Mittwoch, 30. November 2011

Blogparade: Musikwirbel Woche 8

Woche 7 habe ich ja im Musikwirbel, der Blogparade der Testerin ja ausgelassen. Klingeltöne war das Thema, aber nicht meines. Auch der italienische Song der Woche 8 ist nicht wirklich mein Ding. Aus unerfindlichen Gründen mag ich die spanische Sprache viel lieber als die italienische - und ähnliches gilt für die Musik. Ich war einmal auf einer ganz abgefahrenen Hochzeit, die war türkisch-italienisch. Saulustig. Selten so viel erlebt auf einer Hochzeit, vom Ehemann meiner Sitznachbarin, der vor dem guten Essen bei MacDonalds war, bis zur verrückten Portugiesin, die unbedingt neben mir sitzen wollte... Aber das lustigste war die Musikauswahl, man wechselte ab zwischen italienischer und türkischer Musik, und man kann sich denken, dass ich eher zu letzterem tendierte als zur Tarantella. ;-) Mir fielen auch nicht wirklich viele italienische Lieder ein, so ganz spontan. Vielleicht "Laura Non C'E'" von Nek oder "Felicita" von Al Bano und Romina Power, die sich gerade bekriegen so a la Roses. Ein Lied von Ramazotti würde ich aus Prinzip nicht nehmen, den mag ich nur als Drink. Doch dann fiel mir eines meiner Lieblings-Gute-Laune-Lieder ein, "L' Ombelico del Mondo" von Jovanotti. Den mochte ich sonst gar nicht damals, auch aus Prinzip nicht, denn Jovanotti ist die Verkleinerungsform von Giovanni - und eben dieser Giovanni (und ich meine den aus meiner Schule, der vielleicht total nett war, aber auch der größte Langweiler auf Gottes Erden) mochte Jovanotti so gerne. ;-) Doch dieses Lied macht mich die ganze Welt umarmen. Das macht mir gute Laune. Das rockt. Das ist "fetzig", wie ältere Semester sagen. Der Beat bekommt mich, die Trommler, die Bläser, die leicht nasale Stimme des Sängers, die total gut zum Lied passt, diese Atemlosigkeit, dieses Tempo, die Trillerpfeife immer wieder. Es macht Spaß dieses Lied, richtig Spaß! Hört es euch selbst an!
http://www.youtube.com/watch?v=EpBD4ThRa2U
Hier die Testerin mit ihrem Originalbeitrag zur Woche 8:
http://www.dietesterin.de/2011/11/musikwirbel-8/

Dienstag, 29. November 2011

Plattenbaugefühle - Verlosung

Auf der Fanpage konnte man durch das Drücken von "Gefällt mir" (I like ;-)) an der Verlosung eines Exemplars "Plattenbaugefühle" teilnehmen. Die hatte ich nämlich versprochen, falls die Seite 150 Fans bekommen sollte. Nun sind es sogar schon 161 Fans und bis heute nachmittag um 14.30 Uhr konnte man sich noch anmelden. 21 Namen waren letztendlich bei der Verlosung mit dabei. 14 hatten bei dem einen Posting geliked, 8 bei dem anderen, einer davon war besonders fleißig und hat zwei mal geliked. :-))) In der Verlosung waren auch Hilke und Tabea, die allerdings schon ein Exemplar von mir haben. Und nur deswegen bin ich ganz froh, dass das Los nicht auf sie fiel. Es war eine aufregende Verlosung, völlig durchdacht, total professionell, unter notarieller Aufsicht, unbestechlich etc. :-) Ich habe dieses Wunderwerk an Verlosung einfach mit der Kamera aufgenommen, wobei ich betonen möchte, dass ich einfach hab durchlaufen lassen und man gesehen hätte, wenn ich manipuliert hätte (es sei denn ich wäre so fingerfertig wie ein Zauberer oder Illusionist, da hätte ich euch verarschen können, bin ich aber leider nicht :-(). Wer es mitverfolgen möchte... Hier: http://www.youtube.com/watch?v=6sktTe0Bd5A
Ach ja, the Winner is... Wer? Hm? Ein bisschen Spannung... MIRIAM. :-) Herzliche Glückwünsche! (Wer dies genau ist: auf der Fanpage erfährt man es!)
https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle

Montag, 28. November 2011

Das Herz des Abwûn von E.M.Jungmann

aus dem http://www.terablog.de/ entnommen
Zur Einstimmung ein kleines Video - ABWUN: Das Vater-Unser in aramäischer Sprache -, um zu verstehen, worum es in diesem Roman von E.M. Jungmann geht... Ich zumindest hatte hier eine Wissenslücke...

In welches Genre lässt sich "Das Herz des Abwûn" einordnen? Mystische Fantasy könnte man es nennen, der Roman spielt in ferner Zukunft und hat im Kern die göttliche Erfahrung. Gott wird hier Abwûn genannt, was wohl aramäischer Herkunft ist. Die Menschen haben es endgültig geschafft, sich selbst fast gänzlich zu zerstören. Nur ein kleines Häuflein hat es gemeistert zu überleben, und das auf klägliche Weise - und um Jahrhunderte in der Entwicklung zurückgeworfen. Um die Menschen wieder auf den rechten Weg zu bringen, kommen merkwürdige, fremde Wesen, Drachenköpfe, auf die Erde, die angeblich von ihrem Gott, dem Abwûn, geschickt wurden. Sie kümmern sich um die kleinen Erdenmenschen. Zum Beispiel müssen Mädchen nach ihrer ersten Menstruation von ihren Eltern getrennt und zu diesen fremden Wesen, den Kgenmar, geschickt werden, um dort erwachsen zu werden, einen Beruf zu lernen, Disziplin und den Glauben. So geht es auch Ellen. Sie hat alles verloren: ihre Heimat und ihre Familie. Das trifft sie sehr hart. Sie muss fortan bei zwei Kgenmar leben, die ihren Unterhalt mit dem Schneidern verdienen. Da hat sie harte Lehrjahre vor sich...

Der eine der beiden Kgenmar ist sehr nett zu ihr, während der andere nicht mit ihr redet und immer sehr streng ist. Sie lebt ein karges Dasein, gut behütet. Doch sie schafft es doch, gelegentlich nachts auszubüxen, um ihren Schwarm, den Goldschmied Marc, der ein Revolutionär ist, zu treffen... Er ist in einer Zelle, die das Ziel verfolgt, die Kgenmar zu stürzen. Die Kgenmar stellen sich für die Menschen nicht etwa als Erretter dar, sondern als verhasste Besatzer, die vernichtet werden müssen, damit die Menschen die Macht über sich und ihre Erde zurückgewinnen können. Auch Ellen fühlt sich unterdrückt, hat große Ängste vor den Kgenmar. Doch dann entwickelt sich alles plötzlich ganz ganz anders. Sie muss mit dem Obersten der verhassten Kreaturen den Bund der Ehe eingehen und es ändert sich alles für sie. Marc und seine Freunde sinnen aber nun auf Rache und sie begreifen, dass ihr Erfolg nur über Ellen gehen kann. Jhad Alan, Ellens Ehemann, möchte die Kgenmar und die Menschen in Frieden vereinen, den Hass und das Misstrauen beseitigen. Doch ist dies möglich? Es wird viel Blut fließen...

"Freiheit beginnt mit Verantwortung..." - so beginnt der Klappentext dieses Romans von E.M. Jungmann. Die besten Fantasy- und Science-Fiction-Romane versuchen mit ihren utopischen Bildern (ferne Zukunft, merkwürdige Kreaturen, noch nicht erfundene Drogen und Gerätschaften, Erfindungen) wichtige Gedanken, die sie haben, zu transformieren, auf eine andere Ebene zu heben. Um damit etwas über die Welt zu sagen und wie sie sein sollte - und wie nicht. Nehmen wir Philip K. Dick, dessen Sci-Fi-Romane, z.B. Blade Runner, vom Scheitern des American Way of Life, von der Perversion dieser Gute-Laune-und-alles-ist-machbar-Mentalität zu erzählen, von der Sinnlosigkeit solcher Weltbilder und auch von den implizierten Rollenvorbildern. So hat auch E.M. Jungmann sehr viel vor. Sie bringt eine neue Religiosität ins Spiel, die die meisten Menschen in unserer heutigen Zeit verloren haben. Ob sie mit dieser Thematik den Zeitgeist trifft oder gar den Geschmack der Massen, das steht auf einem anderen Blatt. Und wenn nur ein_e Leser_in sich Gedanken darüber macht, ist das Ziel erreicht. Aber ungeachtet dessen hat sie einen spannenden Roman geschrieben, der nicht nur Fantasy ist, sondern auch als Liebesroman gelten kann. Also, das finde ich auf jeden Fall. Diese Annäherung zwischen Ellen und ihrem Drachenkopf Jhad Allan hat E.M. Jungmann sehr gut beschrieben. Alleine dafür lohnt sich die Lektüre dieses Buches. 

Fazit: Das Herz des Abwûn von E.M.Jungmann ist ein spannender Roman mit einem für mich unbefriedigenden Ende. Soll es eine Fortsetzung geben? Oder bin ich einfach zu doof, um Andeutungen zu verstehen? ;-) Es steckt viel Philiosophie und Nachdenkenswertes in diesen 350 Seiten. Dafür gibt es vier von fünf Sternen. 
Das Herz des Abwûn von E.M.Jungmann ist im Epidu-Verlag erschienen. Unter diesem Link kann man das Buch gerne bestellen. 
Dies war eine Rezension für http://www.bloggdeinbuch.de/.

