Dienstag, 31. Juli 2012

5. Pub´ n´ Pub: Autoren-Verlag-Beziehung

Der mittlerweile 5. Publishing-Stammtisch für Frankfurt und Rhein Main fand am 30.7. ab 19 Uhr statt - und hat sich trotz Sommerzeit = Urlaubszeit als derjenige mit dem qualitativ und quantitativ größten Publikum in die Geschichte eingeschrieben. Vielleicht lag es ja am Thema Autor-Verlag-Beziehung oder an den beiden interessanten Referentinnen, die der Organisator Leander wattig eingeladen hat: Dr. Cora Stephan und Juliane Beckmann. Erstere brachte gleich mehrere Persönlichkeiten mit, Krimi-Romane schreibt sie, aber auch Romane fürs Herz (und mit Katzen), sie ist Lektorin, Übersetzerin und und und. Letztere arbeitet als Lektorin für S.Fischer und betonte, dass sie bei diesem Stammtisch als am Thema interessierte Privatperson rede (und nicht für den Verlag). 

Hier die gesammelten Tweets der Veranstaltung (puls Bilder), die Leander Wattig zur Verfügung stellt:
http://pubnpub.de/post/28406431331/impressionen-vom-5-pubffm-thema 


Es war mein dritter oder vierter Pub´ n´ Pub, den Leander Wattig ja organisiert - eine Idee, die aus dem Buchcamp resultiert und genauer gesagt bei der Buchmesse 2011 als Idee entstanden ist. Ein weiteres Erfolgsmodell von Leander. Doch wieso funktioniert das so gut?


Die Buchbranche befindet sich im Umbruch, das natürlich schon länger, viele wollten das gerne ignorieren oder gar aussitzen. Aber nun... Jeder Umbruch hat Chancen und Risiken. Vor allem für die Autoren ist mit der Digitalisierung ein großer Wandel vonstatten gegangen, der die Bindung zum Leser auf jeden Fall stärken kann. Autoren und Leser können nun direkt in Kontakt kommen - und das über vielfältige Kanäle, Blogs, Facebook, Twitter und Google+ sind nur einige davon. Doch wie steht es mit der Beziehung Autor-Verlag?


Heute können Autoren mehr denn je mit Forderungen an die Verlage treten, und nicht nur als Bittsteller. Die Beziehung hat sich gewandelt. Vielmehr sind nun die Verlage gefragt, an guten Content zu kommen. Die Autoren haben mehr Wahl denn je ihren Content  unter das Volk zu bringen, und auch mal zu sagen: Nein, hier möchte ich das nicht veröffentlichen, weil... Oder: Wenn ich hier unterschreibe, dann muss das und das passieren. Oder: Ich gebe dir die Print-Rechte, Ebook kann ich alleine etc. 
Und hier noch einen Überblick über die Tweets von Frank Krings:
http://archivist.visitmix.com/frank_krings/1?s=true :-)


Mehr denn je muss das Verhältnis Autor-Verlag ein Vertrauensverhältnis sein, eines, das davon geprägt ist, dass man miteinander kämpft und nicht gegeneinander. Die Aufgabe, die beide miteinander bewältigen müssen, ist, neue Geschäftsmodelle aufzutun. Es gibt viel zu tun, aber solche Stammtische sind schon einmal ein guter Weg, in einen Dialog zu treten, miteinander nachzudenken, neue Lösungen zu finden. Ich habe gestern beim Stammtisch sehr viel Harmonie, sehr viel Offenheit bei allen Anwesenden erlebt. Man möchte etwas bewegen. Gemeinsam! Das wird was, da bin ich mir ganz sicher. Und ich freue mich auf die weiteren Pub´ n´ pubs! Danke, Leander! :-)
Hier mehr: https://www.facebook.com/groups/pubffm/

Elf Fragen von Schmerzwach an die Autorin Hilke-Gesa Bußmann



Hilke-Gesa Bußmann wurde im Januar 1990 im hohen Norden Deutschlands geboren. Nach ihrem Abitur im Jahr 2009 am Ulricianum-Gynasium in Aurich, zog sie ins Rhein-Main-Gebiet, um an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main das Studium der Germanistik, Theater,- Film- und Medienwissenschaft und Pädagogik aufzunehmen. Mit diesem Studium hat sie ihre Leidenschaft, die Literatur, zum Beruf gemacht. Tag für Tag beschäftigt sie sich mit der Literatur bekannter Autorengrößen und auch der eigenen Literatur. Bereits im Alter von 16 Jahren konnte sie erste literarische Erfolge vorweisen: Sie gewann beim Odenwälder-Krimipreis mit den Titeln “Mord im Kartoffelacker” (2006) und “Lämmer schwimmen nicht” (2008) Auszeichnungen. Im Jahr 2011 veröffentlichte sie ihren Debütroman mit dem Titel “Lieb mich!”  im AAVAA-Verlag in Berlin. Neben dem eigentlichen Schreiben von Literatur beschäftigt sie sich auch mit verschiedensten Literaturprozessen. Neben dem Prinzip klassischer Verlagsarbeit interessiert sie sich auch für die neuen Richtungen im Bereich Social-Media und Self-Publishing. Momentan widmet sie sich dem Serienroman “Die Legenden der Weltentaucher”

