Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Kräuter-Code


Wie schön! Jetzt kann man sich das schöne Büchlein kaufen, zehn Kurzgeschichten aus dem schwulen Leben und - was soll ich sagen: Auch eine Geschichte von mir ist dabei. Sehr schön! Ich meine, es ist schon merkwürdig, weil es eine Geschichte ist, die meiner Vergangenheit entsprungen ist. Wie jeder weiß leide ich ja ganz "schmerzwach" an "Loslösungs-Problemen". Trennungen tun mir so sehr weh! Und diese Erfahrungen, die ich mit diesem für mich wirklich schwierigen Thema, habe ich in der Geschichte, die sich um die Pfefferminze dreht, verarbeitet. Madonna in Madrid. Würde mich freuen, wenn ihr die wirklich wenigen Euro investieren würdet, um euch das Buch zu besorgen. Es lohnt sich. :-)
http://www.amazon.de/Kr%C3%A4uter-Code-Zehn-Kurzgeschichten-schwulen-Leben/dp/398152201X

Dienstag, 30. Oktober 2012

Ein Selbstmordattentäter? Oder wie Schmerzwach schmerzwach blieb


Ich habe die Krankenschwester gefragt: Wenn ich da drauf drücke, fliege ich dann in die Luft? Sieht doch aus wie ein Selbstmord-Attentäter, der liebe Schmerzwach, oder? Back to the roots kann man dazu nur sagen. In der Anfangszeit des Blogs habe ich ja öfter krude Geschichten erzählt, und so ziemlich am Anfang hatte ich von meinem Klinik-Aufenthalt berichtet, der alles andere als erfreulich war (you know, nachts nicht schlafen können wegen Verband und furzendem, schnarchendem Bettnachbarn). Auch damals lag ich nachts wach und konnte nicht schlafen: Passend zum Namen, Schmerzen hatte ich, nachts lag ich wach. Ich hatte ein mulmiges Gefühl Sonntag. Komme abends auf die Station, laufe an der Intensivstation vorbei, kriege ein eher nicht so gemütliches Zimmer - nun, ich möchte nicht meckern, es war ein Einzelzimmer. Aber wie soll man so verkabelt (am ganzen Körper: an den Beinen, am Bauch, Brust, Hinterkopf etc.) überhaupt schlafen? 
Ich habe die Krankenschwester (übrigens ist diese sehr nett) gefragt: Was passiert, wenn ich nicht schlafen kann? Gar nicht unwahrscheinlich, muss man ja sagen. Kommt vor. Nun, dann müsse ich nochmals kommen. Grrrr. Wie lange ich mindestens schlafen müsste. Zwei Stunden sollten langen. Uuuuhh! Die habe ich wohl geschafft. Aber gut schlafen ist definitiv etwas anderes. Und weil ich so vieles zu tun habe gerade, konnte ich den fehlenden Schlaf noch nicht nachholen, werde es auch wohl nicht mehr. ;-) 
Warum das alles? Das kann ich noch nicht sicher sagen... Ich will nichts offiziell machen, was nicht bestätigt wurde. Schlaflabor: ja. Schlafschwierigkeiten: ja. Arge Schlafschwierigkeiten sogar. Schmerzwach kommt wohl auch daher... Aber sollte es sich nun nach all den Jahren plötzlich herausstellen, dass diese ewigen Probleme doch tatsächlich einen körperlichen Grund haben? ...



Freitag, 26. Oktober 2012

AEÖ im Souvenir Frankfurt in der Zeil Galerie: Sylvain Merot - Alter Schinken?


An dem einen oder anderen Kunstwerk bin ich schon sehr oft vorbei gelaufen. Und an Sylvain sowieso - ist er doch mein Nachbar, gemeinsam mit Tanja... Sie beide sind das Team der galeria pequena... :-) Nun stellt Sylvain Merot im Souvenir Frankfurt aus, dem Geheimtipp aller Souvenir-Läden in Frankfurt, ja, Frankfurt hat sich gemacht, die Zeil Galerie ist wieder hipp, und Donnerstag Abend eröffnete diese kleine aber feine Ausstellung. Also, schaut gerne vorbei... sicher kann euch auch jemand vom Souvenir erklären, was es mit den Bildern auf sich hat... Oder einfach mal in der galeria pequena vorbei schauen und den Künstler himself kennen lernen. :-)






