungssystem Sämtliche bisherigen beitragsfinanzierten Sozialversicherungssysteme werden durch das GE ersetzt bzw. abgeschafft. Die Kranken- und Pflegeversicherung wird steuerfinanziert. Die Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung werden nach Abzug der Verwaltungseinsparungen auf 172 Milliarden Euro beziffert. 9. Soziale, kulturelle und andere Infrastrukturen Es erfolgt ein Ausbau der Infrastrukturen im Rahmen der Entwicklung des emanzipatorischen Sozialstaates (siehe www.archiv-grundeinkommen.de/dilthey/ Der-emanzipatorische-Sozialstaat_V_0.1.3.pdf). 10. Bemerkungen zu arbeitsmarktpolitischen Instrumenten und Auswirkungen a) Mindestlöhne, Branchen-Tariflöhne und gesetzliche Arbeitszeitverkürzung werden abgelehnt. Sie seien mit einem emanzipatorischen Sozialstaat nicht vereinbar. Der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist kollektivrechtlich, branchen- und flächenübergreifend durchzusetzen, sollte sich das GE diesbezüglich nicht als wirkungsvoll erweisen. b) Erwartet werden individuelle Arbeitszeitverkürzungen bei Vollzeitbeschäftigten sowie eine Erhöhung der Löhne für unattraktive Tätigkeiten. 11. Weitere mögliche gesellschaftspolitische Ansätze, die mit dem Grundeinkommen verbunden sind Siehe dazu o. g. Papier zum "Emanzipatorischen Sozialstaat". Der durch das GE ermöglichte freie Zugang zu Wissenschaft und Bildung dürfe nicht durch eine kostenpflichtige Schul-, Aus- und Weiterbildung oder ein kostenpflichtiges Studium zunichte gemacht werden. Das GE ermögliche die aktive Teilnahme an der demokratischen Willensbildung, die durch den einfachen, zuverlässigen und schnell auffindbaren Zugang zu Informationen zu unterstützen ist. Elementare Kernbereiche der Wirtschaft, in denen ein Konsumverzicht unmöglich ist (Energie- und Wasserversorgung, Grundnahrungsmittel, medizinische Versorgung, Kommunikation und öffentliche Verkehrsmittel) dürften nicht ausschließlich privatwirtschaftlich und somit gewinnorientiert betrieben werden.
www.grundsicherung.org/grusi.pdf (das ist der Entwurf der Grünen!)
www.kab.de/mm/mm002/Beschluss_Grundeinkommen.pdf
www.hwwi.org/Grundeinkommen.1888.0.html
www.unternimm-die-zukunft.de (wichtig, das ist der Typ von dm)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Modell
www.gruene-jugend.de/aktuelles/beschluesse/435089.html

Und die Gewerkschaften?
Interessant:
ver.di organisiert einen Denk- und Diskussionsprozess, der anhand des Themas
'Grundeinkommen' die Entwicklung eines humanen Gesellschaftsmodells zum Ziel
hat." In dem angenommenen Antrag hieß es zur Begründung: " Wir leben in einer
Zeit, in der der Wert eines Menschen an seiner Arbeit gemessen wird. Dieses
manische Schauen auf Arbeit belastet viele sehr, diejenigen, die einen oder mehrere Arbeitsplätze haben und diejenigen, die keinen Arbeitsplatz haben. Dabei müsste niemand ins soziale Abseits rutschen. Dazu müssen wir nur lernen, radikal und revolutionär zu denken. Bisher machen auch die Gewerkschaften Vollbeschäftigung zum Maßstab ihrer Politik. Sozial ist, was bezahlte Arbeit schafft. Wenn wir wollen, dass alle Menschen unabhängig von bezahlter Erwerbsarbeit ein sozial gesichertes Leben in Würde führen können, müssten traditionelle Vorstellungen der Arbeiterbewegung aufgegeben werden. Eine Dienstleistungsgewerkschaft müsste es schaffen, sich von einer auf Industriearbeit fixierten Vorstellung von Arbeit zu emanzipieren und ein eigenes Verständnis von Arbeit zu entwickeln. Wir müssen uns vom Ideal der Vollbeschäftigung verabschieden und für die Zukunftandere Wege finden! Nutzen wir die Situation doch als Chance! Die Lösung liegt in einem Grundeinkommen für alle! Für die Einführung eines Grundeinkommens stehen auf der einen Seite ökonomische und auf der anderen Seite politische bzw. soziale Aspekte. Hinsichtlich der Finanzierung des Grundeinkommens gibt es verschiedene Ansätze: Zum einen könnte eine Erhöhung der Einkommenssteuer vorgenommen werden. Dies bedeutet eine größere Belastung höherer Einkommen und eine Entlastung geringerer Einkommen. Ein weiterer Vorschlag besteht darin, über den Umbau des Steuersystems sich auf eine Konsum- bzw. Mehrwertsteuer zu fokussieren, die auch ähnlich der Einkommenssteuer sozial gerecht erscheint. Das Grundeinkommen als bedingungslose Grundabsicherung ließe jeder Bürgerin/ jedem Bürger die Freiheit, keiner Lohnarbeit nachzugehen. Der Wunsch nach einem Mehran Konsum, dem Bedürfnis nach Anerkennung durch Entlohnung, die Freude an der Arbeit und der durch sie möglichen sozialen Interaktion, würde jedoch dazu führen, dass die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger weiterhin erwerbstätig wäre. In einem Arbeitsmarkt ohne Lohnsubventionen oder Arbeitszwang hätten zudem bisher billig entlohnte, aber für die Gesellschaft wichtige Tätigkeiten, etwa im sozialen Bereich, einen echten Marktwert – ansonsten würden sie nicht ausgeführt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das den Lebensunterhalt von der Arbeit abkoppelt, würde den Menschen die Chance eröffnen, Freiheit, Würde und Gemeinsinn zu gewinnen. Bildung, Kultur und Kunst wären Allen zugänglich. Frauen würden ganz besonders profitieren. Schließlich ist der zeitliche Umfang der Leistungen im Haushalt und im Ehrenamt, die nicht bezahlt werden, größer als das Zeitvolumen der bezahlten Arbeit im Beruf. (Quelle: Statisches Bundesamt, Wo bleibt die Zeit, 2003.) Denken wir über ein Grundeinkommen nach! Das Geld dazu ist da. In der Bundesrepublik Deutschland wird soviel erwirtschaftet, dass alle überleben können. Schon heute werden Menschen mit Geld versorgt. Den 26,5 Millionen regulär Beschäftigten stehen 20 Millionen Rentnerinnen und Rentern, fünf Millionen Arbeitslose und zwei Millionen Bezieherinnen und Bezieher von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II gegenüber. Die Bezieherinnen und Bezieher von Kindergeld oder Bafög sind da noch nicht mitgerechnet.Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre finanzierbar und würde die Gesellschaftsstrukturen sehr ins Positive wenden. Nur muss dies einer breiten Öffentlichkeit bewusst werden!