1.Wer bist du?
Wer ich bin? Die verrückte, junge Dame, die das Social-Media so sehr liebt, dass Facebook ihr ein virtuelles Schlafzimmer angeboten hat, und sich immer dann in ihre literarischen Welten flüchtet, wenn sie mal keine Lust mehr auf Facebook, Twitter und Co. hat. Also jeden Abend. Man sieht mich immer mit Smartphone, Tablet oder Laptop, kriegt meine E-Mail-Adresse eher aus mir heraus als meine Handynummer (letztere kenne ich nämlich nicht auswendig) und gäbe es eine App zum Kaffeenachfüllen: Ich hätte sie schon längst gekauft!
2.Was machst du?
Ich mache Literatur, momentan überwiegend digitale. Ich schreibe Bücher, Romane und Serienromane im Genre Fantasy, manchmal auch Krimis und Thriller. Ich liebe das Schreiben und die Literatur, weswegen ich auch hauptberuflich noch die Universität besuche, um mein Germanistikstudium abzuschließen. Ich mache außerdem Social-Media und Innovationen. Finde Ideen am Straßenrand und neue Figuren für meine Bücher im Zug. Damit ist der Alltag auch schon ganz schön gefüllt. 
3. Woher kommst du und wohin möchtest du?
Ich komme aus Norddeutschland, deswegen ab und zu auch der trockene Humor. Ich habe schon fast 12 Jahre Literaturleben hinter mir und ich denke, jetzt ist die Zeit gekommen, endlich mal alles selbst in die Hand zu nehmen. Ich möchte nach oben, ins Bücherregal, in der S-Bahn sitzen und Menschen mit meinem Buch in der Hand vorfinden. Und ich möchte so viele Literaturfreunde auf diesem Weg mitnehmen, wie nur möglich. Denn: Gemeinsam ist der Weg viel leichter! Alle Stärken vereint schafft große Felsbrocken aus dem Weg!
4.Warum bist du Künstler_in geworden?
Aus Leidenschaft. Und dem Wunsch, meine Leser mit meinen Worten zu verzaubern. Zumindest für eine bestimmte Zeit. Es gibt nichts schöneres, als glitzernde Leser-Augen. 
5.Welche Ziele hast du?
Ich möchte Innovationen schaffen. Die Grenzen der Digitalisierung austesten und dabei sein, wenn es darum geht, den Weg für digitale Literatur zu ebnen. Denn ich glaube daran, dass wir dank der Digitalisierung schon bald ganz neue, heute noch kaum vorstellbare Literatur lesen können. Und ich sag’s gleich: Ich liebe das gedruckte Buch und es wird niemals verschwinden! Ich glaube nur an die Technik und an ihre Möglichkeiten. 
6.Wer oder was inspiriert dich?
Meine Muse, eine Person, die ich vor einigen Jahren kennengelernt habe und die mich gelehrt hat, mit mir selbst über meinen eigenen literarischen Diskurs zu reden und zu reflektieren. Das macht nicht nur Spaß, das hilft auch, aus sämtlichen Schreibkrisen herauszukommen. Und letztlich starke Persönlichkeiten: Steve Jobs, J.R.R. Tolkien, Dumbledore. 
7.Wann bist du glücklich?
Stellt euch folgende Situation vor: Ich sitze in einem Zug mit offenem Fenster. Der Zug fährt langsam einen endlosen, weißen Sandstrand entlang und ich kann das Meer sehen. Brausende Wellen, der starke Wind bläst durch meine Haare und zerzaust sie. Vor mir steht mein Laptop und eine Tasse Kaffee. Das ist ein Traum. Aber ich bin auch glücklich, wenn ich das Lächeln meiner Mitmenschen sehe und ich ihnen etwas Gutes tun konnte. 
8.Wie sieht dein perfektes Leben aus?
Die Freiheit zu haben, sich selbst zu verwirklichen und die Grenzen selbst stecken zu können. 
9.Was würdest du tun, wenn du ein Tag lang König_in von Deutschland wärst?
Mehr Geld in die Bildung stecken und eine Reihe Maler engagieren, um Deutschland bunter zu machen!
10.Wovon hast du als Kind geträumt?
Ich wollte 500 Pferde besitzen, kurz darauf, mit 12 Jahren, habe ich auf eine Eule gewartet, die mir meinen Brief von Hogwarts bringen sollte ... Mit 14 war ich immer noch der Meinung, die Eule hätte Verspätung. Ich wollte schon immer Literatur erschaffen und die Welten in meinem Kopf mit anderen teilen. 
11. Worauf könntest du verzichten und worauf überhaupt nicht?
Ich glaub, ich könnte auf Google+ verzichten. Und auf Milchkaffee. Latte Macchiato ist allerdings ein Muss, genauso wie Espresso. Ich könnte auf Word verzichten, solange ich mein Schreibprogramm Papyrus habe. Ich könnte auf mein Handy verzichten, solange es Skype gäbe. Ich könnte aber niemals auf meine Träume verzichten, denn sie sind es, aus denen wir unsere Ziele definieren. 
Weitere Informationen über die Autorin Hilke-Gesa Bußmann sind auf ihrer Website www.hilke-gesabussmann.de, ihrem Autorenblog www.blog.hilke-gesabussmann.de und auf ihrer Facebook-Fanpage zu finden.

Montag, 30. Juli 2012

LiteRadTour 2012


Es war die erste Literadtour - und sicherlich nicht die letzte. Das Wetter spielte perfekt mit, die Fahrräder waren aufgepumpt und geputzt, die Stimmung war familiär und positiv. Es konnte also nichts schief gehen. 


Glücksfahrrad, Skyline
Ich hatte mir das "Glücksfahrrad" aus dem Glück ist jetzt!-Laden ausgeliehen und fuhr von Frankfurt erst einmal an die erste Location, zum Waggon am Kulturgleis in Offenbach. Begleitet wurde ich von Carsten Nagels, der ebenfalls bei der Literadtour las, und ein paar fleißigen Begleiter_innen, die am Ende auch eine Ehren-Urkunde für das Durchhalten bekamen. 




