Montag, 30. Dezember 2013

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text ZWEI

Anneke Klein Kranenbarg

Perspektivlos

Perspektive. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, bedeutet: genau ansehen. Wirst du es schaffen, unsere Beziehung genau anzusehen, wenn du sie aus einem Abstand heraus ansiehst? Wie wirst du auf uns blicken? Auf mich. Auf dich und mich. 

Perspektive. „Die Durchsehung“ nannte sie Albrecht Dürer. Wir waren vor kurzem bei der Ausstellung. Es war meine Idee. Du warst genervt. Du sagtest, dass du lieber alleine in Museen gehst. Plötzlich auch das. Dieser erste Ausflug hatte uns in ein Museum in Köln geführt – und wir waren uns da sehr nahe gekommen.

Ich habe den Eindruck, dass du manchmal alles zu zweidimensional siehst. Schwarz und weiß. Ich sagte es schon. Doch es gibt diese Grautöne. Auch bei uns beiden. Es gibt die unterschiedlichen Schattierungen. Und vor allem gibt es die dritte Dimension. Wir sind mehr als das, was wir sagen. Sind mehr als das, wie wir erscheinen. Sind mehr als das, wer wir sein wollen.

Alles könnte auch anders sein. Denk dran! Oft erscheinen die Dinge anders als sie sind. Was du gerade als einengend in unserer Beziehung empfindest, könnte auch etwas sein, das von dir kommt. Schau es dir einmal von der anderen Seite an. Sieht es da wirklich nicht anders aus?



Sonntag, 29. Dezember 2013

schmerzwach schreibt: Poesie einer Ausstellung - Text EINS

Ingrid Hornef

Unüberwindbare Abstände

I
Das Beleidigendste daran war vielleicht, dass dieser abgelutschte, täglich millionenfach gesagte Satz zwischen uns fiel.

Ich brauche Abstand von dir. Ich brauche Abstand von uns. 

Vergessen, verdrängt, welcher Satz genau es war, unwichtig, klischeehaft, Floskeln, die gesagt werden müssen. Etwas wie „Gute Besserung!“ zu wünschen, wenn jemand etwas vom Krank sein erzählt, „Mein Herzliches Beileid“, wenn jemand aus dem Umfeld der anderen Person stirbt, solche Dinge. Es wird gesagt, ohne darüber nachzudenken, ohne etwas zu fühlen.

Ich brauche Abstand von dir.

Ich halte diese Enge nicht mehr aus. Das kam von dir. Wie war es denn früher zwischen uns? Das fragte ich dich, ohne eine Antwort zu erhalten. 

II
Unsere Unterhaltungen waren immer schwarz weiß. Oder weiß schwarz. Und ich war weiß. Ich bin weiß. Sagst du. Nicht grau. Keine Schattierung von Grau. Weiß. Du sagst: Du bist so selbstlos, Du bist wie Jesus. Ich denke eher, dass ich ein normaler Mensch bin. Ehrlich, authentisch, liebevoll, warm. Du stellst mich auf ein Podest, sagst du mir. Viele Menschen mögen das nicht. Auf ein Podest gestellt werden. Was heißt das überhaupt? Das frage ich dich, auch dies ohne Antwort.

III
Liebe hat nichts mit Zufall zu tun. Ich würfele nicht – Gott würfelt nicht. Wie bringe ich Gott hinein? Bin ich doch Jesus? Merkwürdig, dass ich darüber nachdenke. War es denn Schicksal, dass wir uns kennen gelernt haben? Du sagst, dass es kein Schicksal gibt. Und ich sage, dass es kein Zufall sein kann. 

IV
Jeder hat sein abgestecktes Feld, in dem er sich bewegt. Setzt seine Grenzen. Am Anfang hatten wir wahrscheinlich viel zu wenige Grenzen. Jeden Tag ein Date. Nach dem dritten Date schon Sex. Am ersten Wochenende ein romantischer Ausflug. Nach drei Wochen der erste gemeinsame Urlaub. Nach drei Monaten zusammengezogen. 

Eine kleine Wohnung, keine Freiräume. Sagst du plötzlich. Es gab genügend Freiräume, sage ich. Du möchtest eine Weile bei deiner besten Freundin wohnen, sie hat ein Gästezimmer. Möchtest eine Auszeit, möchtest sehen was passiert.

Abstand ist das Wort.

Ich hatte immer das Gefühl, dass wir wenig Grenzen brauchen, weil wir uns so einig sind. Uns lieben. Sollte ich mich so getäuscht haben?

Bridging the gap.

Hatte ich nicht alles dafür getan, niemals einen großen Abstand entstehen zu lassen? War das alles falsch?


zur Ausstellung: http://www.eulengasse.de/

Montag, 16. Dezember 2013

Poesie einer Ausstellung ... eine Verzauberung


Es war ein Experiment. Und es gelang. Wahnsinn! Noch Stunden danach waren wir berauscht! 
Was war passiert?
Der Plan war, innerhalb einer Woche Texte anzufertigen, die von der gegenwärtigen Ausstellung zur Konkreten Kunst im ausstellungsraum EULENGASSE inspiriert sind. Und sie vorzutragen. Aber nicht irgendwie. Wir wollten quasi eine Ausstellungsführung simulieren. Allerdings nicht kunstwissenschaftlich. Nicht intellektuell. Nicht abgehoben. Wir wollten unsere Texte lesen, von unseren Eindrücken sprechen - und ins Diskutieren kommen. Und das schafften wir. Und das machte Spaß! 
Es herrschte eine so angenehme, entspannte Atmosphäre vor, Menschen, die mitredeten, ihre Ideen einbrachten, sich auf die Texte der Dichtungsfans einließen. 
Timon Seibel begeisterte vor allem mit seiner "Apotheose Wagnerscher Tiefe" (Harald Etzemüller von der Eulengasse) - ins Heilige erhoben hat er Angela ("Jesula") Merkel. Großer Spaß, großes Kino! :-) 
Sophie von Maltzahn merkte man nicht an, dass sie das erste Mal las. Sie hatte sich besonders ins Zeug gelegt - und schaffte es sogar, Konkrete Poesie zu kreieren. Mit viel Herz und Sensibilität trug Daria Eva Stanco ihre Gedichte vor, während Almut Aue eine spontane Lyrik Performance zum Besten gab und das Publikum damit überraschen konnte. Martin Piekar wurde inspiriert vom Titel "Die Zukunft ist Frau", den die Ausstellung auch trägt (sechs Künstlerinnen zeigen ihre Werke): Er dichtete Porno - er lehnte sich an feministischen Pornofilmen an. :-) Und auch ein weiterer Dichtungsfan, Julia Mantel, bespaßte das Publikum mit Erotika. 
Die ganze Bezauberung, derer sowohl die Vortragenden als auch das Publikum erlag, kann gar nicht in Worte gefasst werden. Man hätte da sein müssen! Alle, die das nicht waren, haben definitiv etwas verpasst. Denn es lag wirklich etwas in der Luft. Und bereits an diesem Abend wurde beschlossen, dass dieses Veranstaltungskonzept, das sich schwer in Worte fassen lässt, im nächsten Jahr mehrmals wiederholt wird. Also sein dann dabei! :-)






