Ein ganz normaler Sonntag

Ein ganz normaler Sonntag. Wie immer. Naja, fast. Alle zwei Wochen das gleiche. Der große Bruder lag noch im Bett, der kleine Bruder verbarrikadierte sich im Bad, während die Schwester da unbedingt hinein wollte. Geschrei, Gezeter, Aufregung. Die Mutter dazwischen, fluchend, motzend, schimpfend. Der im Bett Liegengebliebene dachte sich: ach, jetzt kriegen die Nachbarn wieder alles mit. Nun, die Hälfte zumindest, denn die war deutsch, die andere bestand aus griechischen Beschimpfungen. Was machte der Kleine im Bad? fragte er sich. Und warum musste die Schwester so dringend dorthin? Er schüttelte den Kopf. Für ihn als Spätaufsteher unverständlich, was da passierte. Er stand als letzter auf. Das reichte auch noch. Was machten denn die anderen? Der Vater klopfte an: „Was willst du denn essen? Was soll ich dir für ein Brot schmieren?“ Es war ja nett gemeint, aber – er würde gleich durchdrehen. Er wollte noch eine Weile schlafen, er brauchte nicht lange, sich abfahrbereit zu machen. Was stressten diese Menschen denn so rum? Unverständnis. „Ich weiß nicht!“ antwortete er gereizt. „Ich stehe bald auf und sag dir Bescheid.“ Diese unerträgliche Hektik. Ein wichtiger Tag. Sonntag. Die nervöse Mutter schrie immer lauter, wütete. Die Schwester klopfte an die Tür, trat nach einer Weile bereits; und letzten Endes schaffte sie es: eine Delle hatte sie der Tür beigebracht. Jetzt griff der Vater ein: „So, du gehst von der Tür weg, Augenstern! Du kriegst nachher eine Tracht Prügel, wenn ich mit dem jungen Mann fertig bin! Laki, du kommst jetzt da raus! Ich werde dich windelweich schlagen! Du machst deine Mutter völlig kaputt. Sie weint bereits!“ Haha, lachte einer im Bett. Immer diese leeren Drohungen. Die Gutmütigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben, dem alten Möchtegern-Pfarrer. Der schlägt doch seine Kinder nicht. Rührend, wie er seiner Frau – dem Nervenbündel – helfen möchte, bloß nimmt ihn keiner ernst. „Ich hole gleich mein Werkzeug und dann –“ „Brichst du die Tür auf, jaja, bin ja schon draußen!“ Der Kleine stiefelte an ihm vorbei. Bekleidet mit seinem Parka, wie immer, darunter trug er weiße Feinripp-Unterwäsche und weiße Socken. Er verschwand in sein Zimmer. Der Vater sagte zu seiner Tochter: „So, jetzt kannst du rein, oder nicht? Was willst du auf dein Brot?“ Nun meldete sich die völlig aufgelöste, zerzauste Mutter: „Super hast du das gemacht, Mann. Vielleicht hätte ich mich ja mal gerne frisiert. Wie sehe ich denn aus!“ Sie weinte herzzerreißend. Jaja, dachte sich Jakos, das alte Spiel, flüsterte vor sich hin: „Und außerdem, Mann, drehe ihnen nicht irgendwelche Brote an, die sie sowieso nicht essen dürfen, Hornochse. Metalawia!!!“ Und – es ließ nicht lange auf sich warten – die Frau spuckte genau das ihrem Mann entgegen. Wie berechenbar! Er lag immer noch in sei-nem Bett, er hörte regelmäßig dieses Schauspiel, er brauchte es nicht noch mit anzusehen. Er wunderte sich nicht mehr, dass sich nichts änderte, dass keine Konsequenzen gezogen wurden. Wahrscheinlich war das alles ganz normal. Der Kleine ließ sich kurz blicken, in der Küche, sagte: „Metalawia! Scheiß drauf! Als Kind konntest du mich vielleicht dazu zwingen, aber jetzt nicht mehr. Ich hätte oft dem Pfaffen am liebsten auf seine schöne, glitzernde Kutte gekotzt. So wie das Baby vor zwei Wochen, das trotz Geheul, das Zeug in den Mund gestopft bekommen hat. Kindern Wein geben, und zerkrümeltes Brot darin! Mit einem Löffel für die ganze Gemeinde. Zum Kotzen!“ Oh, das war neu, dachte er sich kichernd. Respekt, Brüderchen, du machst dich! Er ging wieder in sein Zimmer zurück. „Ihr seid alles Türken! Ungläubige! Was habe ich nur für Kinder – Monster!“ zeterte die Alte. Naja, das war altbekannt. Der Junge kehrte in die Küche zurück. „Warum sollten denn Türken ungläubiger sein als Griechen. Im Gegenteil würde ich vermuten. Die stehen um 5 auf, um zu ihrem Allah zu be-ten!“ erwiderte Lakis süffisant. Sein großer Bruder lachte, ja, er krümmte sich geradezu vor Lachen. Er flog aus dem Bett heraus. Es krachte. Der Vater kam angerannt. „Was ist denn los? Ist etwas passiert?“ Jakos lachte noch immer. „Weißt du noch, Mbamba (Papi), ti? Tix-tafti, ke diakos sto kefali!“ (griechisch – ungefähr: was? was an deinem Ohr? und ein Diakon – Pfarrer – auf deinem Kopf) Auch der Vater brach in Lachen aus. Die Mutter schrie laut auf: „Amann, amann! Womit habe ich das nur verdient?!“ Sie weinte. Fragte: „Warum kann es bei uns nicht wie bei anderen Familien sein. Warum habe ich so eine Familie von Bestien, von Ungläubigen, von – von, ach, ich weiß nicht was!“ Sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Die Leidende. Nicht besonders kreativ, dachte sich der auf dem Boden der Tatsachen und der schlechten Laune Zurückgekehrte; und Lakis Senior wird ihr gleich beistehen. Der Gute. „Schatz! Popi-Augenstern kommt gleich aus dem Bad, Lakis Junior ist gleich fertig, und du weißt genau: Jakos braucht nie länger als fünf Minuten. Ist doch alles gut! Wir sind doch noch nie zu spät gekommen!“ Er musste sich – deutlich erkennbar – ein: obwohl du jedes Mal so ein Theater machst verkneifen. „Aber immer als die Letzten!“ – „Nicht als die Letzten, Frau, höchstens als letzte.“ War das wieder ein Spaß, dachte sich der große Bruder. „Voll witzig“, sagte der kleine Bruder, kam geschwind in Jakos´ Zimmer und klatschte ab. „Und was die Leute wieder von uns denken! Vor allem, wenn ich mit diesen Haaren da hinkomme!“ Jaja, die Leute, das war wichtig. Was die anderen Leute dachten. Das konnte ihr doch Scheißegal sein! War es aber nicht. Das störte ihn. Das störte auch seinen kleinen Bruder. Das wusste er. Und was war mit seinem Schwesterherz? Das war zu jung, um sich von der Meinung anderer, ihrer Freundinnen, unabhängig zu machen; zu unreif, zu abhängig von ihrer Mutter. Auch für den Vater war es wichtig, was die Leute dachten, nur war er meist sehr viel naiver, zu naiv, um auf ganz „blöde“ Ideen zu kommen. Im Gegensatz zu seiner Frau. Wie ich das hasse! dachte sich der große. Pubertät! Ärger mit den Eltern. Fehlender Respekt. Abkapselung. Normal. Das Übliche. Wie immer. Er machte sich bereit. Letztendlich. So wie alle anderen. Er-neut kamen sie sehr spät, die Mutter abwechselnd motzig und weinend, sämtlichen Auto-Insassen schlechtes Gewissen einredend, der Vater eine Zigarette nach der anderen rauchend; und die Kinder hinten schafften es weder ihre Ohren zu verschließen noch ihre Nasen. Betäubt von dem Geschwätz und dem Rauch, leidend. Leidend wie Märtyrer in die Kirche, um dort weiter zu leiden – während sie sich abrackerten, den unsympathischen Bekannten ihrer Eltern in einer für sie doch eher fremden Sprache (griechisch) Rede und Antwort zu stehen. Teilweise Fragen gestellt zu bekommen, die sie nicht einmal in „ihrer“ Sprache (deutsch) hätten beantworten können. Auch die Mutter überlebte es, mit wenig Selbstvertrauen, aber doch… Dafür war sie nach der Kirche und noch mindestens vier Tage danach gramvoll, ja, noch mehr: depressiv. Verweint, mit ihrem Leben hadernd, todunglücklich.

Es wird viel passier´n... wirklich...

Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.
Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.

Folge 4:
Aris möchte immer aus Zitronen Limonade machen, so oder so. Also weint er nicht lange, sondern trinkt Wein mit Matthi, den er an Silvester kennenlernte, in der Nacht, als Aris Single wurde. Sie sitzen da, nach zwei Gläsern Wein wird er lockerer, hat sich den Frust von der Seele geredet. Plötzlich wird er angerufen, er kennt die Nummer nicht. Merkwürdig. Es ist Arif, der mit ihm in der Textwerkstatt sein würde ab Ende Januar. Wieso ruft er an? Was will er von mir? denkt sich Aris. Mich treffen? Vorab? Puh, das ist abgefahren... Am Dienstag treffen? Warum nicht? Ist er schwul? Was will er?
Letztendlich trifft er ihn genausowenig wie Fabian, sondern Noel. Noel, sein alter Freund, den er so vernachlässigt hatte. Der bringt noch zwei Freunde mit. Sie trinken in Aris´ Wohnzimmer, betrinken sich. Dann ziehen sie noch weiter... Immer weiter trinken, die Stimmung ist gut, er vergisst alles um sich herum. Lässt sein Bier neben Noel stehen, als er auf Toilette geht. Als er zurückkommt, steht Noel woanders. Aris sucht sein Bier. Es steht neben zwei jungen Typen, die ihm vorher schon aufgefallen waren. Süß, denkt er sich. Heiß, sagt dann der eine der beiden Typen, Tobias. Denn Aris fühlt sich nämlich gezwungen, mit ihnen beiden in Vebrindung zu treten. Wieso eigentlich? Weil das Bier neben ihnen stand? Weil sie so süß sind? Tobias mustert ihn. Heiß, sagt er nochmals.
Noel möchte noch in den Stall. Aris überzeugt die beiden, dass sie mitkommen an diesen dubiosen Ort, mit Darkroom. In diesem verschwindet die Begleitung von Tobias. Währenddessen kommen sich Tobias und Aris näher, küssen sich. Wie schnell geht das denn, wundert sich Aris. Tobi sagt ständig, dass er noch nach Hause müsse, den Nachtbus nehmen usw. Doch Aris überredet ihn immer wieder zu bleiben, bis er ihm anbietet, bei ihm zu schlafen, er wohne ja in der Nähe. Aber keinen Sex, sagt er, wenn du mich wiedersehen möchtest. Versprochen, sagt Tobi. So gehen die beiden zusammen nach Hause. Und kuscheln und küssen sich... Schlafen ein... Merkwürdiges Leben, denkt sich Aris, wie eine Soap...

Freitag, 15. Januar 2010

Es wird viel passier´n... Fortsetzung

Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.
Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.

