Freitag, 30. April 2010

Die Merkwürdigkeiten hören nicht auf...

Als ich auf der Krebsstation von Pfaundler in der Uni-Kinderklinik Patient war - ja, lange ist es her und gerade auch nicht weiter wichtig - schaffte ich etwas noch nie Dagewesenes: Als einziger Patient ever wurde ich zum Gegenstand der Diskussion einer Gesamt-Pfleger/-innen-Sitzung, denn in der Regel besprach man sich über grundlegende Dinge, nicht über Klienten, die ja bekanntlich nur auf einer Station bekannt sind, doch mein grenzenloser Expansionsdrang (;-)), das damals ein aufblühendes Pflänzchen war, und meine Networking-Talente griffen damals schon. Zunächst begann es damit, dass ich die Krankenpflegerinnen auf der Neurologie unterstützte, weil ich mich um einen besonders schwierigen Patienten kümmerte: Stefan, gerade einmal 6 Jahre alt, er hatte mich auf meinem Weg zur Eingangstür erwischt und mit Wasserbomben klatschnass gespritzt. Ich wäre nicht ich, auch damals nicht, wenn ich das nicht positiv bewertet hätte, und so war ich zwei Wochen lang seine Bezugsperson. Doch nicht nur das, irgendwann begann ich unsere Lebensmittel-Listen auf der Station auszufüllen und begann einen Tauschhandel mit Produkten, die bei uns zuhauf zu finden waren, aber auf anderen Stationen Mangelware, im Gegenzug mussten meine Freunde niemals auf etwas verzichten, weil ich sogar um elf Uhr abends noch schnell das eine oder andere zugeschoben bekam. Habe ich schon erzählt, dass ich auch regelmäßig den Newsletter von der Frauenschule beziehe? Na, ich denke, dass die denken, ich sei eine Frau, weil sie meinen Namen anders aussprechen. Heute jedoch passierte mir was noch Lustigeres: Tatsächlich war ich der einzige Mann auf einer Fachkonferenz, der einzige Mann unter 70 Frauen, okay, es war eine Veranstaltung namens "Frauen in Frankfurt - von der Gastarbeiterin zur gesellschaftlichen Akteurin", aber so ein bisschen mehr Interesse von Männern wäre wünschenswert. Ich bin ja gegen dieses Segregieren der Geschlechter, aber wer hört schon auf mich? Die Welt wäre viel besser... Okay, das war ja jetzt nicht so ernst gemeint, ich habe eh schon genug angegeben. Aber im Ernst: wieso ist das im Jahr 2010 noch alles so schwierig? Wir sind alles Menschen, Frau oder Mann, weiß oder schwarz, Migrant oder Einheimischer, christlich oder atheistisch oder muslimisch, klein oder groß, oder irgendetwas dazwischen.

Tanz in den Mai?

Gestern haben wir uns mal wieder am Telefon unterhalten, gerne tut das der Vorstand des ABK ja nicht, aber weil er sich lieber im beschaulichen Kehl tummelt und Großstädte nur zu Demonstrationen und anderen Aktionen betritt, bleibt ihm ja nichts anderes übrig. Auf dem Weg nach Biblis oder von Biblis zurück hat er es schließlich nicht an Frankfurt vorbei geschaut, so also jetzt am Telefon, bevor wir uns am Messdi, dem Volksfest in Kehl, das um Christi Himmelfahrt oder kommerziell ausgedrückt: um den Vatertag herum gefeiert wird, uns wiedersehen. Ja, da fängt es schon an: Die Kehler haben eine clevere Methode gefunden, den Vatertag noch mehr auszuweiten, und zwar über vier Tage. Und damit machen sie viele viele Gewinne, denn am Messdi wird sogar noch mehr Geld versoffen als an Karneval, aber vor allem verfressen und sinnloses Nippes gekauft. Aber gut, es geht nun ja erst um den "Tanz in den Mai", worüber er sich aufregte. Was soll das denn sein? fragt er mich verwirrt. Tanz in den Mai, muss das denn sein? Was ist das wieder für eine Erfindung der Wirtschaft, posaunt er heraus, genauso wie der dämliche Valentinstag oder Halloween. Damit wir ausgehen, für eine Eintrittskarte 15 Euro zahlen, uns vollsaufen und damit das Besäufnis auf zwei Tage voll am Stück ausweiten, denn schließlich fahren die meisten Menschen am 1. Mai Fahrrad oder wandern, aber nicht ohne Kästen Bier mit dabei zu haben, oder sich irgendwo niederzusetzen und Mai-Bock-Bier zu trinken. Oder stundenlang zu grillen und dabei zu saufen. Was ein Unsinn! zetert er, natürlich kann man saufen, aber man muss seine Kräfte einteilen, denn der 1.Mai ist der wichtige Tag, und damit meine er nicht das Saufen, das ist nur Nebensache, es gehe darum auf Demonstrationen zu gehen, Aktionen zu starten, es ist der Tag der Arbeit, und es gebe so viele Dinge gerade an diesem Tag, gegen die man ankämpfen müsste. Das ist ein wirklicher Feiertag, ein Aktionstag, nicht kommerziell, sondern ideell, und nicht so ein Kokolores wie der Tanz in den Mai, was ist das schon?! brüllt er mich erneut am Telefon an, als könne ausgerechnet ich etwas dafür. Tanz in den Mai! Pah! Morgen ist der wichtige Tag! Und da wird ganz viel Revoluzzer-Aktion gemacht!

Kindergeburtstag

Ein guter Wein vom Moselgrund hält Leib und Seele gesund...

Ohne Mosel und Main wär´ der Rhein gar klein...

Moselblüt´ macht froh Gemüt...

Kulturecke

Bin ich nicht ein geschäftiger Mensch? Doch, ich glaube schon. Zum Beispiel arbeite ich ehrenamtlich beim Radio, habe ich es euch schon erzählt? Ach, wer weiß, ich schreibe hier ja so viel und so oft und so lange, wie könnt ihr euch das alles merken, und wie sollte ich mir das alles merken? Radio, habe ich gesagt, dort mache ich viele verschiedene Sachen, gelegentlich Berichte von Buchmessen und Filmfestivals, manchmal Interviews, manchmal teilweise Redaktion, aber am liebsten schreibe ich Rezensionen. Von denen habt ihr ja auch schon hier welche gesehen. Sie sind meist sehr subjektiv, und vielleicht auch polemisch, manchmal vielleicht auch nicht gerade besonders journalistisch wertvoll geschrieben, aber nun ja, auch das ist gerne einmal Geschmackssache. Doch darum geht es ja nicht gerade, sondern, was ich euch eigentlich sagen möchte, und wie furchtbar ist es nur, dass ich dieses Wort "eigentlich" hier verwende, also, was ich wirklich und eigentlich sagen möchte: Da gibt es eine Seite im Internet, die ist von diesem schwullesbischen Radiomagazin, für das ich arbeite, und eine Rubrik heißt "Kulturecke", zugegeben nicht besonders schön, aber... alle Artikel, die dort eingestellt sind, sind von mir geschriebene Rezensionen (zwei Rubriken: Filme und Bücher). Ich würde mich freuen, wenn ihr dort einen Blick drauf werfen und dabei geflissentlich die nichtsoschöne Aufmachung übersehen würdet.

Donnerstag, 29. April 2010

Echt strange...

Wer diesen Blog regelmäßig liest, kann nun wirklich nicht glauben, ich sei zimperlich, moralisch oder irgendwie frigide, leicht zu erschüttern oder etwa verschlossen gegnüber plumpen Flirts, viel zu sehr überwiegt da dann meine Neugier... Man denke nur an diesen Typen aus Darmstadt, dem ich Zigaretten kaufen sollte in einem der ersten Posts damals im Dezember 2009... Und wer mich kennt, weiß, dass mich die Jugend eines Menschen nicht stört, der schönste Mann der Welt ist schließlich auch ein paar wenige Jahre jünger als ich, das ist geschenkt. Nun jedoch schaffte es ein fünfzehnjähriger Junge mich völlig perplex in den Weiten des WWW zurückzulassen! Und das kam so: Morgens begann es bereits, mein Termin war etwa um elf, so hatte ich noch etwas Zeit nach dem Frühstück mit dem schönsten Mann der Welt, meine Emails und meine Nachrichten auf Facebook zu checken. Eine kam von einem Julian G. G., ist ja auch nicht so wichtig, in seinem Profil konnte ich nicht viel erkennen, denn es war nicht für Fremde freigeschaltet, und mein Freund war er ganz sicher nicht. Er schrieb mir, dass wir einen gemeinsamen Freund haben, was ich allerdings nie validierte, aber okay, ist geschenkt, er eine Tante in Frankfurt habe und sie in drei Wochen besuchen wolle. Nun, interessant, denke ich mir, nein, natürlich denke ich es mir nicht, wieso auch, was interessiert mich das denn? Doch höflich wie ich bin, biete ich ihm an, Ratschläge zu geben, an welche Orte er gehen könne, um in Frankfurt zu chillen, etwas Nettes zu erleben usw. Naja, ich kann mir vorstellen, was in euren Köpfen vorgeht, klar doch, ihr denkt, achgott, du alter Schwerenöter, wolltste dir nen netten Londoner Jungen abgreifen, vermutlich dunkelnblond (ja!), vermutlich blaue Augen (!), sehr hübsch, stylish und einen schlanken Körper noch dazu (alles ja! denn ich konnte zwischendurch als neuer Freund auf Facebook sein Profil anschauen. Aber nein, ihr habt Unrecht, denn der schönste Mann der Welt hat das alles auch und noch viel mehr, seine Augen sind blauer, er hat einen schöneren Körper (naja, DAS weiß ich ja nicht genau, aber wahrscheinlich schon, weil für mich der schönste Mann der Welt auch den schönsten Körper der Welt hat!) und überhaupt: ich bin glücklich! Also, ihr habt definitiv Unrecht, doch das ist ja alles nur nebensächlich, denn jetzt kommt das, was alle vermuten: ja, natürlich, er fragt mich, ob wir auch zusammen abhängen könnten, wenn er nach Frankfurt komme. Zunächst gebe ich keine Antwort, weil ich so richtig auf dem falschen Fuß erwischt wurde, weil einfach meine angeborene Nettigkeit automatisch zu einem: "Natürlich werde ich dir Frankfurt zeigen und viel Zeit mit dir verbringen, du armer Bub" tendiere, so wie ich das auch schon bei Mohamed aus Ägypten, der Gast bei der Musikmesse war und Anschluss suchte, bei dem Israeli, dessen Namen ich vergessen habe, der aber ein Freundesfreund war und aus Tel Aviv, oder auch bei Zeljko, dem Serben aus Wien bereits gemacht habe. Also, kam dieses Ja doch recht schnell von mir. Dann allerdings verschlug es mir die Sprache: dieser kleine Junge, der er in meinen Augen ist, und definitiv auch objektiv ist, fragt mich doch allen Ernstes, ob ich TOP oder BOTTOM sei. Meine Antwort war zugegebenermaßen etwas altsack-mäßig: warum er das frage und ob ihm bewusst sei, dass er fünfzehn sei, ich vierunddreißig und damit sein Vater sein könne... Daraufhin blockte er mich doch tatsächlich. Keine Diskussion mehr, die Freundschaft nach zehn Minuten bereits wieder beendet und ich etwas sehr verblüfft. Mir fehlen die Worte, wenn ich auf diese sexuelle Verwahrlosung heutzutage treffe, das Internet macht es möglich und ich bin Teil dieses globalen Ungetüms, spiele auch mit, aber es gibt Grenzen, es gibt wahrlich Grenzen. Und ein Mensch in meinem Alter, der sich vielem bewusst ist, kann sich reflektierter im Netz bewegen, aber diese Jungs, die wissen doch nicht, was sie da tun. Mit 15 (!) habe ich gerade erst meine Legosteine in den Keller getan, aber doch keine Sexdates mit mehr als doppelt so alten Männern in fremden Ländern ausgemacht. Haben denn diese Menschen heutzutage vor gar nichts mehr Angst? Ein anderer Mann in meinem Alter hätte keine Skrupel gehabt, ihn zu treffen. Vielleicht hätte er auch zu anderem Tun keine Skrupel gehabt. Hat das dieser Junge bedacht in seiner grenzenlosen Naivität (oder war es doch grenzenlose Abgebrühtheit bereits in diesem Alter???)? Ich konnte ihn ja nicht mehr fragen, nachdem er mich geblockt hatte...