Mittwoch, 24. Oktober 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 13

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/10/
fortsetzungsroman-moody-blue-12.html
Er fragte mich, warum ich ihm immer griechische Lieder vorsinge, und ich sagte: Tobias, eins musst du wissen, der Apostolis bleibt Grieche; ich ahmte dabei Harald Schmidt nach, dessen Running Gag das einst gewesen war, in Anlehnung an Vasily Sarikakis aus der Lindenstraße. Harald Schmidt imitierte Helena, die griechische Mutter von Vasily, und ich, der Grieche, ihn – Was hörte sich am ehesten nach griechischem Deutsch an? Ich erzählte Tobias davon, wie ich sechs Jahre die griechische Volksschule besucht hatte, dreimal in der Woche nachmittags, wenn meine Schulkameraden frei hatten, was mich sehr wurmte. Diese Tortur nahm ich als Zwang an, und alles, was einem aufgezwungen wird, vor allem von seinen Eltern, beginnt man zu hassen. So hasste ich die Schule und noch schlimmer die griechische Sprache. War ich mit sechs Jahren noch zu dreiviertel griechischsprechend, änderte sich das mit Eintritt in die deutsche Grundschule ins Fifty-fifty und bald darauf schwappte die Schale drastisch zum Deutschen hin. Ich fing an Deutsch zu antworten, wenn ich mit meinen Eltern sprach, mit meinen Geschwistern redete ich sowieso nur Deutsch, griechische Freunde hatte ich keine, ich mochte sie alle nicht, diese dummen Kinder von Kneipenmenschen. Die lebten noch im Griechenland der sechziger Jahre, ich weiß nicht, was sie sich dabei dachten. Ich erzählte Tobias, wie meine griechische Sprache verkümmerte, wie sehr ich mich in dieses Deutschland integrierte, wie unwohl ich mich in Griechenland fühlte, wenn ich nicht am Meer war, um zu baden. Man konnte mich kaum einen Griechen nennen zu dieser Zeit. Irgendwann stöberte ich in alten Kassetten meines Vaters. Ein Lied mit viel Klarinette faszinierte mich, ich hörte mir das gesamte Band an, ich liebte es. Es sprach etwas in meinem tiefsten Inneren an. So fing meine Leidenschaft für die Dimotika, diese Art von griechischen Volksliedern (mit Klarinetten und Violinen) an. Es artete darin aus, dass ich alle ähnlichen Musikstile aus dem Balkan und dem Orient und aus Israel den Klezmer begann zu lieben. 
In meinem Kopf entstand bald eine Mischung der Kulturen, ich konnte mich nicht als Deutscher bezeichnen, auch nicht als Grieche, am ehesten als deutscher Grieche oder griechischer Deutsche, aber nicht einmal das, da für mich alles das gleiche war: egal, ob Kroate, Türke, Serbe, Armene, Bulgare oder Grieche, wen interessierten solche Bezeichnungen. Ich war ich. Und ich mochte griechische Musik, genauso wie türkische und Klezmer und Khaled und vieles andere. Mir gefielen Sprachen. Mir gefielen Südländer. Mir gefiel das Meer. Wenn mich jemand fragte, sagte ich, ich sei Grieche, weil das im Pass steht, ich sage auch, ich bin genausogut Deutscher, da ich hier geboren wurde und Deutsch besser beherrsche als meine „Heimatsprache“. Aber – wie gesagt – ich bin ich. Tobias hörte mir aufmerksam zu. Redete ich Mist? Keine Ahnung. Manchmal kommt es mir sowieso vor, als widerspräche man sich tagtäglich, als änderten sich ständig Wahrheiten. Oft passiert es mir, dass ich etwas ausspreche, woran ich vorher fest glaubte, und auf einmal weiß ich, dass das großer Müll ist. 
Wie sieht es mit Rassismus aus? fragte er mich. Mh, machte ich. Keine Ahnung.  Oft wird mir gesagt: Oh, Sie sprechen aber gut Deutsch. Ich entgegne ihnen: Ja, danke, Sie auch. An Ihrer Sprache erkennt man nicht, dass Sie nicht von hier sind. Danke. Ist es nicht so, dass es manche Deutsche sind, die es einem Ausländer schwer machen sich zu integrieren? Und nicht (etwa) umgekehrt? Levent hat viel mehr Schwierigkeiten mit Rassismus, trotz deutschem Pass, er sieht zu fremdartig aus, sagte ich, kannst ihn ja mal fragen. Erzähl du es mir, meinte er. Nein, ich möchte jetzt gehen, Tobi. Willst du noch zu mir? fragte er. 
Ein anderes Mal, sagte ich, ich möchte heim, kannst mich ja anrufen – 0178/7777888 – die Nummer ist leicht zu merken. Ich hatte den Impuls schnell zu verschwinden, ich wusste allerdings nicht, wieso. Es lag nicht an Tobias, ich weiß nicht, was es war. Ich stand auf, gab ihm Wangenküsschen, sagte, wir sehen uns, und zahlte an der Theke mein Bitter-Lemon. Ich winkte ihm noch einmal zum Abschied, er fragte, ob er mich nicht ein Stückchen begleiten könne, und ich verneinte. Er musste diesen Abgang sehr eigenartig gefunden haben, aber ich hatte einfach keine Lust mehr zu reden oder zuzuhören, ich wollte an die frische Luft, ich wollte spazieren gehen. Nachdem ich einige Umwege gegangen war, weil ich am Altrhein vorbeigehen wollte, kam ich um kurz nach sieben bei mir zu Hause an. Levent lag nicht mehr in meinem Bett, Alejandro hatte seine Stelle eingenommen, ich legte mich behutsam neben ihn.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 12