Jule Weber, Gewinnerin des U 20 Poetry Slams im Literaturhaus Frankfurt, und damit die Vertreterin der Mainmetropole bei den U 20 Poetry Slam Deutschen Meisterschaften, begann nach der Pause die Vorträge. Noch waren nicht alle wieder am Platz und starklar, doch wir mussten uns beeilen. Vor der Pause herrschte eine wunderbare Stimmung, sehr familiär, sehr schön, wir diskutierten miteinander, Hund, Kind und Kegel lief herum und lenkte auch mal zwischendurch vom Vortrag ab, es wurde viel geschmunzelt und viel gelacht. Es war einfach toll! Im Waggon am Kulturgleis, das ja trotz Sommerpause für uns geöffnet hatte, waren sehr sympathische Menschen, ein DJ machte in der Pause coole Mucke. Es lasen George Goodman, Tsoik (Dennis Krause und Jule Weber, die auch einzeln vortrugen und nicht nur als Team), Carsten Nagels und ich (Rotweissblau - am Waggon R.O.T.). Und dann ging es mit dem Fahrrad rund 25 Minuten Richtung Yachtklub. Und bei diesem Teil hatte ich am meisten Spaß - das Radeln mit mehr als zwanzig Leuten war soooo cool, wie das Volksradfahren früher. Der erste Teil der Literadtour war also ein voller Erfolg: Waggon am Kulturgleis mit zwischendurch 25 Gästen, sehr sympathisch, sehr nett, das Radeln... und dann nach FFM.




Im Yachtklub ging es dann um 17.30 Uhr weiter. Wir waren auf der Terrasse, hatten diesmal ein Mikro, und Petra M. Jansen stieß zu uns. Hier war es natürlich weitaus schwieriger, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erreichen, es war noch eine andere Veranstaltung zugange, manche hatten sich getroffen, um am schönen Sonntagnachmittag Kaffee und Kuchen zu sich zu nehmen und zu tratschen - und dann kamen wir. :-) Doch am Ende unserer Vorträge hörten sie alle zu - und wir Lesenden waren glücklich.


Jule Weber, Petra M. Jansen, George Goodman und Carsten Nagels

Jule Weber, die ihren Text "Mutter sein" vorträgt
Ein besonderer Höhepunkt im Yachtklub war Jule Weber, die ihren Gewinnertext vom U 20 Poetry Slam vortrug, es ging um das "Mutter sein" - ihr Text ist witzig, spritzig, ein kleines Feuerwerk, das viel Gelächter und Geschmunzel nach sich zog. Um etwa 19 Uhr ging es dann weiter zum Maincafe.



Den Abschluss fand das schöne Spektakel am Maincafe, wieder ohne Mikro, und in familiärer Zusammenkunft. Tsoik heizte uns ein, Carsten Nagels brachte uns zum Nachdenken, Petra M. Jansen war gewohnt sozialkritisch und ich las den Abschluss der Trilogie, nicht ganz jugendfrei das. Schön war es! Und es erwartet euch nicht nur der nächste Autoren-Abend im Glücksladen (Glück ist jetzt!) am 7.9. ab 20 Uhr (mit Antonia von Trotha, Jan-Erik Grebe, Andreas Lehrmann und mir), sondern auch die Reise im Glücksbus am 8.9. ab 18 Uhr - wenn wir Guerillamäßig durch Frankfurt fahren und an öffentlichen Plätzen lesen werden. UND: am Maincafe wird es im September auch eine ganz abgefahrene Sache geben, auf die ihr gespannt sein dürft. Stichwort: Lese-Inseln.

Kristina und Caro haben dieses Event mit mir gemeinsam organisiert! Dream-Team! :-)

Sonntag, 29. Juli 2012

Der träumende Jonas VIER



Vielleicht ist es nicht das schönste Buch der Welt, aber es ist eines, das ich alleine gemacht habe. Ganz alleine. Es ist nicht perfekt, es ist nicht optimal - und sicher hätten mir Leute helfen können, und dann wäre es noch toller geworden. Aber für mich war das wichtig, es alleine zu machen. Zu formatieren, zu layouten, und vorher zu schreiben, zu korrigieren und zu lektorieren. Nur eine Person hat mir geholfen: Danke, lieber Nelson Costa! :-) Beim ersten Druck ging irgendwas schief, da hat die Druckerei irgendwie gepfuscht - das kann passieren. Aber jetzt halte ich das Ergebnis meiner harten (insbesondere Formatierungs-) Arbeit in Händen und bin stolz auf mich. Ja, alles mal ausprobieren, vor allem, wenn es mit Büchern zu tun hat. Das bin ich! Das ist auch schmerzwach! Probieren. Probieren. Probieren. Der Mut zum Imperfekten! Der Mut zum Risiko! Und viel Aufregung und Spannung in meinem Leben! Wer hat schon ein eigenes Buch von Anfang bis Ende hergestellt?
https://www.epubli.de/shop/buch/Der-tr%C3%A4umende-Jonas-Jannis-Plastargias/16122

Samstag, 28. Juli 2012

In CoCos UniVersum oder spontan nachdenklich








Facebook Gruppe "Queere Literatur"