Sonntag, 15. Dezember 2013

schmerzwach schreibt: Einfach so!



Ich denke, dass dieser Schnee das einzig Gute an meinem Pflichtbesuch ist, der macht dieses deprimierende Umfeld wieder ein bisschen wett. Gleich nach dem Aufstehen, noch vor dem Frühstück – ich bekomme sowieso keinen Bissen herunter – stapfe ich durch dieses kalte, weiche Weiß und erfreue mich an den Spuren, die ich hinterlasse. Weiß. Ich laufe bereits eine halbe Stunde, als ich plötzlich merke, dass ich müde werde. So lasse ich mich in den Schnee fallen und markiere einen Schneeengel. Ich erinnere mich daran, wie ich das zum letzten Mal gemacht habe: Mit Betty, auf der Freizeit mit unseren Studienkollegen in der Schweiz. Der Schnee um mich herum glitzert wild und herrlich schön, ich schaue in den klaren blauen Himmel, in meinen Augen blitzt es auf. Betty. Wie sehr vermisse ich dich, Betty. Wie. Sehr. Vermisse. Ich. Dich.

Als ich zurückkehre, bekomme ich wieder Ärger mit meiner Mutter. Mein Gott, ich bin 21 Jahre alt und sie schimpft mich aus, weil ich nasse Klamotten habe, sie behandelt mich immer noch wie ein Kind. Ich bin erwachsen, Mutter, erwachsen! Ich wollte diesem Weihnachtsbesuch entgehen, aber meine Mutter hatte mich erpresst, kein Besuch – keine finanzielle Unterstützung. So war das immer schon bei uns zuhause. Die Kinder erpressen, versuchen, sie kleinzuhalten, Spießigkeit und Null Toleranz. Ich würde gerne herausschreien, dass ich anders bin, dass ich genau das Gegenteil von dem bin, was meine Mutter sich wünscht. Und dass das genauso gut, wenn nicht besser ist. Doch ich traue mich nicht. Und weil ich mich nicht traue, fühle ich mich zuhause, also in meinem ehemaligen Zuhause, so unwohl. Doch wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich im Moment nirgends wohl, nirgends zuhause, nirgends zuhause, auch nicht in meiner Studentenbude, die noch vor kurzer Zeit mein Refugium, mein Ein und Alles war. Alles hat sich geändert, und daran ist Betty Schuld. Betty, die so selbstbezogen und kompliziert ist. Betty, die mich verlassen hat, die mich nicht mehr sehen möchte, die sich davon gemacht hat.

Ich telefoniere mit meiner besten Freundin Merle, die mir ständig nahelegt, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Dabei fängt sie immer von diesem Osho an, den sie nach ihren Bedürfnissen interpretiert, verfälscht. Merle sagt: Lebe im Augenblick, genieße dein Leben, lebe nicht in der Vergangenheit, vergiss Betty, who the fuck is she?, erfreue dich an dem Schnee, wie er fällt, wie du darin stapfst, schau dir den schönen Himmel an, vergiss dieses Wesen, lass dich bemuttern, bekochen, triff deine alten Freunde und erlebe etwas Neues mit ihnen. 

Doch alleine dieses erste traditionelle Treffen mit meinen ehemaligen Mitschülern am gestrigen Abend überfordert mich: Auch sie haben noch die gleichen Schubladen, wie sie bei meiner Familie begegnen. Als ob man sich nicht veränderte, wenn man die Heimat verlässt, in eine andere Gegend zieht, andere Menschen kennenlernt, neue Dinge sieht, lernt, erfährt. Letztlich kann man sich doch erst dann finden, wenn man sich vom Alten löst, sich verliert, sich neu wiederfindet. Wieso beharren diese Menschen so sehr auf die Vergangenheit, auf das Bekannte, das Gewohnte? 

Betty erschien mir so anders. Betty nimmt Drogen, trinkt, raucht, kifft, kokst. Betty hat verrückte Ideen. Betty wollte etwas vergessen. Ihre letzte Liebe. Fabian. Der achsogute und sensible Fabian! Sie wollte keinen Mann mehr, sie wollte Frauen, sie wollte der Mann sein, zog sich immer so an. Betty hatte in der Uni Anzüge mit Weste und Krawatte an, meist schwarz, manchmal in Brauntönen. Wenn sie ausging, hatte sie Hüte auf, solche wie sie Männer am Anfang des letzten Jahrhunderts trugen. Es stand ihr. Gerne malte sie sich auch Schnurbärte an oder schminkte sich Bartstoppeln. Das gefiel mir, die eher „alternativ“ rumlief, mit weiten Klamotten aus dem Second-Hand-Laden, gestreift, witzig, mit Blümchen, anders, nicht gerade tussig, im Gegenteil. Ich verabscheue diese Mädels, die wohl wie Julia Roberts sein wollen. Ich frage mich wieso. 

Ich war mit einigen jungen Frauen aus einem Soziologie-Seminar noch etwas trinken, in so einer dieser Kneipen, die als „alternativ“, „links“ gelten, als ich Betty kennenlernte, die eine meiner Kommilitoninnen kannte, und sich zu uns setzte. Ich könnte nicht mehr sagen, wie es dazu kam, aber plötzlich fing Betty an, etwas von Dekonstruktion des weiblichen Geschlechts zu reden, was nur mich interessierte. Wir hörten gar nicht mehr auf, darüber zu reden. Es endete damit, dass ich mit zu Betty ging, und wir hitzig über Judith Butlers Ansichten diskutierten.