Sonntag, 27. November 2011

Plattenbaugefühle - Leseprobe 1 -

Wow! Die Schule sieht gar nicht übel   aus. Alles  verglast, sehr ´stylish´. Einen Kiosk gibt es auch. Soll   ich an ihm vorbei und dann nach oben? Oder rechts   herum? Ich gehe rechts die Treppe hinauf. Was  kommt nach der Treppe? Ich laufe weiter.  Kunstraum. Super! Und weiter? Oh, die  Schulbibliothek. Und die Stadtteilbibliothek. Naja, an   Büchermangel werde ich nicht leiden. Muss ich mir   gleich nachher einen Ausweis machen lassen. 
Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Trakt. Nur die 9er und 10er nicht. Die sind zusammen. Auch hier ist alles neu und noch ganz edel. Ich schaue mich um und sehe das Schild für die 10 b. 

»Was willste hier, Alda?« Ein Junge mit Jogginghosen und weißen Nerd-Lacoste-­Schuhen rempelt  mich  an.    
»In den Klassenraum gehen?«  
»Scheiß auf das Klugscheißern, du Spast! Was  machste hier an der EKS?« sagt er, leicht aggro.  
»Hör mal, ich gehe jetzt in die 10 b.«   
»Woher biste, Spast?« Er spuckt das fast aus. Was heißt denn eigentlich Spast? Was soll das Verhör? Dabei sieht er ganz nett aus. Er ist groß, 1,85 vielleicht,  arabische Herkunft, braun gebrannt, Sportler-­Typ, wahrscheinlich Fußballer.  
»Ich komme aus Berlin!«  
»Oh, einer aus der Großstadt! Bist du Hertha BSC-­Fan?« fragt er in einem Ton,   den ich nicht so recht einordnen kann - Interesse? Neugier? Respekt?  
»Hm, nee, Fußball ist nicht so mein Ding!«   
»Waas?«    
Dieser `Mohammed´- Mohammed haben Fabian und ich alle Nordafrikaner   genannt, gar nicht böse gemeint, nur als Typbezeichnung - schubst mich einfach weg. Schon das erste Fettnäpfchen. Merken: Immer sagen, dass Fußball das Größte ist! Aber ist es nun etwas Gutes, ein Hertha-­Fan zu sein? Wie heißt der Verein in Kranichstein oder in Darmstadt? - »Kranichstein ist ein   großer Stadtteil Darmstadts an dessen Peripherie«, wie mein Vater das  ausdrückt - ich hasse Fußball. Ich gehe lieber ins Klassenzimmer und suche mir  einen Platz.
»Ey, da ist besetzt!« ruft ein anderer ´Mohammed´, ein zu klein geratener Bursche mit Kurzhaarfrisur und Brille.  
»Von wem?«  
«Geht dich nichts an! Der Platz ist besetzt!« sagt er entschieden. Ich finde ihn  ätzend.  
Ich suche einen anderen Platz. Aber auch hier ein Widerspruch.    
»Hör mal, Kleiner, da sitzt niemand! Da liegt keine Tasche, keine Klamotten. Also gehört der Platz mir!« entgegne ich ihm diesmal entschlossen. So schnell   kann ich gar nicht kucken, da liegt der Kurze auf mir, während der erste ´Mohammed´lacht! Der Spinner drischt auf mich ein, ich wehre mich so gut ich  kann, er liegt bald am Boden, unter mir, spürt meine Faust auf seiner Nase. Sie blutet! ´Mohammed´und andere Jungen reißen mich von ihm weg - tut mir   leid, kleiner Arab, ich habe früher immer gerne Jean-­Claude van Damme-­Filme   geschaut und trainiere seit Jahren Judo - während er von einem Mädchen  hochgezogen wird.    

»Alda, ich schwör, das wirst du bereuen!« schreit er. Als wäre ich Jimmy Blue im Film ´Sommer´, der an seinem ersten Tag an einer neuen Schule von der  Gang mit den angesehensten Jungs an der Schule verprügelt wird. Er kämpft  darum, respektiert zu werden, um das schönste Mädchen der Schule für sich   zu gewinnen, das mit dem Anführer der Gang zusammen ist. Wird es mir  ähnlich ergehen? Ich gewinne den  Kampf - und damit an Respekt?  Ich  richte   meine Klamotten zurecht, soweit das geht und setze mich auf den erkämpften   Platz. Ein Junge kommt lachend auf mich zu, 1,80 groß, mit großer Nase, dunklen Haaren und einer Frisur, wie man sie in Berlin vor zwei Jahren trug,  hinten ein Muster einrasiert, ein Playboyhase.    

»Hi, du Tier!« 
Meint er das jetzt ernst? Wie soll ich das verstehen?   
»Hallo!«  
»Wie heißt du?«   
»Jonas. Und du?«  
»Baddääung!«   
Ist das sein Name? Ich bin verwirrt. Was sind das für Leute an dieser Schule?  Ich drehe hier durch! Was war das für ein Geräusch, dieses Baddäung?! Der  Typ lächelt mich an, aber ganz schleimig.    
»Ich heiße Shad M. Bin Sänger! Mich kennt jeder in Darmstadt!«   
Er klingt dabei, wie diese Gangstas aus Talkshows, Berlin36 oder Frankfurt-Sossenheim-­65936 - sie rappen und sind angeblich der King des Stadtteils.

mehr hier: https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle
http://www.amazon.de/Plattenbaugefühle-Jugendroman-Jannis-Plastargias/dp/3942223074/

Samstag, 26. November 2011

Motsi Mabuse, Nena oder Andrea Kiewel

Es ist ja wirklich kein Spaß, eine Woche krank im Bett zu liegen, ganz sicherlich kein Urlaub und keine Entspannung... Ich meine, wenn der Kopf platzt, ist lesen nicht unbedingt ratsam, das Internet ist auch langweilig, wenn man nichts lesen möchte, die geposteten Bilder sind meist nicht so interessant wie die Leute, die sie posten, denken. Immer nur schlafen ist auch keine Lösung, wichtig zwar, aber zu viel Schlaf am Tag macht schlaflos in der Nacht. Dann doch fernsehen. Fernsehen entspannt, macht ruhig, wenn man nicht gerade ein Choleriker mit großer Neigung zur Fremdscham ist - bin ich aber nicht. Aber fernsehen... DAS ist auch nicht so einfach heutzutage, obwohl es ja mehr Sender denn je gibt. Ich möchte ja gar nicht motzen, ich amüsiere mich ja gelegentlich auch beim Fernsehen und Trash mag ich ja. Zum Beispiel Koch-Sendungen. Die übrigens für mich reinen Unterhaltungswert, aber keinerlei Informationswert haben. Ungefähr 1000 Koch-Sendungen, gefühlte 100000 habe ich bereits gesehen - und koche noch immer genauso scheiße wie zuvor. Und was die Unterhaltung angeht: Ich finde diese Sendungen ja gar nicht witzig oder inspirierend, sie sind aber so schrecklich meditativ. So ähnlich wie Radrennen oder Snooker anschauen. Schrecklich langweilig, aber irgendwie beruhigt es einen zuzuschauen, beim Klein Schnipseln von Gemüse oder beim Umrühren oder sonstwas. Dass ich jemals ein Simpsons Fan werden würde... DAS hätte man am Anfang der Ausstrahlung in Deutschland auch nicht vermutet. Vielleicht ist es auch eher die Schwäche der anderen, die mich dazu getrieben hat in letzter Zeit immer zur gleichen Zeit auf Pro 7 zu schalten. Apropos Pro 7: Diese Woche fing ja auch "The Voice of Germany" an, viel gelobt schon im Vorfeld. Ist ja irgendwie auch nett, schön oder fair, zuerst nur auf den Gesang zu hören. Doch das hätte ich mir schon noch ein bisschen konsequenter gewünscht, die Coaches sollten die Sänger_innen erst nach der Wahl sehen dürfen, vielleicht erst in der nächsten Runde. Wenn schon denn schon. Ansonsten ist das Niveau wirklich sehr hoch - und schade, dass Pierre Humphrey sofort rausgeflogen ist. Schade wirklich. Der Teen Star von 2002 ist schon draußen, genauso wie Sebastian Deyle. Was machen da für Leute mit? Da wird ein großer Hype gemacht. Und viele Sänger_innen sind den Juroren auch schon bekannt, ich meine, das sind ja oft auch Background-Sänger_innen und sowas. Das mit den Coaches und dem Dissen finde ich eine lustige Idee, ist aber oft zu verhalten. Aber wieso Nena immer so Mädels gut findet, die die schwächsten Sängerinnen sind? Nun gut. Ich bin gespannt, wie die Battles weitergehen. Nicht so lustig finde ich dagegen das Super Talent - obwohl ich Motsi liebe. Die hat doch eine an der Klatsche, was ich wirklich gut finde. Nein, ich rege mich nicht über das Vorführen der potenziellen Super Talente auf, wenn sie nichts können. Das verdienen die Leute. Vielleicht verdienen sie sogar RTL-Geld damit, kein Ding. Nein, mir geht auf die Nerven, dass jede_r einzelne so breit getreten wird, Wiederholungen, Vorschauen, Zeitlupen keine Ahnung, all so Kokolores - und dann noch lange Diskussionen. Wayn? Frage ich mich. WTF?! Da wird mir jeglicher Spaß genommen. Und diese ewigen 15 Minuten Aufmerksamkeit, die jede_r Hinz und Kunz haben möchte, also manchmal kann man sich das wirklich sparen. Und ich meine jetzt nicht diejenigen, die etwas gut machen, wie diese Show-Basketballer zum Beispiel, ist ja klar, dass die dafür Geld kriegen von RTL und es ist genauso klar, dass sie sich damit weiter empfehlen. Und das gilt für viele andere auch. Aber so Kindergärtner, die absolut scheiße singen und mit der Nase Klavier spielen... das ist doch unnötig. Das ist nicht lustig. Das ist nicht cool. Das ist gar nichts. Und es ist nicht mal so peinlich, dass es irgendwie Kult werden könnte. Einfach nur Panne. Ich meine, diejenigen, die mit ihrem Schwanz gespielt haben - ja, die waren wenigstens lustig, humorvoll und natürlich sehr viel treffsicherer als die Nase. Andrea Kiewel habe ich tausend Mal in der Werbung auf ZDF gesehen, während der Kochsendungen - und das hat mir schon gereicht, sie Sendung dazu brauche ich jetzt nicht mehr! Noch eine andere Entdeckung habe ich gemacht, früher habe ich mir Tiersendungen ja nur angeschaut, wenn sie unter Wasser spielten, aber jetzt finde ich ganz viele Tiere toll, Faultiere zum Beispiel, Pinguine, Koalas, Mäuse aller Art, Elefanten, Raubkatzen etc. Und auch da: meditativ, vor allem der Mann von der ARD, der so eine beruhigende Stimme hat. Ja, da ist ein Kommentator, der Weltmeister im Langsamsprech ist - das ist faszinierend! Wird Andrea Kiewel eigentlich "Wetten dass...?!" moderieren? Oder doch eher Carmen Nebel. Wie wäre es mit Motsi? ich bin für Motsi Mabuse. Die ist so goldig. Was gefällt mir noch? Raus aus den Schulden. Einfach immer wieder urkomisch. Es ist immer die gleiche Geschichte. Auch das wie eine Meditation. Und vielleicht gibt einem diese Sendung das Gefühl: Jawoll, immerhin bist du nicht so unfähig und dumm wie diese Leute da, obwohl du auch gar nicht mit Geld umgehen kannst. Nun ja. Über Scrubs und Dr. House muss ich nicht mehr viele Worte verlieren - zwei coole Serien und wer das nicht genau so denkt, der sollte...