Bild von: https://www.facebook.com/GayMeninLove
Ich möchte euch eine weitere Facebook-Gruppe ans Herz legen, vor allem natürlich mal wieder den Veranstalter_innen von Lesungen und Buchhändler_innen:
In der Gruppe "Queere Literatur" geht es darum, dass sich Leser_innen, Autor_innen, Blogger_innen, Verleger_innen und andere Interessierte an queerer Literatur begegnen. Blogger_innen könnten die Bücher der Autor_innen rezensieren, Leser_innen könnten Autor_innen Löcher in den Bauch fragen, Verleger_innen neue Talente entdecken oder herausfinden, was Leser_innen queerer Literatur gerne mögen. Oder Veranstalter_innen könnten Autor_innen für Lesungen finden... :-) Es werden viele Tipps gegeben...  Bücher, die man gelesen hat, Filme, die man geschaut hat. Diskutiert wird, schöne Bilder werden getauscht (wie das oben) und und und. Es soll einfach ein schönes, lockeres Netzwerk werden. Join us! :-)
Im Moment steht auch eine Ausschreibung für eine Anthologie an (schwullesbische Geschichten, keien weitere Eingrenzung)...
https://www.facebook.com/groups/125154744291510/

Freitag, 27. Juli 2012

MEET UP. TWEET UP. KOONS UP


"MEET UP. TWEET UP. KOONS UP" - So nannte die Schirn Kunsthalle ihre erste Bloggerkonferenz am Nachmittag des 26.7. mit anschließendem "Kultup". Die Zielsetzung dieser sehr gut besuchten Veranstaltung sollte sein, die Möglichkeiten und Voraussetzungen eines gegenseitigen fruchtbaren Austauschs zwischen Bloggern und Institutionen zu beleuchten. Die erste Vortragende war Mercedes Bunz, Expertin für den Bereich Digitaltechnologie und digitale Gesellschaft und Autorin beim britischen Guardian. Im Anschluss hat Matthias Planitzer, Autor und Gründer des mit dem Lead Award ausgezeichneten Blogs Castor und Pollux, gesprochen, bevor Luise Bachmann und Fabian Famoluk von den Marketing-Aktionen der Schirn (in Bezug auf Internet und Social Media) und dem Schirn Mag berichtet haben. Auf dem Bild sieht man die bereits Genannten gemeinsam mit Carolyn Meyding bei der mit den Bloggern und Twitterern geführten Diskussionsrunde. 



Ich möchte nun ein paar Tweets posten, die die Diskussion verdeutlichen bzw. zusammenfassen. Doch davor eine kleine Grafik von Herrn Larbig zum Thema Tweets am gestrigen Tag. 

Jannis ‏@schmerzwach: Bin nass geschwitzt! Zum Glück jetzt Klima Anlage bei der #schirnup
herrlarbig ‏@herrlarbig: Blogger nehmen Rolle im Kapitalismus ein, da Kultur und Kapital in Spannung zueinander stehen. @mrsbunz #schirnup
Christian Gries ‏@cogrie: #bunz: kultur und kapital stehen in einem endlosen dauerverhältnis #schirnup #kultup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: #bunz: haben #blogger schlechtes gewissen, wenn nicht 1x pro Woche Post? Einhellig: ja! #schirnup
Robert Mangelmann ‏@rmangelmann: Bloggen führt dazu, anders zu sehen und zu erfahren (Mercedes Bunz).Bewusstseinserweiterung, sag ich doch! :-) #schirnup
Ulrike Schmid ‏@UlrikeSchmid: RT @KuWiWege "Bloggen schärft den Blick auf die Welt" @MrsBunz #schirnup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: #bunz: Definition von #blogger. Sie sind keine neuen Journalisten 
herrlarbig ‏@herrlarbig: Exkurs 1 @MrsBunz #schirnup : Blogs begleiten einen. Auch wenn ihres seit Twitter eingeschlafen sei. Schreibt Blogs pers. Bedeutung zu.
Annabelle Hornung ‏@AB_Hornung: Zuerst nun Mercedes Bunz zunächst zum Museum als Ort des Publikums. Aber wie ist das Publikum? Ist es die Masse? Und wozu Blogs? #schirnup


Steffen & Lars ‏@popp_art: Bloggen, das selber zur Kunstform wird. So der Kreativwirtschaftsfalle entkommen. Spannend! #schirnup
Annabelle Hornung ‏@AB_Hornung: Und wir sind die neue öffentlichkeit #bunz #schirnup
Christian Gries ‏@cogries: @MrsBunz: wenn institutionen mehr sein wollen als massenveranstaltungsorte, brauchen sie dialog mit + öffnung zum publikum #schirnup #kultup
museums(t)raum ‏@TanjaNeumann: @MrsBunz zeigt Beispiele von Bloggern, die Modeblogger auf die Schippe nehmen. Zum Schießen! #schirnup
B. Schmidt-Hurtienne ‏@KuWiWege: Blogger sammeln visuelle Eindrücke und nehmen Kunst anders wahr (als die Experten). @MrsBunz beim #schirnup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: yes! RT @UlrikeSchmid: RT @cogries @mrsbunz: digitalisierunug als gegenbewegung zur #entertainisierung #kultup #schirnup #mus20ger
Christian Gries ‏@cogries: @MrsBunz zeigt #apps der @tate http://www.tate.org.uk/context-comment/apps/search #schirnup #kultup #mus20ger
Ulrike Schmid ‏@UlrikeSchmid: Pressebereich der @Schirn ist top, weil öffentlich zugänglich und ohne, dass man sich groß anmelden muss #schirnup #eigene Erfahrung
Christian Gries ‏@cogries: @schirn lädt blogger zu pressekonferenzen ein und öffnet pressebereich für blogs #schirnup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: Merci! #socialmedia rocks #nachhaltigkeit! RT @TanjaNeumann: Die #Blogparade vom Residenzmuseum #München als #BestPractice #schirnup
Ulrike Schmid ‏@UlrikeSchmid: Sehe ich auch so RT @KuWiWege Würde sagen, die Anwesenden sind die falsche Zielgruppe für den Vortrag von #planitzer #schirnup
museums(t)raum ‏@TanjaNeumann
Jetzt kommt Die #Blogparade vom Residenzmuseum #München als #BestPractice, Augenzwinkern an @TanjaPraske! #schirnup
Christian Gries ‏@cogries: Matthias Planitzer: blogs bedienen herkömmliche publikationsformate, aber auch #usp wie echtzeitberichterstattung, vernetzung #schirnup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: @CastorUndPollux: #blogs moeglich erweiterte Ausstellungsraum - #Echtzeitkommunikation #bloggerpositionierensich #schirnup
museums(t)raum ‏@TanjaNeumann: #Planitzer & @MrsBunz sind einig,was Stärken v. #Blogs sind: meinungsbildend, interessegesteuert, relevant,interaktiv,vernetzt... #schirnup
Christian Gries ‏@cogries: Meine these: bevor kultureinrichtungen mit den bloggern besser zusammenarbeiten können, müssen sie diese erst einmal "verstehen" #schirnup
Katrin Hilger ‏@katrinhilger
Wahnsinn, das #Moma fliegt Blogger ein. Ich mach jetzt auch meinen Blog viel schicker... 