Folge 3:
Aris schaut also Fabian entsetzt, sagt aber mit wackerer Stimme: "Ich möchte dich wiedersehen!" Überrascht erwidert der Wunderschöne: "Obwohl du das weißt?" Und Aris antwortet: "Du hast einen Freund, du musst das wissen..." Und so tauschen sie Nummern aus und verabschieden sich voneinander. Aris geht wieder hinunter, er hat aber keine Lust mehr dazubleiben, ohne Fabian, dem er selig hinterherdenkt. Als er nach Hause kommt, stellt er fest, dass Franco in seinem Bett liegt, sein bester Kumpel. Lachend malt er sich aus, was gewesen wäre, wenn er Fabian mit nach Hause genommen hätte und auf Franco gestoßen wäre. Er legt sich neben ihn und schläft ein. Am nächsten Tag ist er ein bisschen daneben. Es wird dann auch nicht besser, nachdem er joggen war. Währenddessen macht Franco auf den blauen Seiten ein Date mit einem kleinen 18jährigen aus. Er erzählt es Aris, als der wieder aus der Dusche ist. Aris zeigt ihm nen Vogel und wundert sich sehr. Was soll das? fragt er seinen besten Freund. Als der Junge dann kommt, ist vor allem Aris völlig überfordert. Sex-Date? fragt er sich. Und vor allem: Franco ist gerade im Bad und nun muss er Konversation mit ihm betreiben. Was sehr schwierig ist. Der ganze Nachmittag ist schwierig. Eher Bilder als Worte in dieser Folge. Ein verstörter Junge, der eingeschüchtert da sitzt, nachdem er noch im Chat groß rumgetönt hat, dass er Lust auf einen Dreier hat. Und zwei Erwachsene, die sich wie ein Ehepaar unterhalten und verstört über die fehlende Kommunikationsfähigkeit des süßen Jünglings sind. Aber irgendwann geht auch er weg...
Abends rauchen die beiden wieder und schauen eine DVD. Währenddessen feiern die Freundinnen von Aris weiter. Am späten Abend bekommt Franco Lust auf ein Sexdate und macht sich auf den beschwerlichen Weg dorthin. Wir folgen ihm in der Bahn, Sigur Ros hörend. Aris dagegen träumt von Fabian...
Am nächsten
Tag geht Aris in die Sauna und schwimmt. Dabei sieht er einen jungen Typen, der ihm gut gefällt. Er schaut immer, wo sich der befindet, aber so recht will da nichts klappen. Sie haben einen unterschiedlichen Rhythmus. Währenddessen chattet Franco wieder und macht ein Date in seiner Heimat aus. Fährt wieder mit der Bahn Richtung Nirgendwo, und Richtung Sehnsucht. Nach der Sauna geht Aris mit seinen Kommilitonen zu einer Lesung. Sie ist langweilig und er schreibt mit Fabian SMS, während er mit halbem Ohr zuhört. Sie machen ein Treffen für den Dienstag aus... Aris ist glücklich und ruft seine beste Freundin an, um es ihr mitzuteilen, während er nach Hause fährt.
Am nächsten Abend sitzt er an seinem Laptop, plötzlich kriegt er eine SMS, es ist Fabian. Er möchte absagen, hat schlechtes Gewissen, fühlt sich schuldig. Hin und Her. Aris sagt, dass er ihn nicht bedrängen möchte, in Konflikte bringen usw. Doch er ist traurig. Er hatte sich so auf den Dienstag und das Treffen mit Fabian gefreut. Er weint ein bisschen...

Der Leser - Teil 2

Mitunter gehe ich auch gerne shoppen. Ich kann es zwar nicht leiden, wenn mich diese dummen, vom Stress geplagten Menschen mich anschubsen, weil sie es eilig haben, unhöflich und gewissenlos sind, aber andererseits gefällt es mir, in Läden zu laufen, viele verschiedene Dinge zu sehen und anfassen zu können. Ich probiere Klamotten an, die ich vermutlich sowieso nicht kaufen werde, weil ich wenig Geld habe. Aber mir gefällt die Vorstellung, ich könnte diese schönen Teile tragen, wenn ich einmal ausgehen würde. Manchmal kaufe ich mir tatsächlich etwas, wenn es in den „Rebajas“ ist. Schnäppchen zu suchen kann durchaus Spaß machen, so lange es zum Sport wird. Ich kann es nicht leiden, ständig in der Stadt zu sein, mein Lesen zu vernachlässigen. Das macht mich dann müde. Oder dauernd Kaffee trinken gehen. Wobei mir das zurzeit nicht passieren kann. Mit wem denn auch?
Ich schaue mir die Menschen an, betrachte ihre Schönheit oder ekele mich vor deren Hässlichkeit. Ich stelle mir vor, wie es wäre mit den schönen Menschen befreundet zu sein. Doch was könnte sie an mir interessieren? Die Hässlichen will ich keinesfalls kennenlernen. Sie sind hässlich für mich, weil sie etwas Böses, Ungehobeltes, Spießiges, Gewöhnliches oder Langweiliges an sich haben, was mich abstößt. Ich habe etwas an mir, was die anderen oft abstößt. Ich bin zu anspruchsvoll, sagt sie. Zu anspruchsvoll mit mir selbst, aber vor allem auch zu anspruchsvoll mit den anderen. Vielleicht. Vielleicht sollte ich mich dafür selbst hassen. Ich finde zwar genügend andere Gründe, mich zu hassen, mich hässlich zu finden, aber einer mehr kann nicht schaden. Bevor ich mir selbst gestatte, mich zu lieben. Dafür habe ich kein Talent. Vielleicht schaffe ich dies über Umwege. Doch welche?
Früher gab ich damit an, sensibel zu sein. Aber das ist doch keine wertvolle Eigenschaft. Die hat heutzutage jeder. Vor allem in Bezug auf sich selbst. Besonders liebe ich diejenigen „sensiblen“ Menschen, die dieses Wort mit einem anderen verwechseln und sagen: ja, der soundso ist ja ganz anders als ich dachte, der ist ja ein ganz sentimentaler! Vieles kann ich nicht leiden, ich fühle mich oft unwohl mit anderen Menschen. Ich habe also gelesen, abwechselnd einen Roman und ein Buch über den Islam. Ich mache das immer so. Eine Weile das eine Thema, eine Weile das andere. Bei Romanen bleibe ich allerdings gelegentlich mehrere Stunden hängen. Pausen mache ich auch, heute um mir zwischendurch einen frischen Salat zuzubereiten. Danach packte ich meine Bücher ein und fuhr in einen Park. Dort suchte ich mir einen Platz, der einerseits fernab von den anderen war, andererseits mir trotzdem die Gelegenheit gab sie zu beobachten, gegebenenfalls anzustarren. Doch das ist meist nicht notwendig, denn selten verirrt sich ein hübscher Mann dorthin. Ich gehe deswegen gerne hin, weil ich mich nackt sonnen kann, weil das die meisten da tun. Ich bin gerne nackt. So putze ich auch bei mir zuhause. Nackt. Befreit. Ich lag also nackt vor mich hin, heute war sogar ein junges hübsches Pärchen anwesend, was ich in meinen kurzen Lesepausen anschaute, bevor ich das andere Buch weiterlas. Im Grunde macht es nicht viel Unterschied, ob ich zuhause oder dort lese. Ich lerne sowieso niemanden kennen. Nein, ich wurde in diesem Park noch nie angeredet. Dabei war dies der Grund mich dorthin zu begeben. Vielleicht spüren die eine negative Aura um mich. Vielleicht entspreche ich nicht den Vorstellungen dieser Menschen. In guten Momenten, die leider rar sind, denke ich mir, dass ich ein ganz besonderer Mensch bin und deswegen diese Leute überfordern würde. Ist wohl ihr eigener Selbstschutz.
Zum Trinken bringe ich mir immer etwas mit, manchmal auch einen Snack. So könnte ich den ganzen Tag im Park verbringen. Mache ich aber selten. Ist mir dann doch zu langweilig. Ich ging heute nach zwei Stunden oder so nach Hause, aß noch etwas Kleines. Dann begab ich mich auf den Weg ins Hallenbad. Ich fahre durch die ganze Stadt, es dauert eine knappe Dreiviertelstunde, in der ich weiter der Lektüre des heutigen Tages frönte. Mir macht es, wie gesagt, nichts aus, lange zu fahren, wenn ich nebenher in Ruhe lesen kann. Ich war dann gar nicht schwimmen, weil ständig viele Kinder und Rentner das Becken verstopften. Das macht mich unentspannt. Zickzackschwimmen und halb versenkt werden von diesen Walrossen mag ich nicht. Dafür saunierte ich ausgiebig. Entspannte mich vom Nichtstun. Las in den Pausen weiter. Zwischendurch musste ich leider den Platz wechseln, weil das Geschnatter von diesen impertinenten Schnepfen losging. Wenn es wenigstens interessant wäre. Beim Saunieren habe ich auch noch nie jemanden kennengelernt. Heute habe ich wieder kein einziges Wort mit denen gewechselt. Nur höflich genickt.
Manchmal schalte ich den Fernseher ein. RTL 2 ist der perfekte Sender für einsame Menschen. Da gibt es so bekloppte Sendungen wie die „Die Supermamas“, „Frauentausch“ und „Big Brother“. Gerade bei der letzteren denke ich oft: na ja, billige Scheiße, aber da ich keine anderen Freunde habe… Sehe ich diese Dumpfbacken als Freunde an, deren Treiben ich beobachten kann. In meinem Kopf tratsche ich dann über diese Deppen.