Freitag, 25. November 2011

Salon Babylon am 4.12.11 - Kommt doch auch! :-)


Als ich im September hier Werbung für salon babylon gemacht habe, wusste ich noch nicht, was ich heute weiß... Nämlich: Dass ich beim nächsten salon babylon, der am 4.12. stattfindet, mit dabei sein werde! Und hoffentlich ihr alle auch! :-) Es wird so spannend, so anders, so überraschend... Schaut euch doch mal nur das vielfältige Programm an! Also, mein Buch kann man da erwerben, und vor allem: die anderen Acts sind genauso aufregend wie ich:
Da ist Eva Schuster zu nennen, die neu in Frankfurt ist, gerade aus den USA zurückgekehrt, die Gedichte in deutscher und englischer Sprache aus ihrem zweiten Band "Run with me - a journey from A to B" vortragen wird. Dabei wird sie eine Methode anwenden (Collaborative Creative Action), die man kostenfrei erlernen und mit nach Hause nehmen darf. Mehr Infos erhält man über www.evaschuster.com.
Ebenso spannend wird der Vortrag des Frankfurter Autoren Carsten Nagels sein, der seit 1986 Mitglied des Kölner Literaturbüros ist, und der Aphorismen vortragen wird. Sein Sprachminimalismus konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt keinen Raum für überflüssige Worte. Er führt seine Zuhörer_innen direkt zum Kern seiner Aussage und lässt viel Raum, sie in ihrer melodischen Einfachheit wirken.
Nach mir wird dann der Gründer vom salon babylon, Peter P. Peters, etwas weniger literarisch werden und dem Experimentellen seinen Raum geben. Er wird sich auf die nonverbale, musikalische Kleinkunst schlagen. Dabei wird er das Publikum mit einbeziehen. Man kann gespannt sein, was das bedeutet...
Und für nur fünf Euro könnt auch ihr dabei sein! salon babylon am Sonntag, den 4.12. ab 20 Uhr, in der Milchsack Kulturfabrik, Gutleutstraße 294. 
Mehr erfährt man auf der Seite www.salon-babylon.com. Und nicht vergessen: ein Gefällt mir drücken, hier: https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle.

Mittwoch, 23. November 2011

Blogparade: Liebe Sprichwörter

n24.de entnommen
Kein Thema dieser Erde beschäftigt Menschen mehr als dieses, über nichts wird mehr philosophiert, diskutiert, gestritten, getratscht – Umweltschutz, Kriege, selbst bestimmte Krankheiten (BSE, Schweinegrippe, EHEC!) sind immer nur phasenweise on Topic. Aber die Liebe, die Liebe bewegt die Menschen, jeder glaubt eine Geschichte darüber erzählen zu können, jeder glaubt, sich darin auszukennen, jeder hat mehrere Floskeln und Erkenntnisse zu dieser Thematik, die er freigebig anderen Menschen an den Kopf schleudert: Sieht er ein Paar, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasst (Hautfarbe, Körpergröße oder –masse), dann sagt er: „Gegensätze ziehen sich an.“ Sieht sie auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten (Marotten, Beruf, Hobby), dann sagt sie: „Gleich und gleich gesellt sich gerne.“
Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn ihr Postings zu diesen beiden Sprichwörtern schreibt. Ihr könnt euch für eines entscheiden, wenn ihr sagt: Jawoll, Gegensätze ziehen sich an! Oder doch eher gleich und gleich...? Ihr habt Beispiele dafür, Geschichten zu erzählen? Ihr habt Lust, diese mit uns zu teilen? Dann beteiligt euch doch gerne an dieser Blogparade. Meine ersten Gedanken dazu hatte ich bereits Anfang Juli geschrieben http://schmerzwach.blogspot.com/2011/07/wer-will-der-kann-auch-premiere-partie.html und in den drei weiteren Teilen. Aber auch ich werde am 11.12. ein Blogposting zu dieser Thematik einstellen. Und gerne möchte ich eure Postings hier präsentieren: am 12.12. Und ich hoffe, dass es ganz viele viele sein werden, weil eine Menge an Bloggern etwas darüber schreiben möchte. 
In diesen Büchern geht es übrigens auch um diese Thematik - mit verschiedenen Meinungen und Konsequenzen:
https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle
https://www.facebook.com/h.g.bussmann.liebmich

Dienstag, 22. November 2011

Kitchen Stories TWENTYTWO

Bereits die Lesung im Lamm hat mir ganz großen Spaß bereitet, die Musik, das Essen, diese vielen lieben Leute, dieses Interesse am Buch und an mir... Aber am 19.11.11 hatte ich NOCH MEHR Spaß! :-) Es war eine geschlossene Veranstaltung: Ich durfte bei der Langen MedienNacht der JungeMedienjury der Frankfurter Stadtbücherei 2011/ 2012 lesen (die Schirmherren und -damen sind Klaus-Peter Müller von der Commerzbank, Deborah Einspieler von der Oper Frankfurt und Jochen Till, Autor). Ich las vor 41 Jugendlichen zwischen 13 und 16, die vom 19.11. auf den 20.11. da übernachteten und für die ein ganz tolles Programm mit Theater und Gesangs-Contest organisiert wurde. Und auch ich bekam Zeit mit ihnen geschenkt. Und es war wirklich ein Geschenk! Ich war ganz begeistert von den Fragen, die diese Jugendlichen zum Buch, zu meiner Person als Autor des Buches, aber auch zum privaten Jannis gestellt haben. Kluge Erkenntnisse, geschickte Fragen, ein (welt)offenes Gemüt. Es war mir eine Freude. Zwischen 21.20 und 22.10 Uhr war meine Zeit mit ihnen. Und ich konnte neben Textstellen lesen und mit den Jugendlichen darüber reden auch über die Goldene Leslie und den Open Mike erzählen - und auch ein bisschen herausfinden, was so Jugendliche über meine Geschichte, die ich geschrieben habe, denken. Ich würde mir wirklich wünschen, mehr solcher Veranstaltungen mit pfiffigen Jugendlichen machen zu dürfen. Ich meine, dafür schreibt man doch Jugendbücher, oder? Also, ladet mich ein. ;-) Und für die anderen: kommt zu meinen Lesungen. :-))))
Außerdem habe ich zwei Ausgaben Plattenbaugefühle an die Stadtbücherei verkaufen können. :-) 
Mehr Infos: https://www.facebook.com/Plattenbaugefuehle mit einem Gewinnspiel. 