In Bettys ordentlichem, schön eingerichteten Schlafzimmer, mit hübschen antiken Kommoden, Frisiertisch, Nachttischen, einem Holzbett, das lustige Verzierungen hatte, durchwühlten wir zuerst den Schrank, um die passenden Outfits zu finden. Ich zog mir schwarze Strumpfhosen an, einen knappen schwarzen Mini-Rock, einen schwarzen BH und eine weiße Bluse darüber, die ich nur teilweise zuknöpfte, so dass der Blick auf meine weiblichen Reize freigelegt war. Betty zog einen schwarzen Nadelstreifenanzug an, allerdings nur die Hose und das Jackett, sonst nichts, was sehr aufreizend aussah. Dann schminkten wir beide uns, und setzten uns schwarze Männerhüte auf. Wir setzten uns in dieser Montur auf den Boden, auf dem wir bereits ein paar Sexspielzeuge, Autozeitschriften, Zigarren, Spielkarten und Whisky-Flaschen verteilt hatten. Wir richteten eine Spiegelreflex-Kamera auf uns, machten wilde Fotos in lustigen Verrenkungen. Es machte fürchterlichen Spaß. Wir versuchten männliche Posen nachzuahmen. Nach ein paar Aufnahmen begann Betty meine Bluse aufzuknöpfen, meine Brüste zu küssen und eng umschlungen mit mir zu unhörbarer Musik zu tanzen. Danach schob sie mich auf das Bett. Für uns beide war es das erste Mal mit einer Frau. So gingen wir behutsam vor, zärtlich, immer fürchtend, etwas nicht richtig zu machen, obwohl wir genau wussten, was der anderen gefallen müsste, und doch, die anerzogene Scham, der Respekt vor dem vermeintlichen Ekel, hemmte uns wohl zunächst. Allerdings nicht lange. Die Sicherheit, das Gefühl, etwas zu tun, was wir immer schon gemacht haben sollten, überkam uns, und dann wurde es wunderschön. Schöner als alles andere davor. 

Ich sitze neben meinen alten Freunden, von denen ich mich so entfremdet fühle. Soll ich von Betty erzählen? Soll ich davon erzählen, dass dieser Sex mit ihr das größte Ereignis in meinem Leben bisher war? Noch aufregender als die Abiturs-Feier, die Einschulung oder der erste Freund? Alle um mich herum scheinen in die alten Muster zu verfallen, dazu gehört auch diese depressive Stimmung in diesem kleinen Kaff. Dieses „Und was machen wir heute, Leute?“. Und keiner weiß eine Antwort darauf, stützt den Kopf ab, sagt gelangweilt: Schütze? Why Not?! Oder doch McDonalds? Wenn es warm war, wurden immer wieder die Stimmen laut, die an den Rhein wollten, Wein trinken, einfach nur gammeln, und ein bisschen kiffen. Im ersten Jahr meines Fortgangs sagte ich mir jeden Tag mindestens einmal: Oh mein Gott, zum Glück bin ich weg da, zum Glück habe ich diese unsäglichen Depressiven nicht mehr um mich herum. Dann allerdings kamen in mir manchmal bestimmte Gedanken auf, dass diese Menschen viel mit mir zu tun hatten, mir ähnlich waren, viele Dinge genauso sahen wie ich. Das merkte ich immer wieder, wenn ich in meiner neuen Heimat Leute kennenlernte, die anders waren. Aber diese Beziehung zu Betty veränderte alles wieder. Können das meine alten Freunde hier verstehen? frage ich mich andauernd. 

Betty und ich schauten uns einen alten 50er Jahre-Film an, in dem sich Wassernixen zu Musik bewegten, und dann entschied Betty, dass wir am nächsten Tag schwimmen gehen müssten. Das taten wir. Da wir sehr früh dran waren, hatten wir eine Menge Platz, und so fiel es uns leichter, die Figuren nachzuahmen, die die Frauen im Film vollführten. Drehungen und Schrauben, manchmal spiegelverkehrt, aber immer synchron. Wir waren ein perfektes Duett. Wir. Waren. Ein. Perfektes. Duett. Und wieso änderte sich das denn? Was war anders geworden bei Betty?

Soll ich es erzählen? Wenn ich gefragt werde, was ich das Jahr seit dem letzten Weihnachts-Besuch getrieben habe, kann ich nur ausweichend antworten. Ich könnte von meinem Studium erzählen, aber das ist doch langweilig. In meinem Leben gab es monatelang nur eine Tatsache: Ich war glücklich mit Betty. Nie war es langweilig mit ihr. Permanent fiel uns etwas ein, was wir unternehmen könnten. Wie wir Partys aufmischen, wenig spannende Ausstellungseröffnungen etwas origineller gestalten, wie wir zuhause rumgammeln und doch etwas Lustiges machen könnten. Wir waren sogar gerade dabei, eine Ausstellung mit eigenen Werken auf die Beine zu stellen. Und dann war sie plötzlich weg, spurlos verschwunden, nicht erreichbar, einfach weg, und ich allein. Es gab keinen Weg, an Betty ranzukommen, sie ging nicht ans Telefon, Briefe wurden nicht beantwortet, die Mitbewohnerin wusste nichts über den Verbleib, auch nicht die gemeinsamen Freundinnen, nichts, einfach nichts, so, als ob es sie nicht mehr gäbe, selbst die Eltern, die ich über Umwege erreichen konnte, wussten nichts. 

Meine Mutter fragt mich permanent, wie es mir gehe, was ich in der großen weiten Welt mache. Doch was soll ich sagen. Nichts. Nichts. Nichts. Ich bin einfach froh, wenn ich hier wieder weg bin. Obwohl es egal ist: Überall bin ich fremd, weil Betty nicht da ist. Bei ihr fühlte ich mich Zuhause. Abends treffe ich mich erneut mit meinen alten Freunden. Irgendwann reden wir über unsere sexuellen Erlebnisse der letzten Zeit. Wie unangenehm. Doch dann platze ich plötzlich heraus, während der ehemalige Klassensprecher gerade von seiner letzten Eroberung vom Wochenende erzählt: Ich habe mit einer Frau geschlafen. Das scheint die anderen nicht zu verstören, nur zu überraschen, aber eher positiv. Das Mädchen neben mir: Ist ja spannend, und wie kam es dazu? 
Einfach so, antworte ich, einfach so! 