Der Leser - Teil 1

Einen Tag nicht zu reden ist nicht so schlimm wie einen Tag nicht zu lesen. Es hat etwas Beruhigendes an sich. Stundenlang unterwegs sein, viele Menschen sehen, doch mit keinem von ihnen ein Wort wechseln. Allenfalls ein kleines Nicken beim Betreten eines Ladens, ein winziges Lächeln beim Aufschauen in der Straßenbahn.
Heute morgen wachte ich zu früh auf. Die Baldriantropfen waren Schuld daran. Ich schlafe früh ein, welch Segen!, aber morgens liege ich dann die Decke hin und her wälzend, ständig neue Schlafpositionen ausprobierend im Bett und stehe bald entnervt auf. Ich ging joggen. Immer die gleiche Strecke. In einen Park, in dem keine Hunde erlaubt sind. Das ist wichtig, denn die stören mein Seelenheil. Die machen mich nervös. Dann muss ich das Joggen abbrechen, Endorphine werden nicht ausgeschüttet, ich habe schlechte Laune, fühle mich einsam und unglücklich, möchte mich umbringen. So nicht, mein Lieber, und ich rede wohlgemerkt nicht laut mit mir selbst. Das habe ich nie gemacht. Nur in Gedanken, unhörbar, nicht einmal die Lippen bewegen sich dabei. Beim Laufen beobachte ich die anderen Läufer, die Eltern und Erzieherinnen mit ihren unzähligen Kindern, die auf und ab rennen, mit Schaufeln aufeinander einschlagen, rutschen, klettern, schaukeln. Mein Gehirn joggt mit. Wie ein Hamster in seinem Laufrad drehen sich die immer gleichen Gedanken in meinem Kopf. Ich finde mich beinahe langweilig. In guten Momenten dreht sich eine gute Platte in diesen Windungen, mit eingängigen Rhythmen und Texten, die ich mir behalten kann. Das kann ich selten. Die Göttin Mnemosyne meint es nicht gut mit mir. Gedichte und Lieder kann ich mir kaum merken, selbst wenn ich sie zweihundert Mal höre bzw. sehe. Dafür vergesse ich nie die Unsinnigkeiten, die ich so denke und tue. Kann sie nicht aus meinem Kopf verbannen. Oft weine ich darüber, weil ich mich deswegen so sehr schäme. Obwohl ich meist die gleichen Menschen hier joggen sehe, bin ich noch nie mit einem davon in Kontakt getreten. Wie auch? „Schöner Tag zum Joggen heute, was?“ oder „hey, Sie sind heute aber spät dran!“ Das kann ich nicht. Oder will es nicht. Ich weiß es nicht.
Du redest ununterbrochen, sagt sie, wenn wir uns sehen. Ja, wenn. Wir sehen uns alle zwei Jahre. Sie kann es nicht wissen. Sie kennt mich anders. Vielleicht messe ich jede Person, die ich kennenlerne an ihr. Vielleicht muss ich deswegen eine Weile alleine bleiben. Vielleicht sogar einsam. Nach dem Joggen habe ich ausgiebig geduscht. Gefrühstückt. Und dann begann ich mein Lesen. Oft fahre ich nach dem Frühstück mit der U-Bahn in die Stadtbücherei und in die Universitätsbibliothek. In der Bahn sitze ich mit einem Buch, lese. Wenn nicht gerade einer dieser vielen Asozialen hier in dieser Stadt durch die Gegend grölt oder die Bahn brechend voll ist, zu Stoßzeiten, was mir das Fahren verleidet und sämtliche Endorphine, die einst ausgeschüttet wurden, mit einem Streich entführen, finde ich dort das Lesen besonders beruhigend. Ich komme mir dann wie ein meditierender Einsiedler vor. Nur das meine Berge, meine Sträucher, meine Tiere in diesem Fall Sitze und Menschen sind. Ich bin in einer anderen Welt. Und da ich früher sehr große Konzentrationsprobleme hatte, macht mich das stolz und zufrieden. Wenn ich in der Lage bin, mich in einen Roman oder noch besser: in ein kompliziertes philosophisches Werk zu versenken, trotz diesem Übel neben mir, dem Menschen, der sich weigert zu lesen, und viel lieber vor sich hin schnattert, dann bin ich beinahe glücklich.
Ich lese, um zu sein. Ich lese, um nicht schreiben zu müssen. Ich hasse das Schreiben. So viel lerne ich aus den Büchern, so viel Wissenswertes erfahre ich, Berichtenswertes, aber ich möchte nicht. Andere sollen schreiben, weil ich sonst sterbe. Ich sterbe, wenn ich schreiben muss. Ich sterbe erstrecht, wenn andere nichts mehr schreiben. Wenn ich einen Tag nicht lesen kann, fühle ich mich so, als wäre ich vierundzwanzig Stunden in einer Gummizelle eingesperrt gewesen. Oder wenn ich einen Tag keinen Ton Musik hören dürfte. Das sind vertonte Texte. Ich höre sie und habe Bilder im Kopf. Wie beim Lesen. Ich höre und lebe in einer Welt. Das Buch ist eine Welt. Das Lied ist eine Welt. Eine Zeit lang bin ich vormittags gelegentlich anstatt in die Bibliothek in einen Gartencenter gefahren und habe mir Pflanzen gekauft. Ein paar für die Wohnung, ein paar für meinen kleinen Balkon. Die letzteren sind eingegangen. Es gibt nichts Deprimierenderes als tote Pflanzen auf dem Balkon. Aber wenn ich mit einem Buch draußen sitze, stört mich das nicht. Ich sitze da selten ohne Buch. Höchstens wenn ich einmal in zwei Wochen Besuch von Leuten kriege, die rauchen. Die dürfen das nur auf dem Balkon. Selbst sie dürfte das nur dort. Auch im Winter. Manchmal sitze ich aber auch da und höre mir Lieder an. Auf dem Balkon höre ich eher Turin Brakes, Coldplay und Keane. In der Wohnung griechische Volkslieder, Weltmusik. Zum Mittanzen. Ich wedele durch die Wohnung, klatsche in die Hände. Manchmal sind die einzigen Töne, die ich an einem Tag von mir gebe, die griechischen Worte, die ich mitsinge.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Es wird viel passier´n...

Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.
Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.

So heißt das doch im Marienhof... Irgendwie komme ich mir selbst auch wie in einer Soap vor.
Ein Ausschnitt:
Folge am Freitag Teil 1... Aris hat den Tag frei, morgens putzt er seinen Haushalt, erledigt seine Einkäufe, während seine beste Freundin Serap auf ihrem Sofa sitzt und heult - sie ist am Boden zerstört, weil ihre Beziehung in die Brüche gegangen ist. Später besucht sie Aris. Sie kocht, sie essen gemeinsam, trinken Wein. Lenken sich ab. Lungern im Wohnzimmer herum, hören auf Youtube Tanzlieder an, und bald singen und tanzen sie mit. Sweet Dreams von Beyonce läuft, She Wolf von Shakira usw. Währenddessen sitzen die Schwester von Aris und Seraps beste Freundin in ihren Büros und harren des Abends. Da wollen sie nämlich auf den Erzeugermarkt. Währenddessen machen sich Aris und Serap auch auf den Weg dorthin. Labern dabei Leute an. Auf dem Markt schwanken sie schon gut gelaunt und singen ihren Freunden Lieder vor. Im nachfolgenden Kneipenbesuch werden sie fast aus derselben herausgeworfen, weil sie laut "Deutschland, Deutschland" singen. Die anderen Gäste, meist mit Migrationshintergrund sind irritiert, sehen doch die beiden gar nicht besonders DEITSCH aus. Serap wird zur Raison gebracht, trinkt nur noch Cola und geht früh nach Hause. Aris hängt sich mittlerweile an Lars, der gar nichts dafür kann. Er kommt ihm sehr nahe und lacht über sich selbst, sagt zu Lars: "Jetzt wird es aber unangenehm für dich, oder?" Selbstsicher antwortet der heterosexuelle Lars: "Ich bin Polizist, ich weiß mich zu wehren!" Aris ruft Julian an, fragt ihn, ob er noch zur Carrera Club Party mit ihm gehen möchte. Zuerst treffen sie sich bei Julian, trinken ein oder zwei Bier, laufen dann zusammen zur Party. Dort laufen sie Aris´ Ex-Freund Jens in die Arme. Der 32jährige Jens vermutet in dem 20jährigen Julian seinen Nachfolger und ist sehr sauer. Als Aris Jens seinen Kumpel vorstellen möchte, wendet sich Jens ab. Die Folge endet mit dem bösen Satz von Jens an dessen Begleitung: "Boah, der Arsch hat ein kleines dummes Flittchen. Ich mach´ die beide platt!"

Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.
Es wird viel passier'n
nichts bleibt mehr gleich.
Nichts bleibt beim Alten
wie gehabt.