Montag, 26. April 2010

Fühle mich merkwürdig...

Nein, es ist kein Alltag, ich vermute auch nicht, dass es jemals alltäglich oder gewöhnlich für mich wird, auch wenn es von außen betrachtet so erscheinen mag. Na gut, vielleicht unternehme ich weniger mit meinen Freunden, gehe weniger aus, um Party zu machen, das kann schon gut sein, aber Kultur genieße ich nach wie vor, also Input bekomme ich daher genug. Nein, Partys sind für mich nicht nur Orte, an denen ich potenzielle Ehemänner kennenlernen kann, auch wenn mir das Flirten schon Spaß bringt, brachte - muss ich jetzt sagen, möchte ich sagen, denn noch schöner als Flirten ist, sich bei einer Party oder im Club an den schönsten Mann der Welt anzulehnen. Na gut, vielleicht stürze ich mich zu sehr in diese Beziehung, ich weiß es nicht, aber ich warte seit Jahren auf genau DAS, was ich gerade habe, dann sollte es doch in Ordnung sein, normal sein, dass ich gaaaaaaaaaaaaaaaanz viel Zeit mit ihm verbringen möchte. Nein, ich bin nicht etwa abhängig von ihm, ich weiß ja selbst, dass ich auch ohne ihn leben könnte, nur wüsste ich, dass ich nur halb so glücklich, halb so entspannt und zufrieden wäre, wenn er nicht mehr an meiner Seite wäre. Na gut, vielleicht setzt ihn das unter Druck, ein wenig vielleicht, aber er hat den gleichen Anspruch, das ist eben Beziehung, zwar alleine zurechtkommen zu können, aber zu zweit glücklicher zu sein, denn ist nicht das der Sinn des Lebens, Liebe zu schenken und Liebe erwidern zu können? Nein, wir kennen uns noch nicht lange, sind noch nicht lange Zeit ein Paar, und doch kann ich sagen, dass ich den Sechser im Lotto gezogen habe, das weiß ich, das spüre ich! Na gut, nichts ist perfekt, aber es geht zurzeit in diese Richtung, ganz eindeutig in diese Richtung und... Nein, es ist nicht früh, so etwas zu äußern!
Seit drei Monaten sehen wir uns täglich und verbringen die Nächte miteinander, an einer Hand lässt sich abzählen, wie oft wir uns nicht gesehen haben, weil ich weg war, woanders in Deutschland etwas zu tun hatte. Daher ist es so merkwürdig, in "Bullerbü" zu sein, ohne ihn, alleine die Nacht geschlafen zu haben, und zwar recht schlecht, und jetzt hier zu sitzen, auf die anderen zu warten, ohne den schönsten Mann der Welt, der nach nur einem Besuch bereits zur Familie gehört. Ich fühle mich merkwürdig, so alleine ohne ihn, obwohl ich, ja doch, Mann, auch ohne ihn leben könnte, das weiß ich, aber ich möchte es nicht, warum auch, mit dem schönsten Mann der Welt ist es einfach schöner, und es wird niemals alltäglich werden, weil so eine Liebe nicht alltäglich ist, sondern etwas ganz Besonderes, etwas Ungewöhnliches, etwas Wunderschönes, so wunderschön wie der Mann, der zu diesem Gefühl, zu dieser Beziehung gehört!

Im Jahr 2001 ein Aufsatz zum Thema Multikulti

Was ist denn Multikulti? Eine gute, berechtigte Frage. Ist das, wenn ich in einem Abteil im Zug von Frankfurt-Mörfelden nach Frankfurt einen Farbigen, einen Asiaten, einen Kroaten und einen Türken neben mir sitzen habe? Oder wenn ich in einem Seminar in der Pädagogischen Hochschule, „Medien im DaF-Unterricht“, als „deutscher Grieche“ mit einer eingedeutschten Türkin, die trilingual (deutsch, arabisch, türkisch) aufgewachsen, einer Dozentin, die vor 30 Jahren aus den USA nach Deutschland gekommen ist, und einem Ostdeutschen am PC Rätsel löse, die für Dritt- und Viertklässler im Fach Deutsch bestimmt sind? Ist es Multikulti, wenn der „Grieche“ und die „Türkin“ der Dozentin erklären wollen, dass „Wetterfrösche“ existieren und diese das für ein Märchen hält, glaubt, dass man sie hereinlegen möchte? „Nein“, sagte sie, „es gibt keine Frösche, die in Gläsern leben und auf Leitern steigen!“ Ist Multikulti, wenn ein Deutscher abwechselnd bei einem Chinesen, Türken, Mexikaner, Griechen, Italiener und Afrikaner zu Mittag ißt? Ist Multikulti, wenn im Fernsehen deutsch-türkische Kabarettisten Comedy-Sendungen machen dürfen, die nach Shows von Holländern laufen? Und was ist ein „eigenes“ Land? Niemandem kann ein Land gehören, die Ureinwohner der Erde wussten das, die Indianer waren einigermaßen befremdet, als sie herausfanden, dass „die Weißen“ Land kaufen und verkaufen. Was ist für mich „eigenes“ oder „fremdes“ Land? Wo ist mein Zuhause? Ist es Griechenland? Ist es Deutschland? Meine Eltern sind Griechen, oder waren? Kann man nach dreißig Jahren Deutschland behaupten, Grieche zu sein? Ich bin hier geboren. So kann ich unmöglich Grieche sein! Bin ich Deutscher? Ich spreche, schreibe, träume, denke deutsch. Aber mich ohne Zusatz Deutscher zu nennen, bedeutet das nicht, etwas, das in mir drin ist, zu verleugnen? Liegen meine Wurzeln nicht wo anders? Oder muss ich das anders sehen? Die Wurzeln meiner Eltern waren in griechischer Erde verwachsen, ihre Samen trugen sie aber nach Deutschland, und dort liegen ebenso meine Wurzeln, oder etwa nicht? Aber was ist mit dem griechischen Anteil in mir? Was mache ich damit? Was passiert mit mir, wenn ich griechische Lieder höre, wenn ich ein wohliges Gefühl dabei empfinde? Wenn ich mich über den dritten Platz der griechischen Gruppe beim „Grand Prix“ freue? Welche Erfahrungen mache ich in diesem, sagen wir nun „meinem eigenen Land“ Deutschland? Selbst mich als „Ausländer“, der durch das Abitur zum „Inländer“ geworden ist, befremdet es, wenn er einen türkischstämmigen Deutschen, Mitte dreißig, mit Schnauzbart und tiefschwarzen Haaren, perfekt schwäbeln hört. Vielleicht auch deswegen, weil meine Eltern nie gelernt haben, Dialekt zu sprechen. Eines Tages befanden sich meine Mutter, mein Neffe und ich auf dem Balkon, im Hof stand meine Schwägerin, die fragte, ob wir auch am nächsten Tag auf ihr Kind aufpassen könnten, meine Mutter sagte, dass es nicht gehe. Daraufhin meinte die Schwiegertochter: „Ach, gehsch morge bäse?“ Meine Mutter machte ein entsetztes Gesicht, wollte anfangen, mit der Mutter ihres Enkels zu schimpfen, diese reagierte schnell, erklärte, dass „bäse gehe“ bedeute, dass man ausgeht. Die Dörfler in meiner Klasse diskriminierten mich auch deswegen, weil ich ihren Dialekt nicht adaptieren konnte, ich war es nicht gewohnt von zu Hause, fand deren Sprache aber urkomisch. Noch bis heute beherrsche ich nur einzelne Wörter im Allemanischen. Einmal blamierte ich mich, da ich das Wort „Lelles“ nicht kannte. Ich wollte dem auf die Spur kommen, denn es wollte mir niemand erklären, was es heißt. Also fragte ich: „Könnte ich einfach zu einem Jungen gehen und ihm das machen?“ Schallendes Gelächter der „Dorfjugend“. Während ich davon ausging, dass „Lelles“ ein Arschtritt sei, bedeutet dieses Wort in Wirklichkeit „Zungenkuss“. Eines Tages saß ich im Wartezimmer meiner Augenärztin. Von meinem Platz aus sah ich, wie ein afrikanisches Ehepaar, das schon einige Zeit gewartet hatte, auf die Arzthelferin zutrat und fragte, ob es noch kurz Erledigungen in der Stadt machen könne, um später wiederzukehren. Eine völlig legitime Frage, in anderen Praxen- ist das durchaus üblich. Doch da bekam die Arzthelferin einen Wutanfall, den ich gar nicht mehr wiedergeben kann, aber sie beschwerte sich auf jeden Fall darüber, dass dieses Asylantenpack, das sowieso den ganzen Tag Zeit hätte, so unverschämt wäre. Die gleiche Frau, die übrigens meinen Namen noch nach 10 Jahren nicht schreiben kann. Ich machte sie einmal darauf aufmerksam, da sagte sie: „Ich kann halt nicht ausländisch schreiben!“ Ich erwiderte: „Sie müssen meinen Namen ja auch nicht in griechischer Sprache schreiben, es reicht vollkommen in Deutsch!“ Mein Abitur bekam ich in der Grenzstadt Kehl, mein erstes Leistungsfach war Englisch, obwohl ich seit der Grundschule Französisch gelernt hatte. Doch ich gab es auf. Die Konkurrenz war zu groß, zu viele Franzosen und Halbfranzosen hoben das Niveau. Bei der Abitursprüfung passierte etwas Symptomatisches: nach zwanzig Minuten beendeten alle im Kurs die Übersetzung, fragten irritiert nach: „Wo ist der zweite Teil?“ Den gab es nicht, der ganze Kurs, der es gewohnt war, doppelt so lange und mindestens doppelt so schwere Übersetzungen zu bearbeiten, ging lachend und spottend aus der Prüfung...

Sonntag, 25. April 2010

Das Büchlein

Nun, ich habe es ja versprochen, und Versprechen muss man ja halten, das weiß doch jeder. Ich blicke also in mein Büchlein und damit in die Vergangenheit, die mich, wie jeden Menschen, immer wieder einholt. Könnt ihr euch noch an die Posts "Seifenoper" Teil 1 + 2 erinnern? Wisst ihr, wo der Ursprung dafür liegt? Den habe ich entdeckt. Besagter fl0 aus der Geschichte hat in dieses Buch folgendes geschrieben:

vielleicht weißt du gar nicht, wie sehr du mir geholfen hast, damals auf dem dach, als wir feststellen mussten, dass wir eben doch teil einer seifenoper sind, in einer richtig üblen folge, so mit hochzeiten und todesfällen...

Meine Freundin Jema, die orientalische Schönheit mit den blauen Augen (auch siehe Seifenoper-Post) beschreibt unser Kennenlernen, wie ich mich mit breitem Grinsen neben sie setze (siehe Freunde hoch 2-Post
).

Was schreibt denn H., übrigens der Freund, dem ich die Freundschaft kündigte wegen des Büchleins?

...Hin und wieder jedoch hattest du auch schlechte Tage, an welchen du uns alle sehr intensiv teilhaben ließest. Heute weiß ich, ich verstand dich nicht. Ich kannte dich nicht lange genug, um zu erkennen, dass du nicht nur die Diva spielst...

Manche Dinge ändern sich nie, am liebsten würde ich ihm das Büchlein jetzt um die Ohren hauen, weil es doch wieder so ist wie damals, ja, wie frustrierend, und nach wie vor bin ich keine Diva, sondern... ach, vergessen wir es, ich bin eine kleine Künstlerseele, eine Dichterseele, und die haben es schwer im Leben, und die sind so sensibel...

Ich möchte gar nichts mehr weiter schreiben, melancholisch schaue ich mir die letzte Seite an, "stets auf der Jagd nach der Sauce auf dem Big Mac", ja, ein schönes Zitat, Freunde kommen, Freunde gehen, es ist traurig, es ist schön, man kann es nicht ändern, man verliert sich aus den Augen, auch wenn man in dem Moment, in dem man Zeilen in einem Andenken-Büchlein verfasst, etwas anderes denkt. Vielleicht ist dieses Kommen und Gehen von Freunden, von Bekannten, bei mir etwas extremer als bei anderen, ich weiß es nicht...

