Samstag, 30. April 2011

Padraig und Peadar -1-

Als ich vor einigen Jahren nach Irland fuhr, lernte ich einige tolle Leute kennen, darunter auch die wunderbare, noch einzig lebende richtige Märchenerzählerin, die tatsächlich schon hundertzehn Jahre zählte. Eines Abends wurde ich von einer irischen Freundin zu einem Erzählabend dieser sehr alten Dame mitgenommen. Sie setzte an: „Heute werde ich euch eine Geschichte erzählen, die ich bisher erst einmal von mir gegeben habe. Und das aus gutem Grund, denn im katholischen, konservativen Irland ist dieses Märchen erfolgreich unterdrückt worden, dabei ist es ein wunderschönes, nur eben etwas verrucht in den Augen der meisten Menschen. Aber hier stoße ich auf ein tolerantes, offenes Publikum.




Da gab es einmal vor sehr langer Zeit einen alten König Fiachna, der das Königreich Galway regierte. Er war sehr beliebt bei seinem Volk, denn er war gütig und großzügig, tapfer und weise, und er hatte eine Schlitzohrigkeit, die jeder, der ihn kannte, aufreizend fand. Jeder wusste, dass er das Leben liebte und dass er glücklich war, obgleich seine von ihm über alles geliebte Ehefrau viel zu früh verstorben war und ihn alleine ließ mit den beiden Söhnen Liam und Padraig. Die beiden waren achtzehn beziehungsweise einundzwanzig, und nun war die Zeit gekommen, da der ältere so langsam die Stelle des alten Fiachna übernehmen sollte. Padraig wollte allerdings überhaupt nicht König werden, zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Was sollte Fiachna nun machen? Schließlich besagte die Regel, dass der ältere Sohn sein Nachfolger werden müsse; der wollte nicht, also müsste er ihn ausstoßen, das wiederum erschien ihm als keine glückliche Lösung. Padraig sagte: „Hör zu, Vater, ich habe noch nicht gelebt, noch nichts von der Welt gesehen, ich habe noch keine Erfahrungen gesammelt, ich bin noch nicht reif dafür, über ein Königreich zu herrschen. Ich hätte dich schon vor Jahren fragen sollen: Darf ich ein bisschen umherstreifen, durch das Land ziehen, meinen eigenen Weg finden? Vielleicht werde ich später ein guter Herrscher werden.“ Fiachnas Stirn legte sich in Falten: Padraig wollte von dannen ziehen und Liam erschien ihm noch zu jung, so beschloss er ein bis zwei Jahre weiter zu herrschen, bis Liam so weit wäre. Padraig verließ die beiden. Er nahm nicht viel mit, ein bisschen Verpflegung, ein paar Goldmünzen, und er sattelte sein Lieblingspferd. Liam war sehr traurig über den Fortgang seines älteren Bruders, denn er hing an ihm. Padraig ritt einfach drauflos, er lebte in den Tag hinein und kümmerte sich wenig um seine Zukunft. Fiachna hingegen wendete sehr viel Zeit darauf, seinen jüngeren Sohn Liam die Feinheiten des Regierens näherzubringen. Es war eine gute Zeit dazu, da es ausnahmslos ruhig war in Galway, wenig Probleme drückten die Bewohner, es herrschte kein Krieg und auch keine Krankheitsepidemie oder Hungerkatastrophe. Liam lernte schnell und Fiachna dachte daran, ihn bald als Nachfolger einzusetzen. Im ganzen Reich ließ er verlautbaren, dass sein Sohn Liam am Tag der Wintersonnenwende gekrönt werde und dass alle seine Gefolgsmänner zu diesem Ereignis auf sein Schloss kommen sollten. Gleichzeitig verhandelte er mit anderen Herrschern über eine Heirat seines Sohnes mit einer von deren Töchtern. Die Tochter des Herzogs von Cornwall, Lucille, bekam den Zuschlag. Am Tag der Wintersonnenwende war alles bereit. Alle Gäste, Lucille eingeschlossen, waren da, die Krönung und die Feier vorbereitet. Nur Liam ließ sich nicht blicken. Er hatte in den Wald gehen wollen, sich vor diesem nervenaufreibenden Tag noch einmal entspannen, doch er war nicht zurückgekehrt. Fiachna machte sich Sorgen, er sprach sich mit dem weisen Gareth aus und der riet ihm einen Trupp loszuschicken, der Liam suchen sollte. Die gesamte Gästeschar beunruhigte sich: „Was mag wohl nur geschehen sein?“ Man suchte und suchte und fand Liam erst einmal nicht. „Ich habe ihn!“ schrie plötzlich Gaheris, ein Cousin des Gesuchten. „Er liegt hier, hinter der großen Pinie und atmet nur noch ganz schwer. Er glüht.“ Eilig hoben die Männer Liam hoch und trugen ihn ins Schloss. Der heilkundige Gareth untersuchte ihn sofort und sagte: „Wir müssen sofort sein Fieber senken und einen Boten nach Fermanagh schicken. Dort hat die ehrwürdige Niamh Kräuter, die ihn vielleicht noch vor dem Tod retten.“ Doch auch diese Kräuter halfen nicht viel. Liam blieb in dem fieberhaften Zustand und wurde von seinem Vater verzweifelt gepflegt. Keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Gaheris, der all zu gerne die Macht in diesem Reich übernommen hätte, bot sich an, die Geschäfte seines Onkels weiterzuführen, doch der entgegnete ihm: „Es geht schon. Ich werde es alleine schaffen.“ Gareth riet ihm, seinen anderen Sohn suchen zu lassen. Nun schickte Fiachna erneut einen Trupp los, doch Padraig wurde nicht gefunden. Der König verbitterte. Eines Tages wollte ihn Peadar, der Sohn seiner eifrigsten Magd, sprechen. Der erzählte: „Gestern Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich Padraig vor mir sah. Ich würde mich gerne auf die Suche nach ihm begeben. Kann ich mit Eurer Hilfe rechnen?“- „Ja, selbstverständlich. Du kannst alles haben, was du brauchst. Wenn du ihn nur finden könntest...“ Peadar machte sich auf den Weg. 


Lucas Cranach d. Ä.
Er hatte im Traum einen Ort gesehen, an dem junge Männer nackt in einem See badeten und beieinander lagen, und mittendrin hatte er Padraig gesichtet. Aber wo war dieser See? Peadar wusste es nicht. Sein einziger Hinweis waren besonders geformte Felsen, die aus dem Wasser ragten. Er hatte davon gehört, dass im Süden Erins solche eigenartige Felsformationen existierten, doch er wusste nicht wo genau. Er ritt also zunächst in den Süden und fragte jeden nach diesen Felsen und nach diesem See, an dem Knabenliebhaber verweilten. Keiner kannte diesen Ort und hielt Peadar für einen perversen Wüstling. Oft entging er nur knapp Anschlägen auf sein Leben. Eines Tages traf er einen dunkelhaarigen Mann, der sich Ciaran nannte, und von diesem See wusste. Er fragte Peadar: „Na, mein hübscher, blonder Jüngling, suchst du jemand Bestimmtes dort? Wenn nicht, so würde ich dich gerne zu mir mitnehmen. Du gefällst mir.“- „Es wäre mir lieber, wenn du mich zu diesem Ort bringen könntest.“- „Aber es muss ja auch etwas für mich herausspringen“, entgegnete ihm Ciaran.
Fortsetzung folgt morgen! ...

Donnerstag, 28. April 2011

Darkroom Diaries - 10 -

Sie liegen auf dem Bett, es ist sehr warm, sie haben das Fenster geöffnet, damit ein laues Lüftchen in ihr Zimmer einziehen kann. Sie sind nackt, doch sie haben keinen Sex miteinander. Jott A. hat keine Lust, sagt er. Liegt es, beginnt Armin, liegt es daran, dass wir es ganz einfach nur im Bett, ganz alleine, ohne andere, ohne Exhibitionismus, ohne Darkroom, ohne Cruising Area... machen? Nein, nein, beeilt sich Jott A. zu sagen. Doch er kann sich insgeheim nicht dagegen verwehren, es stimmt! Sie hatten so gut wie immer Sex an solchen Orten, ihre "Liebe" lebte davon. Sie begann so. Sie blieb so. Sie bewegen sich nun am Scheideweg: bleibt es diese Liebe, die auf Sex basiert und zwar auf welchen, der immer ungewöhnlich sein muss, oder wird es mehr? Armin weiß die Antwort genau. Jott A. hatte bisher noch nie etwas anderes als körperliche Liebe, er weiß nicht, ob er zu einer Beziehung fähig, zu so einer erwachsenen Beziehung, mit Verantwortung, mit Zärtlichkeit, mit Verbundenheit... Meinst du, wir kriegen das hin? fragt Armin schüchtern. Was denn? fragt Jott A. ausweichend. Na, das mit mir, verdammt noch mal! - Wieso? Das läuft doch! - Jott A., das meinst du doch nicht ernst! Jott A. meint es jedoch ernst. Er glaubte bisher, dass der gemeinsame Thrill mit Armin eine Steigerung zu seinen Eskapaden, die er ganz alleine erleben durfte, sei. Armin sieht das anders. Bist du nicht ganz normal? fragt er seinen Freund. Jott A. zuckt  die Achseln, er kann über solche Dinge nicht reden... Lass uns einen Porno anschauen, sagt er. Und Armin ist kurz vor dem Ausrasten...
Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 27. April 2011

Palmen-Party in Rheinbischofsheim

Wieso heißt diese Veranstaltung "Palmen-Party", findet sie doch am Ostersonntag und nicht am Palmsonntag statt?! Das war die häufigste Frage. Gleich danach: Und warum gehst du da hin? Die Palmen-Party heißt so, weil da Palmen stehen... Und Jungs in Shorts und Sonnenbrillen rumlaufen, Mädels mit Flipflops und blumigen Tops. Jungs und Mädels ist schon richtig gewählt als Ausdruck, denn schätzungsweise 50 % der Anwesenden waren unter 18. Auch nach Zwölf übrigens. Manche waren auch unter 16, aber... naja, wir waren ja auf dem Dorf.