Samstag, 14. Dezember 2013

schmerzwach, muffi und die Weihnachtsmärkte DREI


Der Heidelberger Weihnachtsmarkt sollte doch schön sein, dachte ich. Eigentlich auch schon letztes Jahr übrigens. Aber da hatte ich nach zehn Minuten keinen Bock drauf. Und meine herzensgute Begleitung auch nicht. Dieses Jahr, und das kann man als unseren persönlichen Erfolg werten, haben wir es doch immerhin doppelt so lange auf dem Weihnachtsmarkt ausgehalten. 20 Minuten. Allerdings nur, weil wir Fotos geschossen haben. :-)))
Und dann waren wir wieder wie immer beim Inder Raja Rani - ein Ritual. Bin da immer mit dieser herzensguten Freundin. An diesem Dienstag war sowieso Tag der liebenswerten, herzensguten und netten Menschen (vorher in Darmstadt mit Mister Nice Guy eben), dann mit meiner alten Schulfreundin. 
Was ist also nun zum Heidelberger Weihnachtsmarkt zu sagen? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen den einzelnen Weihnachtsmärkten? Er ist kleiner als der Frankfurter Weihnachtsmarkt, der sich ja auch mittlerweile über die ganze Innenstadt zieht. Der expandiert ja ganz fürchterlich. Ätzend! Aber der Heidelberger Weihnachtsmarkt hat obwohl weniger Stände trotzdem mehr interessante Stände, an denen man coole Sachen kauft. Hat mich an den Freiburger Weihnachtsmarkt erinnert (zumindest so wie der vor 15 Jahren noch war). :-) 
In Heidelberg ist alles etwas kleiner, aber irgendwie auch gemütlicher und ruhiger als zum Beispiel in Frankfurt. Da kommt man eher runter, finde ich. Aber natürlich lag das auch vor allem an meiner Begleitung. :-)












Freitag, 13. Dezember 2013

Blog übergreifender Adventskalender: Weiß wie das Licht

Karo Stein hat dieses Jahr einen Blog übergreifenden Adventskalender initiiert, an dem ich mich gerne beteilige. Und zwar mit etwas ganz Besonderem, womit euch, liebe Leser*innen ganz selten beglücke: Mit einer Kurzgeschichte, die auch noch unveröffentlicht ist! Viel Spaß damit! :-)


http://www.wonderlandmagazine.com/wp-content/uploads/2012/10/logan1.jpg entnommen - LOGAN LERMAN
Weiß wie das Licht