Katrin Hilger ‏@katrinhilger: Warum beziehen die die Blogger nicht mehr ein? Multiplikatoren für Events wie geheimgeheim #schirnup
Laura Sodano ‏@LauraNanaKitten: Der Blogger als Parasit. Wer ist er, was will er? Great! 
Steffen & Lars ‏@popp_art: Ah #Tate produziert neuerdings performances, die nur im Netz zu sehen sind. Nachrecherchieren! #netztheater #schirnup
Agenda ‏@agendaparis: Interesting debate RT @jennifuchs discussion on professional bloggers vs hobby bloggers. Should art bloggers have an art degree? #schirnup
Laura Sodano ‏@LauraNanaKitten: Und wieder einmal zeigt sich das Social Media Know-How noch ziemlich ausbaufähig ist. Auf beiden Seiten. #schirnup
Jenni Fuchs ‏@jennifuchs: I'm a museum blogger with a museum degree. Ironically, I mostly blog from a personal not a professional point of view^^ #schirnup
Tanja Praske ‏@TanjaPraske: @CastorUndPollux: #kunstblogs werden professioneller, weil auch schick #berlin #schirnup
Anke von Heyl ‏@kulturtussi: @AB_Hornung Oh ja! Aber deswegen freu ich mich auch so, dass es doch in den sozialen Netzwerken auch andere gibt! #Kunsthistoriker #schirnup


Danach führte Matthias Ulrich, Kurator der Jeff Koons Ausstellung "Jeff Koons. The Painter" uns durch eben diese. Dabei durfte fotografiert werden und natürlich auch getwittert und gefacebooked.



Dieses Gemälde hat mich total fasziniert, denn... im Museum sieht man vor allem Punkte (es geht um die Pixel) - aber wenn man das Bild durch eine digitale Kamera betrachtet bzw. fotografiert, sieht man, dass dies ein Pärchen ist...

Und was sieht man da?



Später gab es einen Kultup, den mittlerweile dritten - und diesmal eben an zwei Orten. In der Schirn, bei The Painter, aber auch im LiebigHaus, wo ich dann war: Vinzenz Brinkmann, Kurator der Ausstellung „Jeff Koons. The Sculptor“ erklärte uns ganz interessante Dinge. Ich muss gestehen, dass ich die Skulpturen sehr viel spannender und interessanter fand als die Gemälde.







Es war eine wahrlich sehr spannende Veranstaltung, die die Schirn hier organisiert hat. Gerne dürfen weitere Museen in Frankfurt, aber auch in ganz Deutschland folgen. Wir haben einiges gelernt, uns besser vernetzt, uns auch mal live zu Gesicht bekommen - und vielleicht entwickelt sich durch solche Veranstaltungen etwas ganz Neues...



Um etwa viertel nach sieben begann der entspannende Teil der Veranstaltung: das Get together im Garten des LiebigHauses. Wirklich cool da - vor allem dank des schönen Wetters, das dann irgendwann auch erträglich wurde.