Dass wir uns alt fühlten, war gar nicht so schlimm. Ich finde es ja witzig, Jungs in ihrem Gebaren zu beobachten, Mädchen zu beeindrucken. Mädchen, die einen Kopf größer sind, und gerne auch etwas reifer. Und wie sich dann die Jungs an ihren Getränken festhalten... Diese übrigens waren selten ganz gefüllt, Sparfüchse müssen nicht aus Schwaben kommen, sie können auch gerne in Baden wohnen. So, das war es mit Klischees. Viel schlimmer als die Cocktails, die nicht schmeckten - und die erst voller wurden, wenn man hartnäckig motzte, war die Band auf der Bühne, die zwei oder drei Auftritte am Abend hatte (technisch versiert und gut zwar, vor allem mein Bekannter, der in allerlei Formationen mitspielt, Hauptsache das Geld stimmt) - und die Lieder aus der Deutschen Welle und  Die Ärzte (aaaaaarggggghhhh) und ganz smashige Ohrwurm-Klassiker (habe ich schon vergessen, so im Stile von "Sweet home Alabama" - doppelt aaaaaaaaaarggggghhh) vor sich hinträllerte. In Frankfurt hätte das nicht funktioniert. Meine Jugendlichen hätten gesagt: "Westerland - was ist das denn???" oder "Welcher Alex soll denn kommen - Wasn Scheiß!". Aber gut, die Kleinen waren rotzevoll und hatten Strandhüte auf.


Palmenparty eben (siehe Bild) - vom Limbo tanzen habe ich leider keine Handybilder machen können. Man hat mich nicht vorgelassen. ;-) Es war so spannend, wer die ZEHN Euro gewinnen könnte, wofür man dann zwei mal einen halben Cocktail bekommen konnte, der nicht schmeckt. Aber wir feierten in einen Geburtstag hinein (von einem der liebsten und tollsten Menschen der Welt!) - und machten gute Laune zum bösen Spiel. Wir hatten ALLE soooooo viel Spaaaaaaß! Ich zum Beispiel habe ein Jahr darauf gewartet, wieder zu dieser Party zu dürfen. Ja! Im letzten Jahr war ich da, mit dem schönsten Mann der Welt - und es gab viel zu lachen. Nur dieses Jahr war weder er dabei noch unser Freund "der Pole". Schade! Es machte halb so viel Spaß, sich über die Leute lustig zu machen (ich überhebliches Arsch), die über das Ziel hinausgeschossen sind... Aber gut: irgendwann ist alles gut. Mit viel Alkohol. Oder so....
Anmerkung: Aber natürlich gab es ja einen guten Grund hinzugehen, zwei tolle Menschen, die mich gefragt haben. :-) Nur hoffe ich, dass sie mich nächste Ostern woanders mit hinnehmen :-))))

Dienstag, 26. April 2011

Eastern SUCKS! oder so...

Muss ich denn gute Laune haben, weil die Sonne lacht und jeder Happy Eastern auf Facebook postet? Dann wurde ich auch noch an diesem Ostersonntag Nachmittag, an dem jeglicher mögliche Flow vom Joggen schon längst weggeblasen wurde, in eine Gruppe eingefügt, die da heißt: "positiv unterwegs! :-)" Zuerst dachte ich ja, dass es etwas mit HIV zu tun hätte und fragte mich WTF?! Dann schnallte ich es und dachte: Oh, wie nett! Da findet mich jemand so positiv und witzig und so - und vor allem mag ich die Person, die mich dazu gefügt hat... Aber nach zwei Stunden Zugehörigkeit zu dieser Gruppe dachte ich wieder: WTF?! Ich bin nicht positiv, und schon gar nicht an Ostern und schon am allerwenigsten in KEHL. Ich muss es auch nicht. Ich muss verdammtnochmal keine gute Laune in Kehl haben, ich muss verdammtnochmal überhaupt gar nicht in Kehl SEIN. Es fuckt mich ab, absolut, es macht mir keinen Spaß, es überfordert mich, es deprimiert mich, es saugt mir all meine Kraft aus... Heimat - was soll das sein? Ich kann es nicht erklären, wieso es mich so fertig macht. Wie soll das jemand verstehen, für den es so normal ist, hier zu sein, bei der Familie, in der "Heimat"... Es ist nicht meine Heimat. Meine ist wo ganz anders. Ich fühle mich unwohl, ich fühle mich ungeborgen, ich will weg, ich möchte hier nicht sein, es ist ein Gefängnis, es ist ein Ort, an dem ich nicht sein möchte, der mich runterzieht, der mich fertig macht. Kehl ist ein Vampir für mich - und zwar ein kaum attraktiver!

Montag, 25. April 2011

Ostergrüße aus Kehl am Rhein

So, ich hatte also keine Ausrede an diesem Ostersonntag Morgen: Die Sonne schien, es war warm, noch früh genug, der Osterhase musste die Ostergeschenke verstecken, die Hunde waren auch nicht da! Ich musste also joggen gehen!


So begann mein Weg, der steinig und schwer war. ;-)
Hier ein paar schöne Impressionen aus einer schönen Gegend Deutschlands: KEHL am RHEIN... Und das Joggen war durch die Dokumentation auch weniger langweilig. :-)))




Sonntag, 24. April 2011

Memories in the Baustelle...

Es war in Karlsruhe, in der Schiller-Schule, als ich laut darüber sinnierte, was ich machen würde, wenn ich im Lotto gewinnen würde. Meine Schüler_innen diskutierten mit. Ich sagte: Erst ein langer Urlaub und dann ein Haus mit gaaaaanz vielen Zimmern, um möglichst viele verschiedene „Themen“-Räume einrichten zu können und um viele Gästezimmer für Besuch zu haben. Als ich einen der kleinen türkischen Checker fragte, was er sich denn von mir wünsche, was ich ihm schenken könnte bei einem Lottogewinn, da sagte er: ein Zimmer in deinem Haus. Das fand ich süß!
Diesen Gedanken, ein großes Haus zu haben, mit vielen Zimmern, habe ich immer weiter ausgebaut in meinen Träumen – und immer suche ich mir ein paar Leute aus, die unbedingt ein oder mehrere Zimmer in meinem Haus haben sollten. J. und D. gehören dazu...
Diese beiden liebeswerten, witzigen, emotionalen und hübschen Frauen traf ich dann heute wieder, in Karlsruhe... Und ich musste wie ein griechischer Held einige Gefahren und Hindernisse überwinden, um zu ihnen zu gelangen. ;-) Eine Fahrt mit dem Nahverkehr zwischen Appenweier (What the FUCK!) und Baden-Baden, na, okay, ging noch, dann mussten aber alle Leute, die nach Karlsruhe wollten, aussteigen, und zwischen Baden-Baden und Rastatt in so einem dämlichen, übelluftigen Bus quer durch die Wallachei fahren... Um dann irgendwann in Rastatt und irgendwann in Karlsruhe zu landen... Und an meinem Treffpunkt war dann ... eine Riesenbaustelle. Wo ist eigentlich der Europaplatz hin?




Ach, man kann sein ganzes Leben neue Leute kennenlernen, aber es ist irgendwie anders mit den alten Schul- und den alten Studienfreunden. Es ist eine aufwühlende Zeit, man lernt ganz viel Neues, wird erwachsen und alles. Und in dieser Zeit lernt man dann Menschen kennen, die die intensivste Entwicklung mitmachen... Wir haben so viele Running Gags, J. und D., es ist einfach schön, es ist aufregend, es ist melancholisch, es ist lustig. 
Das Haus ist groß wie eine Stadt, mittlerweile, da sind so viele Menschen, die einen Platz in meinem Herzen haben, die mir mal wichtig waren, und die gerne noch immer wichtig sein könnten. Doch weil die Sehnsucht zu groß werden würde, versuche ich alles zu verdrängen, aber eigentlich würde ich sie gerne in meiner Nähe haben, all diese Menschen, die mir wichtig sind. Menschen, die einen verstehen, denen man nichts mehr erklären muss, die auf einer Wellenlänge mit mir sind. J., D. und ich haben vieles gemeinsam erlebt - und jetzt erleben wir wieder vieles, unabhängig voneinander und doch immer nah beieinander, irgendwie.
Wir haben ein paar Orte besucht, an denen wir häufig waren, das Ying und Yang, das H & M undsoweiter. Vieles haben wir aber nicht geschafft... In den Schlossgarten gehen zum Beispiel... Das habe ich dann alleine gemacht. Aber auch hier eine RIESEN Baustelle.


Dinge ändern sich... Man lebt, geht in den Kindergarten, in die Schule, macht eine Ausbildung, studiert, kriegt eine Arbeit und Kinder, heiratet vielleicht. Und hat Freunde und bleibt sich gleich - was die Freunde zeigen. Mit J. und D. war es so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal an der Hochschule gesehen... und doch war es ganz anders. Verstehste?
Wir sind älter geworden und doch sind wir die gleichen - wir haben uns Dinge erträumt, die nun ganz anders sind, und doch sind wir so, wie wir sein wollten...

