Donnerstag, 31. Oktober 2013

Dichtungsfans. Lyrikwerkstatt



Bist du Dichtungsfan?

Julia Mantel, Marcus Roloff, Martin Piekar und Sandra Klose laden Dichter*innen und Interessierte ein. Jannis Plastargias führt durch den Abend.

Wer weiß schon, wo die Lyrik landet, wo sie hinwill. Ob sie Beine hat, einen oder zwei Flügel. Abgesackt zwischen die Zeilen, im Bild verrutscht. Wir schreiben ja alle. Aber warum? 
Das Gedicht breitet sich, ist ein Selbst. Oder wie ein Selbst? Wir sind Jeder. Oder wie Jeder? Wir gärtnern am Sprachbaum. Wir machen Gehäuselyrik, um drin zu wohnen. Nicht nur für uns und unsere für tief gehaltenen, abzutastenden Gefühle, Ernten der Selbstüberschätzung (wie ich, wie du), sondern als Raum für Einschnitte, Kritik, Analyse, die ausgenüchterte Betrachtung – Raum im Wortsinn: ausstellungsraum EULENGASSE (= Seckbacher Landstr. 16, 60389 Frankfurt a. M.)
Vertrackt: ja, unverständlich: ja. Immer her damit. Überholen ohne einzuholen. Eines ist die Eins, ein anderes Tausend. Ersetzt werden können die Möglichkeiten, die Identifikationen, die Bezauberungen des Offenlegens – durch uns. Dabei muss auch klargestellt werden, dass Gedichte keine universelle Deutungsoberfläche besitzen (Funkeln oder Furunkeln), und dass nicht Jeder mit jedem Gedicht kann (Liaison). Entweder das Gedicht spricht (mit mir) oder nicht. Unsere Monologe bricht jedenfalls kein Gedicht ab. (Unsere Monologe jedenfalls spricht uns kein Gedicht ab.)

Sollte man der Lyrik nicht diesen Raum geben, in dem sich ihre Verfertiger mit ihren Fans austauschen, verbinden und anregen können? Wir sind ja selbst Fans (der Sachen der andern). (Oder unsrer eigenen, aber darüber reden wir nicht, bzw. nur indirekt.) Ein Terrain der Auseinandersetzung – vielleicht sogar monatlich – zwischen Gedichten und ihren Fans schaffen:
Treffen, Treffs, offenes Sorgentelefon, Kaffee & Kuchen – jeder sollte sich im Allgemeinen so frei wie möglich bewegen können. Spontan zugleich und bezogen auf Mitgebrachtes. Auf jeden Fall Text mitbringen, Textarbeit verrichten, Lektüre, Lektüretipps, Lesung. Wer mag, kann reinhören. Freie Clusterbildung, Grüppchen, kein Dozieren im hufeisenförmigen Plenum.

Interessierte und andere Außenstehende sollten sich nicht per Anmeldung „qualifizieren“ müssen. Andererseits gilt: SCHREIBEN KANN JEDE/R, MUSS ABER DURCHS LEKTORAT. Arbeit am Gedanken. Das heißt, es gibt Standards: Stimmen die Bilder? Welche Logik steckt im anything goes? Ahme ich Benn nach? Rilke? Hölderlin? Ist meine Sprache überhaupt meine? Gilt der Flow dem Gedanken oder dem Sound, den bestimmte Wörter haben? Klingt mein Gedicht vielleicht nur? Wie denke ich? Welche Form hat mein Denken?

ausstellungsraum EULENGASSE
Seckbacher Landstr. 16
60389 Frankfurt am Main
www.eulengasse.de