Freitag, Teil 2:
Julian und der 33jährige Aris tanzen miteinander, lachen, freuen sich über die Musik und ihre gute Laune. Währenddessen sieht man Serap im Bett schlummern, die anderen Freunde tanzen auf einer anderen Party. Jens hingegen steht in einer Ecke und diskutiert mit seinem Bekannten, wie er seinen Ex-Freund am besten töten könnte. Als nächstes sieht man wie Julian aus der Disco verschwindet. Jens bewegt sich in Richtung Aris, bleibt aber plötzlich stehen, weil er etwas sieht: ein wunderschöner Junge nähert sich seinem Ex-Freund. Sofort bemerkt Jens, dass Aris Feuer gefangen hat, seine Augen strahlen, wie es sie bei ihm nie taten. Diese Erkenntnis schmerzt ihn sehr. Er rennt davon, rennt, rennt auf die Toilette nach oben und übergibt sich dort. Währenddessen flirtet Aris unversehens mit dem Jungen. Der Bekannte von Jens legt ihm ein kaltes Tuch in den Nacken. Danach wäscht sich Jens das Gesicht. Sie laufen wieder gemeinsam hinunter zur Tanzfläche, auf der sich Aris und der Junge küssen. Jens möchte weinen. Er sagt zu seinem Begleiter: "Wieso macht er das, diese Nutte? Dieses Riesen-Arschloch, dieser..." Die beiden Küssenden spüren die Blicke auf sich, beenden kurz die Liebkosung. Aris flüstert dem Jungen, der Fabian heißt, zu: "Das ist mein Ex-Freund, der uns so beobachtet...." Es stört den wunderschönen Jungen nicht, er küsst ihn erstrecht. Jens haut auf die Säule neben sich, tut sich an der Hand weh. Fabian zieht Aris mit nach oben, dabei kommen sie an Jens vorbei, der seinem Ex zuzischelt: "Hol deine Sachen bald bei mir ab, ich will NIE WIEDER etwas mit dir zu tun haben, du Miststück." Die beiden laufen die Treppe hoch, setzen sich an einen Tisch. Aris sagt: "Hey, sehen wir uns wieder?" - "Ich weiß nicht", erwidert Fabian, "ich weiß es wirklich nicht!" Aris schaut ihn an, fragt dann: Bist du vergeben?" Und Fabian zeigt zwei Finger. "Also, seit zwei Jahren" deutet es Aris. "Ja", antwortet der Junge, "und ich habe ihn sehr gerne." Die Folge endet mit dem enttäuschten Gesicht Aris´.

Dienstag, 12. Januar 2010

Der Zwang

„Du kennst mich genau – also, was glaubst du, was die Antwort auf deine Frage ist?!“ – „Ja. Ich hätte nicht fragen brauchen; ich hätte es schon längst wissen müssen.“ – „Du wusstest es, schließlich hast du mich ja selbst drauf gebracht. Nur hast du es trotzdem geschickt verdrängt.“ – „Ja?“ – „Ja, sicher!“ – „Und wie ist es denn so? Kannst du es mir erklären?“ – „Es ist schwierig. Mir fehlen die Worte. Was soll man denn sagen. Das Gefühl ist zu unbestimmbar. Weißt du, es ist – ja, wie soll man sagen, es ist wirklich so ein unbestimmbares, unbenennbares, diffuses Gefühl. Dafür gibt es keine Worte.“ – „In der Tat: Gefühle kann man sehr schlecht beschreiben, aber versuche es bitte!“ – „Ich muss es tun. Ich –
Es ist Entspannung. Wenn auch nur für kurze Zeit. Halt! Das war zu voreilig. Da ist etwas, das mich zwingt. Es sagt: Du musst es tun, weil… Ich tue es, genauso wie es mir diktiert wird. Wenn ich es nicht tue, bin ich wie gelähmt, ich kann an nichts anderes denken. Immer nur das! Bis ich das von mir Verlangte endlich mache. Und wenn ich diese – na, wie kann man es nennen – Aufgabe bewältige, dann gibt es eine kurze Entspannung. Aber leider nicht für allzu lange Zeit. In schlimmen Phasen nur für Minuten, in guten vielleicht auch Stunden. Dies ist jedoch selten. Fast nie. Dann beginnt es von Neuem.“ – „Ein Ritual.“ – „Nun, ich muss es ja auf eine bestimmte Weise erledigen. Da gibt es keine Kompromisse. Sonst muss ich neu anfangen. Ich muss – sonst gibt es keine Ruhe! Sonst habe ich keine Ruhe.“ – „Wie?“
„Schwer zu sagen. Ein Unwohlsein, Nervosität, manchmal Panik. Hysterie. Ein – etwas furchtbares – Gefühl, ich weiß nicht. Du kannst es nicht verstehen. Niemand kann es verstehen! Man isoliert sich. Niemand darf es bemerken. Panik, dass es doch jemand herauskriegt. Das verstärkt dieses Gefühl. Schlimm: es wird verlangt; gleichzeitig darf es niemand merken – aber man muss es ja tun! Doch wie verbergen? Das ist oft ein großes Problem.“ – „Schämst du dich?“
„Und wie ich das tue! Das würde jeder tun. Das tut auch jeder, der diese inneren Stimmen hört! Jeder. Das kommt noch dazu. Die Scham. Die Angst vor dem Entdecktwerden. Das Gefühl ein Versager und Nichtsnutz zu sein. Alles das spielt in dem Moment da mit hinein. Doch man muss es trotzdem tun. Man tut es. Mit schlechtem Gewissen hinterher. Doch in dem Augenblick gibt es keine andere Möglichkeit!“ – „Und seit wann kennst du das?“ – „Wann kannte ich es nicht?! Immer schon. So weit ich mich zurückerinnern kann. Es war da, mein ganzes Leben bereits. Manchmal schlummerte es, manchmal brach es ganz doll durch. Manchmal war ich so kurz davor durchzudrehen, dass es niemand glauben könnte. Wie oft dachte ich: hey, das muss nun aufhören, sonst – sonst bringst du dich um, damit es endlich, endlich vorbei ist. Du willst nicht mehr, du kannst nicht mehr. Kennst du das?“ – „Ja. Ich kenne das. Leider.“ – „Naja, ob du das wirklich kennen kannst??? Ist ja auch egal!“
„Sind es immer die gleichen Rituale?“ – „Nein, die verändern sich! Immer wieder etwas Neues; und teilweise sind sie so voneinander verschieden, dass man es kaum glauben kann.“ – „Das ist also des Rätsels Lösung! So vieles lässt sich daraus erklären. So viele Momente, in denen ich glaubte, dass du ein Spinner bist, dass das alles nicht sein kann. So viele Momente, in denen ich fassungslos auf dich wartete, ungläubig, irritiert, verwirrt…“ – „Ich weiß! So vieles kann auch ich mir nun viel besser erklären. Weißt du, es ist ja nicht so, dass man sich dessen bewusst ist, was man macht. Zumindest am Anfang. Man merkt es selbst erst viel später. Man weiß bald, dass etwas anders ist. Aber was soll das bedeuten? Und vielleicht – ja, vielleicht hat trotzdem alles seine Richtigkeit – wer weiß?! Man ist noch jung und unerfahren. Die Menschen um dich herum bemerken es oft nicht. Manchmal jahrelang nicht. Erstens, weil der Betroffene es gut verbirgt und zweitens, weil sie nie drauf kommen würden. Wie denn auch?!“ – „Nun, ich…“ – „ Du! –“
Er begann zu lachen. Wie sehr liebte er ihn in diesem Moment. Auch sein Gegenüber lachte nun. Sie schauten sich an, genauso intensiv wie sie es bereits in dem gerade begonnenen Gespräch getan hatten. Doch in diesem Moment auf eine andere Weise: verschmitzt. So wie man sich anschauen kann, wenn man sich sehr gut kennt, sehr lange und in tiefer Verbundenheit. So wie man es tun kann, wenn man gemeinsame Erinnerungen hat, eine gemeinsame Basis.
„Du weißt alles! Irgendwie. Ja, das Irgendwie passt zu dir. Meistens redest du so viel, hast so viele Ideen und Gedanken – und manchmal auch Hirngespinste –, dass man oft sehr viel später erst merkt, dass du das richtige gesagt hast. Du sagst das, was für einen wichtig ist, erst irgendwie, irgendwo mittendrin – und mit genau diesen Worten. Drumherum müllst du einen zu.“ – „Hey!“ – „Es ist so!“ – „Ich bin so schlau! Ich muss viel von mir geben. Du verstehst es nur nicht immer. So ist das – irgendwie!“
Die beiden lachten.

Ein Boot

Ein Boot möchte ich sein, das ziellos vor sich hintreibt,
die Wellen schaukeln es in ruhigen, niedrigen Wogen,
sprechen mit ihm in ihrer eigenen schönen Sprache,
künden ihm damit vom allerhöchsten Gut auf Erden…

Ein Boot möchte ich sein, das einzig von der Sonne
und ihren starken, warmen Strahlen beschienen wird,
die es mit ihrer Zärtlichkeit schmeichelnd liebkosen,
und ihm damit die wichtigste Wahrheit schenken.