Samstag, 23. April 2011

„Die schwarze Spinne“ heute und die Ohnmacht um Fukushima

www.cineastentreff.de
Der Teufel – aktueller denn je
In einer Welt, in der der Glauben scheinbar immer weniger eine Rolle spielt, ist es verwunderlich, wieso der Teufel auch heute so oft in Filmen und Büchern auftaucht. Gerade läuft in den Kinos „The Rite – Das Ritual“, in dem wahren Begebenheiten folgend die Praxis der Teufelsaustreibung in der Katholischen Kirche dargestellt wird. Die größten Schauspieler verkörperten den größten Gegenspieler Gottes: beginnend beim unvergessenen Gustaf Gründgens im „Faust“, über Jack Nicholson im Kultfilm „Die Hexen von Eastwick“, Al Pacino in „Im Aufrag des Teufels“ oder Tom Waits in „Das Kabinett des Doktor Parnassus“, dem letzten Film des 2008 verstorbenen Heath Ledger. In für das Genre wichtigen Horrorfilmen wie „Rosemaries Baby“, „Der Exorzist“, „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ und in neuerer Zeit „Der Exorzismus von Emily Rose“ oder „Requiem“ spielte er eine wichtige Rolle.
Faszination Teufel
Der Teufel scheint eine Faszination auf Menschen auszuüben. In einer Welt der Dualität braucht es eine Gegenfigur für Gott. Doch ohne an Gott zu glauben, lässt sich schwer an den Teufel glauben. In einigen Taufliturgien gibt es nach wie vor Exorzismen. Man ruft Gott an, dass der Säugling nicht in Versuchung gerät, dem Teufel zu dienen. Der Herr wird gebeten, jeden unreinen und bösen Geist von dem Kind zu treiben. Exorzismen bilden eine eigenständige Welt des geistlichen Kampfes. Früher brauchte man die Geistlichen dazu, heute müssen Therapeuten gegen die inneren Kämpfe der Menschen antreten.
von Reclam übernommen
Jeremias Gotthelf und seine „Schwarze Spinne“
Gotthelf hat den Stoff dieser Novelle einer über sechshundert Jahre alten Sage entnommen, die aus der Zeit der Pest stammt, und ihn in den Rahmen einer Tauffeier auf einem Großbauernhof gestellt. Diese Sage erzählt von einem brutalen Ritter (von Stoffel), der seine leibeigenen Bauern ausbeutet, die sich dann in ihrer Not mit dem Teufel verbünden. Dieser verlangt ein ungetauftes Kind als Gegengabe, und eine landfremde Frau (Christine) schließt mit dem Bösen den Pakt. Sie gebiert aber ab diesem Zeitpunkt immer wieder das Böse in Form von schwarzen Spinnen. Gotthelf gestaltet die Sage zu einem weltgerichtlichen Bild aus. Er setzt ihr die Darstellung der geordneten Welt am kirchlichen Feiertag, die Harmonie der bäuerlichen Lebensordnung, die aus echtem christlichen Glauben erwächst, entgegen.
Tiere und Naturkatastrophen
Gotthelf prangert Hoffart, Stolz und Herrschsucht an, die Herrschaft derselben macht es erst möglich, dass der grüne Jäger und die Spinne unter den Bauern weilen können. Die Menschen verschließen sich oft in ihrer Verblendung dem Willen Gottes, anfangs sind das die Ordensritter und später die Bauern selbst.
Die Welt ist verdorben von Grund auf, aber sie kann durch das Gute gerettet werden. Gut zu handeln ist jedem von Gott gegeben, er braucht es nur zu wollen. Gotthelf beschreibt die Häuser der Menschen, die Natur, die diese umgibt, sehr präzise und liebevoll, lange Sätze über das Essen und das Mobiliar reihen sich aneinander. Auch die Tiere haben eine wichtige Rolle, die stolzen Hühner und die schönen Tauben, die wilden Hunde der Ritter, die brüllenden Ochsen, die feurigen Eichhörnchen oder gar die Spinne. In ihnen offenbart sich der Mensch als „das grausenhafteste der Tiere“, wie Gotthelf einmal formuliert. Deswegen wird auch Christine nicht zufällig zur Spinne. Von daher ist es auch kein Wunder, dass der Teufel im Jäger, dem Gefährten der Tiere, versinnbildlicht wird. Bei Gotthelf ist die Pervertierung der Sorge um das Diesseits, die den einzelnen und die Gemeinschaft letztlich sogar zum Verrat an Gott treibt. Gotthelf scheint den inneren, seelischen Kampf des einzelnen in die äußere Handlung der Naturgewalten zu verlegen, in den Unwettern spiegelt sich die Haltung Gottes dem Menschen gegenüber.
von www.lalsace.fr entnommen
„Die schwarze Spinne“ heute und die Ohnmacht um Fukushima
Naturkatastrophen, um den Bezug wieder auf die Gegenwart zu legen, sind heute aktueller denn je. Viele fragen sich in Zeiten von „Fukushima“ nach der eigenen Schuld an diesen Umweltkatastrophen. Sie fühlen sich angesichts dieser Ereignisse ohnmächtig, diejenigen, die die „Macht haben“ entscheiden, um des Geldes willen entscheiden sie so, wie sie es tun, scheinbar ohne sich den Konsequenzen bewusst zu sein. Politiker entscheiden sich für Kernkraftwerke oder dagegen, je nachdem, ob sie gerade einer mächtigen Atom-Lobby gefallen oder eine Wahl gewinnen müssen. In der 1842 geschriebenen Novelle stellt sich die Frage nach der Schuld der Bauern am Einbruch des Unheils: sie sind unfreie Hörige, ängstlich, naiv und gutgläubig. Weil sie sich in ihrer Not nicht zu helfen wissen, werden sie zu einer leichten Beute des Jägers. Aus der Angst, die sie bedroht, entstehen Zorn und Wut gegen die Angst bereitende Ursache, von Stoffeln und die anderen Ritter, durch deren Unterdrückung werden die Bauern ebenso selbstsüchtig, feige und hinterhältig, sie versuchen die Verantwortung auf andere zu schieben. Sie sind sogar bereit, Christine, die den Pakt mit dem Teufel schließt, zu töten, obwohl sie diesen Pakt im Innersten genauso gewollt hatten wie sie. Sie hören nicht auf die mahnenden Worte des Priesters. Wer hört heute auf die Mahner? Wer verhindert heute diese Handlungen, die solche Katastrophen nach sich ziehen?
„Die schwarze Spinne“ - Lesen oder nicht lesen?
Vielleicht schreckt der eine oder andere zurück vor einem Werk, das 1842 geschrieben wurde, vielleicht aus der Angst heraus, dass es zu kompliziert sein könnte. Doch dem ist nicht so. Gerade sein Schreibstil und seine Beschäftigung mit den einfachen Menschen hat Jeremias Gotthelf den Ruf eines „Volks-Schriftstellers“ beschert. Meiner Meinung nach ist er allerdings viel zu unterschätzt: diese Novelle zieht einen in den Bann, man möchte das Buch gar nicht mehr weglegen und es kann durchaus sein, dass man es eventuell einem Teufels-Film vorziehen mag.

Freitag, 22. April 2011

K-u-l-t-u-r-KLASSIKER

Leute, Leute, ist Ostern so ähnlich wie Weihnachten, denkt man daran, was so die letzte Zeit war, was alles so passiert ist und wie es weitergehen soll? Oder solche Dinge? Keine Ahnung! Ich schaue auf jeden Fall immer ganz viele alte Filme an. Das mache ich an Weihnachten noch lieber, aber auch an Ostern...




Vielleicht lese ich aber auch sämtliche Texte auf der Seite www.kulturklassiker.de/. Die ich jetzt nicht nur gut finde, weil ich zurzeit gleich auf der Startseite zu lesen bin. ;-)
Sondern weil mich das Konzept interessiert. Ich finde es schön zu überlegen, was uns ein Charles Bukowski, ein Goethe, ein Heinrich von Kleist, ein Balzac heute noch zu sagen haben. Wirklich gute Literatur ist zeitlos. Bei Filmen ist das genauso. Die Macher von der Seite sagen: "Die Menge der jährlichen Neuerscheinungen ist ebenso überfordernd wie unsinnig. Darum wollen wir überlegen, was uns die Klassiker der Kultur heute noch zu sagen haben. Wir sind Fans, Freunde und Förderer von Kultur - weil gute Kultur tief berühren kann." Sie breiten aber ihre Gedanken in ihrer "Philosophie" noch weiter aus, sehr interessant, sehr inspirierend. Einfach lesenswert. Und schön wäre es sicher, wenn sich der eine oder die andere bemüßigt fühlen, ebenso Texte beizusteuern zu der Seite - so wie ich es getan habe. :-) Ich habe über Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf geschrieben und sie in Beziehung zu den Naturkatastrophen der letzten Zeit gesetzt, lest hier weiter. Morgen werde ich eine andere Version des Textes hier posten. Es wird ein großer Unterschied zu finden sein. Der Text auf www.kulturklassiker.de ist auf jeden Fall besser - dank Bastian Buchtaleck. :-)

Mittwoch, 20. April 2011

Ausstellung: Eurovision Song Contest

Dass ich Eurovision Song Contest oder kurz ESC-Fan bin, dass weiß man ja... Jetzt gibt es extra für mich - und natürlich für alle anderen Fans eine interessante Ausstellung dazu, und zwar vom 26.4. – 14.5.2011: 

Der Eurovision Song Contest – früher bekannt als Grand Prix d´Eurovision de la Chanson zählt weltweit zu den größten Fernsehereignissen und wird in diesem Jahr bereits zum 56-Mal ausgetragen, diesmal in Deutschland. Mit unserer Ausstellung werden wir vieles aus seiner Geschichte ausstellen und somit auch so mache Erinnerung wecken. Wer wusste zum Beispiel, dass der 2. Grand Prix im Jahr 1957 in Frankfurt am Main ausgetragen wurde? (Quelle: www.frankfurt.de)


Und am Dienstag, den 26.4.2011, um 19.30 Uhr wird die Ausstellungseröffnung mit Jan Feddersen (Redakteur der taz und Autor - und vor allem DER Grand Prix Experte Deutschlands) stattfinden. Feddersen liest aus seinem Buch "Wunder gibt es immer wieder" und danach folgt eine Talkrunde mit Überraschungsgästen. Der Veranstaltungsort ist die Musikbibliothek in der Stadtbibliothek in der Hasengasse 4 und der Eintritt ist frei.