19.00 - 22.00 Uhr
Eintritt frei
Anmeldung unter jannis.plastargias@gmail.com

Sonntag, 27. Oktober 2013

3. Diary Slam: Wir brauchen Männer!


Der Diary Slam erlebt gerade einen wahren HYPE. Kürzlich erst im NDR Bücherjournal http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/buecherjournal/media/buecherjournal443.html, davor beim SWR, bei dem man auch Eindrücke vom ersten Diary Slam in Karlsruhe bekommt (den ich ja auch moderiert habe). Blogs schreiben drüber, die Likes steigen auf der Diary Slam Fanpage. Und auch wir organisieren den nächsten Diary Slam in Frankfurt. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass uns Männer fehlen. Ich für meinen Teil leide sowieso immer an Männermangel (ähem!), aber nachdem Bäm, der beim letzten Mal so grandios aus seinem Smartphone las, diesmal wahrscheinlich nicht dabei sein wird (der Schuft ist nach Berlin gezogen), haben wir nur einen Mann dabei (der ist allerdings superwitzig, trotzdem). Also, ihr lieben Tagebuchschreiber, wenn ihr aus der Gegend kommt, dann traut euch zu unserem Diary Slam und lest vor. Die Atmosphäre wird erneut super sein! Das verspreche ich. Das letzte Mal waren fast hundert Leute da, die meisten sehr gut gelaunt. Und ich hoffe, dass sie wieder kommen werden! :-) ALLE! :-) Und dass die Presse diesmal über uns schreibt: Immerhin machen wir Frankfurter einen Hype mit. :-)
Wer den Diary Slam nicht kennt: Die Vortragenden lesen aus ihren eigenen Tagebüchern vor, natürlich den alten, meistens aus der Zeit, in der man 10-18 war. :-) Es wird immer sehr viel gelacht und sich an die eigene Zeit erinnert. Wirklich schön!

Freitag, 25. Oktober 2013

schmerzwach liest: Undercover. Das Gedicht des Abends wurde gewählt


Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte - das war ein Experiment, es war ein Wagnis. Und es ging alles auf. Ein volles Haus, eine wunderbare Stimmung, glückliche Dichter*innen, ein Publikum, das etwas mitgenommen hat, ein Moderator, der am Ende abgekämpft, aber total zufrieden war.
Was war passiert?
Zunächst stellten sich die Frankfurter (ähem) Dichter*innen Sandra Klose, Julia Mantel, Marcus Roloff und Martin Piekar mit eigenen Gedichten vor. (ähem deswegen, weil Sandra aus Offenbach kommt und Martin in Bad Soden wohnt ;-)) Sie waren die Expert*innen an diesem Undercover-Abend. Das bedeutet, dass jede*r einen Gedichtband ins Rennen geschickt hat, die anderen wussten jedoch nicht welchen. Ein bisschen wie "The Voice of Germany" - die Aufgabe war auch ein bisschen zu battlen. In der ersten Runde begann Marcus Roloff mit einem Gedicht von Adrian Kasnitz - die Formulierung "mitmenschen die dich an pickel erinnern" gefiel dem Publikum nicht. Das hatte nach dem Vorlesen die Aufgabe, spontan zu entscheiden, ob der Text gefällt oder nicht. Eher oder nicht in diesem Fall. Es wurden mehr rote Karten (für fail) hochgehalten als grüne. Dann erklärte Marcus den Anwesenden, wieso er ihn ausgewählt hatte ... Eine rege Diskussion entspann sich zwischen Publikum und Expert*innen. Das Eis war also ziemlich schnell gebrochen. 
"Ich mag den Regen" schickt nun Martin Piekar in den Ring, ein Gedicht von Carl Christian Elze (wie gesagt: von wem es ist, wussten weder Zuschauer*innen noch Expert*innen, einzig der Moderator - ich - und die jeweils Einreichenden). Das kam spontan besser beim Publikum an, die Diskussion war allerdings nicht weniger interessant. Es wurden auch ein paar Fragen zur gegenwärtigen Lyrik geklärt (Verschwindet das lyrische Ich aus gegenwärtigen Gedichten? Wieso wird alles klein geschrieben in Gedichten?). Julia Mantels Beitrag "Zuhause" von Magdalena Jagelke wurde spontan mit vielen Gegenstimmen bewertet und polarisierte dann in der Diskussion (vor allem auch in den Pausengesprächen). Ich hatte ausgerechnet diesen Text bei Faustkultur vorgestellt. 
Sandra Kloses Beitrag zuletzt war "Sense" aus den Honigprotokollen Monika Rincks, die dafür sogar einen Preis erhielt. Interessanterweise gab es auch hier recht unterschiedliche Wahrnehmungen. Die Frage: "Ist das überhaupt ein Gedicht?" stand im Raum, "vielleicht doch eher Kurzprosa?" 
Nach regen Diskussionen gab es am Ende dann eine erneute Abstimmungsrunde und Sandra Klose und Martin Piekar setzten sich mit ihren Texten durch. Erst jetzt wurden Jagelke und Adrian Kasnitz als Verfasser*in der Gedichte genannt. Nach der Pause sollte es mit Sandra und Martin weiter gehen, die jeweils einen zweiten Text aus dem gleichen Gedichtband vortrugen. Auch in dieser Zeit unterhielt man sich sehr gut, trank gemeinsam, diskutierte über Lyrik, begann sich zu vernetzen. Ganz super also!
Sandras zweiter Monika Rinck-Text "Affektlehre" kam nicht ganz so gut an wie der erste, hier hielten einige die roten Karten hoch. Martins "ich habe fickende fliegen im kopf" von Carl Christian Elze bekam sehr viel mehr grüne Karten als rote, die Diskussion war aber auch hier spannend. Manche störten sich an dieser "Fäkalsprache", fragten, ob man das Wort "ficken" so exzessiv in Gedichten benutzen müsse. Am Ende wurden auch hier die Verfasser*innen entdeckt, es wurde noch etwas mehr über den ausgewählten Band erzählt.
Es war ein sehr schöner Abend, dieser erste Undercover-Abend, der sicherlich noch eine Fortsetzung findet. Die Dichtungsfans haben nicht nur untereinander spannend und unterhaltsam diskutieren können, sondern es ergaben sich wunderbar intensive Gespräche mit dem tollen Publikum. Das schreit nach mehr!
Für die Dichtungsfans geht es im November weiter: 14.11. ab 19.00 Uhr in der AusstellungsHalle, in Sachsenhausen, Schulstraße 1 a. Eine Art Lyrikwerkstatt, in der man aber auch über Lyrik an sich diskutiert. Eingeladen sind nicht nur Dichter*innen, sondern alle, die sich auch Dichtungsfan nennen könnten, am Prozess des Schreibens interessiert sind. Für Getränke wird gesorgt sein. Wir freuen uns auf redefreudige Diskutanten. :-)





