http://schmerzwach.blogspot.de/2012/10/
fortsetzungsroman-moody-blue-11.html
Alejandro kitzelte mich an den Füßen - ich hasste das. Wir begannen zu raufen, ich liebe es zu raufen, wenn ich das mit ihm mache, möchte ich ihn spätestens nach drei Minuten auf den Mund küssen, mich mit ihm wälzen, bis ich dann wieder mit Raufen anfange. Ich habe immer schon gewusst, dass sich Teenie-Jungs nur deswegen mit ihren Kollegen balgen, schlagen, weil sie deren Berührungen brauchten und anders konnten sie es sich nicht zeigen, sie durften es nicht. Wie schön wäre eine Gesellschaft, in der Zärtlichkeit unter Jungs ein üblicher Bestandteil wäre. Jungs könnten vielleicht lernen sich gegenseitig zu respektieren... Warum mussten sich Männer etwas beweisen? War dies auch Levents Beweggrund gewesen, als er mit Stefanie geschlafen hatte? Ich kannte ihn anders, er überraschte mich selten. Habe ich ihn mit dieser Aussage vernichtet? Ist es schlecht, so etwas über einen Menschen zu sagen? Meiner Meinung nach nicht: Wir hatten ein sehr enges Verhältnis zueinander, da kennt man sich, hat bestimmte Erwartungen an den anderen, wie oft sagt man: das sieht dir ähnlich! Und das ist wirklich nichts Schlechtes. 
Auf unserem Spaziergang hatte er mich das erste Mal seit langer Zeit überrascht. Dieses Sex-Angebot beschäftigte mich noch immer. Aber er war nicht mein Typ und mir kam das alles nicht richtig vor. 
Mein Engelchen streichelte mich am Rücken, so wie ich es gerne hatte. Fernsehen am Nachmittag ist sehr langweilig, wie man sich vorstellen kann, überhaupt kann ich diese Scheiße immer weniger ertragen; früher bereitete es mir wenigstens Vergnügen, Videoclips anzuschauen, aber auch das hat sich teilweise ins Gegenteil verkehrt. Um kurz nach drei zog ich mich an und machte mich auf den Weg. Oh, wie schick, sagte Alejandro süffisant, willst du ihn verführen? Haha, machte ich, du bist wohl eher gefährdet, einen Seitensprung zu begehen mit Levent in meinem Bett! Küss mich, sagte er, und ich tat es. 