Montag, 18. April 2011

Taras Welten

http://justpic.info/images/7d87/tara.jpg
Eine Wahnsinns-Serie hat da die ARD in ihr Abend- bzw. Nachtprogramm auf einsfestival gesteckt und vor allem versteckt. Die Serie wurde in Amerika mehrfach mit Preisen beehrt, was ja nicht immer sofort ein Qualitätssiegel ist, aber in diesem Fall sehr berechtigt. Diese Serie ist gleichzeitig Comedy und anspruchsvolles Fernsehen mit Untertönen in Einem. Taras Welten oder United States of Tara, wie die Serie im Original heißt, erzählt den Alltag einer nicht ganz alltäglichen Geschichte. Dabei spielen die wundervolle Toni Collette (Muriels Hochzeit, Little Miss Sunshine) und der smarte John Corbett (Sex and the City Serie und auch im zweiten Teil des Films zu sehen, My Big Fat Greek Wedding) die Eltern. Keir Gilchrist spielt die aufmüpfige Tochter, die in einem Diner arbeitet und der Sohn Marshall, der von Brie Larson dargestellt wird, und der schwul ist. Die Familie lebt in einen gediegenen Vorort von Kansas City. Der Vater Max Gregson verdient den Lebensunterhalt, Tara hingegen kümmert sich um die Familie, nebenher dekoriert sie Wohnungen mit Wandgemälden von sich. Alles erstmal nicht ungewöhnlich. Man merkt allerdings sehr schnell, dass es bei den Gregsons einen entscheidenden Unterschied zu anderen Familien gibt: Als Tara zu Beginn der ersten Folge ein Rezept für die "Pille danach" in Kates Zimmer findet, ist sie darüber so verunsichert, dass augenblicklich eine ihrer anderen Persönlichkeiten das Regiment übernimmt: Sie verwandelt sich in die rotzfreche "T". Das vulgäre kleine Flittchen solidarisiert sich umgehend mit ihrer "Altersgenossin" Kate und versucht später, Max zu verführen - schließlich ist Tara "nicht zu Hause". Der arme Kerl weist die aufreizende "T" jedoch schweren Herzens zurück, da er mit seiner Frau vereinbart hat, mit ihren anderen Persönlichkeiten keinen Sex zu haben. Man sieht: Die Gregsons haben es nicht ganz leicht mit ihrer unter einer dissoziativen Identitätsstörung - allgemein auch "multiple Persönlichkeitsstörung" genannt - leidenden Mutter. Trotzdem haben sie sich an die skurrile Situation gewöhnt und behandeln jeden von Taras unterschiedlichen Charakteren als willkommenen Hausgast. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem, wenn Tara sich in den rauchenden und Bier trinkenden Vietnamveteranen Buck verwandelt, der mit seinen Machosprüchen vor allem dem sensiblen Marshall das Leben schwer macht. (Quelle die Seite von Einsfestival)
Eine aberwitzige, absurde Serie, die wirklich Spaß macht! Darf man nicht verpassen!

Samstag, 16. April 2011

Wer wird der Superstar 2011?

Auf der rechten Seite seht ihr meine Umfrage, die genau zwei Wochen lang geht, also bis etwa vor der Finalsendung... Was glaubt ihr, wer DSDS 2011 gewinnen kann?
Ich habe mich ja schon seit Längerem festgelegt: Sebastian Wurth wird es dieses Jahr machen. Wieso? Er ist nicht nur der netteste und talentierteste, sondern hat die ganze Zeit über gezeigt, dass er jetzt schon ein Star ist, so abgeklärt, so souverän, ohne Fehler, aber dafür mit viel Bodenhaftung!


http://www.nightmare-horrormovies.de/Poster/sebastian-wurth-bild-9.jpg
Und wer fliegt heute raus? Na, letzte Woche entschied es sich zwischen den beiden "Ausländern" Zazou Mall (Schweiz) und Marco Angelini (Österreich). Die erstere flog raus, der zweite blieb drin. Für ihn wird es aber heute sehr knapp. Sarah wird es heute wieder packen. Ardian mutierte das letzte Mal zum Mitfavoriten. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er heute zu aufgeregt sein wird, und das Nachsehen gegenüber Marco haben wird. Also, mein Tipp für heute Abend: Marco und Ardian dürfen am längsten zittern - und Ardian fliegt dann ganz knapp raus! 

Donnerstag, 14. April 2011

Kitchen Stories FIFTEEN - die zweite Lesung!

Die Lesebühne ist eine Veranstaltungsreihe der Darmstädter Textwerkstatt. Sie stellt jeweils am ersten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr im Literaturhaus, Kasinostraße 3, zwei Autoren mit ihren Arbeiten vor.
Die Veranstaltungen haben Werkstattcharakter und bieten neben der Präsentation auch den Diskurs unter der Moderation von Kurt Drawert. Der Eintritt ist frei.


 Foto: Maren Bessler / pixelio


Zwei Teilnehmer der Darmstädter Textwerkstatt lesen am 4. Mai (Mittwoch): Özlem Özgül Dündar (Wuppertal) stellt ihre zarten, tastenden, sprachskeptischen Gedichte vor, die Zeugnis einer insistierenden Selbstvergewisserung sind. Jannis Plastargias (Frankfurt am Main), der bereits einen Roman für Jugendliche geschrieben hat, liest neue erzählende Prosa. Seine Geschichten umkreisen thematisch die Suche nach einer authentischen Beziehung zu sich und den anderen. Beide sind mit den ersten MERCK-Stipendien der Textwerkstatt ausgezeichnet worden.

Mittwoch, 13. April 2011

Darkroom Diaries - 9 -

Sie liefen über die Wiese, beide zogen sich neben Schuhen auch ihre Unterwäsche wieder an, wenn man nackt läuft, ist es ja noch etwas anderes als nackt auf der Wiese zu liegen, es war ihnen unangenehm. An ein paar auf der Wiese liegenden Handtücher und Männern vorbei ins Dickicht. Kleine Pfade waren in dieser dicht bepflanzten Bauminsel eingetreten... Sie folgten diesen Wegen und trafen zunächst auf einen Mann, der nackt rumstand, einen Ständer hatte und auf etwas wartete. Ein bisschen weiter hinten sahen sie dann die beiden Männer, die sie vorhin ins Dickicht haben gehen sehen. Sie trieben es miteinander. Armin war ganz aufgeregt, Jott A. unheimlich erregt. Was sollen wir machen? fragten beide mit ihren Blicken. In ihren Pants zeichneten sich ihre dicken Schwengel ab... Sie zogen sie aus. Und in diesem Moment spürten sie den anderen Mann hinter sich, der seine Hände ausstreckte und Armin berühren wollte. Der schreckte zunächst zurück, ließ es aber dann zu, als Jott A. ihn aufmunternd anschaute. Und dann begann die Dreier-Action...
vorher:
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/03/darkroom-diaries-8.html