Mittwoch, 23. Oktober 2013

schmerzwach liest: Eigentlich bin ich ja der ... ähem ... Gehandicapte?!


Der wunderbare Moderator Fabian Stanco
Letztens auf dem Poetry Slam mit dem Thema "Inklusion" las ich diesen Text vor:

„Bist du schwul, oder was?!“, schrie Ali seinen Mitschüler Mehmet an. Letzterer hatte aus Versehen ein bisschen Cola auf ersteren geschüttet, nicht viel, gerade mal so, dass das Mobiltelefon etwas nass wurde. Ich schaute Ali streng an.

„Oh, das habe ich nicht so gemeint, PlastaMasta, ich habe nichts gegen Schwule, das weißt du, Alda!“,  wirft er mir nun entgegen.
Ich schaue wieder streng.
„Also, nicht Alda, oh Mann, Alda ist doch jetzt nicht schlimm.“
Ich lächele ihn unschuldig an.
Solche Situationen erlebte ich damals oft, als Pädagoge. Irgendetwas war schwul – dann fiel der Person, die das Wort benutzte, auf, dass ich in der Nähe war, und dann nahm sie es sofort zurück. Ich war doch cool. Und das Wort „schwul“ habe man einfach so benutzt. Meine Homosexualität wurde irgendwann „normal“, nicht der Rede wert ...

Übrigens: PlastaMasta war nur einer der vielen Namen, die ich von meinen Schülern bekam. Der Hausmeister beteiligte sich an dem Spiel. Eines Tages ließ er den „Herrn Plastikgras“ über den Schullautsprecher ausrufen. Und was war: er wollte gar nichts von mir, nur ein bisschen lachen. Diese Verballhornung sei ihm gerade eingefallen, sagte er stolz: „Witzig, gell?!“

Die Geschichte mit Ali und Mehmet ging weiter. Jaja, ich weiß, einfallsreiche Namen, aber ich muss die Jungs ja schützen, also anonymisieren. Und auch da möchten wir doch nicht auf Klischees undsoweiter verzichten.

Ali regte sich ja noch immer auf – und musste dies zum Ausdruck bringen. „Ey, Alda, du bist echt behindert, warum hast du die Cola auf mich geschüttet?“
Erneut schaute ich ihn an. Gereizt blickte er zurück: „Ey, behindert bist du doch nicht auch noch, oder?“ Mehmet sagte und machte übrigens gar nichts, er setzte sich einfach hin und versuchte Ali zu ignorieren. Völlig zurecht natürlich.