Ich gebe alles - wie man sieht! :-)

Sonntag, 20. November 2011

2 + studio album / Tanz-Performance am 18/11/11

1986. Ein Jahr, viele Erlebnisse, Erinnerungen. Tschernobyl. Libyen. Glasnost. Sandoz. Wackersdorf. Olof Palme. AIDS. Gibt es ein kollektives Gedächtnis? Und wieso 1986? Was spiegelt sich 2011? Fukushima. Libyen und der ganze islamische Raum. Katastrophen. Epidemien. Perspektivwechsel. Occupy. Oder einfach nur, weil die Pet Shop Boys ihr erstes Album herausbrachten? Was bewog Celestine Hennermann und Philipp Bußmann von 2+ für ihre Tanz-Performance im Mousonturm (17.11. Premiere, 18.11. und 19.11.) das Jahr 1986 auszuwählen? Welches war der Grund, die Pet Shop Boys und ihre Lieder in den musikalischen Vordergrund zu stellen? 
Und wie kam ich dazu, diese Tanz-Performance zu besuchen? Nun, meine Kehler Freunde sagen ja, dass man in Frankfurt anonym lebt, seine Nachbarn nicht kennt. Man denke nur an DAS. Doch ganz so ist das nicht, mal abgesehen davon, dass ich gar nicht ständig Kontakt mit meinen Nachbarn haben MÖCHTE. Zum Beispiel ist da Philipp, der mit seinem Freund über uns wohnt. Den treffe ich zum Beispiel bei Partys wie der Atomic im Nachtleben. Zum Geburtstag wurde ich auch eingeladen, nur konnte ich leider nicht. Schlechtes Gewissen hatte ich bis Freitag. Dann war ich aber bei der Tanz-Performance von 2+, welches eine Plattform für Tanz-, Performance- und Installationsprojekte von ihm und Celestine Hennermann ist. 2+ wurde 2004 von ihm (der jan Videokünstler und Bühnenbildner ist) gemeinsam mit dem Tänzer und Choreographen Christopher Roman gegründet, und seitdem realisiert er mit Celestine Hennermann modular verschiebbare Projekte zwischen Bühne und Installation. In den Arbeiten von 2+ werden die Ästhetik von Video mit Tanz, von Narration mit Bewegung und von Klang mit Bildern verbunden. Sehr spannend. Beide haben schon mit bedeutenden Größen des Tanztheaters zusammengearbeitet, Celestine war unter anderem Dramaturgin für William Forsythe am Frankfurter Ballett (2000 - 2005), Philipp hat ebenso mit ihm gearbeitet, aber auch mit Sasha Waltz & Guests und vielen anderen.


What kind of dream was this
So easy to destroy
And who are we to blame
The sins of the past
These slums of future...
(aus "Suburbia")
DJ Zootboy aus Karlsruhe liebt die Pet Shop Boys - als ich mit ihm zusammen wohnte, hörte er ständig CDs von ihnen, die er alle besaß (auch irgendwelche Raritäten aus UK und Japan). Er dachte lange Zeit, ich würde sie nicht mögen, weil ich mich über die billige Pop-Musik, die sie machten, belustigte... "Funny how potent cheap music can be. Never in a million years thought about working with them..." (sagte Dusty Springfield, die wegen "West End Girls" im Auto anhörend fast einen Unfall produzierte)... Bis DJ Zootboy eines Tages sagte: Sie geben ein Konzert in Ludwigshafen und ich, ohne darüber nachzudenken, sagte: Ja, ich komme mit - und er mich verwirrt anschaute... Diese Erinnerung habe ich an die Pet Shop Boys, an dieses Konzert, an "West End Girls" im Jahre 1986, dessen Beat ich erlegen war, mitsummte oder gar mitsang. Um Erinnerungen geht es auch in dieser Tanz-Performance namens "studio album". Gibt es ein kollektives Gedächtnis für politische und gesellschaftliche Ereignisse? Welche Ereignisse aus dem Jahr 1986 erinnert man? Spielte Tschernobyl für die Amerikaner eine Rolle? Wohl eher nicht. Und Sandoz? Was war da überhaupt? An beides konnte ich mich erinnern. Ich war damals 11. Und was ist mit Leuten, die nach 1986 geboren wurden? Welche Ereignisse sagen ihnen etwas? Philipp Bußmann und Celestine Hennermann suchten sich bewusst ein Tänzerpaar aus, das mit Allison Brown, einer gestandenen kanadischen Choreographin, Tänzerin und Tanzerzieherin und mit einem jungen Alfredo Zinola, ebenso wie Lady Gaga 1986 geboren (und daher mit ihr verbunden), hervorragend besetzt war. Was letzteren gleichermaßen faszinierte wie mich, war die Tatsache, dass Allison Browns Körper viele Choreographien oder zumindest einige Moves davon erinnerte, welche sie in das Stück einfließen ließ. Es gibt eben auch im Tanztheater Moves, Bewegungen, die einer bestimmten Mode unterliegen. Spezialisten konnten auch den Madonna-Move der damaligen Zeit ausmachen, genauso wie sie diejenigen von nicht ganz so pop-kulturellen Richtungen ausmachen konnten. 
Die Tanz-Performance begann mit Worten. Allison Brown auf der einen Seite, Alfredo Zinola auf der anderen, Ereignisse aus dem Jahre 1986 miteinander austauschend. Und nach einer Weile begann dann der Tanz... Eindrücklich. Gefangen nehmend. Mitreißend. 
1986. Gerade hatte sich die schwule Welt emanzipiert, ist gesellschaftsfähig geworden - da kam AIDS auf, nun wurden Schwule wieder dämonisiert, angeprangert. 25 Jahre ist es her. 25 Jahre Aids-Prävention. Bald ist der 1.Dezember, der Welt-Aids-Tag. Der schwarze Tod. Der schnelle Tod. Die Epidemie. Zumindest zu Anfang. Allison und Alfredo stellten diesen Tod dar, dieses Schrecken, dieses Angeprangert sein, dieses Verdrängen wollen, diese dunkle Angst. Kriegt man Aids, wenn man sich küsst? Oder wenn man Hände schüttelt? Was gab es damals für Diskussionen, ein neues Schwulen-Bashing begann. 
studio album, das die letzten drei Abende von 2+ im Mousonturm in Szene gesetzt wurde, war eine hervorragende, beeindruckende Tanz-Performance, die wir gerne wieder sehen möchten. 

Samstag, 19. November 2011

Pontikaki kai gataki - Teil 4 -

Ich verschlief meinen eigenen Tod. Ich hörte diesen verdammten Wecker am Morgen nicht, müßig darüber zu urteilen, ob es Schicksal war, wie es Nike behauptet, oder purer Zufall. Zu spät aufgestanden, konnte ich es bei aller Eile nicht rechtzeitig an den Check-Inn schaffen, ich sah das Flugzeug gerade noch abheben, mit Tränen in den Augen, weil mich diese Reise ans Atlasgebirge in Marokko so viel Geld gekostet hatte. Dort wollte ich den Ort finden, an dem sich Nacht und Tag einander begegnen, wo Atlas das Himmelsgewölbe tragen und vor allem der Gott des Schlafes, Hypnos, nach Hesiod wohnen sollte. Hypnos war dank Nike mein Forschungsgegenstand in meiner Magisterarbeit in Gräzistik. Meine Eltern hatten vor Stolz tagelang nicht schlafen können, hatten alle Verwandten angerufen, damals, als ich ihnen meinen Studienwunsch mitteilte. Sie konnten kaum wissen, dass ich in der Nähe von Nike sein wollte, um sie weiter zu becircen, so lange bis sie eingesehen hatte, dass ich reifer geworden sei, dass ich sie bis an mein Lebensende lieben wolle, im Schlaf – aber vor allem in der wachen Zeit. Ihre Eltern hatten nicht ebensolche Luftsprünge gemacht, doch sie sagte ihnen, wer seiner Tochter einen solchen Namen gebe, dürfe sich über solcherlei Konsequenzen nicht wundern. Dieses Interesse für ihren eigenen Namen hatte ihr Lust auf mehr Mythengeschichten gemacht, so viel Lust, dass dies nun ihr Hauptinhalt im Studium werden solle. Und deine Zukunft? riefen ihre Eltern, was möchtest du damit später anfangen? Doch Nike zuckte nur die Schultern und siegte, wie immer, wie bei mir. Anfangs versuchte sie mir ihrerseits diesen Studienwunsch auszureden, ich hatte doch immer „dieses Griechische“ verleugnen wollen, brachte sie mir entgegen, wie könne ich nun… und warum, das wäre doch alles nur, weil… Wegen ihr, ja, wegen ihr, sie vermutete natürlich richtig, auch wenn ich ihr das niemals gesagt hätte. Doch ich erwiderte niemals etwas, ich zuckte ebenso mit den Schultern, ich war nicht fähig, ihre Maus zu sein, nicht in diesem sprichwörtlichen Sinne, nein, ich konnte ihr nicht Paroli bieten, ihr, die so klug, so gebildet, so belesen war, die mich mit ihren Worten wie ein Kindergartenkind dastehen lassen konnte. 


