Dienstag, 25. August 2015

Theke.Texte.Temperamente - Zwei Export und eine gemischte Tüte


Schon die Altvorderen wussten unter rostigen Trinkhallendächern: Ein kühles Bier stößt man nicht von der Tischkante, schon gar nicht am Stehbierausschank, wo die Seismologen des Belanglosen auf die Chronisten des Unvermeidlichen treffen.

Und so wurde von den Durstlöschbeauftragen des t.t.t - Teams ein schöner Ort für die nächste Veranstaltung gefunden:
Eine malerische Trinkhalle, unweit des Qualitätsecks in Sachsenhausen, schön auf einem Grasstreifen an der Krezung Holbeinstraße / Burnitzstraße gelegen.

So ist etwa "Der kleine Versager" kein Aufklopfgetränk für kioskaffine Junggesellinnenabschiede, sondern ein von triefender Schwermut durchzogenes Meisterwerk der Hochkomik, so wissen es zumindest die Kulturgazetten zu berichten.
Geschaffen wurde dieses Werk von Igor Semyonowitsch Shteyngart, der, geboren in Leningrad, es später vorzug, sich Gary Shteyngart zu nennen.
Seine Kindheit wurde geprägt durch das Fehlen eines Fernsehgerätes und das Tragen schrecklicher Hemden, wobei gerade letzteres ein Schicksal ist, welches er wohl mit unserem Patrick Neuntausend gemeinsam hat.

Meisterwerk oder totaler Mist? Unser Team verrät es Euch!



Als Local Hero im weitesten Sinne haben wir uns noch ein weiteres, dafür jedoch recht übersichtliches Werk von Guido Rohm, seines Zeichens katholizimusgeschädigter Fuldaanwohner, unter den Bierdeckel gelegt - nämlich: "Der Vorstellungskünstler", digital erschienen im Astikos - Verlag und bei Gefallen zum Preis eines halben Herrengedecks downloadbar.

Moderiert wird die Diskussion in bekannter Promilleresistenz wie immer von Jannis Plastargias. Mit ihm argumentieren und streiten Andrea Baron, die den Küstennebel gegen Mispelchen eingetauscht hat und Martin Piekar, dem Lyriker, der wie kein anderer verzückt dem Klang der Eiswürfel in seinem Whiskeyglas lauschen kann, ohne sich dabei zu langweilen.

Musikalisch umrahmt wird das Ganze von Patrick Neuntausend am mobilen Plattenspieler.

Kommt zeitig, eventuell mit irgendetwas zum Draufsetzen.

Wir beginnen bereits um 19 Uhr mit ein wenig lauschiger Beschallung und gegen 20 Uhr mit der Buchbesprechung.

Bei Mistwetter gehen wir einfach in die Alte Liebe am Lokalbahnhof.

Das wird ein besonderer Abend, wir freuen uns schon auf Euch.

Der Eintritt ist frei, jedoch freuen wir uns über eine Spende in den Hut, damit wir die Unkosten decken können.

//i.A. Patrick Neuntausend

Wir danken für die Photografie:
Frank Schubert // www.frankschubert.info/

Wir danken für das Artwork:
Florian Heiberger // www.e-cine.de

Wir danken für den Support:

Trinkhalle Holbeinstraße
Binding Brauerei / Radeberger-Gruppe
Linie 11
Rowohlt Verlag
Astikos Verlag
Laiki "Moonshake" Kostis

Trinkhalleninformation:
http://on.l-11.de/?129

http://www.frankfurt-sachsenhausen.de/cms/pages/sachsenhausen-a-z.php/T-Trinkhallen-Trinkhalle-Holbeinstra-e-7fe81a,34400684

Bücherinformation:
http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/Gary_Shteyngart_Kleiner_Versager.3268762.html

http://astikos.de/urban-lesen/vorstellungskuenstler/

Donnerstag, 20. August 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (11-15)