Mehmet war ein Junge, dem die rechte Hand fehlte. Und nennt meine Wahrnehmung schwach oder etwas, aber ich habe bestimmt ein Schuljahr gebraucht, bis mir das tatsächlich auffiel. Und ich spielte Fußball und einmal sogar Basketball mit ihm. Aber das ist eine andere Geschichte. Damit wollte ich Ali jetzt nicht kommen.

Also sagte ich: „Behindert ist noch bescheuerter als schwul. Ich meine, was heißt denn behindert überhaupt?“
Er schaute mich leicht irritiert an und wusste nicht, worauf ich hinaus wollte.

Ein anderer Junge, nennen wir ihn mal Abdel, sagte einmal in meinem Beisein zu seinen Freunden: „Also, ich weiß, dass der Typ Deutsch redet. Ich kenne auch die Wörter. Aber ich weiß einfach nicht, was er mir sagen möchte!“

Das fand ich klug.

In so einer Situation befand ich mich also erneut. „Naja, was ist denn behindert? Bist du behindert, weil du nicht mit den Füßen schreiben kannst?“
„Hä?!“, machte er darauf nur.
Na, kannte ich schon. Meine Argumentationen verstanden meine Jungs in der Schule nie. Manchmal dachte ich, dass sie mich nur mochten, weil ich den Hallenschlüssel hatte und sie mich immer um den Finger wickeln konnten, dass ich mit ihnen in die Halle ging, wenn sie frei war.
„Na, es gibt ja Menschen, die keine Arme haben, und die können mit den Füßen schreiben. Hast du noch nie gesehen?“
„Hä?!“, machte er erneut. Wahrscheinlich zurecht. Ich dachte in diesem Moment, dass es angesichts Mehmet neben uns kein sooooo gutes Beispiel war. Aber das passierte mir immer.
Andere Geschichte ...
Egal, dachte ich dann, da musste ich nun durch.
„Die Leute, die mit den Füßen schreiben, sagen ja auch nicht: Mann, bist du behindert, warum kannst du nicht mit den Füßen schreiben?!“
„Hä?!“, kam es erneut von Ali, dann aber auch ein: „Aber warum sollte ich mit den Füßen schreiben, wenn ich doch mit den Händen schreiben kann? Verstehe ich nicht.“
„Sage ich ja“, erwiderte ich, wusste aber sofort, dass dies nicht wirklich logisch war.

„Auf jeden Fall“, sagte ich, „wird kein Mathelehrer dir sagen, dass du behindert bist, weil du sein Fach nicht schnallst.“
„Aber er sagt, dass ich dumm bin. Ist auch nicht besser!“, sagte er folgerichtig.

Oh Mann! Was ich damit sagen möchte: Hä? Wie erklärt man das richtig? Und überhaupt? Man macht doch immer alles falsch bei dieser Thematik, oder?

Zum Beispiel sind mir nur dumme Beispiele eingefallen, als ich mich jemand bat, einen Text über ´Inklusion´ zu schreiben. Um die Ecke habe ich die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Die hat da ein Haus.
Das erste Beispiel, das ich nehmen wollte, war eine ältere Dame, die mich in der U 5 fragte, ob ich ihr beim Aussteigen an der Musterschule behilflich sein könnte. Nun beging ich einen schweren Fehler. Überengagiert sagte ich: ja. Denn ich müsste da auch raus. Wirklich ein schwerer Fehler. Der Spaziergang – eigentlich eine Fußstrecke von drei Minuten, langsamen Schrittes – dauerte bestimmt fünfzehn Minuten, gefühlte Stunden. Einmal meiner Aufmerksamkeit gewiss erzählte sie mir ihr ganzes Leben nach, das mich nicht sehr interessierte.
Ihr seht: doofes Beispiel. Wirft auf mich ein wirklich schlechtes Licht – und dann auch noch gelästert über eine arme, alte Frau, die wahrscheinlich zu wenig Möglichkeiten hat, sich mitzuteilen. Glaube ich übrigens nicht. Das macht sie mit jedem, der sie begleitet, habe ich oft beobachtet. Ich verstecke mich jetzt immer ganz schnell, wenn ich sie irgendwo sehe, ich schlechter Mensch.