Dass Freunde wichtiger sind als Partner, weil man Freunde fürs Leben habe, das ist sicherlich ein Allgemeinplatz, der erst in den letzten zwei-drei Jahrzehnten aufgekommen ist, in der Zeit, in der der/die Partner/-in zum/ zur Lebensabschnittsgefährten mutiert ist, früher heiratete Frau Mann (oder umgekehrt ;-)) und blieb bis zum Tode mit ihm/ihr zusammen. Wenn Freundschaften im Weg waren, wurden sie ausgeblendet, so ist es doch. Und jetzt sagen schlaue Leute: Ach, mit dem oder mit der möchte ich nicht zusammen kommen, so als Partner/-in, weil... ach ja, weil mir die Freundschaft wichtiger ist. Verstehe ich nicht. Denn es ist Blödsinn! Ein vorgeschobener Grund. Genauso wie es verpönt ist, die Partnerin oder den Partner eines Freundes "anzugraben". Aber was ist, wenn die "neue Liebe" eine "wahre Liebe" ist und die "zerstörte Liebe" nur eine "Zweckgemeinschaft", eine Beziehung, die man führte, weil gerade nix anderes da war? Nur so als Beispiel unter vielen Möglichkeiten...

Samstag, 24. April 2010

Gestern mit der Post...

... kam ein merkwürdiges Päckchen an, mit einem merkwürdigen Büchlein, das mir sehr bekannt vorkam, mich an ferne Zeiten erinnerte, und mich etwas aus der Bahn warf, naja, zumindest für fünf Minuten, allerdings wären es früher mindestens zwei Tage gewesen, aber da gab es noch nicht den schönsten Mann der Welt in meinem Leben...
Die ersten Seiten sind nicht beschrieben und ich weiß auch ganz genau, woran das liegt, und es hat mich eine Weile vor sehr langer Zeit sehr geärgert. Dafür ist die letzte Seite beschrieben und ich weiß nicht, ob mich diese glücklicher macht.

Klingt alles mysteriös, ist es auch.

In einfachen Worten könnte ich sagen: Es ist ein Buch, in dem Freundinnen und Freunde ihre liebsten Erinnerungen an mich, an unser Kennenlernen, an unsere Freundschaft aufschreiben dürfen, oder gar sollen, wer weiß wer weiß. Derjenige, der mir dieses Büchlein schenken wollte, hat nicht hineingeschrieben, das sind die freien Seiten, er hatte vor, seine Worte erst dann zu platzieren, wenn einige der Herrschaften schon ihre Aufgabe erledigt hätten. Ein großes Chaos dann - obwohl der gute Mensch Monate vorher das Buch herausgegeben hat, weil meine Freunde schreckliche Chaoten sind und schrecklich lahm und überreizt - weil ich zu allem Überfluss die ganze Geschichte mitgekriegt habe, das Prinzip verstand, leider aber falsche Schlussfolgerungen zog.
Es endete zunächst damit, dass ich einem Freund aus Ärger die Freundschaft kündigte, weil ich ihn als den Schluri wähnte, der das Buch fast verschlampt hätte und damit fast verhindert hätte, dass genügend Leute hineinschreiben. Ich war sauer. Und letztendlich fand ich das Buch und diese gute Idee saublöd, ich hasse Geburtstage sowieso, und Überraschungen, und wenn man die ganze Chose gefilmt hätte, dann wäre es der Edina-Geburtstagsfolge von Absolutely Fabulous sehr nahe gekommen, wirklich verdammt nahe. Wobei A. die Rolle von Saffron übernommen hätte, und ich natürlich die von Edina Monsoon, aber das war ja klar, und relativ unvermeidlich.
Der Witz an der Sache ist, dass ich es tatsächlich weiterführen wollte, obwohl es mich schon so viel Stunden Ärger gekostet hatte, wohlweißlich, dass ich einfach Menschen anziehe, die verdammt lahm und unzuverlässig sind, verhaltenskreativ mitunter, und wenn ich nun bedenke, dass der erste Eintrag, der von Blue Eyes J. war und zwar im Januar 2001, und der letzte Eintrag am 16. April 2010, weswegen ich nun dieses Büchlein geschickt bekommen habe, dann wird mir ganz komisch.

Ja, es ist alles merkwürdig. Und erfordert eine Fortsetzung... Morgen dann...

Freitag, 23. April 2010

Lebensfragen

Seit Jahren, nein, seit Jahrzehnten bereits, diskutiere ich mit den Leuten vom ABK, die ja vor der Gründung ihrer Revoluzzer-Gang auch schon meine Freunde waren, über die wichtigen Fragen des Lebens:
Wo komme ich her? Wo möchte ich hin? Wie geht es weiter nach dem Leben auf Erden? Gibt es ein Jenseits? Welchen Sinn macht unser Erdensein überhaupt? Was möchte ich mit meinem Leben anfangen? Soll man Kinder in die Welt setzen? Was bleibt nach dem Tod von uns? Muss man einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, ein Kind aufziehen, ein Buch schreiben? Ist es wirklich notwendig alle Lieder von Britney Spears und Madonna zu kennen? Und sollte man lieber Fan von Patsy oder doch lieber Edina Monsoon verehren? 

Uns ist durchaus klar, dass wir niemals eine befriedigende Antwort darauf finden, ach nein, das wissen wir wirklich, auch wenn wir es meist vertuschen können, und uns schon gar nicht anmaßen können, nur in die "richtige" Richtung zu denken, wenn es überhaupt richtig oder falsch gibt, was wir klar mit NEIN beantworten können. Wenn wir trotzdem entschieden für etwas werben/ gegen bestimmte Dinge polemisieren / bestimmte Dinge als nicht in Ordnung und verdammenswert markieren, dann sind wir uns im Klaren darüber, dass das in "unseren Augen richtig und erstrebenswert erscheint" und dass dies nach unserem "derzeitigen Wissensstand so erscheint". Ja, ja, das wissen wir wohl zu gut, und trotzdem möchten wir regelmäßig Stellung beziehen zu allen Themen, die uns beschäftigen.
Wir möchten auch Stellung beziehen zu diesen Fragen des Lebens. Die Antworten fallen je nach Lebenssituation unterschiedlich aus. Mit 15 zum Beispiel ganz anders als mit 34. Mit 25 waren manche von uns im Endspurt beim Studieren und hatten ganz andere Ansichten als damals noch kurz vor dem Abitur mit 18, als wir uns so schlau und weltgewandt vorkamen. Es ist auch klar, wenn man bedenkt, dass die Beantwortung der Fragen auch von der Tageszeit abhängen kann, morgens vor der Arbeit, wenn ich ganz angepisst bin, dass ich schon wieder arbeiten gehen muss, und mir bewusst wird, dass 9/5 echt nicht meins ist, ist es anders als abends, wenn ich bei einer lustigen Ausstellungseröffnung das dritte Glas Rotwein runterkippe.
Wieso schreibe ich das überhaupt? Vielleicht weil ich samt ABK in einer tiefen Lebenskrise stecke? Vielleicht wegen der Aschewolke aus Island, und ich möchte mal erwähnen, dass alles Schlimme und Anstrengende aus Island stammt, zumindest in den letzten Jahren, neben der Aschewolke bescherten sie uns auch die Weltwirtschaftskrise und nicht zu vergessen BJÖRK. Ich weiß es einfach nicht. Ich saß vorhin in der U-Bahn und fragte mich, wie all die Jahre zuvor, was das alles soll. Das gehört zum Menschsein dazu, sagte meine Philosophie-Lehrerin Frau Barreau, Gotthabsieselig, wobei ich ja nicht weiß, vielleicht lebt sie noch, sie hat ja die Gene von ihrer Tante Leonie, die damals gerade 104 Jahre alt geworden war, und von der sie gerne erzählte. Sich jeden Morgen diese Frage zu stellen: Wieso stehe ich überhaupt auf? Wieso gehe ich in die Schule? Ja, normal, fand sie das. Ich allerdings furchtbar anstrengend. Und ich bin froh, dass ich mittlerweile morgens nicht mehr die Frage stelle, was nichts mit dem schönsten Mann der Welt zu tun hat, denn es ist zwar schön, dass er da liegt, jeden Morgen, aber die Frage, wieso ich zur Arbeit fahre, erübrigt er nicht. Und er hat mich auch noch nicht davon überzeugen können, nein, er hat es noch nicht einmal versucht, dass es ja wegen des Geldes sei... Nein, nein, es ist nicht wegen des Geldes, doch natürlich ist es das, aber das ändert ja nichts, aber im Moment denke ich mir oft, ach, dir würde dieses absurde Theater auf der Arbeit einfach fehlen, es ist zu komisch, und jeden Tag wieder erfrischend heiter. Umso besser, dass ich kaum Existenzängste habe. Und wenn ich mich doof dabei anstelle, ist es vielleicht sogar noch besser für mich. Weniger Arbeit, weil die Leute denken, du kriegst es eh nicht gebacken. Der Sinn der Büroarbeit ist scheinbar sowieso nur, Arbeitsabläufe zu verkomplizieren, um weiterhin Arbeit zu haben. Also, wo wäre da der Sinn zu finden? Es gibt keinen und muss auch keinen geben. Das ist der derzeitige Stand. Aber was ist mit der Liebe? ... Ein ander Mal das ... Ich bin müde... VOM ARBEITEN. Tschö!