Ich lief zum Esperanza. Das dauerte zwar fast eine Dreiviertelstunde, aber es machte mir nichts aus. Beim Laufen kann man sich umschauen, sich Gedanken machen, zur Ruhe kommen, Fußgänger sind gelassener. Auf meinem Weg traf ich niemanden, den ich kannte, so blieb ich mit meinen Gedanken allein. Was fühlte ich für Levent? Was für Tobias? Was für Alejandro? Ich liebte Levent wie einen Bruder. Alejandro war mein Ein und Alles. Und Tobi? 
Tobi war interessant, ich mochte ihn, ich freute mich darauf, ihn wiederzusehen. Was wollte er von mir? Ach, ich würde es früh genug herausfinden. Um kurz vor vier trat ich ins Café ein, Tobias saß bereits an einem Tisch in einer Ecke, aus der man alles überblicken konnte. Er stand auf, als ich näher kam, ich küsste ihn auf die Wangen, setze mich dann ihm gegenüber, er lächelte mich an. Dein Freund hat bei Stefanie geschlafen, sagte er, weißt du das? Ja, Levent kam danach zu mir nach Hause und hat es mir erzählt. Unsere Unterhaltung drehte sich eine halbe Stunde um dieses Thema. Ihm war das alles nicht so recht, er roch Probleme, er kenne seine Freundin genau und bei Levent habe er auch kein gutes Gefühl. Ich verteidigte ihn natürlich, aber auch ich hatte kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Da standen uns eventuell einige Verwicklungen bevor, ich hatte eine seltsame Vorahnung. Irgendwann brach ich das Thema ab, mich interessierte es nicht mehr, ich wollte etwas von ihm erfahren, was er mochte, was er für Geschichten erzählte, was ihn bewegte. Er redete viel, mehr als in der Nacht zuvor, er machte viele Witze und war aufgedreht. 
Ich hatte den Eindruck, dass er etwas verschwieg, einen Bogen um etwas machte. Aber das war mir egal, denn er erzählte gut. Er gehörte zu den Menschen, die ein bestätigendes Publikum brauchten, um richtig aufzudrehen, und das war meine Stärke: Ich konnte Leuten ein positives Feedback geben, so positiv, dass sie mir alles gaben, sie entfalteten ihr ganzes Show-Talent, erzählten mir ihre Vergangenheit und zum Schluss ihre intimen Gedanken. So weit käme es auch mit Tobi, da war ich mir sicher. Ich wusste – ich merkte es –, dass er mich sehr mochte, dass er mich nicht verlieren wollte. Nachdem er auf die Toilette gegangen war, setzte er sich wieder an seinen Platz und fragte mich, wieviel Zeit ich habe. 
Wieso? wollte ich wissen. Nur so, meinte er. Sag du mal was von dir, meinte er. Ich sagte, nein, erzähl mir, was für Bücher du magst. Das war mir sehr wichtig, ich meine, wenn jemand überhaupt nicht liest, ist das kein gutes Zeichen. Naja, Alejandro liest auch nicht allzuviel. Er zählte einige Bücher auf, die ich gar nicht kannte, was mich wunderte, da ich sehr belesen bin, erzählte deren Inhalte, während ich mich umschaute, es war aber nicht viel los im Esperanza, das immer einen sehr gemütlichen Eindruck machte, we-gen der alten Möbel, die überall herumstanden, den warmen Farben, mit denen die Wände gestrichen worden waren. Es hatte nichts Pompöses an sich, nichts Falsches, nichts Eindruckschindendes. Es wirkte bescheiden und wohlig. Auch die Leute übertrieben nicht ihre Coolness, wie es in diesem Kaff oft der Fall war. Man kennt ja diese Möchtegern-Stars, die sich besonders toll vorkommen, wenn sie den Ami-Stil fünf Jahre später kopieren, die angesagtesten Gruppen anhö-ren und verehren, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, ohne deren Hintergrund zu kennen. Tobias sagte, bitte sing ein Lied. Hier? fragte ich. Warum denn nicht? Ist doch peinlich, oder? meinte ich. Finde ich nicht, sagte er. Was soll ich singen? fragte ich. Ha, ein Lied, das dir einfällt, wenn du an Levent und Steff denkst. So sang ich: Jalla.

Γι′ αλλα
Δεν σ′ αγαπω εδω και καιρο
αλλη αγαπη εχω στο μυαλο
δε σ′ αγαπω κι ειναι σκληρο
μα πρεπει την αληθεια να σου πω
συγνωμη σου ζητω
δεν το θελα ουτ′ εγω
μα πεs μου τι να κανω, 
σε ρωτω να πεθανω;
Γι′ αλλα, γι αλλα
γι αλλα, γι αλλα, γι αλλα, γι αλλα
ματια τωρα ξενυχταω
Γι′ αλλα, γι αλλα
γι αλλα, γι αλλα, γι αλλα, γι αλλα
ματια εγω ποναω και καιγομαι
γι αλλα ματια εγω τρελλαινομαι
συγνωμη σου ζητω
δεν το′ θελα ουτ′ εγω
μα πεs μου τι να κανω, 
σε ρωτω να πεθανω;
Γι αλλα ματια εγω ποναω
Γι αλλα ματια  ξενυχταω
πινω μα δεν τα ξεχναω
Γι′ αλλα, γι αλλα...
Δεν σ′ αγαπω κι ειναι κοuτο
μαζι σου απο συνηθεια αλλο να ζω
Δεν σ′ αγαπω κι ειναι σκληρο
μα πρεπει την αληθεια να σου πωσυγνωμη σου ζητω
δεν το′ θελα ουτ′ εγω
μα πεs μου τι να κανω, 
σε ρωτω να πεθανω;