Das zweite Beispiel ist auch nicht besser. Ein weiterer Sehbehinderter. Früher hatte ich eine Videothek in der Straße. Eines Tages parkte ein Fahrer sein Auto geschwind vor dieser Videothek. Nur ganz schnell eine DVD abgeben. Nur ganz schnell seinen BMW davor. Typisch, ne. Da musste aber gerade dieser besagte Kollege entlang laufen. Und dieses Auto stand im Weg, genauer gesagt: es stand da, wo es nicht stehen durfte. Die Strafe folgte auf dem Fuße: Der Sehbehinderte nahm seinen Blindenstock und haute mehrmals absichtlich auf das Auto. Ich verfolgte diese Szene und bekam einen Lachanfall.
Ich weiß, damit habe ich mich auch ins Aus geschossen, und den armen Sehbehinderten mit dazu.

Denn jetzt habe ich gleich mal zwei Beispiele ausgesucht, in denen ich behinderte, äh, gehandicapte, äh, Menschen die anders sind als ich, äh, das sind eigentlich ja alle, äh, also, DIESE Leute, äh, nein, ich meine, ach Gott, das ist jetzt voll schwul, oder?! Also ich meine, äh, nee, behindert, ach nein, das ist, ja auf jeden Fall bin ich ein schlechter Mensch – jawohl und eigentlich bin ICH doch der Behinderte oder Gehandicapte, weil ich nicht normal über dieses Thema sprechen kann. Oder?!

Dienstag, 22. Oktober 2013

Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte


So, jetzt starten die "Dichtungsfans" richtig durch! Am Donnerstag (24.10.) ab 20.00 Uhr werden wir im Blauen Haus mit Lyrik Frankfurt überrollen. :-) Es wird das "Gedicht des Abends" gesucht - diese Veranstaltung ist eine Art Slam, eine Art Diskussionsrunde zwischen Experten und Publikum, ein ganz neues Veranstaltungsdesign, witzig und unterhaltsam, mit dem "Thomas Gottschalk der Literatur" mittendrin statt nur dabei (ähm, ich meine mich ;-)). Aber was ist das alles genau?


Hinter "Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte" verbirgt sich ein neues Veranstaltungskonzept, das als Reihe angelegt ist: für Frankfurt und die schwer zu knackende Gattung Lyrik, für die Interaktion zwischen Autor*In und Leser*In, für eine lebendige Literatur.

Berlin. Leipzig. Hildesheim: Hier steppt der literarische Bär, das sind die Zentren der angesagten neuen Literatur. Sagt man. Und was sagt Frankfurt? Die Lyriker*Innen Sandra Klose (*1994), Julia Mantel (*1974), Marcus Roloff (*1973) und Martin Piekar (*1990) machen sich gemeinsam mit Jannis Plastargias (*1975) auf den Weg, die Lyrik in Frankfurt neu zu verorten und Frischluft ins angestaubte Metapherngekräusel zu bringen. 

Bei der Auftaktveranstaltung werden die Lyriker*Innen jeweils zwei deutschsprachige Gedichte aus einem aktuellen Gedichtband anonym ins Rennen schicken, und hoffen, dass das Publikum wie beim Slam genug grüne Karten zückt, um am Ende das 'Gedicht des Abends' zu küren. Der Moderator vermittelt zwischen Jury und Publikum, beide Gruppen diskutieren darüber, warum es sinnvoll ist, sich ausgerechnet mit dem je ausgewählten Gedicht zu beschäftigen – oder eben nicht. 


Die auf "Verstehen" getrimmten Schulstunden, in denen das Gedicht als Abfragethema missbraucht, nicht aber als Ort augenblicklicher (Sprach-) Schönheit anerkannt wurde, kennen wir alle. Und dabei ahnen wir, dass Gedichte hochkomplexe, verwegene und die Welt aus den Angeln hebende Sprachgebilde sein können. Wir wollen (und können) ihr das Verkopfte nicht nehmen, wollen aber das Gefühl im Gespräch über sie zu seinem Recht kommen lassen. Der subjektive Blick ist entscheidend.

Eintritt: EUR 3,00

Das Blaue Haus ist am Niederräder Ufer. Am besten vom Hauptbahnhof aus mit der Tram 21 Richtung Stadion oder Tram 15 Richtung Haardtwaldplatz fahren, an der Haltestelle H.-Hoffmann-Str./Blutspendedienst aussteigen. Für Autofahrer/innen gibt es auch Parkmöglichkeiten fast direkt vor dem Haus.