Dienstag, 20. April 2010

Die Sprache -2-

Ich verwechsle Sprachen, übersetze falsch, mir passieren interessante Fauxpas. Ich sage im Griechischen: mir schlafen die Füße ein, und ernte Gelächter, in Griechenland heißt es, dass die Füße vermodern. Wie soll man als Kind auch auf so eine morbide Übersetzung kommen. Ich will zum Assenseri gehen, wenn ich einen Aufzug brauche, könnte aber auch Ascenseur sagen, wie meine Nachbarn, oder Lift? Dann möchte ich besonders intelligent und reif erscheinen und sage: „oben ohne“, als ich „open end“ meine, wieder lacht alles, während ich das sage. Es verwirrt mich. Man denkt erneut, ich sei dumm, weil ich zu Missverständnissen neige. Manchmal irren sich aber auch die anderen. Man erklärt mir, wie man mit Wasserfarben malt, doch ich benutze zu viel Wasser, ich liebe Wasser, finde wässrige Farbe faszinierend. Ich höre die Freundin von meiner Schwester sagen: „Erkläre ihm mal, dass er weniger Wasser nehmen soll!“ Ich verstehe es. Will kundtun, dass ich das wisse, aber es anders machen wolle. Ich werde nicht verstanden. Wieder war es aus mir in mehreren Sprachen gesprudelt. Ach, hätte ich da eine Pinzette für meinen Kopf gehabt, dann gäbe es eine weitere Legende um meine Selbstmordversuche. Bestimmt könnte man etwas in meinem Gehirn verbiegen, wegschnipseln, irgend etwas tun, dass das alles vorbei geht. Man kann sich meine Verwirrung kaum ausdenken. Stellen Sie sich vor: Sie stehen in einem fremden Land vor Gericht, sie wollen klarmachen, dass das alles ein Mißverständnis sei, und niemand versteht es, sie versuchen es mit Händen und Füßen, doch keiner scheint Ihnen folgen zu können.
So stehe ich vor meinen armenischen Nachbarn, die „Filim“ sagen, wenn sie Film meinen, will ihnen erzählen, was ich im Urlaub so erlebt habe, sie lachen, aber ich bezweifle, dass sie irgend etwas davon verstanden haben. Meine deutsche Nachbarin unterhält sich mit mir, fragt mich nach Einzelheiten aus „meinem“ Land. Ich sage: die Thalassa ist wunderschehn, so warm und ple. Was? will sie wissen. Ich zeige auf das Wasser in einem Glas, mache Bewegungen, die bedeuten sollen, dass da viel Wasser ist. Dass es sehr schön ist, und blau, ich zeige auf eine blaue Tischdecke.
Meine Mutter spricht manchmal in Codes, vielleicht habe ich diese Sprachhemmung von ihr übernommen. Ich stehe im Wohnzimmer, meine Schwester besprüht im Gang irgendwelche Möbel mit einem Möbelspray. Meine Mutter kommt dazu, sagt ihr: „Mach doch net die Mebel uff die Bodde“. Ich höre verwirrt zu, was sollte das denn?! Ich finde es bald heraus: sie meinte damit, dass meine Schwester das Möbelspray nicht in Richtung Boden sprühen sollte, da sonst der Boden glatt werde und man ausrutschen könne.
Wenn man diese Sprachhemmung ständig hat, so wie ich früher, fühlt man sich als Krüppel. Und wie soll man sich irgendwo daheim fühlen, wenn man in allen Sprachen ein Krüppel ist. Wenn man sich nirgends so recht verständlich machen kann.
Lag es an meiner Sprachbarriere, dass ich begann, an bestimmten Worten Gefallen zu finden? Muss man selbst eine Phase durchmachen, in der man nicht wirklich kommunizieren kann, um die Faszination von Sprache kennenzulernen? Tagelang schwirrten mir solche Begriffe wie „Keks“, „Menetekel“, „beinhalten“, „Marotte“, „Irrfahrt“, „Huld“, „räkeln“, „frönen“, „Trunkenbold“, „Schurke“ ... durch den Kopf, die ich irgendwie witzig oder merkwürdig fand. Ich hielt mich an ungewöhnlichen Plurali auf, wie ist der von Globus, der von Heimat, der von Trauma, der von Codex, der von Schock. Mich beschäftigten Präteritumformen von niesen bis zu schweifen, Adjektive wie verworren, kritzegrün und sonstige Seltsamkeiten. Sprache kann so interessant sein, und man muss nicht Sprachwissenschaften studieren, um das zu entdecken. Es reicht zuzuhören. Und vielleicht selbst einmal die Erfahrung von der eigenen Unzulänglichkeit im Sprechen zu machen. Dann betrachtet man vielleicht die Sprache anders.
Fragt sich, warum es heißt: man kommt vom Regen in die Traufe. Was ist Traufe? Was soll das bedeuten? Mitgehangen, mitgefangen. Eine Zeit lang redete ich in Sprichwörtern, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Und solche Dinge. Aber es geht noch weiter. Diese allgemeinen Floskeln wie: hey, wie geht’s? gut, es muß. Oder: was will man machen? Als ob man nicht immer eine Möglichkeit hätte, frei zu entscheiden! Liegt es an meiner ver-knoteten Zunge von früher, wenn ich auf die Sprache achte? Noch heute stört mich mein ei-genes Unvermögen oft, wenn ich frei reden soll. Mich überkommen die gleichen Probleme, wenn ich mich in Diskussionen einmische, alles verwurstelt sich in meinem Kopf, ich spreche zu schnell für mein Denken. Ich habe es zu eilig, es ist mir zu wichtig, was ich zu sagen habe, ich muss es schnell loswerden. Hinterher fühle ich mich erneut wie der kleine Sechsjährige, der unverstandene, über den man gerne lacht, und ich denke: scheiße, wie soll der mich ernst nehmen, wenn ich mich nicht so ausdrücke, wie ich es könnte; warum kann ich nicht so reden wie ich in meinen Gedanken rede, wenn ich Zeit dafür habe!
Das gleiche Unvermögen begegnet mir, wenn ich Hausarbeiten schreiben muss, wie soll ich das formulieren und wie dies, da es mir selbst ja verständlich ist; aber auch für den anderen? Wird der Leser mich verstehen, wird er wissen, was ich meine? Man ist regelmäßig unzufrie-den, fragt sich, warum man so unfähig, nicht in der Lage ist, sich klar auszudrücken, und dazu muss man kein Möchtegernschriftsteller sein, wie es wahrscheinlich sehr viele Deutsch-Studenten sind. Das Zweifeln an sich selbst, an der Sprachfähigkeit, das macht einen großen Teil der Identitätssuche für ein intelligentes Migrantenkind aus. Sich in einer Sprache wohl-fühlen, ja, sogar noch mehr, sich daheim fühlen. Welche ist meine Heimatsprache? Griechisch? Die Sprache meiner Eltern? Nein, ich glaube nicht. Ist es nicht eher die Sprache, in der ich träume? Diese ist allerdings die Sprache meines Geburtslandes, des Landes, in dem ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin: Deutschland - deutsch.
„Sie sprechen aber gut deutsch.“ Diesen Satz habe ich schon öfter von Deutschen gehört, be-sonders liebe ich ihn von älteren Damen, die - man muss es so sagen -, von überhaupt gar nichts eine Ahnung haben. Da könnte ich genauso gut antworten: „Sie aber auch, Respekt!“ Warum sollte man als „deutscher Ausländer“ schlechter deutsch sprechen, wenn man hier geboren wurde, die deutsche Grundschule, das Gymnasium besuchte und sogar das Abitur hinter sich gebracht hat? Ach, das können diese Menschen ja nicht wissen. Sie hören den aus-ländischen Namen und denken: da haben wir wieder einen! der kann bestimmt nicht gut deutsch, wie denn auch! Sie stellen sich schon darauf ein, mit ihrer Sprache zu diskrimi-nieren, sich über einen anderen Menschen zu erheben. Nur klappt das bei mir nicht. Ich höre die subtilen Diskriminierungen heraus, ich verstehe sie. Ich habe ein Gespür für sie, vielleicht sogar noch mehr als eine emanzipierte Sprachwissenschaftlerin. Man macht mir kein X für ein U vor! Auch so eine witzige, bemerkenswerte Wendung.
Man wird sensibilisiert, wenn man als Migrantenkind in einem fernen Land aufwächst. Man hört sich das verkorkste Deutsch seiner Eltern an, die schon seit dreißig Jahren hier leben, re-gistriert die Reaktionen der Umstehenden, man selbst befasst sich mit der Sprache, hört genau zu, was über „die Migranten“ oder „die Ausländer“ gesagt wird. Man liest die Artikel über diese Gruppe in den Zeitungen aufmerksam, besorgt sich Bücher zu dem Thema.
Schreiben Sie einmal ein Gedicht und Sie werden erkennen, wie sehr wir in der Sprache von Worthülsen umgeben sind. Wenn man poetisch werden, seine Gefühle ausdrücken möchte, neigt man allzu leicht zu Floskeln, positiv könnten es auch Metaphern sein, wenn man zu sol-cher Brillanz in der Lage wäre, doch wer ist das schon. Viele Möchtegerndichter entdecken diese Tücken in der Lyrik gar nicht. Manche denken: Hauptsache es reimt sich. Die anderen denken: Hauptsache es hört sich schwülstig an. Man kann sich vorstellen, was man da zu lesen bekommt. Mein Cousin schrieb Liebesgedichte für seinen Schwarm. Im pubertären Alter von 16. Oh, ich musste beinahe kotzen, als ich sie las. Oh, hoffentlich wird er das niemals lesen. Natürlich sagte ich ihm, dass er da eine löbliche Sache getan habe. Er solle sie doch auf jeden Fall seiner Angebeteten schenken.
Man entdeckt eine neue Fallgrube der Sprache: um einer Person nicht vor den Kopf zu stoßen, muss man entweder die Wahrheit geschickt verschleiern oder gleich ganz - aber trotzdem subtil - lügen. Lüge, Heuchelei, Schmeichelei, Ironie, Zynismus, Sarkasmus und dergleichen sind so nahe beisammen, dass man sehr aufmerksam sein muss, wenn man sie auseinanderhalten will. Eines Tages kam ich mit einem Schild in die Schule. Auf der einen Seite stand IRONIE, auf der anderen Seite WAHRHEIT. (siehe unten – taktisch unklug?) Ein nettes Experiment, das ich bald abbrechen musste, weil ich die Sinnlosigkeit dessen zu deutlich empfand. Wie oft laviert man sich mit Ironie und nicht ernstgemeinter Schmeichelei durch den Tag, um Krisen und Streitigkeiten zu vermeiden, bei der Empfindlichkeit der meisten Menschen kommt man da gar nicht drum herum, so ehrlich und wahrhaftig man sein möchte.
Wenn man Fremdsprachen lernt, entdeckt man erneut die Faszination der Sprache. Verglei-chen Sie einmal Türkisch mit Deutsch. Also, ich kann mich nicht an diese elenden und endlosen Endsilben der türkischen Sprache gewöhnen. Scheinbar viel einfacher als die schwerfällige deutsche Grammatik, erschwert es einem das Sprechen, alle wichtigen Merkmale als En-dungen an die Worte dranzusetzen. Warum ist das in dieser Sprachfamilie so und in unserer nicht? Was einen so alles beschäftigen könnte, wenn man genug Zeit dafür hätte?! Vor allem die komplexe Sprache. Doch gerade um diese machen sich die meisten Menschen zu wenig Gedanken. Dabei ist sie überall gegenwärtig.

Die Sprache -1-

Spät begann ich die Kunst des Sprechens zu erlernen. In meinem Kopf formten sich zwar endlose Reihen von Wörtern, doch als sie aus meinem Mund strömen sollten, blieben sie aus, man vernahm nur ein Gurgeln und Quietschen. Es war, als blieben die Worte in meinen Stimmbändern hängen, könnten ihnen nicht entrinnen. Mir kam es so vor, als wollten sie mich ärgern, als versteckten sie sich dort unter der Haut meines Halses. Doch warum taten sie so etwas? Was hatte ich getan? Warum verkrampfte sich alles in mir drin, wenn ich reden sollte? Eines Tages fühlte ich mich so hilflos, so verzweifelt, dass ich die oberste Schublade unseres Küchenschrankes, die ich erreichen konnte, öffnete und den spitzesten Gegenstand, den ich fand, hervorholte. Es war eine Schere. Ich setzte gerade an, um sie in meinen Hals zu stechen, als ich ein lautes Schreien hörte, das aus der Kehle meiner Mutter entwich. Ich blickte sie erstaunt an, hatte aber durchaus nicht vor, von meinem Tun abzulassen, schließlich erwartete ich dadurch meine „Erlösung“, welche nicht der Tod, sondern das Ende der Sprachlosigkeit sein sollte. Sie stürzte sich auf mich, nahm mir die Schere, das Werkzeug zu meiner Erlösung, weg.
Man ahnt es schon, meine Tat wurde natürlich als Selbstmordversuch gewertet, als besonders bedauerlichen und bemitleidenswerten. Gerade weil ich erst zweieinhalb Jahre alt war. Doch, wie Sie wissen, es war ja keiner. Aber wie sollte man ihn anders nennen? Wie könnte man es ausdrücken? Was sind nun die perfekten Worte für das, was ich damals versuchte? Eine Bemühung, Worte, gut verständliche, für andere sinnvolle Buchstabenfolgen, aus mir herauszubefördern, herausdringen zu lassen. Man sprach wild auf mich ein, ließ mich nicht mehr aus den Augen, oh, man muss ihn beschützen, der könnte sich ja etwas antun, oh, der Ärmste, wie konnte das nur geschehen... Meine Eltern beschützten mich - der als Nesthäkchen, als Ausrutscher meiner Erzeuger geborene, schon genug verwöhnte und viel zu vorsichtig Erzogene -, mehr denn je. Diese übertriebene Vorsicht verseuchte für immer mein Leben, aber dies ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht auch noch von mir geben werde.
Meine Eltern sprachen griechisch mit mir, meine älteren Geschwister unterhielten sich auf deutsch miteinander. Die beiden Sprachen verknoteten sich in meinem Gehirn, verwirrten es, verwirrten meine Gedanken. War es am Ende nicht so, dass mich diese erzwungene Bilingualität erdrückte? Mich und meine Kräfte aussaugte? Musste ich mich einfach an sie gewöhnen, um sie im Anschluss noch grandioser zu nutzen? War ich vielleicht zu dämlich und hatte daher Probleme, die Sprachen zu entwirren, woraus dieses Quietschen und Gurgeln entsprang?
Man brachte mich zu einer Kinderärztin, sie führte Tests durch. Oh, wie gut schnitt ich ab, wie stolz fühlten sich meine Eltern wieder, nachdem sie nicht nur bescheinigt bekamen, dass ihr Sohn nicht schwachsinnig - welche Schmach wäre das gewesen! -, sondern ein besonders intelligentes, überaus begabtes, allerdings nach Meinung der Expertin ein ebenso faules Kind sei. Deswegen wollte ich nicht reden. Als hätte es mir Spaß gemacht, zu quietschen und zu gurgeln, wenn ich doch lieber gesprochen und dementsprechend mich wirklich verständlich artikuliert hätte.
Wenn man genau aufgepasst hat, kennt man nun zwei Mythen aus meiner Kindheit. Der erste ist die Selbtmordtheorie, die ich bereits widerlegte. Der zweite: obwohl der Kleine sehr intelligent war, legte er eine Faulheit an den Tag, die verhinderte, dass er redete. Und die Fortsetzung davon: als er dann begann zu sprechen, tat er das umso mehr, als wolle er alles das auf-holen, was er in den Jahren zuvor nicht von sich geben konnte. Tja, er sprudelte wie ein Wasserfall, doppelt so viel wie seine eher ruhigen Geschwister. Nur stimmt das alles genauso wenig wie der erste Mythos. Die Menschen spinnen sich immer solche Dinge aus, um nicht über die wirklichen Motive, die wirklichen Gründe ihres oder eines anderen Handelns nachdenken zu müssen. Zu faul waren eher meine Eltern, die sich mit solch einer Begründung vergnügten und nie wieder nachhakten. Als wäre das eine befriedigende Erklärung meiner Sprachhem-mung. Selbstverständlich nicht, da gibt es ganz andere Zusammenhänge. Tiefliegende vielleicht, aber durchaus vorhandene. Zunächst will mir kein Wort aus dem Mund entfleuchen, plötzlich fließen die Wörter unbehelligt hinaus, ohne Sinn und Verstand. Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, deutsch und griechisch vermischen sich und dazu kommt das armenische Türkisch, das Elsässisch und der allemanische Dialekt meiner Nachbarn. So schnell strömt es aus mir heraus, dass die Worte nicht klar abgegrenzt sind, weder in meiner Intonation noch in den Sprachen. Ich artikuliere so schlecht, dass sich einzelne Zischlaute kaum voneinander unterscheiden, es hört sich weder richtig noch schön an. So leide ich erneut an einer mangelnden Sprachfähigkeit. Ich bleibe auf Kriegsfuß mit dem Reden, doch ich bin so mitteilungsbedürftig, habe so viele Ideen, die sich einen Weg aus mir herausbahnen müssen, dass ich es nicht aushalte zu schweigen. Meine Phantasie und Kreativität zwingen mich weiterzureden, sie lassen mich zum sechsjährigen Entertainer werden, der jeden unterhalten will. Die Menschen in meiner Umgebung zeigen sich amüsiert, allerdings eher durch meine sprachlichen Mängel und Vermischungen, die sie vielleicht als klugen Kunstgriff, als Teil des Schauspiels, betrachten.

