Dienstag, 23. August 2011

„Benjamins Gärten“ von Jana Walther

Es gibt Dinge, die mich besonders freuen. Natürlich gehört dazu, wenn mein Blog von vielen Menschen gelesen wird, und noch mehr, wenn andere Leute glauben, dass es lohnenswert ist, auf meinem Blog zu erscheinen. So schrieb mich vor Kurzem eine talentierte, junge Autorin an und fragte mich, ob ich ihr erstes Buch rezensieren könne. Gerne bot ich ihr an, mir ein Lese-Exemplar  zu schicken. Und ich habe diesen Vorschlag nicht bereut!
„Benjamins Gärten“ von Jana Walther ist nämlich ein besonderes Buch. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass eine Frau über eine schwule Liebe schreibt. Sondern sehr viel mehr deswegen, weil es mit seinen knapp 150 Seiten ein dünnes Buch ist. Ganz entgegen des Trends, der zurzeit vorherrscht: dicke Schinken werden gelesen, wenn überhaupt.
Benjamin erlebt einen Stillstand. Nachdem seine Eltern verstorben sind, lebt er alleine in seinem Elternhaus, irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Er weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, lässt sich treiben, wartet. Aber worauf? Auf Marek, der plötzlich in sein Leben eindringt, als der die leer stehende Villa in Benjamins Nachbarschaft kauft? Wohl eher nicht. Und doch verändert dieser Berliner, der Häuser ersteht, um sie aufzumöbeln und dann zu verkaufen, das Leben des Neunzehnjährigen. Doch wird dieser aus seiner Idylle, aus seinem Kokon aus Erinnerungen herausgerissen?
Dieser kurze Roman erzählt eine Liebesgeschichte. Ja, nun, könnte man sagen. So what! Wie oft wurde eine Liebe erzählt? Wie oft eine Liebe zwischen einem Jungen und einem Mann, der weiß, wo es lang geht. Und doch! Es ist kein Buch, bei dem man das Gefühl hat, es schon einmal gelesen zu haben. Es ist niemals gefühlsduselig, niemals kitschig. Es lebt nicht von Klischees. Und doch werden ganz übliche Themen angesprochen. Das Coming-Out, Schwul sein in der Provinz und nicht öffentlich seine Liebe zeigen und eine schwule Beziehung führen.
Jana Walther zeigt sehr viel Feingefühl, wenn es um ihre Figuren geht. Sie hält ihre eigenen Figuren aus, und durch. Viel besser übrigens als der Rezensent, der sich manchmal dachte: Benjamin, mach jetzt! Sag was! Tu was! Ja, das möchte man der Hauptfigur gerne sagen. Ein ums andere Mal verliert man die Hoffnung auf ein gutes Ende. Um am Ende eines Besseren belehrt zu werden.
Es ist kein großer Roman – das Werk von Jana Walther, das im kleinen Debüt Verlag 2010 erschienen ist. Er umfasst knapp 150 Seiten und ist für 9,90 Euro über die Verlagsseite des Debüt Verlages, aber natürlich auch im Fachhandel erhältlich.
Mehr hier: http://www.youtube.com/watch?v=qxCfafXqbZE (ein Buchtrailer, jawohl, ein Buchtrailer :-))

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