Sonntag, 20. Oktober 2013

schmerzwach liest: Local Hero in Karlsruhe

Und auch dieses Jahr war ich beim Bücherbüffet in Karlsruhe, meiner alten Heimat - und der Name der Veranstaltung war ja Programm: Local Hero. Bin ich ein Lokalheld? In Karlsruhe? Naja, wohl eher nicht. ;-) Irgendwie kamen wir auch nicht auf die Punkte zu sprechen, die irgendwas mit Local Hero zu tun haben, aber mei ... Über das Griechisch sein haben wir geredet. Meine Mutter Griechenland eben. Nochmal zurück: Bücherbüffet 2013 also. Ich mag ja die Veranstalterinnen so gerne, Sonia Lauinger, Christine Kern, Jutta Käthler aus der Presse, Marion Lichti als Moderatorin und alle, alle, die da so toll mithelfen. Dieses Jahr habe ich keinen Stand betreut (letztes Jahr vertrat ich ja den Größenwahn Verlag), dafür gab ich Freitagvormittag zwei Workshops zum Thema Literatur (bzw. Geschichten erzählen). Danach wurde ich von einer Lehrerin gefragt, ob ich Schauspieler wäre (sie kam später dazu und hat meine Einführung nicht mitgekriegt) - das machte mich etwas stutzig. :-))) Übrigens sind 7.Klässler/innen IMMER kleine Mistkröten. Hahahaha. War echt eine Erfahrung, diese beiden Workshops, viel zu wenig Zeit, vor allem mit den 8.Klässler/innen hätte ich noch gerne länger gearbeitet. 
Ich war zwar noch länger da an diesem Freitag, die wunderbare Andrea vom Info Verlag besuchen und mit ihr ein bisschen am Stand sitzen und reden ...


Samstagabend dann die Local Heroes ... mit mir - und ganz viel Schnittchen, denn nicht umsonst heißt das Bücherbüffet Bücherbüffet, es gibt auch etwas zu essen. Und zu trinken. Ich finde sowieso: man sollte bei Lesungen immer gut zu  fressen und zu saufen haben - machen wir bei der Lesebühne des Glücks auch so (wenn wir nicht gerade auf Reisen sind, dann gibt es nur Saufen ;-)). Ich weiß nicht, ich möchte auf der Bühne immer so viel erzählen, zum Beispiel, wie ich morgens verpeilt in die Bäckerei gehe und "Dambedei" ausrufe und befremdlich von der Frankfurter Verkäuferin angeschaut werde (Dambedei heißt der Martinsmann ausschließlich in Karlsruhe). :-) Dann wollte Marion darauf hinaus, dass ich Local Hero in Frankfurt (stellte aber dann eine nicht ganz richtige Frage dazu, die mich etwas in die Irre trieb), ich meine, ich hätte einige Dinge aufzählen können, aber ich wusste ja nicht, worum es genau ging, weil das Vorgespräch etwas anders gelaufen ist. :-))) Tja, so ist das mit mir auf der Bühne, ich erzähle nur Quatsch, wenn man mich lässt. :-)))) Aber umso lustiger ist es. ;-) Daher dachte ich, ich bringe ein bisschen Ernsthaftigkeit in die Veranstaltung. Oh jeeeee, und dann bringt meine Figur seine Mutter um. Oh jeeeee. Und noch nicht mal Krimi-Abend. Haha. Das Publikum überfordert? Jede Lesung ist anders. Vor allem, wenn ich dabei bin. ;-) 

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Clubpoesie in der Punkt. Galerie mit den Dichtungsfans