Ein Boot möchte ich sein, das davon träumt, eine Welle zu sein,
eine Welle, die mit ihrem Rauschen so vieles zu sagen hat,
die Menschen, Schiffe und Boote überallhin tragen kann,
und ihnen dabei vom größten aller Worte singt: Freiheit.

WDR, nachts, interessant...

Schaue gerade eine Dokumentation an, im WDR, es ist Nacht, es ist deprimierend, es geht um Männer im besten Alter, sie sind gerade 30 geworden, und "haben noch nichts gerissen". Sie werden nicht erwachsen, sie sind kritisch, sie haben zu viele Optionen, sie erwarten, dass der gewünschte Beruf ihnen zufliegt. Sie warten, warten, warten. Nahmen früher Drogen, suchen jetzt ihren Weg, wollen ihre Jugend begraben, erwachsen werden. Erinnern sich an die 68er... Wollen ihre Jugend gar nicht begraben, sondern viel lieber ihre Entscheidungslosigkeit.
Sie sind wie du und ich. Wie meine Kommilitonen, wie mein lieber Freund M., sie sind gescheitert, oder eben auch nicht?! Sie haben andere Werte, wollen nicht im Strom mitschwimmen. Und trotzdem haben sie Ansprüche, würden gerne sorgenfrei, weil es nicht an Geld mangelt, leben. Können es nicht. Weil sie auch noch in ihrem Alter Prüfungen vor sich haben, den Abschluss erst noch schaffen müssen. Doch sie arbeiten ehrenamtlich und begreifen sich doch nicht als politisch. Einfach weil sie auf etwas warten, nicht wissen, wofür sie sich engagieren sollen.
Ich verstehe sie. Erwachsen werden ist schwer. Ein Ziel finden ist schwer, einen Sinn, einen Grund zu leben...

Ein faszinierender Romananfang...

Habe ich heute im Laufe des Tages gelesen... Faszinierendes Thema: Es geht um eine Pseudologin; faszinierende Schreibe! Von Anfang an... finde ich.

Der Grabstein war umgefallen. Über dem Sterbedatum klebte ein gelber Zettel, und auf dem gelben Zettel stand: "Umfallgefahr!" Ich mußte über die Friedhofsverwaltung lachen. Was hieß "Umfallgefahr"? Der Stein war umgefallen. Doch dann las ich: "Unfallgefahr!" Das schien mir noch absurder als "Umfallgefahr!". Was sollte hier für ein Unfall geschehen? Gibt es einen größeren Unfall als den Tod? Ich lachte auch ein bißchen darüber, daß es ausgerechnet der Grabstein meiner Mutter war, der umgefallen war. Ich hatte meine Mutter nicht beerdigt. Ich hatte auch keinen Grabstein aufgestellt. Das war die Krähe. Ich besuchte das Grab meiner Mutter sehr selten. Plötzlich tauchte ein Mann zwischen den Gräbern auf. Hallo, rief ich, sind Sie von der Friedhofsverwaltung? Nein, antwortete der Mann. Schade, ich dachte... Der Mann kam näher und blieb vor mir stehen. Sehe ich so aus? fragte er. Ich musterte ihn von oben bis unten. Ich weiß nicht, sagte ich, heute sehen ja alle anders aus, als man erwartet. Entschuldigen Sie bitte.

Der Mann ist tatsächlich nicht von der Friedhofsverwaltung, doch sie spazieren gemeinsam, kommen sich irgendwie näher...

... Außerdem litt sie (die Mutter) an Pseudologie. Der Mann schaute mich aufmerksam an. Ist das vererbbar? fragte er. Oh. Sie meinen, ich lüge? Wir schwiegen einen Moment. Ich liebe Lügengeschichten, sagte ich. Erzählen Sie weiter, sagte der Mann. Sie wollen mich doch ausspionieren. Was soll's. Meine Mutter mußte immerzu lügen. Es war eine Krankheit. Unheilbar. Über den Tod hinaus. Sie ruft mich an und sagt: Mein Grab ist ungepflegt. Alles Kraut und Rüben. Bitte bring das in Ordnung. Die Wahrheit ist, daß sie mich braucht, um den Grabstein beiseite zu räumen. Sie willAber ich werde einen Teufel tun und ihr dabei behilflich sein. Sie sind streng. Richtig. Wie meine Mutter. Werden Sie ihr nun helfen? Wie bitte? Sie meinen, ob ich ihr aus dem Grab heraushelfe? Nein. Auf keinen Fall. Sie soll da liegen bleiben und endlich Ruhe geben.

Montag, 11. Januar 2010

Shortbus

SHORTBUS heißt der Film des 1963 geborenen Amerikaners John Cameron Mitchell, der im offiziellen Cannes-Programm außerhalb des Wettbewerbs lief. Es ist der Film, über den am ersten Cannes-Wochenende fast alle redeten.

Die Kamera schwebt über ein buntes Comic-Modell von New York in verschiedene Wohnungen; man guckt einem Paar dabei zu, wie es sich in lustigen Verrenkungen durch einen Art Hochleistungs-Kamasutra vögelt; eine Domina quält in einem Appartement mit Blick auf Ground Zero einen reichen jungen Schnösel; und ein junger Schwuler besorgt es sich selbst, indem er sich so lange verbiegt, bis er seinen Penis in den eigenen Mund befördert hat.

So beginnt der Film und man könnte meinen: ui, super, ein Pornofilm, der es in sich hat. Muss man gesehen haben. Aber das muss man aus anderen Gründen. Vordergründig geht es in diesem Film um Sex, aber das Thema ist tatsächlich die Selbstfindung von New Yorker Stadtneurotikern. Sie befinden sich auf einem schwierigen Weg. Und die Lösung für ihre Probleme sehen sie alle im Geschlechtsverkehr. Nehmen wir die Sexualtherapeutin Sofia, die noch nie einen Orgasmus hatte. Oder den ehemaligen Stricher James, der sich umbringen möchte, weil er nichts mehr fühlen kann, und dessen Problem ist, dass er nicht von anderen Männern genommen werden möchte/kann. Oder die ungewöhnliche Domina, die ständig mit einer Polaroid-Kamera Fotos schießt, die, als ihr Freier auf eine Jackson Pollock-Reproduktion onaniert, darüber sinniert, wie das Ejakulat zum restlichen Bild passt, und die als kleines Mädchen missbraucht wurde. Alle treffen sich im Shortbus, einem Etablissement, das von einem schwulen Kunstwesen namens Justin Bond geführt wird, das sehr mütterlich durch dieses polysexuelle Freudenhaus schlawinert. Dort erleben sie sehr aufregende Dinge. Frauen treiben es mit Frauen, Frauen mit Männern, Männer mit Männern, wild durcheinander, in Ekstase. Das Geschlecht ist hier egal. Alles ist erwünscht und alles erlaubt.

Im Feuilleton gab es eine heftige Debatte um diesen Film: ist das ein Pornofilm, der dafür gedreht wurde, um auch in Programmkinos mit einem bestimmten intellektuellen Anspruch laufen zu können? Quasi eine Mischung von einem Falcon Film und einer Arthouse Produktion? Ist er Kunst? Ist er Kitsch? Ist er überhaupt ernst gemeint?

Nein, wie bereits angedeutet, er ist kein Pornofilm. Denn… seit wann lacht man in einem Pornofilm über Sexszenen? Mancher wird jetzt sagen: na ja, unfreiwillig komisch ist so mancher Porno. Ja, aber dieser Film ist meines Erachtens sehr freiwillig und bedacht komisch. Gut, so ein paar Zoten und Querverweise auf frühere erotische Filme sind zu finden, man denke nur an das Ei, das in die Vagina gesteckt wird, das schon im Reich der Sinne von Oshima vorkommt, und nun zu neuen Ehren kommt. Aber wer hat schon gesehen und gehört, wie beim Rimming die amerikanische Hymne ins A….loch gesungen wurde? Überhaupt: seit wann darf und soll über Sex gelacht werden?

Was noch kein Kritiker erkannt hat, war folgendes: Im Grunde genommen versucht Mitchell die alten griechischen Tragödien in die neue Zeit zu transportieren und es ist ihm sehr geglückt. Was meine ich damit? Gab es denn nicht immer schon einen antiken Chor, der alles Geschehen kommentierte? Das passiert hier über gnadenlos gute Musiker, oft mit Country-Music-Touch, manchmal sehr Indie. Richtig gute Bands wie Yo la Tengo, die sich auch hauptsächlich für die Musik verantwortlich zeichnen, aber auch die Hidden Cameras und andere Größen der Subkultur. Besonders anrührend war, als Jay Brannan, der sowieso mit seiner Schönheit und mit seinem Lächeln in diesem Film brillierte, Lieder von sich gab. Wenn irgendwo ein Konzert von ihm ist, geht hin. Er ist der amerikanische Patrick Nuo, nur dass er auch gute Musik macht und nicht nur gut aussieht. Zum antiken Drama gehört auch ein Erzähler, der plötzlich in das Geschehen eingreifen kann: so macht dies der Stalker von James und rettet diesen, bevor er sich selbst umbringen kann.