Dienstag, 12. April 2011

Die Liebe kennt keine Regeln

http://www.dradio.de/images/21868/landscape/
Nach zwei Monaten zusammenziehen, das kann ja nicht gut gehen! sagte man mir. Und ich fragte: wieso? Ein Altersunterschied von fünfzehn Jahren, das kann ja nicht gut gehen! sagte man mir. Und ich fragte wieso?
Menschen möchten alles kontrollieren, alles in Schubladen stecken. Sie brauchen Regeln, sie brauchen Richtwerte, sonst werden sie verrückt. Diese Richtwerte, diese Regeln werden dann oft zu Allgemeinplätzen, zu Äußerungen, die ohne darüber nachzudenken ins Gespräch geworfen werden - ohne Sinn, ohne Verstand, ohne die Situation zu bedenken, die immer eine besondere ist. Und wenn sich schon Millionen Menschen in fünfzehn Jahre jüngere oder ältere Personen verliebt haben - trotzdem ist diese eine Beziehung eine besondere, eine, die ganz andere Vorzeichen haben kann, eine, die nicht vergleichbar ist mit den Millionen anderen. Und wenn es millionenfach schief gegangen ist, wenn zwei Leute sofort zusammengezogen sind - doch kann genau diese eine Beziehung, die erst seit zwei Monaten besteht, diese neue Situation vielleicht meistern, vielleicht sogar sehr viel besser, als wenn die beiden in zwei Wohnungen leben würden. Es gibt keine Regeln in der Liebe. Genauso schwachsinnig sind solche Dinge wie: Freundschaften sind wichtiger als Beziehungspartner oder solche Dinge. Nach dem Motto: wahre Freunde hat man ewig, Beziehungspartner meist nur sehr kurz. Was steckt da für eine Lebenseinstellung dahinter? Was soll der Quatsch?! Abgesehen davon, dass man eine Freundschaft und eine Beziehung nicht gegeneinander abwiegen und abwägen kann: wahre Freunde bleiben deine Freunde, auch wenn du einmal eine Zeit lang mit Schmetterlingen im Bauch durch die Gegend streunst und die ganze Zeit nur an deine/n Angebetete/n denkst, nur ihn/sie sehen möchtest. Wahre Freunde verstehen solche Situationen. Liebe niemals eine/n gute/n Freund/in, komm nie mit ihm/ihr zusammen! so sagt man. Doch wo steht das geschrieben? Und kann es nicht sein, dass genau diese Beziehung, die aus einer Freundschaft hervorgegangen ist, diejenige sein wird, die dann ein Leben lang hält? Das weiß man nicht. Da kann man nicht solche Floskeln anbringen. Jede Beziehung ist anders, muss neu bewertet werden. Die Liebe kennt keine Regeln. Und da gibt es unzählige Beispiele dafür. Natürlich gibt es junge Leute, die sich ältere Partner aussuchen, um sich aushalten zu lassen und nicht aus Liebe mit ihnen zusammen sind. Sicher gibt es junge Leute, die einen Fetisch haben, auf ältere Leute stehen. Aber es gibt auch Menschen, die sich einfach in einen anderen Menschen verlieben, und gar nicht auf solche Oberflächlichkeiten schauen. Denen ist egal, ob der andere Geld hat, wie alt er ist, ob er einen besonderen Status hat... Sicher gibt es Leute, die überstürzt handeln, die alles Denken ausschalten, wenn sie verliebt sind, und ohne darüber nachzudenken, zusammenziehen, sich ewige Liebe schwören, sofort heiraten und alles - und sich dann nach einem halben Jahr enttäuscht trennen. Aber es gibt auch Menschen, die von der ersten Minute so eine intensive Beziehung führen, so oft zusammen sind, so viele wichtige Dinge besprechen, so vieles abklären, dass es nur folgerichtig ist, bald zusammenzuziehen, und nahezu risikolos... Das sind nur einige Regeln der Liebe... Andere sind, wann man anruft, wenn man eine Nummer zugesteckt bekommt, und solche Scherze. Es gibt unzählige. 
Welche fallen euch ein? Soll es weitere Postings dazu geben?

Montag, 11. April 2011

Darkroom Diaries - 8 -

Sie sitzen beide im Grüneburgpark in Frankfurt, endlich Frühling, draußen sitzen, am besten nackt und einfach nur die wärmenden Sonnenstrahlen genießen. Jott A. erklärt Armin, dass dieser Teil des Grüneburgparks "Tuntengrill" genannt wird, Armin schaut sich um und sagt: "Achso, deswegen liegen hier fast nur Männer, und dann auch noch gerne nackt..." Jott A. fordert seinen Freund - ja, sind sie nun tatsächlich ein Paar - auf, diese Männer einmal zu beobachten, vor allem den, der gerade aufsteht. Armin sieht, wie dieser nackte Mann seine Schuhe anzieht, nur diese, und in Richtung Bauminsel geht, die hinter ihm liegt. Na, er wird wohl pissen gehen, denkt er sich. Er möchte seinen Blick abwenden, gelangweilt, doch Jott A. fordert ihn auf, weiter zu beobachten. Ein zweiter Mann steht auf, läuft ebenfalls in die Baum- und Sträucherinsel hinein. Auch er kehrt nicht zurück, minutenlang. Armin schaut Jott A. fragend an. Na, was denkst du? fragt ihn der. Cruising-Area? Ja, sagt er. Das Gegenteil von Darkroom und doch das gleiche: ein Cruising-Park sozusagen, mitten in Frankfurt...
Fortsetzung folgt...
Teile 1-3 dieser Geschichte:
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/03/darkroom-diaries-7.html
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/03/darkroom-diaries-6.html
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/03/darkroom-diaries-5.html

Samstag, 9. April 2011

DSDS 2011 - Zazou Mall fliegt raus!

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Die schönste Version von "Hallelujah" hat eindeutig Jeff Buckley und nicht etwa Rufus Wainwright gesungen. Sebastian Wurths Version hat mir nicht so gut gefallen, dafür eher sein Outfit. :-) Richtig süß! Ardian Bujupi war auf der Musikmesse in Frankfurt - die erste Gemeinsamkeit von uns beiden. ;-) Der Auftritt war ganz gut, muss man sagen. Zazou dagegen wird wohl rausfliegen heute, zu wenig Gas gibt sie. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger... ;-) Marco nimmt ein Lied, das jemand anderes 10000000 Mal besser gesungen hat. Ich würde wirklich nie nie nie nie ein Lied von den Kings of Leon auswählen! Schwerer Fehler! Caleb Followill singt dieses Lied sooooooo sexy! Daran reicht Marco never ever heran... Sarah Engels kann wirklich super singen, das Lied von Christina Aguilera ist sauschwer, aber sie kriegt es hin. Sie kann es! Die kommt weiter! Aber welchen Blödsinn sie erzählt, allerdings der "begnadete" Moderator fragt ja auch nur Idiotisches. Das mit dem nackten Pietro ist schon witzig! :-) Ich liebe ja den Film Donnie Darko! Aber das Lied "Mad World" habe ich damals zu oft gehört. Deswegen bin ich voll abgenervt. Ich kann nicht sagen, ob ich die Version von Pietro Lombardi scheußlich oder cool finden soll/kann. Irgendwie hat sie was! Aber selbst wenn sie Scheiße wäre - Pietro ist eine Bank! Der ist sicher im Finale, wie bereits oft schon gesagt. Zazou Mall dagegen nicht. Sie fliegt raus! Ich lege mich fest.

DSDS 2011 - die erste Runde!

Letzte Woche hatte ich ja ausgesetzt, als hätte ich gewusst, dass keiner rausfliegt, als hätte ich den Skandal gerochen - zum Glück musste ich das alles nicht mit anschauen. Vielleicht hätte ich mich noch darüber aufgeregt...
Erste Runde: Sebastian legt wieder sehr gut vor, diesmal mit richtig gutem Outfit, er sollte öfter goldene Hosen tragen. :-) Was der mit 16 so auf die Reihe kriegt... Ardian war ganz sexy heute, vor allem das Tanzen... Und das Lied okay. Nun, die liebe Schweizerin Zazou hat erneut keinen guten Auftritt hingelegt. Ich muss Dieter Bohlen Recht geben, sonst hatte ich immer gute Laune bei diesem Lied - jedoch nicht, wenn es Zazou singt... Marco hingegen hat es wieder einwandfrei hingekriegt, den Falco, da widerspreche ich Dieter Bohlen eindeutig! Bei Sarah Engels bin ich raus: dieses Lied habe ich immer schon gehasst! Pietros unsägliche Version dieses unsäglichen Songs: schrecklich!
Zwischenmeldung: Mir ist sooooooooo langweilig beim Anschauen von DSDS!
Runde 1: 1. Sebastian Wurth 2. Marco Angelini 3. Ardian Bujupi 4. Pietro Lombardi 5. Sarah Engels 6. Zazou

Freitag, 8. April 2011

Die Poeten der Nacht von Barry McCrea

Wer „Die Schatten des Windes“, den Megaseller von Carlos Ruiz Zafón, verschlungen hat, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Wer auch noch besonders gerne originelle Coming-Out-Geschichten liest, der muss sich „Die Poeten der Nacht“ des Iren Barry McCrea besorgen. Doch ganz von Anfang an: Der junge irische Literaturstudent und Beckett-Stipendiat Niall kommt nach Dublin und tauscht sein bisheriges Leben als Sohn aus gutbürgerlichem Elternhause mit dem Leben inmitten hedonistischer Kommilitonen ein. Diese verbringen die meiste Zeit in der Dubliner Subkultur, trinken und rauchen sehr viel. Für Niall eine fremde Welt, die er bis dahin nicht kannte, denn in den letzten Jahren konzentrierte er sich neben der Schule auf seine große Liebe Patrick, die natürlich unerwidert blieb. Der Sportler Patrick traf sich mit seinen Kumpels in Pubs, während Niall zuhause saß... Bei einem seiner ersten Kneipenabenden mit viel Alkohol wird Niall auf der Straße verprügelt. 


Doch er hat einen Retter, John, den er männlich und sehr attraktiv findet. Und der ihn vor allem in die Welt der „Sortes“ einführt, eine seit dem Mittelalter angewandte Methode der Wahrsagung, bei der ursprünglich in einem Vergil-Text, später in der Bibel, eine beliebige Stelle aufgeschlagen wurde und in Beziehung gesetzt wurde zu persönlichen Problemen des Fragestellers. Bei einer Party sieht er wie John und Sarah diese Methode anwenden. Die beiden Vorbilder haben jedoch keine Lust auf einen Novizen und so versucht er ihnen irgendwie zu begegnen. Doch will die Organisation „Pour Mieux Vivre“, die angeblich hinter diesem „Spiel“ steckt, ihn vielleicht sogar dabei haben? Man erfährt es nie so genau... In der Zwischenzeit macht er seine ersten Erlebnisse in der Dubliner Szene, vögelt sich quasi durch diese und ist angeblich auf der Suche nach der großen Liebe...


Zuerst glaubt Niall nicht an diese Methode, an „Sortes“, doch als die ersten zufälligen Fragen, die er stellt, schlüssige Antworten ergeben und er tatsächlich durch diese „Sortes“ Sarah und John findet, die ihn zu meiden versuchen, verfällt er diesem „Spiel“, das zu einer Sucht wird, der er sich bald nicht mehr entziehen kann. Diese Sucht bestimmt sein Leben, bis er vollkommen zusammenbricht...