Donnerstag, 26. Juli 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 2


http://schmerzwach.blogspot.de/2012/07/fortsetzungsroman-moody-blue-1.html

Er lehnte die Zigarette ab, er rauche nicht mehr, habe es sich erfolgreich abgewöhnt. Respekt, sagte ich, so kenne ich meinen willenlosen Levent gar nicht. Das war Levents Problem seit jeher gewesen: er konnte sich zu nichts aufraffen, Kraftlosigkeit, Schwäche, diese Ausdrücke passten zu ihm, Passivität, Trägheit, Verträumtheit. 
Ich erzählte ihm einst von einer Hauptfigur aus einem griechischen Roman, den ich gelesen hatte, ein junger Mann, der sehr geheimnisvoll war, ständig verschwand, auf unerklärliche Weise wieder zur zweiten Hauptfigur zurückkehrte. Der junge Mann ließ sich durch das Wort „fast“ am besten charakterisieren, schrieb der Erzähler: Er ist fast schön, fast rothaarig, fast ehrlich, fast gut, fast intelligent, fast verwegen, fast in Ordnung... Er flunkerte dauernd, bekam alle Frauen, auch die hübschesten und ungewöhnlichsten und reifsten, ins Bett. Und noch mit einigen anderen Zitaten beschrieb ich ihn meinem lieben Freund Levent, den diese Person faszinierte. Vielleicht weil er gerne so gewesen wäre. Naja, flunkern, Geschichten ausschmücken, das konnte er auch sehr gut. Oft musste ich mir früher mehrere Versionen einer Geschichte anhören, von Mal zu Mal wurden sie extremer, lustiger oder gemeiner, unglaubwürdiger oder angeberischer. Mich nervten diese Anwandlungen vor allem bei Geschichten, die ich miterlebt hatte und die er dann andern gegenüber so albern ausschmückte, dass ich das Erlebnis fast nicht mehr wiedererkannte. 
Vielleicht hört sich meine Beschreibung von ihm sehr negativ an. Das ist unbeabsichtigt. Meine Hand schreibt von selbst, ich habe kaum Einfluss auf sie, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Schon einige Male verfasste ich Texte über die Beziehung, die Levent und ich führen. Sie lässt sich nicht wirklich in Worte fassen, aber das versteht sich von selbst. Nicht nur, dass sie sich in einem stetigen Wandel befindet, nicht nur, dass ich mich auf meine Sichtweise beschränken muss, nie weiß man, was die anderen denken, nein, das wirkliche Problem ist, dass sich Gefühle, Gedanken, unbewusste Denkvorgänge, Inter-aktionen im zwischenmenschlichen Bereich nicht in wahren Worten ausdrücken. Ein Schriftsteller, ein jeglicher Mensch sogar, lügt immer, flunkert. Jeder Mensch versucht wenigstens möglichst nahe an der Wahrheit zu bleiben, sagt „seine Wahrheit“. Wenn man hinterher darüber nachdenkt, was man sagt, dann fällt einem auf, wie nah man an der Wahrheit war; wenn man weit davon entfernt geblieben ist, überlegt man sich die Motive – um besser anzukommen? Sich hervorzuheben? Um die anderen auf die Probe zu stellen? 
Er ist sehr liebenswert. Das Rauchen hatte er sich abgewöhnt, das musste man beklatschen. Ich hingegen nahm eine Kippe aus dem Päckchen, zündete sie mit meinem knall-blauen Feuerzeug an. Früher hatte ich Probleme damit, sie anzukriegen. „Mama kommt“ - einziehen. Ich habe dich noch nie alleine rauchen sehen, sagte Levent. Und ich habe dich noch nie etwas machen sehen, das man immer alleine macht, erwiderte ich süffisant. Er lachte. Willst du? fragte er. Machst du? fragte ich mit einem leichten Kribbeln im Bauch. Wir könnten Sex machen! überraschte er mich. Okay! entgegnete ich pseudo-entschlossen. Sag das nicht leichtfertig, meinte er, vielleicht lass ich mich darauf ein. Würdest du? wollte ich wissen. Probier es aus! Unsicher und irritiert versuchte ich nun meine Gedanken zu ordnen. Was sollte das alles? Wollte er mich testen? Mich provozieren? Wollte er jetzt, da er von seiner Freundin erzählte, die er noch liebte und schätzte, wirklich Sex mit mir haben? Ich schaute ihn mir genau an. Doch abgesehen davon, dass das ein Scherz von ihm sein musste, hätte ich überhaupt Lust auf ihn, auf seinen behaarten, unmuskulösen Körper? Erregte er mich? Fand ich ihn so geil, dass ich meinen Freund, meine große Liebe, betrügen könnte? Mich überkam ein sehr mulmiges Gefühl. Mehrere Teile meines Gehirns arbeiteten gleichzeitig. Ein Teil beschäftigte sich mit dem Ausmalen von erotischen Szenen mit Levent, wie ich ihn küsste, wie ich ihn liebkoste, wie ich ihn verführte, wie ich ihm einen blies... 
Im Grunde genommen erregte mich ja die Vorstellung, mit meinem besten Freund zu schlafen, noch dazu in der freien Natur, andererseits erregte er mich nicht. Vor einigen Jahren hätte ich diese zweifelhaften Bemerkungen versucht auszunutzen, jetzt beeilte ich mich, irgendwelche Gründe zu finden, mich nicht darauf einzulassen. Wäre es nicht schön gewesen draußen Sex zu haben, in einem wilden Rausch, ohne an die Zukunft, an ein nagendes Gewissen danach zu denken, befriedigt zu werden? Mit einem Lächeln auf den Lippen, zufrieden und mit ruhiger Seele und ruhigem Körper den Spaziergang und die Unterhal-tung fortzusetzen? 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann / Drushba Pankow (Ill.)


Die Zeiten ändern sich, was die Lesegewohnheiten der Menschen betrifft: Experten sagen voraus, dass das Taschenbuch vielleicht bald ausgedient hat. Es wird sich wohl eher langfristig aufspalten in diejenigen, die auf ihrem E-Reader/ Tablet Ebooks lesen und denjenigen, die auf das Papier rascheln nicht verzichten mögen, die man allerdings dann nur mit schön gemachten, gebundenen Büchern begeistern kann. So die Prognose.
Die Zeiten ändern sich nicht, was den Inhalt, den berühmt berüchtigten Content, angeht. Viele Leser möchten Bücher haben, die spannend sind, die ihnen neue Welten eröffnen, sie mitfiebern und vor allem miträtseln lassen. Diese Menschen mögen den Thrill, die überraschenden Wendungen und ein befriedigendes Happy-End. In diesem Sinne: Kriminalliteratur ist seit Jahrzehnten beliebt – sowohl bei Lesern der U- wie der E-Literatur. 
Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann, 1819/21 geschrieben, gilt als Ur-Krimi der Weltliteratur. Das 73-jährige Fräulein Scuderi ist Hofdichterin König Ludwigs XIV., als Paris von einer rätselhaften Mordserie an jungen Männern erschüttert wird. Durch Zufall (oder doch Schicksal?) gerät das Fräulein in den Strudel dieser Verbrechen und findet sich bald in der Rolle der Ermittlerin wieder, die nicht mehr weiß, wem sie noch glauben kann. 
Alexandra Kardinar und Volker Schlecht gaben der Novelle ein neues, zeitgemäßes Kleid: Im September 2011 erschien die Graphic Novel, die die mysteriösen Morde im Paris des 17.Jahrhunderts nacherzählt, in der Edition Büchergilde, die berühmt für ihre wunderschönen Bücher ist, insbesondere der illustrierten Werke solcher Klassiker wie „Das Bild des Dorian Gray“ von Oscar Wilde oder „Der Mann mit der Ledertasche“ von Charles Bukowski (von Helge Leiberg illustriert).