"Ich weiß das wirklich nicht,
denn ich bin kein Gedicht!"
Wie kam nur dieser Satz in meiner Moderation zustande? :-)
Im Grunde wollte ich ja nur darauf hinaus, dass der Text immer mehr weiß als die/ der Autor/in. Womit ich nicht sagen möchte, dass Autor_innen / Dichter_innen / Schriftsteller_innen per se nichts über ihre Texte sagen sollten. Nein, das sollte eher eine Aufforderung für das Publikum sein, immer schön mitzudiskutieren bei Lesungen. Denn das fiel bei unserer ersten spontanen Lesung der Dichtungsfans auf: es kamen sehr kluge Beiträge von den Zuhörer_innen, gerade auch von den Jüngsten. 
Aber mal ganz von Anfang an: Marcus Roloff und Martin Piekar lasen in der Galerie Punkt. aus Gedichten vor, die das Clubbing als Thema hatten. Textclubbing könnte man es nennen, Clubpoesie. Die Galerie Punkt. (von Hannibal Tarkan Daldaban geführt) hat sich im ehemaligen Club Monza eingenistet (einer Club-Hochburg einst), also der geeignete Ort, um genau über dieses Thema zu sprechen. Und es entbrannte nicht nur ein schöner "Lyrik-Battle" zwischen den beiden Dichtern - Marcus Roloffs Texte schienen immer "clubmäßiger", weil "bassiger" zu werden, während die von Martin Piekar weniger "clubmäßig", weil (weiß ich eigentlich gar nicht warum) wurden - gab es auch eine spannende Diskussion über das Clubleben in Berlin bzw. Frankfurt. 
Es ist ja eigentlich spannend, dass man, um Verhältnisse in Frankfurt zu erklären, so häufig Berlin als Vergleich heranzieht. Wieso alles von Berlin abkupfern? Muss dort alles besser sein? Hat Frankfurt nicht sehr viel mehr Möglichkeiten, weil einfach das Geld da ist? Das sollte man doch als Ressource nutzen, das ist die Chance, gerade von Künstler/innen ohne Förderung - biete einen Raum, in dem spannende Dinge passieren, versuche Menschen anzuziehen, die sich dafür begeistern, nimm Geld dafür ein ... Oder so ...
Aber eigentlich ging es ja um das Dichten und das Clubben. Und es liegt mir wirklich fern, nun die gesamte Diskussion hier zusammenzufassen, Gedanken wie der von Martin Piekar, dass der Club an sich schon eine "Verdichtung" sei, das "Fehlen einer Sprache, die das Geschehen im Club abbilde", wie Marcus Roloff anfangs meinte (zumindest habe ich ihn so verstanden), ein Standpunkt, der sich meines Erachtens in der Diskussion auflöste. Interessant war, dass aus der Richtung der Jugend der Einwand kam, dass man die ganze Zeit von "Clubs" rede, es aber nicht so ganz klar sei, welche Art von Club gemeint sei - Techno? House? Gothic? Charts? Black Music? etc. - woraufhin eben diese Debatte über Frankfurt / Berlin entbrannte ... Achso, und Julian Bennecker hat erneut Martin Piekar mit Gitarren-Klängen unterstützt, was sehr viel Anklang fand. :-) Und ich war meistens eher nachdenklich und konzentriert, wie man am Bild sieht. ;-)
Es war eine spontane Veranstaltung, es war eine, die wohl nicht nur dem Publikum Spaß bereitete - und die, wie ich denke, Geschmack auf mehr macht. Daher freue ich mich sehr auf unsere nächste: 
UNDERCOVER! Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte, am 24.10., ab 20.00 Uhr, im Blauen Haus am Niederräder Ufer, Frankfurt. Dort stoßen unsere zwei Damen hinzu: Julia Mantel und Sandra Klose.
Mehr dazu hier: http://www.unvermittelbar.de/2013/09/18/823/