Es ist ein wirklich spannendes Buch, das der 1974 in Dublin geborene Barry McCrea hier vorlegt. Er ist Professor an der Universität Yale und seine immensen literaturwissenschaftlichen Kenntnisse merkt man dem Roman sehr an. Manchmal ist es vielleicht auch zu viel des Guten, zu viele Leerstellen sind vorhanden – zumindest für Menschen, die nicht Literatur studiert haben. Manchmal fragt man sich auch, ob er sich Klischees von Iren bedient oder ob er tatsächlich alle Figuren ernst meint. Zumindest scheint es so, als würden alle Dubliner jeden Abend Bier saufen, gleich mehrere Zigarettenpackungen rauchen und sehr gesellig sein. Am liebsten möchte man sich in den nächsten Flieger nach Dublin setzen und sich Nialls Kommilitonen anschließen. Allerdings möchte man auch deswegen hinfliegen, um ihn zu schütteln, in den Arsch zu treten, weil er es schafft, einem hartnäckigen potenziellen und vor allem liebenswerten Beziehungspartner wegen „Sortes“ zu vergraulen – und zwar gleich mehrmals.


Die geneigten Zuhörerinnen und Zuhörer sollen sich das Buch kaufen, deswegen verrate ich das Ende nicht, aber ich möchte etwas davor warnen: es ist eines, das man schwer interpretieren kann, vielleicht gar nicht – das sollte man beim Kauf berücksichtigen...


Erhältlich ist der Roman zumindest für 9,95 Euro im Fachhandel– er ist im Aufbau Verlag im Jahre 2008 erschienen und umfasst 427 Seiten.

Donnerstag, 7. April 2011

Kitchen Stories FOURTEEN (kleine Hafennutte)

Eichborn Verlag
Es begann alles mit einem Blog, der die „Kleine Hafennutte“ heißt, in welchem der im letzten Jahr verstorbene Hartwig Schröder von seinem Leben als Callboy/ Stricher erzählte.
Kleine Hafennutte deswegen, weil der Protagonist seine Liebe zum Hamburger Hafen entdeckt, als er mit Andreas aus seinem kleinen Kaff nach Hamburg zieht. Hafennutte auch, weil zuerst der Freund und offensichtlich auch Beziehungspartner Andreas auf den Geschmack kommt, sich und seine Liebesdienste gegen Geld zu verkaufen. Das tut ihm die Hauptfigur nach und zwar mit sehr viel Spaß und Neugier. Dabei geht es beiden weniger um das Geld, denn Andreas hat eine Menge davon und lässt seinen Freund in der großen Wohnung nur eine symbolische Miete bezahlen. Bei beiden dreht es sich viel mehr um die Anerkennung, die sie durch andere Männer, durch deren bewundernden Blicke, durch ihr Begehren erhalten. Das bringt ihnen einen deutlichen Zugewinn an Selbstwert. Die Erfahrungen, die die kleine Hafennutte macht, die im Blog beschrieben wurden, und die sage und schreibe eine halbe Million Klicks in sechs Monaten produzierten, hat der Eichborn Verlag bereits 2009 veröffentlicht und nennt dies ein „Erzählerisches Sachbuch“. Es soll auch eine Verfilmung dazu geben.


Was ist nun der Zwiespalt, in den man geraten kann? Das Blog und das Buch sind zwei völlig unterschiedliche Medien, die jeweils ganz eigener Logik und Funktionsweise verhaftet sind. Was als Blog mit großem Erfolg funktionieren kann, das kommt als Buch mitunter überhaupt nicht zur Geltung. Das ist meiner Meinung nach hier der Fall. So sympathisch es mir ist, dass ein erfolgreicher Blogger in Buchform seine Beiträge veröffentlichen darf.
Ein Blog ist meist eine Art elektronisches Tagebuch, in dem man die Gedanken, die einen umtreiben, aufschreibt, oft noch gar nicht ganz ausgegoren, mit fehlendem Abstand, mit fehlender kritischer Distanz. Ein Blog ist eine Textform, die noch mehr als ein Roman auf der Suche nach Wahrheit und Authentizität ist. Bevor man einen Roman schreibt, der literarischen Anspruch hat, muss man genau diesen Abstand und diese kritische Distanz erst einmal finden, man muss von sich selbst abstrahieren. Und vor allem muss man eindeutige Haltungen und Charakteristiken für die Figuren im Text anlegen und durchhalten, das gilt ebenso, wenn man von sich selbst schreibt. Im Blog kann man mit solchen Dingen spielen, in Romanen – und ich werte nun dieses so genannte Erzählerische Sachbuch als einen Versuch eines Romans – ist das eher enervierend, wenn es zu Widersprüchen im Text kommt. Ein Blog hat Postings, bei denen es offensichtlich ist, wann sie eingestellt wurden. Da ist schon eine Verortung und Bestimmung der Zeit geschehen. Anders in diesem Buch, das Kapitel besitzt, die offensichtlich chronologisch ansetzen. Doch sind sie in einem luftleeren Raum, wenn die erzählte Zeit und die erzählende Zeit teilweise so diffus durcheinander gehen. Daher nervt das Lesen oft einfach nur, das Erzählen wurde durch diese neue Form oftmals zu inkohärent. Es mag Leserinnen und Leser geben, denen das nicht auffällt und/ oder die keine Schwierigkeiten damit haben. Bei mir ist das nicht der Fall. Und ich sage: Blogs kann man eben nicht EINS ZU EINS in ein Buch transformieren, da geht sehr viel an Reiz verloren.
Das Buch „Mein Prinz, der Callboy“ von Hartwig Schröder ist 2009 erschienen, umfasst 256 Seiten in Klappenbroschur und ist im Fachhandel für 14,95 Euro erhältlich.

Mittwoch, 6. April 2011

Es geschah in Hannover - Teil 2-

F. Wiiliam Engdahl ist nun der nächste Referent, immer wieder gibt es technische Probleme, er ist in der Klinik und wir versuchen eine Videokonferenz mit ihm. „Hau rein!“ aus dem Publikum. Gelächter. Er redet über die Umwälzungen von Tunesien bis Libyen. Diese Revolution ist von den Amerikanern inszeniert, behauptet er. Gesteuert von Obama und seinen Sicherheitsdiensten. Diese so genannte Twitter-Revolution war gesteuert von einem bestimmten Terroristen, der vom Pentagon unterstützt wird. In den USA gab es in den letzten Jahren Schulungen mit talentierten jungen Menschen aus diesen Gegenden. 
Seiner Meinung nach wurden Revolutionen immer schon inszeniert, auch bei den 68ern gegen Charles de Gaulle. Oder 2003 und 2004 in der Ukraine und Georgien. Im Iran im Jahr 2008 hat Hillary Clinton noch gesagt, dass sie die Twitter-Revolution unterstütze. Jetzt wollte man noch weiter hinten stehen...
Und bei so vielen Verschwörungstheorien, die ich nicht sonderlich überzeugend finde, habe ich dann keine Lust mehr. Und gehe in mein Hotel - jawoll, ich ziehe Hotels an, die inmitten von Baustellen liegen:



Diesmal in der Bahnhofsgegend Hannovers, im Türkenviertel. Das Hotel Zentrum ist von außen, nun ja, ähnlich schick wie das Hotel Daheim, da gibt es sich nichts. Ich sollte langsam mal Hoteltester werden. ;-) Das Zimmer ist echt nicht schön, mit einer kleinen Ausnahme: das Bad bzw. die Dusche mit ihren vielen Massagedüsen, yes, sir, I can boogie... Hier ein paar Eindrücke...







Ich mag Hannover, ich kann es mir auch nicht erklären, also ich würde da nicht wohnen wollen, aber... Nun saß ich da, bei diesem Denkmal für die Juden...




Und ich lese diese vielen Namen der Opfer, ich bin traurig, deprimiert. Wenn ich mir die Namen anschaue, denke ich mir selbstverständlich, dass viele Menschen Schlimmeres erleiden als ich, dass bei mir alles super ist, alles gut, ich habe genug zu essen, trinken, eine schöne Wohnung... Mein Freund ist der schönste Mann der Welt, ich habe viele Freunde, mein Blog hier, ich habe viel zu tun, habe viele Fähigkeiten, bin kreativ - und trotzdem macht mich etwas traurig, macht mich ganz fertig, tief in mir drin...




Ja, ich lebe noch, obwohl es auch anders hätte laufen können, schon zwei Mal in meinem Leben. Ich lebe noch, auch wenn andere tot sind. Sie sind sie und ich bin ich. Trotzdem hört diese Traurigkeit nicht auf, in mir drin zu schwelen...