Ich übersetzte den Text gleich:

Für andere (Jalla)
Ich liebe dich seit langem nicht mehr,
ich habe eine andere Liebe in meinem Kopf;
ich liebe dich nicht und das ist hart,
aber ich muß dir die Wahrheit sagen,
ich bitte dich um Entschuldigung,
nicht einmal ich wollte das,
doch sag mir, was ich tun soll,
ich frage dich: soll ich sterben?
Für andere, für andere, für andere, für andere, für andere
Für andere Augen schwärme ich jetzt (andere Augen rauben mir den Schlaf)
Für andere, für andere, für andere
Augen leide und verbrenne ich
Für andere Augen schwärme ich,
ich bitte dich um Entschuldigung,
nicht einmal ich wollte das,
doch sag mir, was ich tun soll,
ich frage dich: soll ich sterben?
Andere Augen machen mich leiden
Rauben mir den Schlaf
Ich trinke, um zu vergessen
Für andere, andere
Ich liebe dich nicht und es ist dumm
Mit dir lebe ich nur noch aus Gewohnheit
Ich liebe dich nicht und es ist hart
aber ich muß dir die Wahrheit sagen,
ich bitte dich um Entschuldigung,
nicht einmal ich wollte das,
doch sag mir, was ich tun soll,
ich frage dich: soll ich sterben?

Ein sehr treffender Text, fand ich, Tobias stimmte mir zu. Seine Freundin wird wollen, dass er stirbt... Leider kann man das Lied allein mit seiner Stimme nicht so schön wiedergeben, wie es sich im Original anhört. Arabische und griechische Instrumente vermischen sich zu einem Rhythmus, der einen automatisch Bauchtanzen lässt. Ich weiß gar nicht, wie die Instrumente auf Deutsch genannt werden: die Krusta und Tzura und die Arpa. Außerdem hat Anna Vissi eine sehr viel passendere Stimme für dieses Lied. „Γι′ αλλα“ heißt sowohl für andere als auch Jalla, das einen antreiben soll, „Come on“ sozusagen. Du bist wirklich mutig, sagte Tobi, und ich wurde wahrscheinlich rot. 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Lesebühne des Glücks - Mitternachtsfantasy


Es war eine ganz besondere Lesebühne des Glücks - Mitternachtsfantasy. Ja, Fantasy hatten wir zum ersten Mal als Motto. Zum ersten Mal fand die Lesebühne während der Buchmesse statt. Das erste Mal lasen nur Frauen. Viele erste Male also. Und umso mehr hat uns gefreut, dass so viele Gäste da waren, neue wie alte Gäste. Was man hier auf diesem Bild ja nicht sieht: Dass einige noch im "Schankraum" standen und zuhörten...



Vorher waren viele unserer Gäste und vor allem die Autorinnen und der Moderator (moi!) auf der Buchmesse... und dort auf dem Virenschleuder-Preis - eigentlich hatten wir gehofft, dass Hilke-Gesa Bußmann vielleicht mit dem Preis in der Hand zur Lesung kommen könnte... Leider war das nicht der Fall. Aber das hinderte sie zum Glück nicht, das trotzdem sehr erfolgreiche Projekt Weltentaucher Literaturfreunde und vor allem den Kerntext vorzustellen.



Doch bevor Hilke las war E.M. Jungmann am Start. Sie las aus ihrer Epidu-Publikation vor, dem Roman Das Herz des Abwûn. Tolle Stimme - sie könnte ihr eigenes Hörbuch vertonen! :-)



Chris P. Rolls konnte als letzte Leserin vor allem Licht ins Dunkel bringen, wie man Leser/innen im Internet an sich bindet. Merkwürdigerweise (oder auch gar nicht so merkwürdig) schreibt sie mit ihrer Gay Fantasy insbesondere für Frauen. 
Es war wie immer sehr rege bei diesem 6.Autoren-Abend. Man kam ins Gespräch, Sonia Lauinger konnte ein bisschen über das Bücherbüffet in Karlsruhe erzählen, Angela Pundschus und Sandra Vogel (die den Piepmatz Verlag leitet) konnten ihre eigenen Erfahrungen von der Digitalisierung der Buchwelt berichten, was ja das übergeordnete Thema dieser Lesung war. Es gab viel Diskussion, viel Wein und einen lustigen Moderator ;-) - und natürlich leckere Kürbissuppe von K1. :-)