Als ich vom Flughafen zurückkehrte, legte ich mich erneut ins Bett, es war erst sieben Uhr morgens, viel zu früh, um den Tag tatsächlich zu beginnen. So lag ich in meinem Bett aus Ebenholz, wurde von meinem Radio mit den Zehn-Uhr-Nachrichten geweckt, noch ganz benommen hörte ich die Nachricht, dass das Flugzeug, das um halb sechs vom Frankfurter Flughafen in Richtung Marokko geflogen war, abgestürzt sei, alle Insassen und das Flugpersonal vermutlich tot, man habe noch keinen Anhaltspunkt, wie es zu diesem Flugzeugabsturz hatte kommen können. In der nächsten Minute rief mich Nike an, die mich zu diesem Forschungsgegenstand und zu dieser Reise gedrängt hatte, schließlich könne ich das ja wohl am besten von allem, schlafen, dann sollte ich mich auch damit beschäftigen. „Du hast verschlafen!“ schrie sie heraus. „Du hast verschlafen!“ Zufall, versuchte ich ihr entgegenzuhalten, doch die nächste halbe Stunde erzählte sie mir von ähnlichen Fällen, Koinzidenzen... Ich sagte ganz ruhig und langgedehnt: „Heiratest du mich?“ - „Ja.“ 
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/11/pontikaki-kai-gataki-teil-3.html
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/11/pontikaki-kai-gataki-teil-2.html
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/11/pontikaki-kai-gataki-teil-1.html

Freitag, 18. November 2011

Die goldene Leslie 2011 - Preisverleihung

And the Winner is... Ursula Poznanski. :-) Die goldene Leslie 2011 wurde am 17.11. im rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur an sie und ihr wunderbares Buch "Erebos" verliehen. Ich sollte das Buch ja in meiner ersten Leserunde als Juror der Erwachsenen-Jury des Preises zu lesen und habe dies völlig begeistert im Urlaub in Lissabon getan, ich habe es verschlungen, konnte kaum noch aufhören, so war ich mitgerissen, in den Bann gezogen von dieser spannenden Geschichte - und ich nominierte das Buch. Mitgerissen war ich auch von der Veranstaltung am 17.11., die vom Literaturbüro Mainz (Dietmar Gaumann) organisiert wurde. Nicht nur, dass er es geschafft hat, viele Jugendliche zur Veranstaltung um 14 Uhr zu bekommen...












Wie schon bei den ersten Preisverleihungen, bei denen ich dabei sein konnte, war ich ganz beeindruckt von der Jugendlichen-Jury, die ihren Job beginnt, wenn wir unseren beendet haben. Wir sortieren für die Jugendlichen die Bücher und wählen dann vier bis fünf aus, die sie dann lesen. Dieses Jahr hatten wir mal wieder den gleichen Favoriten.




Hier lesen die jugendlichen Juroren aus ihrer Bewerbung um den Jury-Platz vor. Ich lese gerne, weil... Das ist eben das Schöne an diesem Leseförderungs-Preis: die Jugendlichen und ihr Lesevergnügen steht im Vordergrund.




Hier dürfen die Jugendlichen zunächst mit der Bildungsministerin Doris Annen ins Gespräch kommen...




...und hier dürfen sie mit der Autorin Ursula Poznanski über das Buch sprechen. Manuel, Barbara, Magdalena und Romy zeigten dabei ein sehr ausgeprägtes Literaturverständnis.




Ursula Poznanski freute sich sehr über ihren Preis, wie man hier sehen kann. Die sympathische Wienerin, die ihre Geschichte in London hat spielen lassen, und die mit mir im gleichen Literaturforum ist (Schreibwelt von Jutta Wilke - und die ich hier persönlich kennenlernen durfte), hat prägnante Textstellen gelesen und darüber mit den Jugendlichen diskutiert.




Was ich oben eigentlich sagen wollte: Es war nicht nur eine schöne Veranstaltung, weil die jugendlichen Juroren und das Lesen so in den Mittelpunkt gestellt wurden, sondern... auch weil ganz besondere Sprachkünstler das Programm auflockerten... Die A-Capella-Band So! und nicht anders, die nun einen neuen Fan hat, der sonst A-Capella so gar nicht mag. Aber die waren so lustig. So wunderbar witzige Performer, selbstironisch, talentiert - und mit Ohrwürmern. Die "Jungs" (wie sie auch die Moderatorin immer nannte) sind eine richtig gute "falsche" Boyband, die ganz viele Fans braucht: https://www.facebook.com/Soundnichtanders.Mainz
Also, eine sehr gelungene Veranstaltung. Und viel Vorfreude auf die Goldene Leslie 2012! :-)
Mehr Infos hier:
http://www.leselust-rlp.de/goldene-leslie.php
http://schmerzwach.blogspot.com/2011/05/goldene-leslie-2011.html

Donnerstag, 17. November 2011

Musikwirbel (Blogparade): Woche 6


Liebe Leute, das Thema "Musical" aus der Woche 6 geht ja eigentlich gar nicht. Da fühle ich mich erinnert an eine Veranstaltung in Karlsruhe, vor dem Schloss, bei der ein seeeeeeehr langes Musical Medley zum Besten gegeben wurde - und ich musste da mit, aus Höflichkeit und so... Es war furchtbar, es war schrecklich, es war obernervig. Aber: wenn ich schon ein Lied aussuchen muss (welches nicht aus dem Abba-Musical stammen soll, denn das ist ja bekanntlich eine Ausnahme), dann muss es ein französisches sein, das ist ja wohl eindeutig. Und wahrscheinlich hätte ich diesen gewollt kitschigen und leicht trashigen und trotzdem oder gerade deswegen coolen Film nie angeschaut (weil Musical!), wenn nicht Louis Garrel (der gelbe auf dem Bild) mitgemacht hätte, der nur in guten Filmen mitspielt. :-)) Ich spreche von Les Chansons d´amour... Und das Lied, das ich ausgewählt habe, ist das letzte im Film. Kitsch. :-) Der von Anfang an zu erwarten war, aber dieser Schluss war alles andere als erwartet - zumindest, wenn man sich vorher nicht den Inhalt durchliest. Französische Lieder haben manchmal schon was Erotisches - und Spezielles. So, nun mein Lied, mit dem vorher wirklich keiner rechnen konnte. :-)
http://www.youtube.com/watch?v=9UXBzSLeLH0
Und hier der Link zum Original (oder so):
http://www.dietesterin.de/2011/11/blogparade-musikwirbel-woche-6-musical/

Mittwoch, 16. November 2011

Pontikaki kai gataki - Teil 3 -

Ich verschlief meine erste Beziehung mit einer Frau. Bevor ich es realisiert hatte, dass das etwas Festes sein soll, führte sie schon das Beziehungsende-Gespräch, wie sie es nannte, mit mir. Viel zu sehr von den Beziehungen verstört, die mir vorgelebt wurden, hatte ich nicht gemerkt, dass wir eine führten, zu wenig Streit gab es da, zu wenig Kabbelei, zu viel Harmonie, zu viel Geknutsche, zu viel Lächeln, Lachen, sich Freuen. Als wir uns kennenlernten, mehr durch Zufall, wir waren beide auf eine Party eingeladen und liefen uns über den Weg, als wir das Haus suchten, das, wie wir nicht wussten, im Hinterhof zu finden war. Sie, die blonde blauäugige Hamburgerin, mit ihrem aristokratischen Akzent, ich, der mit seinem dunklen Teint im Sommer, mit seinen dunklen Augen und Haaren, mit seiner leicht schnodderigen Art zu reden, wir, die am Ende der Party auf einer Couch lagen und knutschten, stundenlang. Tagelang überlegte ich nach unserer Trennung, ob meine Eltern oder Großeltern solche Momente wohl erlebt hatten. Und ich begann mich nach ihr, der hellen Schönheit Nike, mit ihrem griechischen Namen, zu sehnen, so wie sich meine Eltern nach ihrer vermeintlichen Heimat, ihren Geburtstorten gesehnt hatten, jahrelang, jahrzehntelang, bis sie mir hoffnungslos verkündeten, dass sie nun in Deutschland begraben werden, von ihren Enkelkindern, meinen Nichten und Neffen, diesen Deutschen, so wie wir alle Deutsch geworden sind. Nike und ich trafen uns wochenlang im Park und picknickten, in alternativen Tee-Läden, in denen wir „Bergtee“ aus der Türkei tranken, den sie besonders mochte und was mich besonders schmunzeln machte, auf Partys von Freunden, die alle „so cool“ und „so anders“ waren, und außer Küssen und Schmusen lief nichts, wochenlang, wahrscheinlich war dies der Grund, wieso ich mich nicht gebunden fühlte, anders als sie. Doch ich fragte mich, ob sie nicht das Bedürfnis hatte weiterzugehen, wenn ich sie am Hals zärtlich küsste, dann mit meinem Mund weiter Richtung Ausschnitt hauchte und meine Zunge zum Liebkosen einsetzte. Umgekehrt konnte ich kaum an mich halten, wenn sie das bei mir tat, ständig war ich kurz davor, mich zu vergessen und ihr ihre Kleider vom Leib zu reißen, selbst wenn Leute um uns herum saßen. Doch sie wehrte das alles ab. Ich wollte sie Kätzchen nennen, so wie mein Vater gataki zu meiner Mutter sagte in guten Momenten, doch sie ohrfeigte mich für diesen Wunsch, leicht zwar, und auch nur einmalig, aber unmissverständlich. „Sicherlich möchtest du nicht Mäuschen genannt werden von mir, mein Freund!“ erwiderte sie, und ich dachte, wenn es gut läuft, wird mein Vater pontikaki von meiner Mutter genannt. Am liebsten beobachtete ich Nike, wenn sie mit anderen sprach, wie sie ihre Augen leicht zukniff, wenn sie konzentriert zuhörte, wie sie verständnisvoll nickte, wenn das Gegenüber ein Feedback erwartete, immer mit einem leichten Augenzucken, das man fast als Tick bezeichnen könnte, aber nur fast. Ich mochte auch, wie sie beim Ratgeben nervös an ihrem Ausschnitt nestelte, immer mit der Angst, vielleicht etwas Falsches zu sagen, das dann zu einer falschen Handlung führen könnte, sie, die immer Stellung bezog. Níki sprach ich ihren Namen aus, griechisch, ich, der das Griechische gerade ganz aus sich tilgen wollte, der, der nicht wusste, was „das Griechische“ denn überhaupt sein sollte. Nike, meine Nike, die schon nicht mehr meine war, als ich sie die MEINE nennen wollte. Nike, die Siegesgöttin, die von Eltern aufgezogen worden war, die so ganz anders als meine Erzeuger waren, gebildet, mit Studium, akademischen Titel und einem guten, angesehenen Job.  Wir blieben Freunde... so sagt man doch ganz klischeehaft nach so einem Versuch einer festen Beziehung, die nicht so recht klappen mag, doch ich versuchte es immer wieder bei ihr, ließ nicht locker.