Montag, 19. April 2010

Manic Mondays

Manchmal gehe ich ja arbeiten... eher gezwungenermaßen... und montags, ja, manic mondays, ganz übel, ist die Motivation besonders gering! Aber die Leute, ja, die Gesellschaft, sagt: Der Mensch muss arbeiten gehen. Geld verdienen, eigenhändig, und das Ding mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen ist ja noch nicht durch. Schade, dabei wäre das ja die Lösung. Die Lösung für all meine Probleme! Denn: Ich möchte ja nur lesen, schreiben, lesen, schreibe, Filme anschauen, lesen, schreiben und Filme anschauen. Naja, manchmal möchte ich auch zu Lesungen und in Ausstellungen gehen. Das gehört mit dazu. Aber nein, ich muss jeden Morgen, naja, fast jeden - ich arbeite ja Teilzeit - in die Pampa fahren, in der Nachbarschaft sind die Müllverbrennungsanlage, eine Glaserei und - nicht zu vergessen - Hildes Imbiss. Jaja, und nicht zu vergessen, wir als dachlose haben trotzdem gute Laune, denn wir sind voll die lustige Gang bei der Arbeit. Ein bisschen stören diese Einwürfe von so einer Chefin mit autistischem Führungsstil, und, naja, Kooperationspartner sind auch nicht immer willens, das zu tun, was wir von ihnen möchten, aber was solls - das alles wird nur als absurdes Theater betrachtet, vorübergehend, wie so ein lästiger Virus, unabänderlich, aber auch egal. Denn wir lassen uns nicht entmutigen. Arbeit ist ja auch nicht alles. Aber schon doof, dass so viel Zeit drauf geht. Und wenn einem Autisten den letzten Nerv mit dämlichen Einwürfen rauben. So vieles könnte einfacher sein. Doch Bürojobs müssen wohl so sein. Absurd. Sinnloses Aneinandervorbeiarbeiten. Inkompetenz. Unnötiges Tun, damit es überhaupt etwas zu tun gibt. Spooky. Groovy - wenn man sich davon abgrenzen kann, und trotzdem Spaß hat. Allerdings an diesen manic mondays ist alles zu viel, irgendwie.

Samstag, 17. April 2010

Seifenoper Reloaded -2-

... Setzen wir den Reigen dieser Sex-Clique (und jeder weiß jetzt, warum sie so heißt) mit Steffen fort, der sich zum Ziel machte, mit fl0s Freunden der Reihe nach zu schlafen, nennen können wir da zum Beispiel Axel oder auch Lukas, probierte es bei Manoel, doch irgendwann verliebte er sich in einen Jungen, der nicht zu dieser Clique gehörte, überhaupt nicht zur Szene, und zwar ein Zivildienst-Kollege aus dem Nebenhaus, genannt Marbod, der später jedoch von Georgios becirct wurde, ihm erlag, und nun versuchen die beiden eine „gute“ Beziehung zu führen. Wolfgang, den jungen Österreicher hatte ich vollkommen vergessen: ja, der hatte etwas mit Steffen, auch mit Manoel, fl0 wollte, naja, es ging auch bis zu einem gewissen Punkt, W. verliebte sich in Sebastian, hatte auch einen One-Night-Stand mit ihm, obwohl ihn Georgios oft genug vor diesem Flugbegleiter gewarnt hatte, war dann natürlich sehr enttäuscht, weil er sich etwas anderes erhofft hatte, dieser süße Naivling, der sich so gut mit dem Griechen verstand. Naja, aber so könnten wir noch lange weitermachen, mit dieser Sex-Clique, genannt wurden noch nicht die Lebenskrise von Ralf, nachdem ihn Manoel abgeschüttelt hatte, die Freundschaft, welche sich dann zwischen den beiden von ihm abgeschossenen (Ralf und Georgios) entwickelte – sie nennen sich Schmusebärle und Teddy –, wiewohl man sagen muss, dass sich Georgios zum lieben Mittelpunkt entwickelte, zu einer Art Papi, der sich mit allen verstand, zum Beispiel auch mit Christian, ach, und die vielen Sexkapaden mit den namenlosen attraktiven Typen der Szene, bleiben ebenso unerwähnt, die verstehen sich ja von selbst!
Aber erwähnen wir doch nun auch Frauen, beginnen wir mit Antonia, der besten Freundin von Georgios, eine Türkin, die streng erzogen wurde, Eltern griechisch-orthodoxer Religion ange-hörig, ursprünglich aus Syrien stammend, deswegen sprechen sie auch fließend arabisch. Sie darf keinen Freund haben, kaum aus dem Hause treten, aber natürlich verliebte die sich auch, in einen Türken, ein nicht praktizierender Muslim, ihr griechischer Freund brachte sie zu-sammen. Davor spielten sich aber erst noch ein paar Szenen aus einem schlechten Film ab, ano-nyme Briefe, die Antonias Eltern geschickt wurden, auf deutsch und türkisch, und aus denen folgte, dass der despotische Vater von Emin (des Türken) diesem Verbot, Antonials mit dieser hübschen blauäugigen (!) Orientalin eine Beziehung einzugehen, so dass sie anderthalb Jahre geheim blieb, bis sie sich löste, der Druck wurde zu groß! Er übrigens war während dieser Zeit in psychiatrischer Behandlung, Restbestände einer zuvor völlig fehlgeschlagenen Beziehung mit einer Blondine namens Julia, die ihn ausnutzte, mit ihm spielte, ihn auslutschte. Die Briefe soll eine türkische Braut geschrieben haben, die sich den Adonis vom Bosporus als Traummann ausersehen hatte. Georgios ältere Schwester war noch immer solo, seitdem sie am Valentinstag vor drei Jahren von ihrem Freund verlassen wurde, nach immerhin zehn Jahren, am Valentinstag, die jüngere Schwester hatte zwei Fehlgeburten, beim dritten Versuch, sie hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, gab es erneut etliche Komplikationen, so dass sie ein Drittel ihrer Schwangerschaft im Krankenhaus verbrachte, im heißesten Sommer.
Man merkt schon, Georgios ist hier die Hauptfigur, die schlauen und aufmerksamen Leser werden bereits begriffen haben, dass die beiden auf dem Dach auf einer Matratze Liegenden, Prosecco schlürfenden, oder beim Griechen vielleicht auch hinunterstürzenden, die beiden Freunde Georgios und fl0 sind, und der unsägliche Georgios der Erzähler der Geschichte, welcher beschlossen hat, ein neues Thema in Angriff zu nehmen, denn wir fanden noch über-aus viele Liebesgeschichten in unserem Verwandten- und Bekanntenkreis, Scheidungen, z.B. fl0s Eltern, Manoels Eltern, bei denen übrigens der Beginn der Liebe aufsehenerregend und filmreif war, Jungfrauen mit 26, eine Lesbe in Georgios Lerngruppe, die mit einer anderen verkuppelt werden soll, die wiederum in ihre Professorin verliebt ist, eine liebeshungrige Schönheit, die sich immer verarschen lässt und auf ältere Männer steht, eine Frau, die nur mit Farbigen Sex haben kann, Intrigen und kleine Betrügereien en Masse. Aber wenden wir uns jetzt endlich einem anderen Thema zu.

Seifenoper Reloaded -1-

Wir saßen oder lagen vielmehr auf einer Matratze, die wir auf dem Dach vor meinem Fenster ausgebreitet hatten, neben uns einige Flaschen Prosecco, tja, sexuelle Vorlieben verpflichten eben, ein paar Kerzenlichter, auch diese obligatorisch, und stellten fest, dass wir mit uns und unseren Freunden eine Seifenoper durchlebten und dass nur Kameras fehlten, die uns auf all unseren Wegen verfolgten und bei unseren unsäglichen Lebensversuchen filmten.
Was war unser Plot? Was konnten wir aufbieten?

Liebe, Sex und die unweigerlichen Missverständnisse, Wirren und Kläglichkeiten, die dazuge-hörten:

fl0, der eine von uns beiden, der jüngere, der schwulere, hahaha, war mit Sebastian in der Kirchenjugend, sie hatten ihr erstes homosexuelles Erlebnis, „gingen“ für ein paar Tage „miteinander“, damals fünfzehnjährig, und eines Tages kam es auch zum ersten „flotten Dreier“ mit einem weiteren Ministranten. Später hatte Sebastian eine Affäre mit João, in den sich fl0 verliebte, der erstere hatte aber zur gleichen Zeit einen Freund (Tommy), bereits seit zwei Jahren, doch das hielt nicht lange, Tommy machte Schluss, weil es so nicht weitergehen konnte. Naja, ein Grund war vielleicht auch, dass es ihm zu viel wurde, dass sein Lebensab-schnittspartner nach dem Brasilianer erneut einen Typen toll fand, sich kurz in ihn verliebte, Hannes heißt dieser, ein Heidelberger Medizinstudent, der den Flugbegleiter (Sebastian) strohdumm und naiv fand – na, wird es schon schwierig für Dich mit den Namen? Es kommt noch dicker! -, allerdings trotzdem mit ihm schlief, und der wiederum hatte zunächst eine Affäre mit Steffen, obwohl er ja eigentlich auch einen Langzeitfreund am Rockzipfel hängen hatte, ein weiterer Flugbegleiter namens Maddi. Hannes hatte noch viel später eine Affäre mit Manoel, bis der letztere merkte, wie hohl und kindisch dieser angehende Arzt doch war, was dieser jedoch dem sehr böse nahm und einige Szenen machte. Das wiederum konnte er sehr gut, wendete es auch oft genug an, darin glichen sich Maddi und Hannes, und so traf es sich noch viel später ganz gut, dass sich Sebastian in Maddi verliebte, die Erwiderung ihm gewiss war, Hannes nächtens bei Sebastian eine Kostprobe seines Könnens hinlegte, es war wohl so 4 oder so, der Medizinstudent hatte dabei Maddi auf frischer Tat ertappt. Aber halten wir uns nicht zu lange bei Hannes auf, der – ich vergaß es fast – irgendwann auch anfing, fl0 mit Kurzmitteilungen zu bombardieren. Ich muss Georgios ins Spiel bringen, der Freund von Manoel, naja, zumindest gute drei Jahre lang, ein Vorbild in der Schwulenszene, die „Musterbeziehung“ schlechthin, sie gingen schließlich im Guten auseinander, doch der Grieche (Georgios) wollte seinen Freund wieder zurück, liebte ihn bis auf den heutigen Tag, machte allerlei Szenen, aber anders als Hannes (von ihm kommt man nicht los). Georgios vekraftete es nicht, dass sich die Gefühle von Manoel plötzlich gewandelt hatten, sie wohnten zusammen, was einige Schwierigkeiten mit sich brachte, und keiner verstand es, dass sie sich räumlich nicht trennten. Georgios verliebte sich in eine Frisur, dazugehörig Marc, eine unwichtige Erscheinung eigentlich, ein Modepüppchen, aber in dieser Geschichte wird er a) interessant durch die kurze Beziehung mit dem Griechen und b) aufgrund der Tatsache, dass er einst von Sebastian verehrt wurde oder auch nicht, das wurde niemandem ersichtlich. H. (ups, ein neuer Name, zunächst ohne Verbindung) mochte ihn überhaupt nicht, fand diese „Mode-schwuppe“ unerträglich, mokierte sich darüber, dass Marc in einem Gespräch erwähnte, dass er die „Weiße Rose“ natürlich kenne, waren das nicht solche Pfadfinder? H. war der beste Freund von Georgios, sehr eng befreundet, sagen wir einmal unglaublich intim, sie kuschelten immer miteinander, knutschten wild miteinander, als Georgios noch mit Marc zusammen war, naja, aber es war normal, Georgios hatte auch noch Sex mit Manoel während dieser Beziehung. Weiter geht’s! Diese beste Freundschaft ging auseinander, als fl0 mit H. eine Partnerschaft einging, Georgios war zu eifersüchtig, obwohl er sie zusammen brachte, ein Widerspruch! Steffen, der irgendwann kurze Zeit mit fl0 zusammen war, flippte deswegen ebenso aus, aus zweifachem Grund, wegen Thomas, den er sehr attraktiv fand und wegen fl0, von dem er nicht losgekommen war. Zwischendurch war Sebastian mit Christian zusammen, zwei Monate etwa. Und jetzt wird es richtig kompliziert. Christian ist der Ex-Freund von Oli, der der Exfreund von Sebastian und Tommy ist, Tommy, ja, genau, der Ex-Freund von Sebastian, nun, einer davon eben. Christian wurde von Sebastian betrogen, man kann es sich ja vorstellen, na, zum Beispiel mit Steffen, aber Sebastian machte auch Anstalten mit Ralf zu schlafen, weil er diesen so geil fand, der übrigens mit Manoel eine Affäre hatte, und da waren die Schwierigkeiten vor allem deswegen so groß, weil Georgios diesen attraktiven Jüngling anschmachtete, der jedoch seine Nummer lieber dem Brasilianer gab. Georgios, dieser Unruhestifter, ihm fiel nichts Besseres ein, als sich in Christian zu verknallen, während dieser noch verliebt in Sebastian war, aber das löste sich auch auf, nicht lange danach. Fortsetzung folgt....

Donnerstag, 15. April 2010

Was so passieren kann...

Mit dem schönsten Mann ist alles möglich - naja, glaube ich zumindest. Was auf jeden Fall passieren kann:
Wir stehen im IKEA, unschlüssig - Entscheidungen treffen liegt ja uns beiden nicht - neben uns steht ein Mitarbeiter von IKEA und telefoniert, man hört ein "Schatzilein, nein, ich kann nicht ins Pulse heute, habe so viel zu tun..." Achso, naja. Der schönste Mann der Welt möchte eine Info haben. Ja, sage ich, neben dir dieser Mann in Blaugeld. OK. Wir staunen nicht schlecht. Dieser Typ ist sehr zutraulich, es fehlt nur noch, dass er dem schönsten Mann der Welt auf den Po tatscht. Beispiel?
IKEA-Mann: Schätzchen, wo möchtest du die Lampe denn hinhängen?
Der schönste Mann der Welt: Ja, an die Decke!
IKEA-Mann: Mein Schätzchen, du bist ja süß! Hahahaha. (schaut mich dabei an): Ach, Gott, ist der süß!
Am Montag stehen wir im REWE in der Bergerstraße, verfolgen fasziniert das Flirten der Verkäuferin mit dem Mann vor uns in der Schlange. Die lächelt, als ob sie auf Drogen wäre, schaut ihn mehrmals aufmerksam an, spricht mit ihm in seiner Muttersprache Englisch, blinzelt. Dann kommen wir an die Reihe. Der schönste Mann der Welt meint, er müsse besonders witzig sein. Als ich einen 50-Euro-Schein zücke, um den Sixer und die Chipse zu bezahlen (ich wollte ihn KLEINMACHEN!), sagt er laut: "Suggardaddy, oder was?!" - "Willst du frech werden?" entgegne ich ihm. Da mischt sich die Verkäuferin ein: "Ach, das muss Liebe sein!"

Sonntag, 11. April 2010

Mehr vom ABK

Tja, Ostern war ich zuhause, also zuhause im Sinne von bei Muttern und Family zuhause. Alles schön, alles gut! Vor allem weil der schönste Mann der Welt sich pudelwohl gefühlt hat. Und jeden Bauerntrampel-Blödsinn mitgemacht hat. Inklusive "Palmenparty" in Rheinbischofsheim, oder BISCHE wie die Einheimischen sagen. Da war alles geboten: Badisch genau abgezählte und abgefüllte Cocktails mit sparfüchsig wenig Alkohol drin, schlechte Partymusik (ANDREA BERG!), Paartanz und noch mehr Kracher dieser Art. Was ich ihm allerdings vorenthielt: die Bekanntschaft mit dem ABK zu machen. Da gab es nur ein geheimes Treffen, während der schönste Mann der Welt schlief. Denn der ABK muss nach wie vor Inkognito bleiben.
Leider blieb daher wenig Zeit zum Austausch und zum Abfragen der gegenwärtigen TOPs der jungen Revoluzzer! Nun, das erste Thema lag ja quasi auf der Hand: OSTERN und der ganze Konsumscheiß darum herum. Wir zählen mal zusammen: WEIHNACHTEN, GEBURTSTAG, OSTERN - gibt es für alle Geschenke. Dann kommen noch der VALENTINSTAG, der MUTTERTAG und für besonders hartgesottene konsumgeile Menschen: HALLOWEEN. Sechs Mal Geschenke im Jahr??? Diese Konsumgeilheit! Die ist ja nicht auszuhalten! sagt der Chef der Gang. Die haben sich ja nicht mehr alle! Früher gab es Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag. Die waren angemessen. Nichts Großes. Wenn man etwas Größeres haben wollte, dann musste man selbst drauf sparen, es sich selbst verdienen. Achja, und 10 Euro für eine Eins im Zeugnis gab es auch nicht. Mal abgesehen davon, dass dies motivationspsychologisch ein Humbug ist, brauchte man das früher nicht. Und die Welt ist damit auch gut zurecht gekommen. Alle jammern und schimpfen auf den deutschen Staat... trotzdem kaufen sie sechs mal im Jahr Geschenke, machen jeden Rummel, jede Party mit. Und wenn das Geld nicht reicht, schimpfen sie noch mehr. Sechsmal im Jahr Geschenke machen... Könnte man da nicht besser sechsmal im Jahr spenden? Oder sich für soziale Projekte engagieren?
Dieser ganze Kokolores sei ihm ein Dorn im Auge. Und wenn er an mich denke und an mein Frankfurt... Ohje! Museumsuferfest, Nacht der Museen, Bergerstraßenfest, Opernplatzfest, Mainfest, Weinfeste, Filmfestivals, Musikfestivals, dies und das, ständig ist da etwas. Ständig Partys am Wochenende, Cocoon Club, Kingkachick sein, neue Klamotten, Trinken, Rauchen, Essen, ja, auch das noch, Essen gehen... Und wozu das alles? Haben wir mehr Spaß am Leben dadurch, mehr Genuss, mehr Lebensfreude? Aber als ich frage: und was ist mit dir? Genießt du dein Leben, rauchst du, trinkst du, schenkst du usw.? da zwinkert er mir zu... Und die Antworten gibt es dann bald von ihm. Sagt er. Aber ich kann es mir vorstellen...

Freitag, 9. April 2010

Am Baggersee...

Aleks hörte mit dem Volleyballspielen auf und rannte ins Wasser. Jonas drehte sich in die andere Richtung, um ihn weiter beobachten zu können, wieder fiel es keinem auf. Geschickt angestellt. Jens und Andreas redeten miteinander, Jonas kriegte nichts davon mit. Macht nichts. „Jonas, du sagst ja heute gar nichts. Was ist los? Du redest doch sonst so viel?“, fragte ihn Jens. „Weiß nicht, hab meinen ruhigen Tag heute.“ Nach einiger Zeit ging Aleks aus dem Wasser. Jonas sagte: „Ich gehe mal wieder zurück zu Sascha und Daniel, die sind schon seit zehn Minuten aus dem Wasser heraus. Bis nachher.“
Auf dem Weg zurück traf er Nadine und Stefanie. „Hallo Jonas!“- „Hallo Nadine und Steffi!“ Er setzte sich zu ihnen. „Ach, habe ich euch eigentlich erzählt, daß ich am Sonntag mit der Ines im Rick´s war? “ Ines war die Erzfeindin von Nadine, die sich sehr darüber aufregte. „Spinnst du, mit der Schlampe ins Rick´s zu gehen? Die ist voll falsch.“- „Naja, ich finde sie nett und süß“, erwiderte Jonas. Steffi sagte: „Du kennst sie halt nicht richtig. Sie ist ein Miststück.“- „Ich gehe gleich mal zur Christina und erzähl ihr, was du gemacht hast“, meinte Nadine und lief zu ihr hinüber. Ines hatte Christina (ihrer besten Freundin) den Freund ausgespannt und das auf höchst niederträchtige Weise, wenn man der Geschichte von Christina und Nadine Glauben schenken durfte.
Als Nadine zurückkehrte, bemerkte Jonas: „Und ich war bei der Korker Baggerseeparty ständig mit ihr unterwegs. Josip steht auf sie und sah in mir einen Konkurrenten, dauernd machte er mich schlecht vor ihr: ‘Weißt du, was er vorhin über dich gesagt hat, Ines? Du würdest Jonas nicht mehr mögen, wenn du es wüßtest.’ Oder: ‘Schau, Ines, er will dir nur imponieren.’“ Jonas dachte bei sich: Josip und seine Schnapsideen. Ich sein Konkurrent bei Ines. Er gefällt mir viel eher als sie. Naja. „Der Josip würde zu der passen. Der ist ja genauso. Der hat ja auch seinem besten Freund die Freundin ausgespannt.“- „Ja, aber, ähm, es gehören immer zwei zu einer Beziehung... Habe ich dir schon gesagt, daß Jens dabei war, als wir im Rick´s waren? Er saß mir und Ines gegenüber.“ Jens war für Nadine ein Gott. In ihn war sie seit zwei Jahren auf ganz irrationale Weise verliebt. Sie war schon fast besessen von ihm. „Was? Was?“ hechelte sie. „Du hast die beiden einander vorgestellt? Sie nimmt ihn mir weg, sie nimmt ihn mir weg, diese Schlange.“ Dieser Satz machte nun überhaupt keinen Sinn, denn sie waren nicht einmal annähernd zusammen, hatten sich ein oder zwei Mal zum Kaffee trinken getroffen, ohne daß etwas passiert wäre.
„Du spinnst“, sagte Jonas und amüsierte sich über Nadine, die jetzt nicht mehr so gut auf ihn zu sprechen war. „Wenn du das nächste Mal mit Jens weggehst, dann nimm mich mit. Und nicht sie!“ Nadine und Steffi redeten noch eine Weile schlecht über Ines. Sehr schlecht. Jonas meinte: „Ich finde sie echt nett.“- „Jaja, wir verstehen das schon...“, entgegnete ihm Steffi und es hörte sich ganz so an, als ob sie davon ausging, daß Jonas auf die Reize, die Ines zweifellos besaß, ansprach. Er fand die ganze Situation doch ein wenig lächerlich: er, der schwule Jonas, verteidigte ein Mädchen und man nahm an, er wäre in dieses verliebt. Die Mädchen hatten ihn mit ihrer Nörgelei fast schon zu einem Liebesgeständnis gezwungen. Er verabschiedete sich von ihnen. Er legte sich endlich wieder zu Sascha und Daniel...