Samstag, 13. Oktober 2012

Fortsetzungsroman: Moody Blue 11

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Du findest es nicht schlimm, mein Engelchen? fragte ich. Er wusste sehr genau, worauf meine Frage abzielte, doch er ließ sich Zeit und löffelte sich Reisnudeln in den Mund. Oder? drängte ich ihn, gell nicht? Nein, sagte er, natürlich nicht, ich finde schön, dass ihr so miteinander umgehen könnt, du und Levent, das mit Tobi sollte ich allerdings beobachten. wann trefft ihr euch wieder? Ähm, heute um vier, stammelte ich ein bisschen schuldbewusst. Aha, machte er, da haben wir es. Ja, aber wir werden wahrscheinlich sowieso nur über Levent und Stefanie reden, fügte ich schnell zu, das ist alles nicht so wild, weißt du?! 
Mir war es klar, dass er mich ab diesem Tag mit Tobias aufziehen, ständig Anspielungen machen würde. Das gehörte zu unserer Beziehung dazu. Anfangs war er so eifersüchtig gewesen, dass er mich manchmal richtiggehend damit nervte, es gab ein ums andere Mal Szenen, die mir keinen Spaß machten und mich vor allem völlig überraschten, der die Situation, die vorausgegangen war, als harmlos annahm. Oft bekunde ich meine Begeisterung für andere Menschen zu euphorisch, ich gebe es zu, aber ich neige zu südländischer Offenheit, Körperlichkeit und Herzlichkeit, manchmal bin ich regelrecht lebensfroh, verrückt gutgelaunt und glücklich, auch wenn ich mich oft als depressiven und melancholischen Menschen einschätze, als jemanden, dem es in bestimmten Zeiten schwerfällt, andere Leute anzurufen, sich von daheim fortzubewegen, ausgehen oder so, der dann am liebsten zuhause sitzt, liest und schreibt, sich mit sich selbst beschäftigt und mit seinen angestauten Gedanken. Wenn der Stau zu groß wird, schreibe ich, doch mir erscheint hinterher alles so hohl. Wenn ich es hinterher lese, habe ich das Gefühl, einen Text von einem zwanzigjährigen Jungen zu lesen, der versucht reif und literarisch wertvoll zu schreiben, zu verschleiern versucht, dass er eben erst um die zwanzig ist. Mir kommt es vor, als wäre mein Verfasstes nicht kunstvoll genug, als könnte ich menschliche Gefühle und menschliches Handeln nicht beschreiben, als fehlte immer irgendetwas ganz Wichtiges. 
In zehn Jahren bin ich soweit, ein großer Roman wird erscheinen, in riesigen Lettern wird mein Name darauf prangen: Apostolis Sotiropoulos. Nachdem im Moment die türkischen Zaimoglus, Tarkans, Kurtulus, Özdogans usw. die deutsche Kultur erobern, werden später die Deutschen mit griechischen Wurzeln folgen, mit mir an der Spitze, haha. 
Ich sah Alejandro an und sagte, der ist nicht halb so sexy wie du, mein Engelchen. Dann ist ja gut, mein Apostelchen, sagte er. Und was machst du? fragte ich, ich war daran gewöhnt, dass wir in meinen Ferien den Großteil unserer Zeit miteinander verbringen, ungewöhnlich genug, dass er gestern Abend nicht dabei war, aber dass ich gleich am nächsten Nachmittag wieder ohne ihn ein Date hatte, schien schon fast so etwas wie eine Loslösung aus einer engen Umklammerung zu sein. Ich war versucht ihn mitzuschleppen, doch das wäre nicht gut gewesen. Vielleicht will der Levent ja mit mir...? sagte er, vollen Ernst vortäuschend, doch seine Augen glänzten lustig, dann verzog er das Gesicht, um diesen Satz als Scherz anzuzeigen. 