Dienstag, 15. November 2011

Pontikaki kai gataki - Teil 2 -

Ich verschlief den qualvollen Tod meiner Oma. Jahrelang hatte ich mich geweigert, nach Griechenland mitzugehen, nun in meinen Teenie-Jahren sei ich ja wohl alt genug, zuhause in Deutschland zu bleiben, um mit meinen Freunden alleine zu reisen. Man beschrieb mir diesen langsamen Tod kaum verständlich, ich ging davon aus, dass meine Oma niemals schlief oder immer schlief, denn das Bild, das mir vermittelt wurde, war Folgendes: Sie sitzt in einem Schaukelstuhl, vor sich hinstarrend, nimmt nichts wahr, starrt an die Decke vielleicht, an die Wand vielleicht, nimmt aber ihre Kinder und Enkel nicht mehr wahr, regt sich nicht, zuckt nicht einmal mit ihren Augenlidern, starrt nur, während mein Opa sich ganz bösartig weder um sie kümmert noch ein Herz für sie hat. Er höhnte: „Die war doch in ihrem ganzen Leben so, keinen Muckser gab sie von sich, nie hat sie sich gegen mich durchgesetzt, nie!“ Meine Mutter war dann immer nahe dran, ihm nicht nur eine Ohrfeige zu geben, sagte sie, sondern eine für jedes verdammte Jahr, welches meine Oma mit diesem A… verbringen musste. So erzählte sie mir davon, und nur mein Vater habe sie regelmäßig daran gehindert, nicht etwa der Respekt vor dem Alter, auf den sie in so einem Fall pfeife, aber nicht so dein Vater, lästerte sie, da ist er plötzlich Christ und proklamiert irgendwelche Bibel-Psalmen, die das Alter ehren. Ich hörte gar nicht richtig zu, vielmehr war ich damals mit mir beschäftigt, mit meinem Ziel, mich von der Familie, von der Geschichte abzunabeln, von diesen Mythen, die mein ganzes Leben nicht nur zu füllen, sondern zu überfüllen drohten. Eine Zeit lang hatte ich diese ganzen Anekdoten, Welt-Erklärungen, Entschuldigungen und Sehnsüchte einfach satt. Diese Sätze, die mit „Dein Opa musste noch…“ oder „Dein Vater kam her, um den Entbehrungen zu…“ begannen, ich konnte, ich wollte sie nicht mehr hören, sie gingen mich nichts mehr an. Auch die Erläuterungen meiner Mutter in ihren schlechten Momenten, als sie schon zu viel getrunken hatte, dass sie nur wegen mir und meiner Geschwister noch mit meinem Vater zusammen sei, sonst hätte sie… Das interessierte mich nicht, alles nicht. „Trenn dich doch von ihm!“ schrie ich ihr entgegen. „Mach doch, was du willst!“ Und sie brüllte mich an: „Ja, genauso wie du, dein ganzes Leben lang schon, nie hat dich etwas außerhalb deiner Person interessiert!“ Vermutlich hatte sie Recht damit, doch mir war das gleich.

Montag, 14. November 2011

Herr Plagiatis liest im Lamm in Kehl

Ach, war das aufregend. Eine Lesung in der alten Heimat, mit der Familie an der Seite, mit alten Freunden, alten Praktikumsanleiterinnen (;-)), mit Menschen aus Kehl, die man kennen sollte, aber nicht kannte, mit Eltern von Freundinnen, mit Facebook-Freundinnen, die man das erste Mal im Real Life sah (;-)) usw. 




Der jüngste und süßeste Gast: Oskar, der mit seinen Eltern den weiten Weg aus Freiburg nach Kehl fand und ganz fasziniert von der Jazz-Musik von Paquitto and Friends war - und auch ein bisschen von meinem Buch (wie man ja sieht). :-)




Ja, hier, voll vor dem Buffet stand ich, in der einen Hand das Buch, in der anderen Hand das Mikro, yeah - ganz toll, wenn man umblättern möchte. Hihi. Und vor allem: ich musste immer warten bis die Leute, sich Essen geholt haben... damit ich anfangen konnte zu lesen. Aber, wie ich immer sage: wenn man etwas Gutes zum Essen hat, dann hat man gute Laune. Das ist gut für eine Lesung. Vielleicht haben deswegen so viele bei meinen Übergängen und Witzen zwischendurch gelacht. Oder vielleicht war ich auch witzig. Wer weiß das schön?! :-)




Die wunderbare Frau Scheerer von der Buchhandlung Baumgärtner (die den "Büchertisch" organisierte) sorgte aber für den größten Lacher, der gleich sehr gute Stimmung ins Lamm brachte: Sie nannte mich aus Versehen "Herr Plagiatis" - kann man mich ja gleich "von Guttenberg" nennen. :-) Ich finde den Spitznamen sehr kreativ und witzig. Kam auch noch niemand drauf. Im Gegensatz zu Herr Ypsilanti, so wurde ich schon genannt. ;-)




Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht zu lesen. Ich habe nicht nur mein Buch "Plattenbaugefühle" vorgestellt, sondern auch das Blog und eine Geschichte gelesen, die gerade auf dem Blog in Fortsetzung veröffentlicht wird. Den ersten Teil gab es gestern hier: http://schmerzwach.blogspot.com/2011/11/pontikaki-kai-gataki-teil-1.html.




Das hat natürlich Spaß gemacht, in Kehl Bücher zu verkaufen und zu signieren. Konnte mich fast schon wie Benedict Wells fühlen... auch wenn es bei mir etwas weniger Leute waren. Aber: ausverkauftes Haus! Wobei: es gab ja auch zwei richtig gute Gründe außer mir, der schöne Jazz von den Paquitto and Friends und das gute Brunch (Tapas... mmmhhhh lecker).




Der gute Mann, der dieses sehr sehr schöne Event organisiert hat. Danke, lieber Mirko Sansa!!! :-) Und natürlich auch noch mal Danke an Sybille Scheerer. 

Sonntag, 13. November 2011

Pontikaki kai gataki - Teil 1 -

Ich verschlief Erdbeben. Am Morgen wachte ich auf und alles stand an einem anderen Platz. Bestürzt schaute ich in die verstörten Gesichter meiner Familie, samt Oma und Opa, die ich in diesem Moment nicht vor mir erwartete, und fragte, was denn hier für ein Aufruhr stattfinde. Mein Vater, der selten seine Nerven verlor – im Gegensatz zu meiner Mutter  – zog seine Augenbrauen hoch, wie er das immer tat, wenn er mich aufziehen wollte, und sagte in seinem vermeintlichen Insolaner-Singsang: „Du glaubst, dass jetzt ein Aufruhr herrscht? Dann weißt du nicht, was deine Mutter für einen Aufriss in der Nacht gemacht hat, als sie sich schon im Himmel wähnte, und mich dafür verfluchte, dass ich aus diesem Höhlenloch komme.“ Irritiert fragte ich nach: „Höhle oder Hölle?“ Er erwiderte: „Höhle natürlich. Sie glaubt wie die alten Griechen, dass Erdbeben aus Höhlen ausbrächen.“ Er schüttelte sich dabei, wie ein großer dicker lachender Bär und meine wütende Bären-Mutter schnaubte verächtlich: „Ach ja, ICH glaube. Ich bin Christin und glaube nicht an so einen Kokolores wie deine Leute. DIE denken doch, dass sie das auf Poseidon zurückführen können.“ Mein Vater, der sich von solchen Kommentaren nicht beeindrucken ließ, lachte nur noch beherzter. Es war ein alter Streit zwischen ihnen, vielleicht etwas, das üblich war zwischen Insolaner- und Festland-Griechen, ich wusste es damals nicht und bis heute ist dies so geblieben. Während man den Insolanern aus der Ägäis ein frohes Gemüt nachsagte, dichtete man den Menschen aus Epirus immer eine Schwermut an. Dies konnte ich nicht beurteilen, die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Deutschland, und bereits da fiel es mir schwer, den badischen Dialekt zu verstehen, aber noch mehr die ganzen Vorurteile und Klischees über Badener, Schwaben und Pfälzer nachzuvollziehen oder gar auseinanderzuhalten. Ich verschlief Erdbeben und alles, was mit dem Bewerten anderer Menschen zu tun hatte. Es ging mir auf die Nerven, wenn jemand mich fragte, bist du Deutscher oder bist du Grieche. Es ging mir auf die Nerven, wenn jemand wissen wollte, wie es denn sei, in zwei Kulturen zu leben, während ich mich irritiert fragte, welche beiden Kulturen gemeint sein könnten. Mir reichte es schon an Aufgabe, meine Eltern davor zu bewahren, sich tatsächlich an die Gurgel zu gehen, wie sie es verbal ständig taten, wie zwei Hähne, die ihr Revier markieren wollen, wie zwei Bullentiere, die ihre Hörner aneinander stoßen, oder wie Katz und Maus, wenn es gut lief. 