Ameisen...

Am nächsten Tag fuhr er an den Legelshurster Baggersee und traf dort einige seiner Freunde, er legte sich zu Nadine, Steffi, Julia und Christian. Das Wetter war nicht sehr gut, aber bevor es noch schlechter würde, wollte man noch einmal ein bißchen im Wasser plantschen. Dabei war es noch August, schlechtes Wetter für diesen Monat.
„Du bist so still“, meinte Nadine. „Was soll ich denn sagen?“- „Du redest doch sonst so viel. Erzähl doch Christian die Ameisengeschichte. Uns ist sowieso gerade langweilig.“- „Die Geschichte erzähle ich nicht mehr. Keiner außer dir und Julia hat sie gewürdigt und gelacht. Außerdem erzähle ich immer. Jetzt macht ihr mal, auf, ich will was hören!“- „Aber du kannst das viel besser.“- „Nein, heute nicht.“
Die sogenannte Ameisengeschichte wurde von Jonas folgendermaßen erzählt: „Es war so: beim diesjährigen traditionellen Baggerseefest der Oberstufe, waren bei uns Leute aus Achern eingeladen, unser BK-LK war mit deren BK-LK gemeinsam in Köln. Natürlich sind auch Freunde dieser Leute mitgekommen. So lernte ich Bryan und Matthias kennen, und wir unterhielten uns am Lagerfeuer, und ich erzählte und erzählte, bis sie alle, naja, fast alle, für mein jetziges Leben wichtigen Begebenheiten erfuhren. Mein Kampf gegen intolerante Ansichten, gegen Verlogenheit, gegen das Schlechte in dieser Welt. Natürlich interessierte die beiden esoterisch Angehauchten sich sehr für mich und freundeten sich mit mir an. Wir trafen uns später noch mal zufällig in einer Disco und dort fragten sie mich, ob ich Lust hätte zu einem Vortrag von Sai-Baba-Anhängern über eine Indien-Reise und Meditation mitzugehen, es sei irgendwo in der Nähe des Kehler Hafens, sie könnten mich abholen.
In der Disco versteht man ja sein eigenes Wort nicht und daher hörte ich etwas Falsches heraus: Vortrag über eine bestimmte Medizin oder so. Ich wollte selbstverständlich nicht. Aber sie wollten mich trotzdem besuchen, bevor sie dort hingehen. Ja, klar, kommt halt. Und letztendlich bin ich dann mit zu dem Vortrag. Man ist ja offen für alles, nicht wahr? Eine Frau wollte von ihrer Reise zu Sai Baba nach Indien erzählen, aber zunächst sangen wir mehrere Oms, dann noch ein paar Om-irgendwas. Ganz lange den Ton anzieheeeen. Dann begann sie, die sich übrigens nach ihrer „Erleuchtung“ Ananda nannte: ‘Und in meinem Hotel, da waren soviele Ameisen, das war unglaublich, überall Ameisen, und dann liefen sehr viele von ihnen auf meinem Kissen, stellt euch vor, krabbeln Dutzende von Ameisen auf meinem Bett herum, ich brachte welche um, und dann dachte ich: nein, du kannst doch nicht alle Ameisen umbringen, das sind genauso Gottesgeschöpfe wie du selbst auch, nein, das geht nicht, das kann nicht dein Weg sein, und ihr müßt euch vorstellen, daß unten, neben dem Hotel, eine kleine Bäckerei war, da holte ich immer süßes Gebäck, und da sagte mir eine innere Stimme, natürlich war das Sai Baba, ihr könnts euch denken, er teilt uns oft die Lösungen unserer Probleme mit: du darfst kein Gebäck mehr in dieser Bäckerei kaufen, natürlich hörte ich auf ihn, klar, ich kaufte kein Gebäck mehr, und ihr werdet es kaum glauben, schwuppdiwupp, weg waren die Ameisen, so hat mir Sai Baba also aus meinem Ameisenproblem geholfen.’
Natürlich erzählte diese Ananda noch mehr interessante Geschichten, zum Beispiel, daß in Hamburg ein Wochenende lang fünftausend Sai-Baba-Anhänger meditierten und daß daraufhin die Kriminalitätsrate um zwanzig Prozent sank. Ich für meinen Teil dachte bei mir: klar, wenn man alle Kriminellen zu der Meditation einlädt... Und sie erzählte auch noch mehr Indien-Abenteuer, aber diese gebe ich ein andermal zum Besten. Nun ja, auf jeden Fall, habe ich nachher immer, wenn mir jemand eine mich langweilende Geschichte erzählte, gesagt: „Stell dir vor, da krabbelten Dutzende von Ameisen auf meinem Bett und ich dachte: nein, du kannst sie doch nicht alle umbringen, das ist nicht dein Weg.“ Verständnislosigkeit bei den anderen, wieder fing ich an: „Und stell dir vor: da krabbelten Dutzende von Ameisen...“

Mittwoch, 7. April 2010

Erklärt Pereira

Sie sehen die Persönlichkeit als ein Bündnis verschiedener Seelen, denn wir tragen verschiedene Seelen in uns, nicht wahr, als Bündnis, das der Herrschaft eines hegemonischen Ichs untersteht. Was man als Norm oder als unser Sein oder als Normalität bezeichnet, ist nur das Resultat und noch die Voraussetzung und wird von der Herrschaft eines hegemonischen Ichs bestimmt, das im Bündnis unserer Seelen die Führung übernommen hat, wenn nun ein anderes, stärkeres und mächtigeres Ich hervortritt, setzt es das hegemoniale Ich ab und tritt an dessen Stelle, übernimmt den Befehl über das Bündnis der Seelen, und seine Herrschaft dauert so lange an, bis es seinerseits durch einen direkten Angriff oder eine langsame Erosion von einem hegemonischen Ich abgesetzt wird.
(aus Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira)

Der Frühling?

So viele Dinge gibt es zu tun, so viele Aufgaben zu bewältigen, doch es kümmert mich nicht. Die Sonne scheint. Der schönste Mann der Welt ist jeden Tag und vor allem jede Nacht um mich. ICH LEBE. ICH LIEBE. Ihn, den schönsten Mann der Welt. Wo ist mein Ehrgeiz hin? Wo meine vielen Ziele? Ich gammle einfach herum, nutze meine Energie für Gedanken an ihn, nutze meine Zeit, um viel Zeit mit ihm zu verbringen. Ich schreibe zu selten, lese zu wenig, arbeite nur mit halber Kraft, vernachlässige meine Netzwerke, meine Ideen, meine Kreativität. Die Kreativität, die ich nur noch nutze, um ihm zu gefallen, eine schöne Zeit mit ihm zu verbringen, ihn glücklich zu machen, so wie er mich glücklich macht. Die Sonne scheint. ICH LEBE. ICH LIEBE. Und spüre dieses warme Gefühl in mir...

Freitag, 2. April 2010

Wasserglas - Eine Art Fortsetzung von Pimmel zeigen

Auf dem Tisch lag diese selbst gebrannte CD. „Waterglass tracks“ nannte er sie. Er hatte sich – wie immer – viel Mühe mit dem Design gemacht. Hatte sich lange Tage überlegt, welche Lieder in welcher Reihenfolge er aufnehmen könnte. Es sollten Stücke für jede Stimmung dabei sein. Melancholische, fröhliche, traurige, aggressive, romantische. Sollten von Gruppen sein, die Sebastian mochte, aber auch welche von Bands, die er noch kennen lernen musste. Auf dem Tisch lag sie, bis der Angebetete endlich eintraf.

Wir hatten Streit. Wir standen an der Haltestelle, warteten auf die 2. Ich wollte wissen: „Müssen wir am Mittwoch unbedingt ins ... ?“
Er sah mich perplex an.
„Wir?“, fragte er irritiert nach.
„Sebastian, Florian, du und ich.“
„Du warst da nicht eingeplant, wir drei haben es ausgemacht, uns am Mittwoch zu besaufen. Du bist da nicht dabei.“
Ich wendete mich beleidigt ab. Ich war enttäuscht, und wie immer in solchen Situationen, brannte eine Sicherung in meinem Kopf durch. Ich schwieg, bevor ich ihn so beschimpfte, dass er nie wieder mit mir geredet hätte.
„Verstehst du das nicht?!“
Ich beharrte auf mein Schweigen. Ich kann in so einer Gemütslage nichts Produktives sagen.
„Ich möchte Sebastian für mich alleine haben.“
Ich hätte explodieren können.
„Du bist doch ein Arschloch! Habe ich dir jemals einen Freund vorenthalten? Was soll das denn jetzt?!“
„Als du mit Marc...“
„Das kann man nicht vergleichen. Er war mein Freund, und außerdem machten wir viele Dinge gemeinsam, ich schloss dich niemals aus.“
„Ja, aber...“
Wir stiegen in die gerade angekommene Straßenbahn. Schwiegen die kurze Fahrt über. Schauten uns zwischendurch an, wussten aber nicht, was wir sagen sollten.

Natürlich hatte ich schlechte Laune. Der Tag war unproduktiv gewesen, mir tat der Kopf weh. Das Einkaufen mit meinen besten Freundinnen hatte mich geschafft. Dazu noch dieses teils schwüle, dann doch wieder feuchte Wetter. Es machte mich kaputt. Dann diese Aussichten für den Abend. Ich beschloss zu lesen, hatte einige Bücher bis zur Prüfung in Literaturwissenschaft vor mir. João war noch nicht da. Der kam einige Zeit später, mit Caipirinha-Gläsern und einem Stößel in der Einkaufstasche. Die Limetten und den Cachaca hatte er bereits am Vortag besorgt.
„Wann kommen sie denn?“
„Flo kommt um 9, um kurz vor zehn holen wir Sebastian vom Tanzen ab.“
„Und dann?“
„Dann gehen wir ins ... . Und du?“
„Ich bleibe daheim, ich darf ja nicht mitsaufen.“
„Was macht Marc? Unternimmst du nichts mit ihm?“
„Nein. Ich bleibe heute daheim. Langweile mich bei der Lektüre von Grass´ Weitem Feld und frage mich zum hundertsten Mal, wie man dem einen Nobelpreis verleihen konnte.“
„So.“
„Oder störe ich dich? Soll ich um kurz vor neun in mein Zimmer? Schließt du mich nun ganz aus?“
„Ich schließe dich nicht aus!“
Ich setzte mein „ich hasse die ganze Welt“-Gesicht auf.
„Früher, als wir noch zusammen waren, taten wir alles gemeinsam, nun isolierst du dich von mir, schließt mich ständig aus.“
Er rauschte aus dem Wohnraum, schrie aus seinem Zimmer heraus:
„Das tue ich nicht. Jetzt will ich einen Abend ohne dich verbringen. Ach, lass mich doch einfach in Ruhe. Ich möchte gar nicht mehr darüber reden!“
Ich grollte vor mich hin.
„Pah, du und nicht ausschließen. Dir fällt es schon gar nicht mehr auf. Fick dich doch selbst.“

Als Florian in das Wohnzimmer eintrat, kam er zuerst zu mir gelaufen. Er begrüßte mich mit Küsschen. Ich legte mein Buch nicht weg. Ich beschäftigte mich mittlerweile nicht mehr mit Grass, sondern mit Monika Maron, die ich sehr viel interessanter und wohltuender empfand. João werkelte in der Küche an den Caipirinhas herum. Flo saß da und wartete. Alle paar Mi-nuten richtete ich das Wort an ihn, kurz. Später klingelte sein Handy. Sebastian. Sie mussten ihn nicht abholen. Er komme gleich, das Training sei früher zu Ende gewesen.

Sie waren nicht lange da. Ich schaute fern, eine Anwaltsserie. Sie unterhielten sich. Tranken Caipis, und da wir zu wenig Eis im Gefrierfach hatten, stiegen sie auf Prosecco um. Ich konzentrierte mich auf die Bilder, die sich vor mir abspielten. Doch ich ließ es mir nicht nehmen, kleine Sticheleien von mir zu geben.
„Wenn ihr Freunde von mir im ... seht, dann ruft mich kurz an, dann komme ich nach.“
„Wen meinst du damit?“
Das wollte Flo wissen. Ich schaute ihn an.
„João entscheidet schon, welche meine Freunde sind und welche seine. Keine Sorge.“
Vorher hatte ich ihm bereits gesagt, dass ich nicht mitdürfe, weil es mir von einer bestimmten Person verboten worden sei. Er fragte nicht weiter nach.