Wir passten uns gegenseitig an, verwarfen schlechte Eigenschaften, er beispielsweise seine Eifersucht, ich meine gelegentliche Gereiztheit, die sich in dummen Sprüchen äußerten, nach einem halben Jahr begannen wir unsere berühmten Top-Tens aufzustellen: die Top-Ten der Männer, die wir heiraten wollten, die Top-Ten der Männer, die wir nur für eine Nacht haben wollten und die Top-Ten der Männer, mit denen wir uns eine angenehme Beziehung vorstellen könnten, die Wertung lag in dieser Reihenfolge. Alejandros Nummer eins beim Heiraten war meistens Elijah Wood und meine seit einiger Zeit, seit Studio 54, Ryan Phillippe, den ich abgöttisch liebe. Diesen Film schauten Alejandro und ich uns ganz alleine im Kino an, niemand hatte sich dafür interessiert, Mittwoch nachmittags um Fünf diesen schwülstigen Streifen anzuschauen –, aber mein Herz pochte laut, als Ryan Phillippe groß auf der Leinwand erschien, möglichst unbekleidet, in diesen kurzen Shorts und den Oberkörper frei, wie er als Barkeeper arbeitete. Er ist mein Gott. Kurze Zeit später las ich den „Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Ryan Phillippe ist mein Dorian Gray. So stellte ich mir diese Hauptperson vor und liebte sie. Ich liebte dieses Buch. Ich würde dieses Buch mit meinem Gott als Hauptdarsteller verfilmen. Was könnte man Schönes aus diesem Stoff drehen. Kein hirnloses Teenager-Drama aus Hollywood, sondern anspruchsvolle Kunst. 
Ich werde mich schon nicht langweilen, sagte mein Schätzchen. Nach dem Essen knuddelten wir auf der Couch, schauten nebenbei Glotze und freuten uns daran, zusammen zu sein. Immer wieder erhielt ich Seitenhiebe auf die gestrige Nacht und ich wusste, dass alles in Ordnung und er nicht sauer auf mich war. Wir vereinnahmten uns gegenseitig, so etwas hätte ich vorher niemals von mir erwartet. Er sollte immer für mich da sein... Naja, es dauerte nicht mehr lange, da sollte er zu mir nach Karlsruhe ziehen, darauf freuten wir uns sehr. War ich nicht einmal jemand gewesen, der seine Ruhe haben wollte, der es nicht haben konnte, dass jemand um ihn herum ist? Hatte ich früher nicht Tage gehabt, in denen ich höchstens drei Wörter gesprochen habe? Andererseits beschäftigte ich mich in solchen Zeiten auch mit dem Schreiben. Seit ich mit ihm zusammen war, wurden meine schriftlichen Ergüsse weniger. Und das ist nicht nur meinem Wunsch nach Reife zuzusprechen, vielmehr fehlte mir der Zwang, den man erleidet, der einem befiehlt, einen Stift in die Hand zu nehmen und seine Seele auf das Papier auszukotzen. Ich brauchte es nicht mehr. Glaubte ich. 
Doch mit der Zeit entstand neben meiner Glückseligkeit eine sinnlose Leere, ein Dahinsiechen: In der Hochschule nicht intellektuell ausgelastet, kein Herumphilosophieren mit intelligenten Menschen mehr, keine Erkenntnisse, die sich durch das Schreiben erschließen...