Wie weiße T-Shirts, Hosen oder Schuhe in diesem fluoreszierenden Disco-Licht im Dunkeln erstrahlen, so tat Clemens dies in der Menge dieser tanzenden Traube von stylishen Männern, einer hübscher als der nächste. Der schüchterne Julius blickte auf ihn und hatte dabei das Gefühl, dass ein Theater-Spot auf diesen blondgelockten Clemens gerichtet worden sei, auf dass er ihn, nur ihn, bemerkte: Dem Wunderbarsten in dieser wunderbaren Menge. Sein Blick ließ sich nicht mehr von ihm abwenden, jede der Bewegungen des Schwarms kosteten seine Augen aus, die wilden Dance-Moves, die Mimik dabei, immer mit Mundzügen, die nach oben zeigten, mit weit aufgerissenen Augen, glücklich an diesem Ort zu sein, im Moment zu leben. So erschien er ihm. Clemens strahlte nur für ihn. So dachte der schlaksige Julius das im ersten Moment, beim minutenlangen Beobachten. Krampfhaft versuchte er sich selbst davon zu überzeugen, mehr Mut aufzubringen, sich in seine Nähe zu boxen, querfeldein durch die tanzenden Körper, Jungs, die miteinander flirteten, ohne miteinander zu reden. Es war sein erstes Mal in einem Club mit einem „queeren“ Motto, was in diesem Fall besagte, dass fast ausschließlich männliche Gäste anwesend waren, es war anzunehmen, dass alle schwul waren – die wenigen Frauen befanden sich am Rand der Tanzfläche oder saßen etwas außerhalb in kleinen Grüppchen zusammen. Er versuchte herauszufinden, wer in Clemens´ Nähe tanzte, versuchte zu eruieren, ob die Männer an dessen Seite mit ihm da waren, ob einer von ihnen vielleicht sogar näher mit ihm verbunden sei. Clemens strahlte zwar, aber hätte Julius die hundert Männer auf der Party gefragt, wie attraktiv dieser sei, hätte bestimmt mindestens die Hälfte ´eher Durchschnitt´ gesagt. Nein, er hatte keine Muskeln, war auch kein schlanker Boy, dieser Clemens, ein bisschen Babyspeck konnte man erahnen, wenn beim Tanzen das T-Shirt ein bisschen Haut frei legte, aber das störte Julius nicht – er mochte nicht diese Jüngelchen mit Bundgröße 25, er wollte niemanden berühren, der noch dünner als er selbst war. Dabei wusste er aus eigener Erfahrung nicht, wie sich die einen oder die anderen anfühlten, er hatte noch nie einen Jungen berührt – ein Mädchen auch nicht. Er war fünfzehn und viel zu jung, um offiziell in diesem Club sein zu dürfen, aber er hatte immer schon älter ausgesehen, als er es war, und dies gereichte ihm nun zum Vorteil, die Türsteher schienen es sowieso nicht so ernst zu nehmen – der braungelockte Julius, der ein bisschen wie das Gegenteil von Clemens aussah, konnte es nicht wissen, aber bei solchen Veranstaltungen gab es selten Ausweiskontrollen; die Organisatoren müssten auf Einnahmen verzichten, sortierten sie ´das verehrte Frischfleisch´ aus. Die Regel: Je weniger junge Burschen da waren, desto weniger zahlungskräftige ältere Kunden kämen. Was sich wie ein Stricher/ Freier – Ding anhörte, war die normale Realität in diesem schwulen Jugendwahn-Clubbing. 
Clemens erstrahlte für ihn in dieser Masse von tanzenden Leibern, die dem letzten Modetrend hinterherhechelten, die sich selbst zur Schau trugen – nein, Clemens tat dies nicht, der sähe auch mit einem Kartoffelsack noch wunderschön aus. Er freute sich am Leben zu sein, zu tanzen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Julius versuchte sich also durch die Menge zu tanzen, schaute sich dabei die Klamotten der Männer an, eng anliegend, weit ausgeschnitten, körperbetont, bunt und schillernd. Würde er jemals mit solchen Muskeln durch die Gegend laufen, fragte er sich, er ging regelmäßig joggen und schwimmen, aber mehr um seinen Kopf durchzupusten und Spaß zu haben. Selbst wenn er nicht zu jung für ein Fitness-Studio gewesen wäre, würde er sich nicht hinein wagen. Er kam seinem Schwarm näher, wurde immer nervöser, wusste noch nicht, was er täte, wenn er vor ihm stünde. Clemens hatte so viel Spannung in seinem Körper, strahlte so viel Selbstbewusstsein aus – wie alt mochte dieser Junge sein, fragte sich Julius. Noch ein paar Tanzbewegungen und er hatte sein Ziel erreicht, sein Herz spielte verrückt, es klopfte wie nach einem Dauer-Sprint im Sportunterricht, bum bum bum, höchste Aufregung, Flight and Fight Syndrom, so nannte man das in der Biologie. Wahnsinn, dachte er sich, Wahnsinn, wie das ein anderer Mensch bei einem bewirken kann, dachte er sich. Was sollte er nur sagen, wenn es so weit war, und was sollte er nur tun, um eine Verbindung aufzubauen? 
Wie Clemens´ blaue Augen strahlten, als Julius ihn schüchtern anlächelte, sie bewegten sich nun im gleichen Takt, aufeinander zu bewegend, bald konnten sie sich berühren, wenn sie das wollten. Julius dachte sich: Ja, ich will, ich will nichts mehr als das. Nicht an Sex dachte er in diesem Moment, sondern sich an den Älteren schmiegen, dessen Duft einatmen, ihn spüren, fühlen, das erste Mal in seinem Leben einem anderen Jungen wirklich nahe sein. Doch was will dieser Strahlemann von mir, widersprach ihm seine eigene Unsicherheit, sagte ihm, dass doch dieser Typ bestimmt schon Tausende solcher Situationen erlebt hatte, na, vielleicht nicht Tausende, aber sicher Hunderte. Clemens jedoch blickte ihn so an, als wollte er ihn, nur ihn, anschauen – und zwar das restliche Leben. Clemens kam ihm noch näher, zwischen ihren Körpern passte kein Blatt Papier mehr, sie hatten noch nicht miteinander geredet, ihre Gesichter waren so eng beieinander, dass sich ihre Nasen leicht berührten. Unsicher legte Julius seinen Kopf etwas schräger, Clemens nahm es als Aufforderung, küsste ihn das erste Mal ganz leicht auf die Lippen. ´Weich´ war alles, was der Junge in dem Moment dachte, weich, weich, weich, zart, ja – und wunderschön. Seine Lippen prickelten nun, fühlten sich toll an, sein Kopf fühlte sich so befreit wie nach einem morgendlichen Waldlauf an. Großartig, dachte er sich, ich möchte mehr, und wandte sich dem inzwischen abgerückten Clemens wieder näher zu, schmiegte sich an ihn, drückte ihm einen zarten Kuss in den Hals, was diesen zu einem leisen Jauchzen verführte, das Lächeln wurde breiter, die Augen größer. Und dann küsste der Ältere ihn das erste Mal richtig mit Zunge – die zunächst spielerisch die Lippen umkreiste, sich dann in den Mund liebkoste, zart, beweglich, erkundend. Dass dies das unbeschreiblichste Gefühl für Julius war, was dieser jemals erlebt hatte, konnte der erfahrene Clemens nur erahnen, der Junge fühlte sich wie schwebend auf einer Wolke, wusste nicht mehr, was er tat, wo die Hände seines Gegenübers waren, die sich den Weg unter das T-Shirt des Jüngeren bahnten...
Julius sah das strahlende Lachen, die funkelnden Augen von Clemens, als er wieder die Augen öffnete.
„Schließt du immer die Augen beim Küssen?“, fragte Clemens mit seinem österreichischen Akzent.
„Ich heiße Julius“, erwiderte der Junge überrumpelt von diesen ersten Worten des Älteren. Dieser lachte. „Ähm, das war mein erster Kuss“, schob er eilig nach. 