Sebastian hatte sich die gleichen Hosen gekauft, die João auch besaß. Ebenso neue Schuhe, die allerdings anders aussahen als die von meinem Ex. Das gleiche Modell hatte es nicht mehr gegeben.
„Dann fehlen nur noch die Schuhe, dann wäre alles gut.“
Das sagte ich, ohne zu Sebastian zu schauen.

Dieser Sebastian sah verdammt gut aus. Ein Flugbegleiter. Rock ´n´ Roll-Tänzer. Muskulös, groß, stattlich. Als sie aufbrachen, fragte er mich, ob ich mit wolle. Nein, sagte ich. Offensichtlich war João der einzige, der mich nicht mit haben wollte. Die angebrochene Prosecco-Flasche nahmen sie auch mit. So sah ich mir weiterhin die Anwaltsserie an und betrank mich mit dem Caipi, da ich zum Glück noch Eiswürfel fand.

Ich legte mich auf das Bett von João. Ich sah ein Glas auf seinem Nachttisch. Das Glas, aus dem Sebastian vor Wochen sauren Sprudel getrunken hatte. Damals, als mein Ex frisch ver-liebt in ihn gewesen war. Das restliche Wasser, das der Angebetete drin gelassen hatte, war mittlerweile verdunstet. In diesem ganz gewöhnlichen 0,3 Liter Glas sah man Schlieren. Es war eine Erinnerung für João, an einen wunderbaren Tag, an dem er den besten Oral-Sex seines Lebens mit Sebastian hatte. Hinter dem Nachttischchen befand sich die Trainingstasche von Sebastian. Ich konnte mich nicht halten. Vom Alkohol enthemmt, musste ich in seiner Tasche kramen. Was für Unterwäsche trägt dieser geile Typ wohl?

Ich brauchte eine Weile, bis ich endlich einen Slip aus der Tasche fischte. Er hatte allerlei Hosen, Pullover, T-Shirts, Strümpfe eingepackt. Nasse Handtücher. Tanzschuhe. Diesen verschwitzten Slip hatte er ganz nach unten gelegt. Er war hellbraun und lag glitschig in meiner Hand. João hatte gesagt, dass er einen großen Schwanz hat. Wie der in dieser Unterhose wohl aussah? Diese Vorstellung erregte mich. Ich sah ihn vor mir, sah João vor mir, sah beide vor mir, wie der eine dem anderen den Slip herunterzog und demjenigen einen blies. Ich zog mich aus. Zog den feuchten Slip an, oh, war ich geil, ich holte meinen Schwanz durch den Schlitz in der Unterhose hervor, rieb ihn mit meiner Hand, ich war ganz heiß. Es tat so gut. Ich stand neben dem Nachttisch, während ich an mir herum hantierte, kurz vor dem Kommen war. Mir fiel das Glas wieder auf. Ich nahm es und stellte es auf den Boden. Ich kniete mich hin. Und kam in diesem Augenblick, die Hälfte des Spermas spritzte ins Glas.

Ich spülte das Glas mit Wasser aus, legte es wieder auf den Nachttisch. Dann nahm ich die CD in die Hand, ging in mein Zimmer und hörte sie mir an. Ich fühlte mich plötzlich sehr wohl. Flüsterte „water glass“. Gute Tracks!

Der Büchernarr

Einmal hörte ich im Fernsehen jemanden sagen, dass die beste Möglichkeit zum Stehlen sei, einfach mit dem geklauten Gegenstand offen in der Hand haltend aus dem Laden hinauszulaufen. Man könnte ja denken, dieses Ding gehöre einem bereits und man müsse es nicht verstecken.
Ich stand im Karstadt, vor mir lagen Dutzende von Büchern ausgebreitet, Mängelexemplare, die nur noch zwei Euro fünfzig kosteten. Gerade hatte ich mir in einer Buchhandlung ein Buch gekauft, und das nur des Umschlages wegen, zwei hübsche Männer waren darauf abgebildet, frisch und knackig, blond, ich dachte, oh, ein Schwulenbuch, das mir da so orange entgegen leuchtet, das brauche ich, stiefelte in den Laden, suchte das Buch, las den Klappentext und entdeckte, dass es nicht um die Homosexuellenproblematik gehe, hörte sich trotzdem sehr interessant an, naja, ich gebe es zu, für mich hörten sich die meisten Klappentexte sehr interessant an, bin ja ein Bücherverschlinger, ein Bücherfresser, wie mich ein Freund nennt. Ich kaufte es trotzdem wegen des Umschlages, denn ich bin so arm, dass ich mir sehr selten Bücher kaufe, nur ausnahmsweise und mit gutem Grund. Als ich also im Karstadt stand, die Bücher zerwühlte und mir einerseits das Kultbuch von Harry Rowohlt (Pooh´s Corner), das ich sowieso lesen wollte, und andererseits ein Buch namens „Der Buchtrinker“ in die Hände fiel, musste ich sie haben. Übrigens: warum habe ich dieses Kapitel nicht „Der Buchtrinker“ genannt, hätte ja viel besser gepasst, genauso wie es wahrscheinlich geschickter gewesen wäre, es „Der Bücherfresser“ zu heißen, naja, was geht in meinem kleinen Kopf vor? So, ich stand da, überlegte hin und her, soll ich nochmal fünf Euro ausgeben für Bücher, ist ja wahrlich nicht viel, ich lief erstmal los, schaute mich um, lief weiter, lief aus dem Laden, hatte die Bücher geklaut. Ich steckte sie erst in die Tasche, als ich in den zweiten Karstadt, den ehemaligen Hertie, eintrat. Da schaute ich mir noch mehr Bücher an, hatte bereits eines in der Hand, lief wieder los, same procedure as before, ließ es aber kurz vor dem Eingang liegen, bevor ich zum Kleptomanen mutierte. Aber Bücher sind ja auch so teuer und so toll...

Donnerstag, 1. April 2010

Noch ein paar Spachnudeln :-)

Ein "Atzengeballer" findet statt, wenn Freunde / Kumpels zusammen unterwegs sind und Party machen. Sie sind gut drauf, es geht einfach ab.
Der Begriff ist abgeleitet von Atzen.
Abchecken - Begriff für das Verlassen einer Lokalität. In etwa: "Ey man, lass ma abchecken!" Betont wird hier die Dringlichkeit des Auffordernden.
Auch gemeint ist das überprüfen eines Objekts. Zum Beispiel: "Ich muss mal abchecken wie das funktioniert."
"Abduffen" bedeutet super viel Bier trinken. Der Begriff stammt vom guten alten Simpsons-Zitat vom Duffman: "Habt Ihr Lust euch zu beduffen?".
"Angebläut sein" bedeutet angetrunken sein bzw. einen Schwips haben.
"Abbröckeln" ist eine Weiterentwicklung von "bröckeln" und bedeutet "erbrechen".
"Blaupause" ist ein alkoholbedingter Schlaf.
Wenn man sich "laut" übergibt und eine zweite Person hört es, könnte sie meinen da ruft jemand den JÖÖÖÖÖÖÖRG ...
Unter einer "Discoschorle" versteht man ein Mixgetränk aus hochprozentigem Wodka und dem Energy Drink Red Bull.
Dönern ist ein gängiges Kurzwort für einen Döner essen.
Ein "Freibierparasit" geht nur zu solchen Events, bei denen es Freibier gibt.
"JayJoe" ist ein anderer Begriff für Kokain.
"Abbappen" ist ein anderes Wort für ausruhen, chillen.
"Chillen" bedeutet entspannen, relaxen bzw. einfach nichts tun und nicht an den Morgen denken.
Cool bedeutet zum einen schön, gut, toll aber auch auf Personen bezogen als gelassenen, nicht aus der Ruhe zu bringen,benutzt.
"Chillaxing" ist eine Wortkreation aus "relaxen" und "chillen" und kann verwendet werden wenn etwas extrem entspannend ist.
Chillomatic ist die Atmosphäre, bei der man relaxt abhängen kann. Coole Musik, ein bequemes Sofa, ein Drink und gute Freunde lassen einen die Alltagssorgen und den Stress - wenigstens zeitweise - vergessen. Chillomatic wird ähnlich wie cool verwendet, z.B. "Die Lounge ist echt chillomatic."
"Aasfresser" ist die Bezeichnung für einen Nicht-Vegetarier - einen Fleischfresser also, da dieser "tote" Tiere ißt.
"Abatmen" bedeutet furzen.
"Abdönern" bedeutet furzen.
Einen "Abflug machen" bedeutet weggehen oder sich verabschieden. Es kann aber auch als Aufforderung verwendet werden um zu signalisieren, dass man abhauen soll.
"Abgehen" oder auch "ab gehen" ist ein anderes Wort für sterben, abnippeln.
Der Begriff wird aber häufiger benutzt, wenn sich jemand bei einer Tätigkeit oder in einer Situation extrem ins Zeug legt oder ereifert.
"Ich bin illy" meint, ich bin krank. Das Wort "illy" ist dabei abgeleitet von dem Englischen ill, was krank bedeutet.
"Abkacheln" kann man sagen, wenn ein Gegenstand oder eine Person knapp vor dem Exitus steht.
Ein "Analysator" ist jemand der alles perfekt analysieren kann.
"Clearasilophil" ist jemand, der Pickel liebt oder dessen/deren Gesicht einen idealen Untergrund für diese bietet.
contranormativ gewichtet -Einfach zu viel Pfunde auf den Rippen.
Die Redewendung "den Molli machen" bedeutet jemanden verarschen.
"Denkmuskel" kann man zum Gehirn sagen.
"Einstielen" ist ein Synonym für organisieren, planen.
"Erblasen" ist ein Synonym für erarbeiten.
"Ex-gehen" ist unter medizinischen Fachkräften ein umgangssprachliches Synonym für Sterben, der Gebrauch leitet sich vom lateinischen Wort Exitus ab.
"Freizeitphilosophentreff" ist ein Synonym für "Arbeitsamt".
Herzkrebs ist das ALLERallerschlimmste. Schlimmer als Krebs, als Herzinfarkt, Neurosyphillis, TB und HIV in Verbindung mit Alzheimer, Parkinson und Lepra. Gebraucht für Menschen, die sich so benehmen, als hätten sie Herzkrebs und gerade die Diagnose bekommen.
Mit "Kopfficken" meint man Kopfschmerzen.
"Karriereöl" Ölt die Karriere und meint die Beziehungen zu den richtigen Leuten.
"Keggy" ist zweideutig verwendbar. Zum einen kann es als Synonym für "Kacke" und zum anderen als Synonym für "Kotze" genutzt werden. Als Verb ist es als "keggyn" ebenfalls nutzbar.
"Natzen" kommt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet und bedeutet jemanden "veralbern" bzw. "verarschen".
Okolyt - Nicht näher definierbarer Gegenstand oder Person. Gebräuchlich z.B. auch im Militärjargon, um ein "Ding" abschätzig zu beurteilen.
Ein "Okolyt" kann aber auch ein sehr großer, umgangssprachlich bisher undefinierter Gegenstand mit der Konnotation riesig, beeindruckend sein.
"Ocken" ist umgangssprachlich für Geld zu gebrauchen.
Paras: Wer sich in den Augen anderer seltsam bis krankhaft benimmt, gilt schnell als hoffnungsloser Fall und als reif für den Psychiater. "Ich glaube, du hast Paras" stellt eine medizinisch nicht unbedingt fundierte, aber rhetorisch umso gemeinere Diagnose.
Ein "Pommespanzer" ist eine sehr dicke Person.
"Rentnerbravo" ist eine Bezeichnung für das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".
ROFL - Ursprünglich und im Rest der Welt: ROTFL. Durch Schreibfaulheit entfiel im Deutschen das "t". Grammatikalisch richtig wäre ROTFL (rolling on the floor laughing). Kiddies und Neueinsteiger zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie ROFL statt ROTFL schreiben. ROTFL heißt so viel wie "lachend am Boden liegend". Mittlerweile findet die Abkürzung aber auch immer mehr Einzug in den normalen Sprachgebrauch.
"Verhonepiepeln" meint jemanden verarschen.
"Slacker" kommt aus dem Englischen und meint einen Mensch der gerne faulenzt, zum Beispiel in der Schule oder auf Arbeit. Die Abkürzung ist "Slacki", und das Verb heißt "slacken".