Dienstag, 9. Oktober 2012

Die Lesebühne des Glücks präsentiert Mitternachtsfantasy


Es ist der 6. Autoren-Abend und es wird diesmal besonders aufregend: Nicht nur weil das Genre der Texte dies nahe legt, nicht nur, weil diesmal drei powervolle Damen uns Zunder geben, wenn wir mit ihnen diskutieren... sondern auch, weil mit den Büchern, aus denen gelesen wird, spannende Entstehungsarten und -Geschichten einher gehen, die zeigen, welche Möglichkeiten das digitale Zeitalter Autor/innen von heute bietet.
Es wird auch Snacks und Getränke geben - und ganz viel Glück(sblumen)! :-)
https://www.facebook.com/LesebuehneDesGluecks

Hilke-Gesa Bußmann erregt Aufsehen mit ihrer Fantasyreihe "Die Legenden der Weltentaucher", mit der sie ganz neue Wege beschreitet. "Die Weltentaucher-Literaturfreunde sind eine Gemeinschaft aus Lesern, Autoren, Bloggern, Künstlern jeder Art … eben Literaturfreunden, die Literatur als ihre Leidenschaft bezeichnen. Gemeinsam wollen sie die Innovationen des Social-Medias nutzen, neue Wege erfinden, sich vernetzen und zusammen Literatur zum Leben erwecken!"
http://www.weltentaucher-literaturfreunde.hilke-gesabussmann.de/
Sie wird bei dieser Veranstaltung nicht nur lesen, sondern auch das Projekt vorstellen.
E.M. Jungmann hat ihren ersten Roman "Das Herz des Abwûn" beim ersten deutschen Web 2.0 Verlag Epidu veröffentlicht. Sie musste sich dabei gegen sehr viele andere Romanprojekte durchsetzen, erhielt aber mit Abstand das beste und meiste Feedback von den Usern von Epidu und das Werk wurde daher zur Veröffentlichung ausgewählt. Es ist ein sehr spannender Roman, in dem es um Freiheit und Glauben geht.
http://www.amazon.de/Das-Herz-Abw%C3%BBn-E-M-Jungmann/dp/3942584107/
E.M. Jungmann wird auch über ihre neuen Projekte reden und wie sie diese umgesetzt hat.
Chris P. Rolls feiert ebenso große Erfolge, alle ihre Werke erreichten / erreichen Top-Platzierungen bei Amazon in ihrer Sparte. Auf der Seite fanfiktion.de hat sie mehr als 1000 treue Fans, die mehrmals die Woche die neuesten Texte von ihr lesen, reviewen und faven. Sie tritt mit ihren Leser/innen in Kontakt, sowohl auf dieser letzt genannten Seite als auch auf Facebook. Sie liest aus ihrem Werk Pegasuscitar, der von einem armen Jungen namens Feyk handelt, der ein Leibeigener ist, aber die bemerkenswerte Fähigkeit besitzt, die Magie der Pegasus zu erwecken.
http://www.amazon.de/Pegasuscitar-Auf-magischen-Schwingen-ebook/dp/B0086G31YW/
Sie wird uns erklären können, wie man im Internet eine Fanbase aufbauen kann.
Wo? http://www.glueckistjetzt.de/impressum.html

Montag, 8. Oktober 2012

sprich! mit FAPRIK und den Franport Skyliners oder: Ist Vin Diesel schwul?


Nachdem das Projekt im letzten Schuljahr wie eine Bombe eingeschlagen ist, gibt es nun Fortsetzungen, sogar noch ausgeweitet auf das ganze Halbjahr. Das ist natürlich schön. Und bei den Lesungen durfte ich dieses Mal beginnen, bevor Hilke-Gesa Bußmann und Miriam Eisenhauer lesen bzw. kochen und Ernährungstipps geben.
Die Mädchen in diesem Jahr sind ganz anders als im letzten Jahr, sehr viel temperamentvoller und diskussionsfreudiger. Und so war meine Lesung dann auch ganz spannend und artete zwischendurch aus, als die Frage aufgeworfen wurde, ob Vin Diesel schwul sei... Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich gar nicht aus Plattenbaugefühle gelesen habe, das war mir zu langweilig, hatte ich ja auch im letzten Jahr schon gelesen. Ich hatte dieses Mal zwei Kurzgeschichten dabei, die eine, in der die Hauptfigur Erdbeben, seine erste Beziehung und den eigenen Tod verschläft, und die andere ist eine, die ich noch nie gelesen habe - in der es um ein Versprechen geht... In beiden Geschichten verliebt sich ein junger Mann in eine junge Frau. Dass wir trotzdem auf das Thema Homosexualität kamen, hatte mit "How I met your mother" zu tun. Wir kamen vom Stöckchen aufs Hölzchen, während wir diskutierten. Es ging zunächst um Liebe, wann man das erste Mal mit seinem Freund schläft (ganz sicher nicht so früh wie in meinen Geschichten ;-)), ums Fernsehen, um Scripted Reality etc. Und dann meinte eine der temperamentvollen jungen Damen: "Ach, so nen Scheiß schaue ich ja gar nicht mehr an." - "Sondern?" - "How I met your mother". Ich: "Oh, ich liebe Barney, der ist super, oder?" - Sie: "Ja, der ist ja schwul und hat zwei Kinder..." Dann folgt ein Aufschrei eines anderen Mädchens: "Ja, und habt ihr gehört, Vin Diesel ist schwul!"
Ich mochte diese Lesung, ich mochte die Diskussionen, vor allem weil ich neue Dinge erfahren habe. Oder mein Wissen zumindest aufgefrischt wurde. Wie immer, wenn man Jugendliche fragt, heißt es: Mit unseren Eltern über Sex reden? Igitt! ... Wenn ich Kinder hätte, würde ich mit ihnen darüber reden - Ängste nehmen, Dinge beim Namen nennen, er- und aufklären.
Es ist ein schönes Projekt und es führte dazu, dass die Schülerinnen über wichtige Themen sprachen, sprich! lautet ja auch unsere Aufforderung!
http://www.sprich-frankfurt.de/
https://www.facebook.com/sprichfrankfurt