Ich muss diese Traurigkeit überwinden, weil ich noch bei einer wunderbaren Frau zum Geburtstag eingeladen bin. Es fällt mir schwer... Doch dass ich ihre Wohnung, zu Fuß und ohne mich zu verirren, finde, gibt mir schon ein bisschen mehr Freude. Und dann der Alkohol... Den ganzen Abend bewege ich mich nicht von der Küche weg, trinke Sangria, esse Würstchen und Kartoffelsalat und rede mit den anderen Partygästen. Natürlich habe ich eine Runde durch die schöne Wohnung gedreht und die Gemälde meiner Freundin betrachtet, die sehr talentiert ist... Trotzdem fragte ich mich am nächsten Morgen, wieso, wieso ich immer überall mitmachen möchte, immer laut HIER rufe, wenn irgendetwas ist. Ich mache so viele Dinge und bin so ausgepowert, irgendwie...
Teil 1: http://schmerzwach.blogspot.com/2011/04/es-geschah-in-hannover-teil-1.html

Dienstag, 5. April 2011

Es geschah in Hannover - Teil 1 -

Ich weiß nicht, was das immer ist, das mich vor Interesse hochjubeln lässt und jedes Gegenargument im Keim erstickt, was mich dazu treibt, die dümmsten Ideen in die Tat umzusetzen, so wie zu einer Konferenz der unabhängigen Medien nach Hannover zu fahren, einer Blogger-Konferenz. Was will ich da? Keine Ahnung! Und dann werde ich auch noch auf einen Geburtstag einer Bekannten eingeladen, wenn ich doch schon mal da sei. Das ist eine besondere Frau, gewiss, und diese Konferenz relevant, sehr interessant... Aber... na schauen wir mal...
Wir befinden uns im Ramada Hotel, mehr als 200 Leute warten gespannt darauf, dass es losgeht. Der Konferenzraum mit hässlichen buntgemusterten Gardinen, einem hässlichen blauen Teppich, ähnliche Stühle mit Goldmuster... Es beginnt mit Herrn Otte, der von Verschwörungstheorien erzählt, oder nicht. Es geht um die Mechanismen der Macht... Ich versuche mal in Stichworten den Vortrag zusammenzufassen. Vogel- oder Bienenschwärme als Organisationsprinzipien der Natur, ein grundlegender Unterschied: einer ist unstrukturiert, sieht zumindest so aus, sucht seine Beute, fängt sie, beim Bienenstock strukturiert, die Bienen arbeiten auf etwas hin, kontrolliert und langfristig. Bienenstock ist harmonisch... Wir müssen zurück zum Bienenstock, weg vom Vogelschwarm, sagt Otte. Im Moment vermischen sich beide Systeme. Informationsstrukturen funktionieren so: Grenzenlose Herrschaft der Unternehmen – die diktieren auch die Informationen. Deutschland steht gut da, was die Medien angeht, es gibt noch unabhängige, im Gegensatz zu anderen Staaten, es gibt die öffentlich-rechtlichen, anders als Berlusconi-Italien. Es gibt wenige Tabuthemen. Es gibt aber noch Redakteure, die informieren wollen und frei sind. Doch die Werbung steuert sehr viel, was wann wie dargestellt wird.
Es gibt einen eklatanten Verlust von Informationsstandards, schon die Frage nach dem Arzt: früher hatte man eben einen und vertraute ihm. Heute wird man auf die Suche nach einem guten Arzt geschickt. 
Politik heißt Dinge tun, für die man noch gut dasteht vor den Enkeln. Politik mit Weitsicht – doch wo findet man die heutzutage noch? Methoden der Desinformation: Gekaufte PR (Amazon), Verlust von Standards, Private Standards, Rankings, Informations“beschleunigung“. "Vergessen Sie Rankings = Desinformation". Je nachdem, wer es bezahlt... Er hält nichts von privaten Standards, sie sollten allgemein von der Politik festgesetzt werden. Klicks: Heute wird man gesteuert, Anzeigen. Wert nach Klicks bemessen. (Qualität kostet etwas!) Klicks = Werbung... Dann wird aber nicht nach Inhalt geschaut, sondern nach Klicks und Werbeeinnahmen.

Die Übermacht der Konzerne – Payback: geschlossene Welten, nutzenorienitierte Preisfestsetzung (Tickets: 2 Monate vorher billiger, am gleichen Tag teurer, weil man damit fliegen muss; Tankstelle teuer), Cloud Computing (Bezahlmodelle für Internet, Software on demand, Nutzer weniger autonom, wieder geschlossene Welten), De-Skiling.
Konformismus und Kontrolle an der Uni, Peer Review, Drittmittel, Political Correctness. Akademische Freiheit der Lehrenden ist nicht mehr vorhanden. Sie dürfen nicht mehr sagen, was sie denken. Nazis verwendeten den Namen „politisch korrekt“ für Linientreue. Oligarchie herrscht vor, auch in Deutschland...
Immer mehr vom öffentlichen zu privatem Gut. Wir müssen den öffentlichen Raum zurückerobern gegenüber den privaten Interessen. (Machtstrukturen)
Rettet bitte die Wirtschaftspolitik im Ökonomiestudium, sagt er. Die Ideologie des Marktliberalismus. Markt als Vollautomatismus (Rürup), Markt als Religion (Rüstow), Oswald Spengler: Verantwortung versus größtmögliches Glück in größtmöglicher Anzahl.
Bücher stehen irgendwo und können per Klick nicht geändert werden.
Hans Werner Sinn über das Euro-Rettungsgesetz... sehr negativ, könnte der größte Alptraum für uns alle werden, und Deutschland wurde sehr über den Tisch gezogen (jetzt haben wir endlich Versailles, sagte ein Franzose...) (Süddeutsche Zeitung). Gegen den Euro! Das europäische Währungssystem (Giscard und Schmidt) war gut. Euro war und ist schlecht. Wegen Griechenland und Irland und Co., weil sie die gleichen Zinsen haben. Der Euro hat diese Probleme, die es heute gibt, erst geschaffen.
Zweiter Referent: Andreas Freiherr von Richthofen. Vorstellung der FinanzBuch Verlag Gruppe. Und viel mehr kriege ich dann auch nicht mit, der Kohldampf treibt mich aus seiner "Werbeveranstaltung“ raus in die Hände böser Supermarktketten. Als ich etwas zu früh zurückkehre – es verschiebt sich ja unerklärlicherweise alles nach hinten, habe ich Zeit mir die Leute anzuschauen, die alle nicht wirklich interessant aussehen. Ich kann auch nicht einschätzen, welche Motive diese Leute haben, hier zu sein. Aber ich kenne ja noch nicht mal meine eigenen Beweggründe...
Andreas Popp nach der Pause, wissensmanufaktur.net (Newsletter bestellen), hat zwei Probleme. Die Präsentation funktioniert nicht und er versucht die Teilnehmer wach zu halten.
Sein großes Thema ist DEMOKRATIE. Demos = das Dorf. Demokratie ist auf ein Dorfsystem ausgerichtet. Kratein = herrschen. Er ist sehr beschwingt, witzig und kreativ. DEME ist die Führungsriege, der Führer. Nicht Verführer (Hitler). Deme war eine aristokratische Einrichtung (nicht gewählt). BÜRGER = Senatoren und Abgeordnete (Bürgerschaft so wie in Hamburg), Privilegierte. Das VOLK waren ausgesuchte Menschen, homogene Gruppe, auch ethnisch, durften Waffen tragen. DEME, BÜRGER und VOLK machten 10 % aus, die IDIOS (der Pöbel) umfasst aber 90 %. Die 10 % regieren über die 90 % - kann auch nur in einem Dorfsystem funktionieren. Wir leben diese Demokratie schon seit Jahrhunderten NICHT mehr. Es gibt kein DEUTSCHES VOLK, sondern DEUTSCHE VÖLKER (Badener, Pfälzer, Hessen...). Deswegen das „Sie“, wenn man jemanden kennenlernt. Popp hat kein Geschichtsbild, weil es keine geltende Geschichtsschreibung gibt. Es gab damals keine Gesetze, sondern Verträge (Vertrag kommt von vertragen).
Autonomia, autos = selbst, nomos = beherrschen, kontrollieren, sich selbst beherrschen. Steuern (Menschen steuern). Nachrichten = sich danach richten.
ISONOMIA. Alle sind vor dem Recht gleich. Vor der Hierarchie. Immunität ist verboten! Regionalität. Gesetze müssen vertreten werden. Staat kommt von Status. In der wahren Demokratie sind Wahlen verboten. Gibt es eine„Wählerprüfung“? Nein, wieso nicht?! Alles wird doch in Deutschland geprüft... 
Diktatur kann gut sein, die Demokratie ist immer schlecht. Partei: Das Gemeinwohl ist unparteiisch. Früher Wahlmänner in Dörfern... Die wichtigen Begriffe wie „Sippe“ oder „Autonome“ werden falsch benutzt, absichtlich. Zum Beispiel auch „Kinderarmut“, was ja heißt, dass es wenig Kinder gibt, nicht, dass Kinder arm sind. Ochlokratie = Pöbelherrschaft. Weil ja jeder Vollpfosten wählen darf. Und wenn du gewählt werden willst, musst du Leute von dir abhängig machen. Beamte, Hartzer, Leute, die Staatsaufträge bekommen. Wahl = Stimme „abgeben“, „Wahllokal“, „Wahlurne“ - interessante Begriffe.
Jeder weiß, was er nicht will! Niemand weiß, was er will. Den Boden unter den Füßen verlieren ist das Beste. Man muss ja in die Vogelperspektive. Wie in der Natur (auf dem Baum sieht man mehr als auf dem Boden). Juristische Personen sollte man abschaffen, sagt er, keine AGs, keine GmbH, keine Steuern, keine kommerziellen Politiker, kein Staat. Der Fokus soll nicht auf juristische Personen gelegt werden, sondern auf MENSCHEN! Sein Lösungsansatz: REGIONALE SYSTEME. Und das Bedingungslose Grundeinkommen. ...