Ich verschlief die Kirchgänge im Dorf, etwas, das mich noch heute in meiner Meinung bestärkt, dass all die sonstigen Bemühungen meiner Mutter, aus mir einen guten Christen zu machen, zum Scheitern verurteilt waren, weil mein Fleisch noch mehr als mein Geist gegen solch eine religiöse Vergeistigung wetteiferte; sie bekam mich einfach nicht wach. Ich saß am stark lädierten Holztisch meiner Oma, die schon in meiner Kindheit halbblind war, ließ mir „Berg-Tee“ machen, der den botanischen Namen Sideritis Tesan Flomis Cladestina trägt, wie ich allerdings erst sehr viel später – in meinem Erwachsenenleben – in Erfahrung brachte, und der nah verwandt mit dem Salbei ist. Dazu gab es schwarze Oliven und Weißbrot. Eine merkwürdige Mischung vielleicht, aber ich kam mir dabei immer so weise vor, vielleicht weil mein Opa seit fünfzig Jahren auf diese Frühstücksmischung schwor. Etwas, übrigens, was meine Oma nicht so gut fand, denn sie wollte, dass ich in den wenigen Tagen, in denen ich da war, ihren selbst gemachten Käse und Joghurt essen sollte, doch wie in vielen Dingen konnte sie sich nicht gegen die stoische Ruhe meines Opas durchsetzen. Berühmt wurde in unserer Familie ihr Disput, wie viele Stunden der Joghurt in warme Decken eingewickelt werden müsste, den meine Eltern regelmäßig in Deutschland nachspielten, wenn sie auf die irrsinnige Idee kamen, Joghurt selbst herzustellen. Oma und Opa hatten ihr ganzes Leben in diesem Ort gelebt und nie etwas anderes gesehen. In ihrer Welt gab es das Wort Scheidung nicht, selbst als ihre Kinder ihnen von ihren ersten Trennungen erzählten, wollten sie das nicht wahrhaben, ignorierten dies, vor allem mein Opa, der kein Problem damit zu haben schien, dass  meine Tante, die vorher einen dunkelblonden grünäugigen Mann gehabt hatte, nach ihrer Scheidung einen braunhaarigen Braunaugen-Typen mit nach Hause brachte, den er ebenso Nikos wie den Mann davor nannte, es war ihm einerlei, Wasilikis Mann war eben der Nikos. Ich beobachtete meine Oma jeden Morgen bei ihren Handgriffen, die so langsam wie in Zeitlupe von sich gingen, was mich total faszinierte, weil ich immer dachte, ich schliefe dabei ein, wenn ich sie selbst in diesem Tempo durchführte, die aber vor allem jeden Tag die gleichen zu sein schienen. Ich war ein Kind, ich versuchte jeden Tag alles anders zu machen, eine andere Hand zu nehmen, den Finger anders zu halten, die Geschwindigkeit zu ändern, irgendetwas. Ihre Falten faszinierten mich, diese Falten, die davon zeugten, dass sie sich vermutlich ein ums andere Mal in den Schlaf geweint, vielleicht auch in der Küche eingeschlossen hatte, damit es keiner sieht. Geweint, weil ihr Mann, mein Opa, sie einmal mehr angefahren hat, geweint, weil ihr ältester Sohn nach Deutschland geflüchtet ist, geflüchtet vor diesen ärmlichen und unglückseligen Verhältnissen. 

Samstag, 12. November 2011

Benedict Wells: Fast genial 1/2

Fast genial... das ist der junge Autor Benedict Wells. Schon seine ersten Bücher "Becks letzter Sommer", 2008 bei Diogenes erschienen, und "Spinner" aus dem Jahr 2009, hatte ich verschlungen und bei Radiosub euphorisch besprochen. Nun ist sein neuer Roman mit dem Namen "Fast genial" erschienen. 


Inhalt: Francis, knapp achtzehn, wohnt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey und sieht sein Leben schon dort enden. Bis zu dem Tag, an dem er die Wahrheit über seine Zeugung erfährt. Offenbar verdankt er seine Existenz einem absurden Experiment, an dem seine Mutter damals teilgenommen hat. Sein Vater ist zudem kein Versager, der die Familie im Stich ließ, sondern ein genialer Wissenschaftler aus Harvard. Eine Begegnung mit ihm könnte Francis’ Leben verändern. Zusammen mit seinem besten Freund Grover, einem verschrobenen Superhirn, und dem Mädchen seines Herzens, der labilen, unberechenbaren Anne-May, macht er sich auf eine Reise quer durchs Land zur Westküste, um seinen Vater zu finden. Francis will wissen, wer er ist, und zu verlieren hat er nichts – oder doch? Ein dramatischer Erkundungstrip mit immer neuen Wendungen und einem im wahrsten Sinn atemberaubenden Showdown.


Bei der Buchmesse stand ich gaaaaaanz lange an, um endlich mal mit ihm gaaaaaaanz kurz zu reden und ein Autogramm von ihm zu bekommen... Jetzt werde ich das Buch noch begeisterter lesen. ;-) Was er geschrieben hat?




Demnächst wird hier eine Rezension erscheinen. Seid ihr gespannt? Ich schon! :-)
https://www.facebook.com/pages/Benedict-Wells/196778203692337?sk=wall

Freitag, 11. November 2011

Romeos von Sabine Bernardi

Heute beginnt das spannende, oberinteressante exground-Festival in Wiesbaden. Dabei werden zwei ganz besondere Filme gezeigt, die ich bereits gesehen habe. "Romeos" und "Stadt Land Fluss" (hier ebenfalls rezensiert). 
Der Film „Romeos“ der Regisseurin und Drehbuchautorin Sabine Bernardi ist eine Kooperation des jungen Kölner Startup-Unternehmens, der Produktionsfirma Boogiefilm, und dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF. Er handelt von einem jungen Transgender namens Lukas und seinen Erlebnissen in der Großstadt Köln. Aus der Provinz gekommen wird er bei seiner FSJ-Stelle erst einmal ins Mädchen- anstatt ins Zivi-Wohnheim gesteckt, schließlich ist er offiziell noch Miriam. Lukas möchte da nicht sein. Selbst als er seine ehemalige beste Freundin Ine dort antrifft, verändert sich sein Ansinnen nicht. Selbst alltägliche Verrichtungen wie Duschen (in Wohnheimen ja häufig gemeinsam mit anderen) oder das Baden im See sind recht abenteuerlich für ihn. 
Lukas ist ein „Transmann“, als Miriam geboren, fühlt er sich so, als sei er im falschen Körper, und sehr viel lieber ein Mann anstatt einer Frau. Das Wort transsexuell verwenden Betroffene wie Lukas meist nicht, um zu verhindern, dass die Gesellschaft ihr Problem als sexuelles ansieht. In Wahrheit handelt es sich um eine Identitätsproblematik. Wie schwer es für Lukas ist, in diesem so freizügigen und vermeintlich offenen Köln in dieser Lebensphase zu bestehen, wird ihm und dem Zuschauer schon sehr bald deutlich, übrigens in einer sehr kuriosen Badszene... Er nimmt zwar Testosteron und versucht mit viel Hanteltraining seinen Körper zu formen, doch seine weiblichen Attribute sind durchaus vorhanden. Und diese hindern ihn daran, körperliche Nähe aufzubauen, enn das würde ihn auffliegen lassen. Er sehnt sich jedoch nach körperlicher Nähe. Unglücklicherweise hat er sich dafür den gut gebauten, sehr attraktiven Südländer Fabio, der ganz augenscheinlich ein Macho ist, ausersehen. 
Das hört sich vielleicht erst einmal gar nicht so aufregend und vielleicht sogar klischeehaft an, ist es jedoch bei Weitem nicht. Susanne Bernardi hatte in der Vergangenheit bereits einen sechzigminütigen Dokumentarfilm zum Thema Transgender gedreht und hatte das Ziel dieses Thema in einen gleichsam sensiblen wie lustigen Spielfilm umzuwandeln, welcher hinter die Paradiesvogel-Fassade blicken wollte. Dies war ein langwieriger Prozess. 2007 gab es die erste Version des Drehbuchs, das im gleichen Jahr den Kölner Drehbuchpreis erhielt. Zwei weitere Jahre benötigte es, um die sehr authentische und kurzweilige letzte Fassung zu erarbeiten. 