Clemens stellte sich vor, erzählte, dass er bald Zwanzig sei, gerade die Matura hinter sich habe, und nun hier in Frankfurt BWL studiere, es schien ihm etwas peinlich zu sein, dass der Junge erst fünfzehn und dies dessen erster Kuss sei. Andererseits kam ihm sofort in den Sinn: Besser ich als ein wirklich alter Sack. Ein Freund von Clemens brachte ihnen Biere und sie tanzten weiter, nun mit Flaschen in den Händen, beobachteten sich dabei, auch Blicke können prickelnd und weich sein. Ihm war es nun etwas unangenehm, dass er den Freunden sagen musste, dass er alleine hier sei. Sein bester Freund Markus, der ihn bis zur Tür begleitet hatte, bekam dann kalte Füße, wollte doch lieber nicht mit hinein – wer konnte es ihm verdenken, Markus stand auf Mädchen. Cool genug, dass er sich immer die Sorgen von Julius anhörte, ihn unterstützte, ihn vor den anderen in der Klasse verteidigte, wenn ein falsches Wort fiel. Markus war nicht nur der Klassensprecher, er war auch Star der Fußballmannschaft und Mädchenschwarm – und seit Kindergartentagen der engste Freund von Julius. Wie Pech und Schwefel, sagten sie immer. Doch die jungen Männer schien das nicht sehr zu kümmern. Alle sagten, er sehe wie Achtzehn aus, und einer, der schon etwas älter war, vielleicht Dreißig, rückte näher und flüsterte ihm ins Ohr: „Der Clemens hat immer so ein Schwein. Er kriegt immer die Hübschesten ab.“ Das war Julius etwas unangenehm, obgleich ihm selbstverständlich bewusst war, dass es ein Kompliment an ihn war, wenn auch etwas schmierig angesichts der Situation. Clemens und Julius tanzten, nachdem sie ihr Bier ausgetrunken hatten, wieder etwas inniger, küssten sich auch das eine oder andere Mal. Bis Julius, der nicht allzu oft Bier getrunken hatte in seinem Leben, austreten gehen musste. Er stieg also die Treppen hinauf, der Club hatte oben ein Café mit Toiletten, auf denen viel los war, scheinbar hatten sich in den beiden Kabinen Männer zum Kopulieren eingeschlossen, Julius war dies einerlei – er wollte nur wieder schnell zurück zu Clemens schweben. Als er wieder aus dem WC lief, schnappte er Gesprächsfetzen von zwei jungen, hübschen Männern auf, die im Café saßen und die Vorbeigehenden betrachteten. 
„Ich weiß gar nicht, wen ich mehr beneiden soll, den wunderschönen Clemens, der sie alle kriegt, oder diesen rattenscharfen kleinen Braungelockten, mit dem ich auch gerne mal würde...“
Der andere lächelte anerkennend und setzte an, eine entsprechende Antwort zu geben, doch Julius reichte das. Er beeilte sich, die Treppen zum Club hinunter zu laufen. Wie in der Sauna fühlte sich die Luft an, die ihm entgegen kam, es war so schwül da unten – wieso sie keine Lüftung eingebaut haben, fragte er sich.
Noch immer sah es so aus, als ob der blonde Clemens mit seinen Locken extra von einem Spot angestrahlt wurde, schon von weitem konnte ihn Julius sofort in der Menge ausmachen. Clemens mit dem großen weichen Mund, mit den funkelnden Augen. Er tanzte ausgelassen, lächelnd, euphorisch. Julius musste sich erneut durch die Menge bewegen, die Blicke verfolgten ihn nun, er schien an Aufmerksamkeit zu gewinnen: Da ist ja Clemens´ Eroberung des Abends, so schienen sie ihm entgegen zu schreien. Wenn Julius es nur besser gewusst hätte, wenn er von dessen Ruf mehr gewusst hätte. Vielleicht war es aber auch besser so: Wissen schützt vor Torheit nicht, sorgt nur gelegentlich dafür, dass man weniger Spaß hat – so drückte es Clemens jedenfalls aus. Clemens, der gerade einem gut aussehenden Mann, etwa Mitte Zwanzig, sehr muskulös, näher kam, der ihn an sich riss und wild knutschte. Julius blieb erstarrt stehen, fragte sich, ob er gerade halluzinierte oder das tatsächlich passierte. Die Musik wurde plötzlich wilder, die tanzende Masse schob ihn voran, ohne dass er es wollte, schob ihn in Richtung Clemens, der sich gerade von seinem Neuen löste, Julius erblickte, anstrahlte, wie er jeden anstrahlte, ihm näher kam, in den Arm nehmen wollte. Julius stieß ihn weg, so wie er alle nun wegstieß, die ihm den Weg versperrten, er rannte so schnell er konnte die Treppen hinauf, blieb erst draußen vor dem Café stehen, holte Luft, mehrmals ein-, mehrmals ausatmen. Er begab sich in die Hocke, Tränen liefen ihm aus den Augen, dicke, fette Tränen, solche, wie er sie zuletzt vor zwei Jahren geweint hatte, als ihm klar wurde, dass er in Markus verliebt war, so wie Markus in Laetitia verliebt gewesen war – und dass das alles ausweglos sei. Er fühlte sich nun gedemütigt, fühlte sich abgewiesen, fühlte sich austauschbar, wusste nicht, ob er traurig ob des Verlusts oder wütend ob dieser Schmähung sein sollte. Wie verhielt man sich in so einer Situation, fragte er sich verzweifelt. Ich will weg, weg, weg, dachte er sich, doch als er sich gerade erhob und loslaufen wollte, hatte ihn Clemens von hinten umschlungen. 
„Wo möchtest du hin, mein Wunderschöner?“, fragte der Österreicher mit Schmäh, doch Julius war nicht danach. 
Er stieß sich weg, drehte sich, schleuderte ihm seine Tränen entgegen, schrie: „Warum tust du mir das an?“
Clemens schaute ihn erschüttert und verständnislos an, freigeistig wie seine Einstellung war, seine Eltern gehörten zu den ersten Hippies, die an der Dechant Lake in Wien (in einem Wald an einem alten Seitenarm der Donau) campiert und dort eine Kommune im Sommer eröffnet hatten, alle liefen nackt herum und jeder sollte mit jedem Sex haben. Nun, das hatte nie so wirklich funktioniert, doch diese Einstellung gaben sie ihrem Filius mit, der vieles zu sehen bekommen hatte in seinen jungen Jahren. Ein bisschen flirten, sagte er, ein bisschen knutschen, das wird doch sowieso viel zu wenig gemacht. Was ist denn da dabei, es macht Spaß, ist schön, lässt uns jung bleiben, lässt uns schweben, führte er weiter fort. Was ist denn los? fragte er, war es nicht schön mit mir zu knutschen? War es nicht schön, mit mir zu schmusen, mit mir etwas zu trinken, ein bisschen zu träumen?
Clemens strahlte nur für ihn in diesem Moment, nur für ihn, das sagte zumindest Clemens, komm´ mit mir nach Hause, mein Wunderschöner, siehst du, ich könnt´ sie alle nehmen, aber ich möcht´ nur dich, sei doch nicht so. Und Julius versank nun in den Augen von Clemens, dachte gar nichts mehr, außer: Das soll also mein Erster sein? Ein Strahlemann mit österreichischem Akzent, gerade die Matura hinter sich, das Studium vor sich, ein Studierender – was wird Markus nur sagen? Warte, ich sag nur Aufwiederschaun, meinte Clemens, und Julius versank nun in Gedanken, in Fragen: wie es sein wird, sein erstes Mal Sex... Kaum war er wieder in der Realität angekommen, stand der Schwarm wieder neben ihm, ganz adrett, ganz charmant, versprach ihm die Welt, versprach ihm das schönste Abenteuer des Lebens. So bemerkte Julius kaum die Umgebung, plötzlich schon, vielleicht waren es fünf Minuten, vielleicht fünfzehn gewesen, da sagte Clemens: „Hier sind wir schon!“ Er öffnete das Portal unten, sie gingen die drei Stockwerke nach oben, an der Türe standen zwei Namen, Clemens öffnete sie, während Julius flüsterte: „Wer ist denn Anton?“ Und der Wunderbarste ihn einfach weiter ins Schlafzimmer schob, den Lichtschalter drückte, etwas dimmte, damit das Licht nicht gar so grell war. Julius erkannte in dem großen Bett eine zugedeckte Gestalt, die gerade ihre Augen öffnete. Er erblickte einen jungen Mann mit nacktem Oberkörper, der wie der eines Schwimmers aussah, gut austrainiert, blonde kurze Haare, blaue Augen. „Servus, ich heiße Anton“, sagte der verschlafen, „schön, dass du da bist!“ 
Clemens strahlte immer noch, auch in diesem gedimmten, schwachen Licht, hatte funkelnde Augen, einen gierigen Blick. Julius begriff nichts, er nahm nur noch wahr, wie sich die Bettdecke von Anton noch mehr hob, weil sich da wohl ein Körperteil sehr regte, er begriff nicht, merkte noch nicht einmal, dass er gerade schon von Clemens ausgezogen wurde...