Druschba Pankow, wie sich Kardinar / Schlecht und ihre Arbeitsgemeinschaft für grafische Gestaltung und Illustration nennen, arbeiten seit über 15 Jahren als Grafikdesigner, Zeichner und Illustratoren. Diese große Bandbreite merkt man ihnen bei der Neugestaltung der „Scuderi“ an. Die Illustratoren haben mit dynamischer Bildgestaltung, mit Papp-Puppen, deren Glieder bewegt, collagiert und umzeichnet werden und mit Piktogrammen gearbeitet. Sie haben einerseits ganz authentisch Kleidung und Stil der damaligen Zeit verwendet, und doch kleine Bonmots, Witze oder Bildchen aus der heutigen Zeit hinein flechten können, die dem Leser Spaß machen, zum Beispiel als das Fräulein Scuderi sich einen Wagen holen lassen möchte und in der Sprechblase „Harry“ steht. 




Wieso diesen Klassiker als graphic novel? Die beiden Illustratoren haben Kunst geschaffen, es macht Spaß, sich die Bilder anzuschauen, die Zusatzinformationen, die sie eingebaut haben, zu lesen, etwas Neues zu lernen, tiefere Einblicke in die damalige Zeit zu bekommen. Dies ist Buchkunst und etwas für Buchliebhaber, aber auch für wirkliche Krimi-Fans, die gerne rätseln, die sich gerne Kriminal-Filme anschauen und nun einen neuen Reiz brauchen. Alles war schon einmal da, das beweist gerade der Ur-Krimi aus dem Jahr 1819, und doch: Wer die Original-Erzählung nicht kennt (die zum Glück nach der graphic novel ihren Platz in diesem Werk findet), muss sehr aufmerksam sein, um der Geschichte mit den vielen Wendungen zu folgen. 
Es ist bemerkenswert, was E.T.A. Hoffmann bereits im 19.Jahrhundert erschaffen hat: Faszinierende Charaktere, sowohl vom soziologischen als auch vor allem vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet. Lohnenswert sich diese Novelle im neuen Gewand näher anzuschauen. Die Zeiten ändern sich: Wenn sie uns solch schönen Bücher bringen, kann man das nur begrüßen...


E.T.A. Hoffmann / Drushba Pankow (Ill.) Das Fräulein von Scuderi
Erstmals als Graphic Novel umgesetzt und mit einem Nachwort von Alexandra Kardinar und Volker Schlecht, mit Originaltext in einem Band, gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, Edition Büchergilde, € 24,99 / SFR 32,90
ISBN 978-3-94011183-8

Dienstag, 24. Juli 2012

Stationspirat / von Pfaundler

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Stationspiraten. Ein Schweizer Film aus dem Jahr 2010. Um vier bzw. fünf Jungs auf einer Krebs-Station... Publikumserfolg. Zum Weinen, aber auch zum Lachen. Vor Kurzem habe ich ihn mir angeschaut. Für mich war er mehr zum Weinen, ja, tatsächlich ich weinte ganz schön viel. Wieso? Vor zwanzig Jahren war ich der Junge auf der Krebs-Station. Bei mir war es Onkologie der Kinder-Universitätsklinik in Freiburg, von Pfaundler. 20 Jahre. Am 19.7.1992 war der letzte Chemotherapie-Tag: Die letzte Infusion von giftigen Zytostatika, die durch meinen Körper geschossen wurde. 19.7.2012 - 20 Jahre danach. Gesunde Jahre. Der 19.7. damals eine Art Geburtstag. So etwas wie Wiedergeburt oder Neuanfang. Ja, ich hatte mir einiges vorgenommen, einiges. Natürlich konnte ich nicht sofort mein Leben ändern, aber in meinem Bewusstsein hat sich so vieles geändert. Ich dachte: Puh, du bist mit dem Leben davongekommen, jetzt musst du mal bewusster leben, anders leben, deine Ideen, deine Bestimmung leben. Ein halbes Jahr war ich auf der Station gelegen, mit Pausen. Vieles habe ich gelernt. Meine Schüchternheit konnte ich mit der Zeit ablegen, im Gegenteil: Die Leute in der Klinik haben mir dabei geholfen, mich zu öffnen, sie gaben mir Aufträge, die mir ganz viel Neues gebracht haben. Am Ende war ich so daheim dort, dass ich mich auch auf anderen Stationen rumgetrieben habe, um Lebensmittel zu tauschen, weil wir Krebs-Kinder mit dem Essen etwas schwieriger waren als die auf den anderen Stationen - und weil wir mehr Geschenke zum Tauschen bekamen. ;-) Ja, schwieriger waren wir, denn die Geschmacksnerven spielen verrückt, man entwickelt Gelüste. Man riecht anders. Fühlt sich anders. Alles ist anders. Der Körper spielt verrückt. Auf der anderen Seite lernt man seinen Körper kennen, auf ihn zu hören, ihn besser zu spüren. Was man noch alles lernt... Über Blut, Zytostatika, Bestrahlungen, Medikamente, über Menschen in Extremsituationen, über die Psychologie von Menschen, über Gefühle, über Familien und Freunde, über Krankheit und Tod. Das ist jetzt noch nicht so tief hier... am 19.7. habe ich mir viele Gedanken über mein Leben, über meine Zeit damals gemacht, was sich auch alles verändert hat... Aber... Wirklich viele Gedanken, auch sehr tiefe Gedanken, unter der Oberfläche, die habe ich mir die letzten zwanzig Jahre gemacht - ich habe darüber geschrieben. 20 Jahre lang... Wirklich wahr! Ich wollte vor dem 19.7.2012 fertig sein damit. Ich habe es geschafft! Bald könnt ihr das Werk lesen... Bald... Nein, es ist nicht nur traurig. Es ist auch lustig, so wie der Schweizer Film, den ich sah... Ich war auch ein Stationspirat. :-) Aber noch wichtiger: Ich lebe noch! 20 Jahre danach. Ein schönes Jubiläum.