Auch das Casting für die Hauptrolle war eine langwierige Sache, drei Monate suchte man nach Rick Okon, der den zwanzigjährigen Lukas brillant darstellen konnte. Er hatte sich zuvor sehr viel Zeit genommen, sich in das Thema einzulesen, mit Transgendern zu reden und zu versuchen, ihre Gefühle und Gedanken zu verstehen. Dies ist ihm tatsächlich bis ins kleinste Detail gelungen. Der Zuschauer litt mit ihm, regte sich über ihn auf, freute sich mit ihm. Die weiteren Hauptrollen werden von jungen, wenig erfahrenen Schauspielern verkörpert, Ine alias Liv Lisa Fries hat unter anderem in "Die Welle" mitgewirkt und Fabio alias Maximilian Befort in "Bibi Blocksberg - Der Film". Auch sie zeigen bemerkenswert viel Gespür für ihre Rollen und die Geschichte. 
Bei der Stoffentwicklung schauten sich die Macher des Films „Transamerica“ und „Fucking Amal“ an und ließen sich davon inspirieren. Das tat dem Film ebenso gut wie das in jedem Bild das Anderthalbfache der Lichtstärke eines normalen Fernsehfilms eingesetzt wurde. Hintergrund davon ist, dass man eine Sommerkomödie mit flirrender Helligkeit, Sonne, Haut und Schweiß drehen wollte, was auf jeden Fall gelungen ist. Sabine Bernardi und ihrem Team, den Produzentinnen Janna Velber und Kristina Löbbert, der Zuständigen für das Casting Iris Baumüller usw. ist ein Film gelungen, der Spaß macht und einen gleichzeitig noch nachhaltig beschäftigt. Ein deutscher Film, der ganz sicher mit den amerikanischen Indie-Filmen wie zum Beispiel dem thematisch ähnlichen „Boys don´t cry“ sicherlich mithalten kann. 
Der Bundesstart des Filmes ist der 8.12. Beim exground-Festival läuft er schon am 12.11. um 20 Uhr im Murnau Filmtheater. Stadt Land Fluss läuft am 15.11. um 17.30 Uhr in der Caligari Filmbühne.

Donnerstag, 10. November 2011

SuB - Stapel ungelesener Bücher

Viele meiner Blogger-Kolleg_innen aus dem Literaturbereich haben immer so einen Unterpunkt: SuB - zuerst sagte mir das ja gar nichts. Nach ein bisschen Nachdenken kam ich natürlich drauf. ;-) Ich bin jetzt mal ein Nachmacher. Hier ist MEIN SuB. :-)


Ich freue mich sehr auf Haratischwillis Buch "Mein sanfter Zwilling", das den Preis der Hotlist 2011 gewann. Lazyboy vom Michael Weins - alleine das Cover... Zwei tolle Verlage, Mairisch und Frankfurter Verlagsanstalt.

Dog Star von Donald Windham ist ein Juwel, den der Lilienfeld Verlag endlich ins Deutsche übersetzt hat, damit auch wir dieses 
beeindruckende Buch lesen können. Die Inhaltsangabe von Der schüchterne Pornograph von Nikolaj Frobenius hört sich fantastisch. Onkel & Onkel Verlag rules. :-)


Philip K. Dick - er ist ja mein Lieblingsautor - auch hier eine Rarität und damit ein Buch, das ich noch gar nicht kannte und das der Verlag liebeskind zum Glück endlich ins Deutsche übersetzen ließ. Ein Buch, das ich schon mal vor etlichen Jahren gelesen habe und dank Betti wieder entdeckt habe, ist Vielleicht lieber morgen von Stephen Chbosky. Auch darauf freue ich mich sehr.

Mittwoch, 9. November 2011

Musikwirbel (Blogparade): Woche 5

In dieser Woche ist im Musikwirbel "Deutsche Musik" gefragt - und, ich weiß, es ist etwas langweilig, auch wieder, aber ich wähle MIA, und zwar mit Wonne. Und das hat viele Gründe. Vom Tanz der Moleküle muss ich ja nicht anfangen, ich meine, tanzen wir nicht seit Jahren nach ein paar Sekunden los, sobald wir die ersten Töne hören? Grölen wir nicht mit? Kann man diesem Lied ein schöneres Kompliment machen?  Aber: da sind noch einige andere tolle Lieder. Ähnlich ist es doch auch bei "Mein hungriges Herz". Zu "Wie es ist" habe ich ein besonderes Verhältnis - ich habe eine Geschichte geschrieben, in der ich mich auf das Lied beziehe. Aber am Ende habe ich mich dann doch für: "Mein Freund" entschieden. http://www.dailymotion.com/video/x608ff_mia-mein-freund_music#rel-page-5

Sag mir woran Du denkst, mein Freund, 
wenn die Musik erklingt, mein Freund, 
die Dich zum Heulen bringt, mein Freund, 
Weil Du es so willst.
Woher kommt Dein Verdacht, mein Freund, 
die Takte seien gezählt, mein Freund. 
Lies mir vom Munde ab, mein Freund, 
sie sind es nur wenn Du's so willst.
...
Mein lieber Freund du Kupferstecher, 
du hast ja recht, 
vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht. 
Ich weiß nur eins: Ich kenn Dich doch gar nicht anders


Dienstag, 8. November 2011

Der Open Mike 2011 - 2 -

In diesem Buch des Allitera Verlags sind alle Texte der Teilnehmer_innen des Open Mike 2011 zu finden. Das muss man sich ja mal vorstellen: Wir haben ein ganzes Buch GEHÖRT an zwei Nachmittagen in der WABE. Ganz unterschiedliche Texte, manche witzig, manche spannend, manche poetisch, manche experimentell, manche vielleicht zu gelehrig... Wir haben viel über Literatur geredet in der Publikums-Jury, heiß diskutiert. Ja, über Literatur urteilen heißt auch subjektiv sein, seinen eigenen Geschmack haben, manchmal nicht so genau wissen, warum man es gut findet. Manchmal muss man im Nachhinein Argumente für sein Werturteil suchen. Geschmäcker sind verschieden. Was der eine höchst interessant findet, zum Beispiel langatmige Naturbeschreibungen, überblättert der andere. Der eine mag eine Sprache, in der auch mal Anglizismen oder Jugendsprache-Ausdrücke vorkommen, der andere fragt sich, ob das in der Literatur sein muss. So ist jeder Jeck anders.


Bild aus: http://www.gezett.de/openmike2011/
So kommen wir zu Meter Mütze, der leider keinen Preis gewann - und den ja nur einer favorisierte in der Publikums-Jury. Das war natürlich ich. Wieso? Meter Mütze ist für mich so wie ein Künstler im Jahre 2011 sein sollte, ein Performer, einer, der seine Kunst lebt, der auch mal über das Ziel hinausschießt, der auch mal etwas macht, was daneben ist, wie z.B. vor dem Lesen noch etwas über eine Performance zu erzählen, die er vor Kurzem in London gezeigt hat. Meter Mütze, der eine lustige Seite hat: http://mischgemuese.com/ Meter Mütze, der einen wirklich witzigen Text gelesen hat, der mir deswegen gefallen hat, weil ich die Hauptfigur und seine Welt sehr viel besser verstehe als manch eine Figur aus den anderen gelesenen Texte.

Bild aus: http://www.gezett.de/openmike2011/
Auf dem Bild mit der Lektorin Petra Gropp vom S. Fischer Verlag in Frankfurt. Nur was sollte dieses Telefon? Ein Maskottchen? Hier ein Auszug aus seinem Text, den man im Buch nachlesen kann:
... In der Schulzeit war meine bronzene, formreine Haut alles, wofür ich wahrgenommen und in der Konsequenz verklärt wurde. Alle anderen waren Streuselkuchen. Nicht Menschen, sondern Restekuchen zweiter Klasse. Kinder als schonungslose Peer-Group-Klärwerker, Bäckermeister sozialer Bestimmung. Daumen rauf oder runter. Ich war Daumen rauf, ich war Dorian Gray; wir nahmen das Buch zu der Zeit im Englischunterricht durch. Keine proaktive Pubertät, keine Pickel, eine Maschine der Anmut. Kein Widerspruch, sondern die sophomore Metaebene der Kybernetik. ...


Ob Felicitas Hoppe ihn meinte, als sie bei den Worten der Autoren-Jury den Autor_innen mitgab: Macht, was ihr wollt, überlegt nicht so viel, schaut nicht so viel auf die Form, und vor allem seid nicht so gelehrig. Sie hatte den Verdacht, dass manche der Teilnehmer_innen zu viel lasen, zu verklemmt waren, sich selbst zu wenig Raum gaben. Dieser Punkt "Wasn-Angeber-was-der-alles-so-weiß-und-in-den_Text-reinbringt" war auch in der Publikums-Jury ein großes Thema. Schwierig. Was man dem einen abnimmt, nimmt man der andere übel. Meter Mütze fand ich ironisch, fand ich künstlerisch, fand ich cool. Andere teilten diese Einschätzung nicht. Dafür fand ich andere Texte nicht so cool. Die mir zu gelehrig, zu langweilig, zu öde vorkamen. Aber das gibt es immer. Es kann nicht sein, dass einem 22 Texte gefallen. Doch insgesamt war das Niveau dieses Jahr mit Sicherheit sehr hoch. Nachzulesen in der dazugehörigen Veröffentlichung.