Und morgen wird euch Sigrid Frings mit einem wunderbaren Beitrag verwöhnen ... :-)
http://sigridfrings.blogspot.de/

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Best Blog Award: Stöckchen und 11 Fragen.

Meine Kollegin und Freundin Hilke-Gesa Bußmann hat mir das Stöckchen zugeworfen und mich damit gebeten, 11 von ihr aufgestellte Fragen zu beantworten. Mache ich doch gerne! :-)




1. 2013 geht vorbei. Es ist eine Minute, bevor das neue Jahr beginnt. Was sind deine letzten Gedanken an das vergangene Jahr?

Oh, da wird es viele geben. Einer geht an meine inszenierte Hochzeit in der Schirn Kunsthalle, ganz sicher sogar: Es war ein wunderschöner Abend. Im August habe ich ganz Deutschland bereist, besonders schön mein Abschluss in München mit Mustafa, meiner lieben Christine und dem Bad in der Isar. :-) Die beiden Buchmessen waren sehr fein - in Leipzig ein tolles Lesungs-Erlebnis im Literaturcafe und sehr feucht-fröhlich und wunderbare Tage in Frankfurt! Sicherlich werde ich auch an die wunderbare Undercover-Veranstaltung mit den Dichtungsfans denken oder an die drei megatollen Diary Slams in Frankfurt und den einen in Karlsruhe. Natürlich werde ich auch an OCCUPY, an die ganzen Dinge rund um Gezi in der Türkei denken, an die ganzen Verstorbenen, vor allem in letzter Zeit, Nelson Mandela und Paul Walker an erster Stelle. Und und und ...

2. Der beste Moment deines Jahres? Der schlechteste Moment deines Jahres?

Vielleicht der beste Moment war, als ich in die Ostsee gesprungen bin. Ich fühlte mich so frei, so glücklich - und dachte plötzlich, dass mir alles möglich ist, dass ich diese Sprünge einfach immer wagen muss und dann alles gut wird. Vielleicht aber auch, als ein bedeutender brasilianischer Dichter neben mir auf der Couch saß und mir ein Gedicht vortrug, das er extra für mich geschrieben hatte. :-)
Schlechte Momente gibt es genug, das sind meist die, die zu privat sind, um sie zu äußern ... Mir fällt tatsächlich kein wirklich schlechter Moment ein. ;-)

3. Gibt es jemandem, bei dem du dich schon lange bedanken willst? Wenn ja, dann hast du jetzt die Chance:

Ich danke meiner Mutter, ohne die ... ;-) Ich danke allen Menschen, die meinen Blog lesen, meine Bücher, zu meinen Veranstaltungen kommen, ich danke allen Menschen, die mit mir zusammenarbeiten, mich unterstützen, mir freundlich gesonnen sind, ich danke allen Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, immer positiv und höflich sind. Ich danke vor allem allen meinen Freunden und Verwandten, die mich in meiner Verrücktheit und Extraversion ertragen. :-)

4. Was bringt dich auf die Palme? Also, so richtig?

Meistens sind es technische Geräte: Laptops, Drucker, Kopierer, Smartphones - und Menschen, die mir im Weg rumstehen. ;-)

5. Was war dein Buch des Jahres 2013?

Ähm. Ich habe wahrscheinlich kein einziges Buch der Top 100 Bestseller des Jahres 2013 gelesen. Und Chad Karbachs "Die Kunst des Feldspiels" ist ja 2012. Hm ... 

6. Stell dir vor, du hast drei Wünsche frei. Was würdest du dir wünschen?

Oh je ... Klar, ich habe es: ... , ... , ... !

7. Und stell dir noch mal was vor: Du könntest dir deine eigene “Welt” erdenken und in diese eintauchen. Was würde es dort geben, was es hier auf unserer Welt nicht gibt?

Die Menschen wären etwas klüger, empathischer, friedlicher, toleranter, offener, alle wären höflich, würden respektvoll miteinander umgehen. Künstler_innen und Menschen aus dem sozialen Bereich wären die Besserverdienenden der Gesellschaft, Menschen aus dem Bankwesen würden Hungerlöhne verdienen. Politiker_innen würden nach gesundem Menschenverstand und nach einer Vision regieren. 

8. Du hast die Möglichkeit, die Person zu treffen, die dich am meisten in deinem Leben geprägt hat. Was sagst du ihm/ihr?

Keine Ahnung. Weiß nicht. Ist die schon tot? Hm ...

... Wo ist eigentlich die Frage 9? Nein, nein, keine Neue überlegen! Habe weder eine Lieblingsplatte noch einen Lieblingsfilm des Jahres. ;-)

10. Wenn du sorgenfrei leben könntest, was würdest du dann noch machen? Was arbeiten? Wie den Tag gestalten?

Ach, ich würde so weiterleben wie bisher. Nur würde ich etwas mehr reisen. Und mehr spenden!