Die Schauspieler sind Laien und durften ihre Charaktere in Workshops mitkreieren. Das ist erfrischend. Genauso wie die Art, wie mit Sex und dem Zeigen von Körperteilen und von Sexualverkehr umgegangen wird. Natürlich hat der Film auch deswegen in Amerika für Schlagzeilen gesorgt.

Kritiker werfen dem Film vor, zu platt zu sein. Nein, der Film möchte vielleicht gar nicht so intellektuell sein. Er möchte zwar eine tiefere Ebene erzeugen, doch vergisst er nicht, dass wir alle nur Menschen sind, und dass egal, wie intelligent und gebildet wir sind, wir doch Selbsttäuschungen unterliegen.

Der Film macht Spaß, weil er komisch und unkonventionell ist. Er zeigt Dinge, die unter der Oberfläche liegen, Dinge, die wir uns häufig nicht trauen, einzugestehen. Er inspiriert auch dazu neue Dinge auszuprobieren. Er lässt keinen Platz für Klischees und wenn, dann wendet er sie geschickt um, so dass man hinterher nicht mehr merkt, dass da eines war.

Sonntag, 10. Januar 2010

Der kranke Esel

„Bist du immer noch krank?“ fragte ich meinen lieben Freund Mustafa.
„Ja, wirklich schlimm. Es geht nicht vorbei. Das liegt nur an diesem Scheiß-Wetter“, sagte er und nieste.
„Kennt deine Mutter keine tollen Hausmittel, die dich von dieser Grippe erlösen?“
„Hör mir damit auf. Meine Großmutter hat mir so ein seltsames Gebräu aus der Türkei geschickt. Ich will gar nicht wissen, was das genau ist. Es sieht so widerlich aus, dass ich niemals nur in die Nähe davon kommen werde.“
„Ach, ist das die Oma, die glaubt, dass der Fernseher ein Teufelswerk ist?“
Er stöhnte.
„Ja, genau die. Sie versucht mich übrigens nicht nur mit Hilfe dieser ´Arznei´ zu heilen, sondern wendet ihre telepathischen Fähigkeiten an.“
„Haha, sagt sie also. Und? Wirkt es?“
„Selbstverständlich. Das Fieber ist um 0,05 zurückgegangen. Pah.“

Ich ging ins Wohnzimmer, in dem meine Mutter saß und in ihrem Buch der Wunder las. Das war ein Buch über das griechische „Lourdes“, dort wurden bereits viele Menschen gerettet, die glaubten und das Wasser aus den dortigen Quellen tranken bzw. sich damit wuschen. Ich erzählte ihr von dem Telefonat. Sie sang: Muuuuustaaaaaafaaaaaa. So wie sie das immer tat, wenn ich den Namen meines besten Freundes in den Mund nahm. Es war ihr Lieblingsname. Sie amüsierte sich über das Erzählte, sagte:
„Junge, ihr glaubt alle zu wenig. Deswegen gibt es Krankheit, Leid und Krieg auf der Welt.“
Nein, nicht schon wieder diese unnütze Diskussion, dachte ich mir, also antwortete ich ihr nicht. Sie legte ihre Lektüre weg, machte ein nachdenkliches Gesicht.

Ein Dorf im griechischen Nordwesten, in Epirus. Es liegt im Gebirge, eine öde Landschaft, hier gibt es vor allem Schafe und ein paar Obstplantagen. Das kleine Dorf nennt sich Eleftherohori, „freies Dorf“ übersetzt. Der alte Jannis besitzt ein Grundstück, das an das der Kirche im Dorf angrenzt. Er pflanzt Tomaten und Bohnen an. Eines Tages überlegt er sich, auf dem Feld stehend: Mensch, wenn ich diesen Steinzaun in Richtung der Kirche verschiebe, tut das doch keinem weh, und ich kann noch ein paar Bohnen mehr anbauen. So verschob er die Steine und setzte seinen Plan in die Tat um.

Sie rief mich zu sich ins Wohnzimmer.
„Ich muss mit dir reden“, sagte sie ernst.
„Was ist denn?“
„Ich glaube, ich werde an Ostern nach Griechenland fliegen. Ich werde meine Schwester besuchen und einen Besuch am heiligen Ort machen. Ich bringe geweihtes Wasser mit. Dann wirst du nie wieder krank!“
Sie sah jetzt ein wenig entspannt aus, als ob ihr ein Stein vom Herzen gefallen wäre, nachdem sie mir das gesagt hatte.
„Das werde ich sowieso nicht mehr! Es ist schon bereits zwei Jahre her. Du brauchst keine Angst zu haben.“
„Habe ich aber noch. Immer wenn ich spüre, dass du Schmerzen hast, sorge ich mich. Ich möchte Sicherheit, möchte etwas tun.“
„Das mit den Schmerzen wird das ganze Leben bleiben. Damit musst du dich abfinden. Ich tue es ja auch. Und für mich ist das alles schwieriger.“
Jetzt weinte sie, so wie sie es oft tat. Sie hatte keine Kraft mehr, sie hatte nur noch Schmerzen und Trauer in sich. Und diese brach ständig aus. Ich konnte sie nicht trösten, ich lief aus dem Zimmer.

Jannis schaute nach seinen Schafen und nach seinem Esel, den er dringend benötigte, wenn er in die große Stadt kommen wollte, Automobile gab es nicht, und auch die Busfahrt war zu teuer. Er bemerkte, dass dieses störrische Tier nichts fraß. Er machte sich Sorgen. Am nächsten Tag das gleiche Bild. Der Esel schien krank zu sein. Was hatte er nur? Der Veterinär kam nur einmal im Monat in das Dorf. Was sollte er nur machen? Er ging in die Kirche und betete um das Heil seines Tieres.
Er gab ihm das verschiedenste Futter, doch es half nichts. Der Esel wurde immer schwächer. Jannis hatte sich schon damit abgefunden, das er bald auf dieses Nutztier verzichten müsste.
Eines Nachts träumte er vom Heiligen Aï Jorgo. Der sprach mit ihm:
„Du weißt, dass du etwas Verwerfliches getan hast. Wenn du das wieder gut machst, dann wird ein Wunsch in Erfüllung gehen.“
Dann verschwand die Erscheinung wieder.
Jannis überlegte. Was könnte dieser Traum bedeuten? Dann ging er auf das Feld. Er verschob den Zaun wieder. Er ging in den Stall, setzte sich neben den Esel und wartete. Er konnte es kaum glauben. Das Vieh fraß wieder.

Sie stand an der Spüle und wusch Salat. Ich schaute sie an.
„Was ist, Kiriako?“
„Weißt du was? Mein Glaube ist anders als deiner. Ich glaube an mich. Glaube daran, dass ich es selbst in der Hand habe. Ich glaube, dass ich stark genug bin, mich gegen das Unglück zu stellen, es zu vermeiden, wenn ich dagegen gerüstet bin.“
Sie schnitt sich in den Finger.
„Aïïïïïïïïïïï, so hat Gott dich bestraft, dass du so ungläubig bist.“
Das Blut floss, sie beobachtete es zähneknirschend.
„Wieso? Ich blute nicht!“

Freitag, 8. Januar 2010

Die Lösung des Problems! :-)


Danke an Lateraldenker aus dem Twitter für diese Antwort!!!

Johannes der Täufer: Gedenktag der Übertragung der Hand nach Konstantinopel
Gedenktag orthodox: 7. Januar
Überführung nach Gatchina: 12. Oktober

Die Überlieferung berichtet, dass am Tag nach dem Epiphanias-Fest die Hand nach Konstantinopel gebracht wurde. Lukas ging demnach nach Sebaste - das heutige Sivas, wo das Grab von Johannes war. Er erhielt dessen rechte Hand und brachte sie in seine Heimat, nach Antiochia - das heuigte Antakya, wo sie viele Wunder wirkte. So war es in Antiochia Brauch, einem Drachen alljährlich ein Menschenopfer dazubringen; als die Wahl auf die Tochter eines Christen fiel, griff der Vater zu einer List: angeblich wollte er die Hand von Johannes verehren, tatsächlich biss er heimlich deren Daumen ab; als der Tag des Menschenopfers kam, ging der Mann mit seiner Tochter dem Drachen entgegen, öffnete vor diesem seinen Mund - und als der Drache Johannes' Daumen sah, fiel er tot um. Das Volk baute aus Dankbarkeit eine große Kirche.

Am Fest der Kreuzerhöhung wurde die Hand des Johannes als Ernteweissagung benutzt: spreizte sie die Finger, war eine reiche Ernte zu erwarten.

Am 12. Oktober 1799 wurde die Hand von Malta nach Gatchina gebracht, um sie vor den französischen Besatzern zu retten, dann nach St. Petersburg überführt. Heute wird die rechte Hand auch in Vladikavkaz in Russland und im Kloster Dionisiou auf dem Athos verehrt.

Quelle:
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johannes_der_Taeufer-Hand.htm

Johannes der Täufer

Also auf der griechischen Wikipedia-Seite steht tatsächlich, dass Johannes der Täufer (oder Johannes Prodromos), ich bin also wieder am Anfangspunkt und akzeptiere es einfach, dass die Katholiken meinen Namenspatron erst am 24.6. feiern. Wenn ihr etwas anderes herausfindet, sagt Bescheid!