Montag, 23. Juli 2012

CSD Frankfurt 2012 - Was soll´s?


Jeder Mensch ist politisch, selbst wenn er ausdrücklich behauptet nicht politisch zu sein, keine Ahnung davon zu haben und sich nicht dafür zu interessieren. Denn es ist quasi eine "politische" Entscheidung, sich vordergründig gegen Politik zu entscheiden, gegen politische Parteien oder eine dezidierte Meinung. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen, dass ein bestimmter Lebensstil bereits eine politische Entscheidung ist. Und auf den CSD zu gehen ist demnach ebenso eine politische Entscheidung, denn es sagt: Ich bin schwul und zeige mich. Ich bin lesbisch und möchte zu den anderen stehen, die in meiner Lage sind. Ich bin bi, Transgender, Cross Dresser oder whatever und stehe für mich und für uns alle ein. Kann man das sagen? Ich stelle diese Hypothese zumindest auf. :-) Ich wurde nach einer Einschätzung des CSD 2012 gefragt. Für mich war es wichtig, etwas auf dem CSD zu machen, was mit ehrenamtlichen Engagement zu tun hat, und vor allem mit der AIDS-Hilfe. Für Radiosub habe ich einst Standdienst gemacht und es war mein schönster CSD. Und der spannendste. Aber auch dieses Mal war es spannend. Weil ich nicht wusste, wie das sein wird, wenn ich Lose verkaufe, ich komme mir ja immer wie ein Bittsteller vor, wenn ich Leuten etwas verkaufen möchte - und das ist mir unangenehm. Ich wusste nicht, wie gerne viele Menschen etwas Gutes tun wollten - klar, man kann etwas gewinnen und das gibt auch einen Kick. Aber es hat ja niemanden großartig gestört, nichts zu gewinnen oder nur etwas Kleines: Ist ja für den guten Zweck, sagten sie. Das fand ich sehr schön. Es gibt viele Stände auf dem CSD, klar, viele sind auch kommerziell oder von Parteien, aber auch engagierte Gruppen, Ehrenamtler, Weltverbesserer sind zu finden, und sie haben da genauso ihren Platz und finden Beachtung wie die Parade. Ich möchte mich nicht einreihen derjeniger, die CSD-Besucher schelten, die nur Party feiern wollen. Wer bewusst auf dem CSD feiert, setzt wie gesagt bereits ein Zeichen: Er versteckt sich nicht, ist proud to be gay. Und so viele Schilder, Plakate, Aktionen, die es da wieder bei der Parade gab: Das zeigt mir deutlich, dass es viele engagierte Menschen gibt, die etwas verändern wollen, es gibt, so habe ich den Eindruck, eine neue Generation von jungen Schwulen, Lesben, Bi, die ihre Lebenswelt verändern möchten, zum Positiven hin, die Gruppen oder gar Vereine gründen. Ich habe die Leute von Vielbunt in Darmstadt gesehen, die ihren ersten eigenen CSD in Darmstadt organisieren. Warmes Wiesbaden war sicher auch vertreten. Das Kuss 41 war sehr aktiv, hat sich viele Gedanken zum CSD gemacht etc. Man muss da nicht schwarz sehen. Natürlich ist der CSD ein Ort, um ausgelassen zu feiern, eine gute Gelegenheit eben, natürlich ist da recht viel Trash dabei, nicht immer sind diejenigen, die auf der Bühne stehen, talentierter als die vor der Bühne. Aber mei - das ist eine Geldfrage, und natürlich eine Frage des Geschmacks. Nein, ich möchte CSDs nicht schlecht reden, sie haben nach wie vor ihre Berechtigung, vielleicht mehr denn je, angesichts der ganzen CSDs in anderen Teilen der Welt. Und vor allem: wie wichtig es offensichtlich für viele kleinere Städte als Frankfurt ist, einen eigenen CSD zu organisieren, Zeichen zu setzen. Und niemand würde so einen Aufwand betreiben, um "nur Party zu machen". Das ist also meine Einschätzung. Ich hatte Spaß auf dem CSD (zu viel wahrscheinlich, denn ich war jetzt zwei Jahre angeschlagen), hatte eine interessante Charity-Erfahrung, habe viele engagierte Menschen gesehen - und freue mich nun auf die Sommerschwüle in Mainz, und auf die CSDs in Wiesbaden und Darmstadt.