11. Gibt es etwas, das du schon immer sagen wolltest? Hier ist Platz dafür!

Ich sage immer, was ich will! :-) Dafür brauche ich die Frage nicht ... obwohl:



So, nun meine 11 Fragen (nicht, dass ich nicht schon die ELF schmerzwach Fragen hätte, nun gut!):

 1. Was ist denn dein Lieblingswort 2013? Und warum?
 2. Welche TV-Serien hast du dieses Jahr begeistert geschaut? Welche Bücher   
 gelesen? Welche Filme gesehen? Welche Musikalben gehört?
 3. Was sind deine 10 Lieblingslieder dieses Jahres?
 4. Was waren deine Highlights dieses Jahr?
 5. Was wünschst du dir für das nächste Jahr?
 6. Welche Erkenntnisse hattest du dieses Jahr?
 7. Wer oder was hat dich dieses Jahr enttäuscht?
 8. Welche Menschen haben dich dieses Jahr besonders beeindruckt?
 9. Was ist das witzigste, was du dieses Jahr erlebt hast?
10. Was macht dich glücklich?
11. Welchen besonderen Menschen hast du dieses Jahr kennen gelernt? Und wessen Bekanntschaft wünschst du dir für das nächste Jahr?

Mittwoch, 11. Dezember 2013

schmerzwach, muffi und die Weihnachtsmärkte ZWEI


Merkwürdig eigentlich: an den Weihnachtsmarkt in Darmstadt hatte ich so überhaupt keine Erinnerung. Dabei hatte ich drei Jahre in der südhessischen Stadt gearbeitet ... Erinnert habe ich mich allerdings sehr gerne an Mr. Nice Guy Gabriel, mit dem ich damals (als er noch ein kleiner Pimpf war) Tischtennis an der Erich Kästner-Schule (in der auch Plattenbaugefühle spielt) gespielt habe. Mit ihm war die Arbeit immer sehr angenehm. :-) 
Als angenehme Begleitung stellte er sich auch gestern heraus, nun ein junger, smarter Mann, der immer positiv und lustig ist. :-) Die wichtigsten Eigenschaften für den Weihnachtsmarkt-Test mit muffi. :-))
Der Darmstädter Weihnachtsmarkt befindet sich ja am Schloss (das übrigens ja ganz schön ist) - und das war auch schon die Besonderheit. Er ist teuer und nicht besonders hübsch. Punkt.
Daher rede ich lieber wieder über Gabriel und meine Zeit in Darmstadt. Natürlich gab es da Höhen und Tiefen. Natürlich gab es "Klienten", die ich mehr oder weniger mochte. Ich bin in erster Linie Mensch. Kein Roboter. Ich habe versucht alle Jugendlichen möglichst gleich zu behandeln. Und trotzdem gab es auf beiden Seiten Sympathien und Antipathien. Mit vielen der Jugendlichen von damals stehe ich noch in Kontakt, mit einigen nicht mehr. Leider. Ich habe auch fünf Jahre nach meiner Arbeit in Darmstadt noch regelmäßig das Gefühl, die Kranichsteiner Jungs und Mädels auf eine ganz große Party nach Frankfurt einzuladen und mal richtig mit ihnen feiern zu müssen. Irgendwie schaffe ich es dann doch nicht. Aber gestern habe ich mir mal die Zeit genommen, einen derjenigen zu besuchen, den ich wirklich gerne mochte. Und das war wirklich schön! Dann dachte ich wieder: ey, du musst es irgendwie schaffen, die Jugendlichen von damals öfter zu treffen. Ein weiterer Vorsatz für das Jahr 2014. Am liebsten mal wieder mit den ins Spaßbad nach Weinheim fahren ... Oder mal wieder PLAYSTATION spielen. :-) Immerhin kann ich ihr Leben durch die sozialen Netzwerke verfolgen und kriege so einiges mit ...







Dienstag, 10. Dezember 2013

Poesie einer Ausstellung - 12/12/13

Timon Seibel, Martin Piekar und Sophie von Maltzahn
Vor einiger Zeit hatte ich ja angekündigt, dass ich das Geheimnis lüfte, was wir mit der laufenden Ausstellung in der EULENGASSE zu tun haben, wir Dichtungsfans. 
Ich möchte euch alle recht herzlich zu dieser Veranstaltung am 12.12. einladen:


Es ist ein Experiment. Ein Versuch. Ein neues Konzept.
Diesmal kann das interessierte Publikum beim Prozess des Dichtens live dabei sein. 

Die Dichtungsfans werden diesmal zur Ausstellung "Um 20/40" (Konkrete Kunst von DOMINIQUE CHAPUIS, INGRID HORNEF, JIN-KYOUNG HUH, RITY JANSEN HEIJTMAJER, ANNEKE KLEIN KRANENBARG, HELLA NOHL) im Ausstellungsraum Eulengasse dichten. 
Am 12.12. ab 19.30 Uhr werden die fertigen und unfertigen Gedichte mit dem Publikum besprochen. 

Wie läuft das genau ab? 
Am 12.12. werden die Dichter*innen wie bei konventionellen Führungen mit dem Publikum durch den Ausstellungsraum gehen und die Texte, die sie zu den einzelnen Werken verfasst haben, diskutieren. Wichtig sind dabei die Assoziationen und Inspirationen, die das Publikum hat. Gemeinsam wird über die Kunst, die betrachtet wird, verhandelt. 
Die Dichtungsfans haben dabei ein paar leitende Fragen, die sie beschäftigen (welche werden jedoch nicht vorher verraten). 

Achtung, das soll alles kurzweilig werden und nicht zu intellektuell überfrachtet. Keine Scheu also! 

Man hatte schon im Schaffensprozess selbst dabei sein können: am 5.12. (17.00 - 21.00 Uhr) - dabei sind die Fotos unten entstanden (sind von Sophie von Maltzahn und mir geschossen und von ihr optimiert). Was die Fotos mit den Rundenanzahlen und den Stichworten bedeuten soll? Das erfährt man bei der spannenden Veranstaltung am Donnerstag! Es hat mit Würfeln zu tun. ;-)

Mit dabei sind Timon Seibel, Sandra Klose, Martin Piekar, Alexandru Bulusz, Julia Mantel, Jannis Plastargias, Sophie von Maltzahn und andere


Martin Piekar, Timon Seibel, Alexandru Bulusz