Namenstag

Ich habe ja am 7.1. Namenstag, ja, ich weiß, es ist irgendwie albern, wenn man in Deutschland lebt, und dann auch noch im nach den ostdeutschen Bundesländern unchristlichsten Bundesland (trotz oder gerade WEGEN KOCH) lebt, aber meine griechischen Eltern, ihr wisst, auf jeden Fall, ja, ich weiß, wann ich meinen Namenstag habe, auch wenn ich eher den Geburtstag feiere. Aber auch das nicht so wirklich, weil ich immer schlechte Laune kriege, wenn ich Geburtstag habe, und deswegen sagen die Leute, vergiss lieber den Geburtstag, vielleicht sage ich es auch selbst, ja, ist sogar wahrscheinlicher. Aber einen Namenstag habe ich, und lange dachte ich, es wäre der Namenstag des Johannes, des Täufers, was irgendwie cool wäre, aber da er am 24.6. seinen Namenstag hat, kann das nicht sein, und jemand anders muss mein Namensgeber sein, aber wer kann das sein, der am 7.1. hat? Was sagt mir das Internet? 7.1. Johann - eine österreichische Seite (gut, denn ich mag die Österreicher); Auch bei den Schweizern gilt der 7.1. für Johann... Hier allerdings http://www.der-griechenland-katalog.de/feste.htm finde ich tatsächlich auch den 7.1. als meinen Namenstag: Jannis. Aber wer ist der Namenspatron??? Wer kann mir diese Frage beantworten? Freu mich über eure Antworten.

Ein Feedback - die Antwort des ABK auf den Post

Ihr könnt euch noch an den Post erinnern, den ich dem Alternativen Block Kehl ausgedruckt und geschickt habe. Sehr rasch kam daraufhin eine Antwort:
"Lieber Schmerzwach, wie du dich in deinem so genannten Blog nennst! Vielen Dank für das Ausdrucken deines Posts. Er hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es versteht sich von selbst, dass wir die Ironie deiner Worte häufig mitkriegen. Natürlich kennen wir das auch schon von den Gesprächen mit dir. Ja, es ist wahr, wir nutzen die Macht des Internets nicht aus. Das Gute ist, dass wir deswegen auch nicht die Gegenteile erfahren. Aber genauso wenig diese ganzen Vorteile, die von den Rechten schamlos genutzt werden. Immer schon wurden neue Mittel als erstes von diesen feigen Opportunisten missbraucht. Das ist so, wird immer so bleiben! Wir sehen uns als eine ganze andere Generation von Weltverbesserern, wir sind eher in der Tradition der Boheme oder der russischen Intelligenzija der Vergangenheit zu verorten. Es ist antiquiert und der weitaus schwierigere Weg, lieber Schmerzwach, oft haben wir deswegen schon gestritten. Du glaubst an das Internet, an die neuen Medien, an die neue Form, Leute für sich und seine Ideen zu gewinnen. Wir möchten aber so gerne weiter bei mehreren Flaschen Wein unsere Köpfe in langen Diskussionen zermartern und rauchen lassen. Wir glauben weiterhin an die Macht des Wortes, des Überzeugens von Einzelnen, die dann langsam langsam zu einer Mehrheit werden. Aber nicht, weil sie von zwielichtigen Gestalten überredet werden, sich gezwungen fühlen, ihnen zu folgen, weil sie sonst nichts haben im Leben! Nein, WIR wollen Menschen hinter uns bringen, die nicht wie Lämmer sind, sondern eine eigene Meinung haben, die denken können, kritisch sind, sich nicht alles vormachen, sich nicht manipulieren lassen. Der Alternative Block Kehl nimmt in Kauf, noch lange Zeit eine sehr kleine Vereinigung zu sein, aber wir bleiben immer aufrecht und wacker. Denn wir wollen keine Instrumente der Machthabenden einsetzen, wir wollen keine Manipulation betreiben. Wir stehen für neue Ideen, die wir im alten Gewand präsentieren. Das ist nichts Schlechtes. Es hat genauso seine Berechtigung wie alles andere, was du so treibst, lieber Schmerzwach. Und wahrscheinlich sind wir nicht so sehr gläsern wie du, um Gottes willen, wir wollen das nicht kritisieren, jedem das Seine, aber nicht für uns. Und wahrscheinlich sind wir etwas authentischer als du, aber zugegeben in der virtuellen Welt möchtest du ja gar nicht authentisch sein, sondern bestimmte (verschiedene!) Rollen spielen. In der Realität bist du genauso authentisch wie wir. Daher mögen und schätzen wir dich so sehr. Du bist nur ein assoziiertes Mitglied (so heißt es doch bei der EU) des Alternativen Blocks Kehl, aber deswegen nicht weniger wert als wir. Wir danken dir für deine kreativen Eingaben und Gedanken und wünschen dir natürlich noch viele wertvolle Gedanken, die aus deinem Blog hervorgehen..."

Dienstag, 5. Januar 2010

Das Twitter-Schreibprojekt

Ich twittere ja. Sicherlich habe ich es bereits erwähnt. Ja, ich weiß, ich bin ja gerne einmal redselig. Und gläsern sowieso. Und neugierig. Ja, neugierig bin ich vor allem. Neuen Medien gegenüber, neuen Erlebnissen, neuen Möglichkeiten, Spaß zu haben, und auch neue Leute interessieren mich. Das alles führt ständig dazu, in lustige/abenteuerliche/spannende Situationen zu kommen. Daher finde ich es gut. Na, manchmal wird es fatal, vielleicht manchmal auch gefährlich. Aber ich lebe noch. Ach ja, jetzt rede ich wieder um den heißen Brei herum und komme nicht zum Punkt, wird ein bestimmter Freund wieder sagen, dessen Name, und nicht einmal seinen Anfangsbuchstaben ich nennen möchte.
Also, als ich Sonntag twitterte, und mich übrigens gerade wieder einmal fragte, wie man zu mehr Followern kommt, aber nicht für das Selbstbewusstsein, dafür habe ich ja das Facebook ;-) (auch das geht an die Adresse des nicht näher Genannten) - also da wurde ich, wie aus heiterem Himmel gefragt, ob ich nicht an einem Schreibprojekt teilnehmen wolle. Zunächst habe ich es gar nicht verstanden, was ich tun soll. Dann wurde es mir klarer. Naja, ihr wisst ja, wie das kommt. Manchmal reicht ein zweites Lesen und dann pointiert nachzufragen. Logik ist eben nicht jedermanns Sache. Meine auf jeden Fall nicht. Oder sagen wir es so: Ich habe eine andere. Die Show sollte so laufen: Wir haben einen gemeinsamen Startpunkt um 20.30 Uhr. Dann formulieren wir über Twitter Ziele für die nächsten 60 Minuten. Nach Verstreichen dieser Zeit müssen wir über Twitter berichten, wie weit man mit seinem Ziel ist. Jeweils zwischendurch kann man natürlich auch seine Hindernisse benennen, seine Blockaden. Oder was man dagegen tut. Natürlich genauso sich anspornen. Und das eben so lange wir Teilnehmer Lust und Kraft dazu verspüren.
Was soll ich sagen? Es ist interessant, es ist spannend. Welche Hindernisse andere beim Schreiben auch. Natürlich die Üblichen. Was die anderen schreiben. Natürlich nichts Unvorgesehenes. Welchen Blödsinn sie zwischendurch schreiben, um nicht an ihrem Projekt weiterzuarbeiten. Und... wie diszipliniert ich mich plötzlich zeige. Ich habe ein Kapitel geschrieben. Und genau das hatte ich mir für den Abend vorgenommen. Juchhu! Wo habe ich nur diese Kraft her! Ich bin stolz auf mich! Ja, so sollte ich das immer machen! Und wieso mache ich es nicht?
Jetzt muss ich mich aber erst einmal ins Bett legen, ein bisschen Fernsehen und gemütlich und zufrieden einschlafen. Jawoll!

Montag, 4. Januar 2010

Die liebe Liebe...


LiebesPanama


Ich sehe dich
Sehr selten
Fühle dich
Aber öfter
Denke an dich
Wir könnten uns doch
Unser Panama erschaffen
Panama erträumen
Du auf deine Weise
und ich auf meine
wir wären glücklich-
vereint.

Verrat?

Du möchtest ein Glas in deiner Hand zerdrücken,
Ich nehme es dir weg.
Du möchtest vor einen fahrenden Zug springen,
Ich halte dich fest.
Du möchtest in die große, leere Tiefe fallen,
Ich fange dich auf...
Du nennst es Verrat,
Ich nenne es Liebe...

Liebe Kunst

Kunst ist eine Qual,
Sagst du,
Kunst, das sind Schmerzen,
Ist Leid, Trauer, Depression,
Sagst du,
Kunst ist ein weißes Papier,
Eine leere Leinwand,
Sagst du,
Kunst ist, diese Qualen durchzustehen.

Liebe ist eine Qual,
Sage ich,
Liebe, das sind Schmerzen,
Ist Leid, Trauer, Depression,
Sage ich,
Liebe ist ein weißes Papier,
Eine leere Leinwand,
Sage ich,
Liebe ist, diese Qualen durchzustehen-
Mit dir!