Montag, 4. April 2011

The Defenders - eine Arbeit von William Forsythe

Bild: Dominik Mentzos (Yoko Ando / Tilman O´Donnell)
Eines lässt sich auf jeden Fall immer über die Arbeiten von William Forsythe sagen: Sie stellen eine Herausforderung dar. Und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Im Fall der Frankfurt-Premiere von „The Defenders“ am 30. März bestand diese in einer sehr profanen Problematik: in Rückenschmerzen, verknoteten Füßen, eingeschlafenen Armen, je nachdem wie man sich versuchte zu setzen. Anstatt eines Bühnenbildes hängt bei dieser Aufführung ein weißer Kasten von der Decke des Bockenheimer Depots hinunter. Schwer zu sagen, wie groß dieser ist, fünfzig mal zwanzig Meter vielleicht? Kleiner? Größer? Er hängt sehr weit unten, knapp einen Meter über dem Boden, das lässt sich etwa schätzen. Wieso die Zuschauerinnen und Zuschauer diese körperlichen Qualen erleiden müssen? Weil sie in zwei Reihen vor diesem Kasten Platz finden müssen, die hintere Reihe kann auf einer Bank sitzen, die vordere Reihe sitzt auf dem Boden vor der so genannten Bühne. Nicht wirklich bequem.
Aber sehr viel weniger unangenehm als die Schmerzen, die die Darstellerinnen und Darsteller in diesem Stück auf sich nehmen müssen, trotz Schonern und viel Übung. Wenn sie durch die Halle robben, mit ihren Gliedmaßen gegen die Decke schlagen, tut es einem fast schon beim Zuschauen weh. Aber beginnen wir am Anfang. Bei der Evolution sozusagen. Denn, wie uns der Flyer zur Aufführung sagt, soll sich in The Defenders eine evolutionäre Allegorie unter einem bedrückenden, die Sinne schärfenden Plafond, wie dieser große weiße Kasten genannt wird, entfalten. Für den Zuschauer sieht das dann so aus im Anfangsbild: er sieht nichts. Er hört. Wie zunächst eine Person unter diesem Plafond sozusagen in einem Krebsgang von der einen Seite zur anderen robbt. Den aufrechten Gang gibt es noch nicht. Alle Personen robben anfangs durch das Stück, quietschen und schreien wie die Affen, klopfen an die Decke, so als Ritual, das manchmal eher hilflos als stark anmutet. Sie bekämpfen sich wohl gegenseitig. Bei einem Versuch der Interpretation könnte man nun sagen: Wie die Soldaten in der heutigen Zeit, die für politische Zwecke missbraucht werden, nach Afghanistan oder in den Irak geschickt werden, von amerikanischen Präsidenten, die ihr Öl verteidigen möchten und denen die Menschen ganz egal sind. Dieser weiße Kasten, der da so tief hängt, könnte als Sinnbild genommen werden für die Ohnmacht und das fehlende Aufbegehren der Menschen der heutigen Zeit, die gar nicht mehr die Möglichkeit haben sich zu erheben. Politische Machthaber konstruieren Machtapparate, Medien, Kriegsschauspiele, um die Menschen zu manipulieren, sie ewig klein zu halten, sie am Boden rumkrebsen zu lassen, nicht aufrecht gehen zu lassen und eine Meinung zu haben.
Bild: Dominik Mentzos (Tilman O´Donnell)
Das müssen sich die Menschen erkämpfen, das versuchen die Darstellerinnen und Darsteller dieser Aufführung auch eindrücklich. Forsythe hat hier ein Stück als erstes einer Vierer-Reihe entwickelt, das fast untypischerweise für ihn eine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt, dabei ist viel Ironie mit von der Partie. Wo sich die Ironie zeigt? Zum Beispiel in dem breitbeinigen Cowboy-Gang gegen Ende des Stückes und den texanischen Country-Songs, die die Darsteller intonieren. Vergessen wir nicht, uraufgeführt wurde The Defenders im Jahre 2007 in Zürich. 2007 regierte Bush noch. Trotz eines klaren Anfangs und Endes ist allerdings weiterhin schwierig zu bestimmen, ob dies ein Tanztheater ist oder gerade wegen des Plafonds eher eine Tanzinstallation, eine Tanz-Performance.
Eine Performance mit sehr viel Gekreische, Gegrunze, mit fremden Sprachen, auch hier ein Sinnbild für die Kriege in Afghanistan, dem Irak oder zurzeit in Libyen, in denen Streitmächte verschiedener Nationen miteinander für Ordnung sorgen sollen.
Dieses Stück ist erneut eine Herausforderung für die Zuschauerinnen und Zuschauer, ich erwähnte es bereits, doch lohnenswert wie immer. Wer eine Möglichkeit hat, diese Aufführung mit stets wechselndem Ensemble zu schauen, sollte dies auf jeden Fall tun. Am 6., 7., 8. und 10. April werden sie erneut ab 20 Uhr eine Stunde durch das Bockenheimer Depot robben, kreischend und kämpfend, also nicht verpassen!
P.S.: Vielen Dank an die Forsythe Company, an Mechthild Rühl und Dominik Mentzos - für die gelungene Aufführung, dem guten Essen danach und die schönen Bilder :-)
http://www.theforsythecompany.com/

Sonntag, 3. April 2011

Einmal auf der Documenta in Kassel...

„In Kassel lernt man nicht leicht Leute kennen!“ sagte M zu mir, gleich zu Beginn meines Besuches in seiner neuen Heimat, wahrscheinlich um mir zu erklären, wieso er nicht so viele neue Freunde hat. Und ich dachte mir nur, dass es wohl sein Ziel war, von einem müden Kaff ins andere zu ziehen. Davor Kehl, danach Augsburg...


http://www.rebelart.net/diary/wp-database/
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Wir fuhren gemeinsam zur Documenta, doch als wir so kurz davor waren, erhielt er einen Anruf von seiner damaligen Freundin, die gerade schwer an irgendetwas litt, er musste sofort hin, und fragte mich, ob ich mich eine Weile alleine beschäftigen könne, eine Stunde oder so, wir treffen uns dann etwas später. Naja, kein Problem. Setz mich irgendwo in einer Stadt mit Shopping Malls, Kirchen und Parks aus und ich werde mir meine Zeit schon vertreiben. Nach einer Weile Sightseeing drückte dann tatsächlich meine Blase, also ging ich in ein Kaufhaus, Karstadt, Hertie oder Kaufhof, wer weiß. Nichtsahnend also betrat ich diese Toilette und vernahm plötzlich einen Ruf. „Philiiiiiiiipp!“ schallte es hier durch den Raum, der Adressat dieses Schreis schaute mich erwartungsvoll an, ich zuckte zusammen und fragte mich, was das solle, wie jeder weiß habe ich viele Namen, Herr Woody, Chilli Billy, Schmerzwach, Plasta Master odr ganz einfach Jannis, Philipp jedoch gehört dazu nicht. Ich versuche das also zu ignorieren, doch... der Rufende ist nicht erschüttert, natürlich habe er sich verguckt, aber ich gleiche doch dem Philipp wirklich wie ein Zwilling. Jaja, denke ich mir, ist mir scheißegal, ich muss pissen! Leicht nervös also gehe ich an ihm vorbei. Als ich mich erleichtert habe und zurück an den Waschbecken angelangt bin, steht der Typ nach wie vor da. Ein Ali, vielleicht auch ein Mehmet, ich vergaß es zu sagen. Er redete wieder auf mich ein. Ey, was machst´n jetzt, gehen wir Kaffee trinken, komm los, lass uns Kaffee trinken gehen. Ja, in Gottes Namen, ich hab ja sonst nix Besseres zu tun – und in Kassel lernt man ja schließlich keine Leute kennen. Alleine Kaffee trinken gehen ist ja auch langweilig, sagt nun Ali, und meint zu mir: hey, wir reißen jetzt Chicks auf. Waaaas? Frage ich mich, mit mir? Ja, sagt er, der Philipp ist auch so ein Frauenmagnet, lass uns Weiber anquatschen. Will ich nicht. Er übernimmt es, Hauptsache meine Aura ist dabei. Wir fahren gerade eine Rolltreppe hinunter. Siehst du, siehst du, schreit er mich an, die Frauen stehen auf dich, die haben ALLE gekuckt. Fragezeichen auf meiner Stirn. Merkwürdig. Aber gut. Als wir ein Stück die Fußgängerzone lang laufen, sieht er zwei Mädchen vor sich, bildhübsch, blonde slawische Schönheiten, sagt er zumindest. Als wir sie ansprechen stellt sich heraus, dass sie aus Polen kommen und gerade für ein Jahr nach Deutschland gekommen sind, um Au-Pair zu machen. Mehmet oder Ali labert sie dumm und dämlich und obwohl sie anfangs dagegen sind, sagen sie dann doch zu, einen Kaffee trinken zu gehen. Siehst du, siehst du, sagt nun aufgeregt Ali oder Mehmet zu mir, mehrmals. Wir such ein paar Minuten nach vier Plätzen in einem Café und in dem Moment, in dem wir diese sichten, schaue ich auf die Uhr, weil ich noch denke, da war doch noch was... und tatsächlich es ist 15 Uhr und ich muss M treffen, ach, tut mir leid, ihr Lieben, ich muss. Mehmet oder Ali erschüttert das keineswegs, die Mädchen dagegen schauen etwas bedröppelt, obwohl sie das „dann ist mehr für mich da“ gar nicht verstehen können. Ich gehe zum verabredeten Treffpunkt, M steht da schon. Er fragt mich, ob ich die Stunde gut überbrückt habe. Als ich antworten möchte, werden wir von einem Mädchen gefragt, ob sie uns fotografieren könne, für so ein Documenta-Projekt. Und ich zwinkere M zu und sage: In Kassel lernt man nicht leicht Leute kennen und wird nie angesprochen...“ Und er antwortet völlig verwirrt: „Echt ey, das ist das erste Mal, dass mir so etwas passiert hier...“