Dienstag, 15. Oktober 2013

schmerzwach liest: Gedanken zur Buchmesse 2013


Buchmesse-Krankheit. a) Während der Buchmesse überall stehen bleiben zu müssen, was nach Empfang oder freien Alkohol und freies Essen aussieht, b) irgendwann weder Bücher noch weitere Besucher_innen sehen zu können und c) hinterher kaputt und vor allem erkältet zu sein. Ich bin erkältet! Bääääm. War ja klar! Ach, d) habe ich vergessen: Das Buchmessen-After-Tief - da vermisst man plötzlich das viele bunte Treiben, diese Knechtschaft, den wenigen Schlaf, diesen ganzen Stress. :-) 
Nein, um ehrlich zu sein: Ich hatte noch nie so wenig Stress wie auf dieser Buchmesse. Termine hatte ich genug, aber gerade richtig, die meisten waren aber mit total netten Leuten, mit "Cleo trifft die Stars" zum Beispiel, einer wunderbaren Journalistin aus Augsburg, die ich letztes Jahr bereits bei einer Weinprobe auf der Buchmesse kennen lernte. Sie liebt Guido Maria Kretschmer genauso wie ich. :-) Sie machte mit zwei Autoren von Liebe und andere Schmerzen und mir ein spontanes Interview für Mega Radio. Auch die FAZ Online interviewte mich ganz kurz, ich sollte etwas zum Thema "Lohnt es sich für kleine Verlage zur Buchmesse zu kommen" sagen. Der Termin wurde auf der Open Books Party im Literaturhaus ausgemacht - das ist schönes, unterhaltsames Arbeiten. Apropos Open Books Party: Ich wurde noch nie, nie, nie von so vielen liebenswerten, attraktiven, heterosexuellen Männern umarmt wie bei dieser Party. Ach, das war wirklich sehr schön! Und natürlich hatte ich da erneut die tollste, schönste und liebste Begleitung der Buchmesse, Caro, bei mir - und die beiden Herren von Voland & Quist, ohne die ich mir die Buchmessen nicht mehr vorstellen kann und möchte.
Meine liebste Lektorin der Welt, Susi, stellte mir diesmal ihre Familie vor, die ich liiiiiiiieeeeeeebeeeeee! Besser geht gar nicht. Mit ihnen war ich Curry Wurst essen. Und die Farbe der Soße ist nicht etwa vom Filter verfärbt, nein, die sah so aus. Das machte mir Angst, deswegen sollte Yola Beweisfotos machen. Fall sich tot auf die Agora falle. Was nicht passierte. Allerdings bekleckerte ich mein weißes Hemd mit Currysoße. Was doof war. Denn bei dem Empfang vom Größenwahn Verlag zu unserer Liebe und andere Schmerzen gab es nicht nur Schnaps, sondern eine ARD Reporterin, die mich mit iPhone für einen Vlog aufnehmen wollte. Thema "Coming-out Day". Mein Coming-out-Satz hieß dann auch: "Ich oute mich als Menschen, der keine Currywurst essen kann, ohne sich zu beflecken!" :-))) Apropos Beflecken ... ach, das lass ich lieber jetzt ... :-)
Es ist so vieles passiert in den fünf Messetagen, so viele Geschichten habe ich zu erzählen, so viele schöne neue Bekanntschaften, so vieles, was sich schon in zwei Tagen weiter entwickelt hat, weitere Treffen, die geplant sind, Freundschaften, die sich entwickeln, ohne sie nun namentlich zu nennen - diejenigen wissen das schon. :-) Ich könnte hier noch Seiten befüllen - von Jungs, die wir auf dem Virenschleuder-Preis aufgabelten (wir: wunderbare Mädels und ich), zur Apfelweinkneipe mitnahmen (muss so sein!) und nun alle befreundet mit ihm sind (auf Facebook und Twitter ;-) also, ich zumindest). Oder von lustigen Gesprächen auf Buchmesse-Partys oder Empfängen (siehe Facebook, da gibt es ein Bestof davon), von Lesungen (wie die unterhaltsame Lesung zum Wursthannes von Peter Koebel - michason & may) oder Gerrit Wustmann oder Marcus Roloff in der schönen Heustenstamm-Galerie. 
Ich könnte auch vom Sektempfang des Quer Verlags erzählen, der dieses Jahr besonders unterhaltsam war (dank Annette von luxbooks) oder auch Angelo von queer.de. So vieles könnte ich noch erzählen.
Aber zu Büchern und Co. habe ich kaum etwas erzählt. Hm. Weil es unwichtig war? Nein, sicher nicht. Genetzwerkt habe ich wie immer, neue Projekte besprochen, Ideen gesammelt, geredet etc. Aber ich war dieses Jahr auf keiner einzigen Info-Veranstaltung, habe Ebooks und neue Technologien links liegen lassen - ich wollte mich dieses Jahr auf schöne Bücher konzentrieren, schön gemachte, schön geschriebene Bücher. Einfach nur das. Empfohlen von Menschen, die einen guten Geschmack haben, denen ich vertraue. Ganz einfach. Gekauft habe ich mir die schönen Bücher dann am Messe-Sonntag. Viel anderes ging da aber auch nicht mehr ... :-)













Donnerstag, 10. Oktober 2013

schmerzwach liest: Buchmesse erster Tag


Ein ereignisreicher erster Tag auf der Buchmesse ... mit Pressetermin auf dem Walk of Fame, mit Johann Lafer, der Maus und Sid - und meinen Kolleg_innen vom Größenwahn Verlag, der wieder einen sehr schönen Stand hat ... Viele Menschen, sogar ohne Verabredung, getroffen - und dann auch noch die Eröffnung zur Ausstellung utopia.doc und ich nur am Lachen (auf den Bildschirmen der Installation) und meine Lampe auch ganz prominent ...