Meine Erlebnisse als Pädagoge (11):
Ich war mal bei einem Praktikum an der gleichen Grundschule wie mein Lieblingsneffe.
In einer großen Pause sprang er um mich herum und ich sah, dass der Schnürsenkel an seinem rechten Schuh offen war. Ich bedeutete ihm mit Zeichen, dass er ihn zubinden sollte, aber er lachte nur. Ich sagte: Komm her! Und dann band ich ihn halt zu, ich bin ja schließlich ein konsequenter Pädagoge. 
Am Mittag hatten wir eine Konferenz und es wurde über Maßnahmen geredet, wie man "wilde Jungs" etwas zähmen könnte. Ich war leicht irritiert (ihr wisst schon, ich denke: Kinder sind halt da, um laut und nervig zu sein, das ist ihr Job!)
Da schaut mich meine anleitende Lehrerin an und sagt: "Sie spricht von Schülern wie dem, dem du heute morgen den Schnürsenkel zugebunden hast!"
Ich lächle sie an: "Das war übrigens mein Neffe!"
Sie sagt nur: "Oh!" und schaut peinlich berührt nach vorne.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (12):
Im Schülercafe in einer Karlsruher "Brennpunktschule" diskutierten wir, meine Kollegin und ich, darüber, was wir machen würden, wenn wir im Lotto gewinnen sollten. Ein paar Schüler/innen saßen dabei und hörten zu. Ich sagte, dass ich mir eine wunderschöne Villa mit vielen Zimmern kaufen würde und dass darin alle meine Freunde wohnen sollten. Ich beschrieb ein bisschen, was ich mir alles so vorstellte, Wellness, Schwimmbad, kleines Kino und so. 
Und dann sagte ich: und ich würde jedem, den ich kenne und mag, etwas schenken. Nun beteiligten sich die Schüler/innen, wünschten sich dies und das, Nintendo whatever. Ein Schüler sagte erst einmal nichts - ich blickte ihn an und fragte: Und was ist mit dir? 

Er lächelte mich an und sagte: Ich hätte gerne ein Zimmer in deiner Villa.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (13 a):
In Karlsruhe gab es früher eine Lieblings-Ausflugs-Veranstaltung: mit der gesamten Schule in die Eislaufhalle gehen.
Ich durfte einmal mit der Schule aus Geschichte 12 hin, der liebenswerte Schüler (6.Klasse) war auch mit dabei. 
Also, ich schlitterte gerade über die Eisbahn, froh, mir nicht Hals und Bein zu brechen, da sah ich diesen Schüler mit seinen Kumpels. Er streckte seine Hand aus und bedeutete mir, sie zu halten. Ich muss etwas verwirrt geschaut haben, er sagte daraufhin: Leute, wir fahren jetzt alle zusammen und halten uns an der Hand! Die anderen so: Yaaaayyyyy! Und ich so: Okaaaaayyyy!

Also, fuhren da sieben oder acht Jungs Händchen haltend Schlittschuh, der ganz rechts war etwas größer als der Rest.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (13 b):
Beim nächsten Mal Eislaufhalle war ich an einer anderen Hauptschule, im ärmsten Viertel von Karlsruhe. Am ersten Praktikumstag wurde mir gesagt, dass meine Kommilitonin und ich am zweiten Tag die Klassenlehrerin bei diesem Ausflug vertreten sollen. Schön und gut. Wir kannten die Schüler/innen noch nicht, erst auf dem Weg zur Eislaufhalle gaben uns die anderen Lehrer/innen zu verstehen, dass diese ungefähr Zwölfjährigen "verhaltenskreativ" waren ... Wir sahen das aber eher sportlich und dachten: davon machen wir uns ein eigenes Bild.
Es fing damit an, dass zwei Schülerinnen vor mir standen und zueinander sagten: "Nein, oder? Das ist er!" und mir es langsam dämmerte. Vor allem, als es dann hieß: "Wir haben dich damals im Freibad kennengelernt."
Vorgeschichte: Mein damaliger Freund und ich waren mit einem anderen Pärchen im Freibad gewesen, die knutschten wild herum, während sie von dem Umstehenden angegafft wurden, unter anderem von diesen zwei Mädchen. Einer der beiden sprach diese an: "Warum starrt ihr uns so an? Wollt ihr mitmachen, oder was?" Immer schön provozieren dachten mein Freund und ich und verdrehten die Augen. Aber nun begann eine Diskussion zwischen ihnen, die zur Folge hatte, dass sich die zwei Jungs mit den Mädels ganz gut verstanden und letztere entschieden, sich eine Stunde später von der Mutter abholen zu lassen. Was ich schon kurios fand.

Wieder zurück in der Schule. Ich dachte nur: OMG! Das kann ja heiter werden, so schnell wurde ich wahrscheinlich auch noch nie an einer Schule geoutet. Und dann auch noch in einer Klasse, vor der ich gewarnt wurde ...

Meine Erlebnisse als Pädagoge (13 c):
Nun waren wir also in dieser Eislaufhalle mit der nicht ganz einfachen Klasse, doch meine Praktikumskollegin und ich dachten: wir machen unsere eigenen Erfahrungen mit ihnen, lernen sie alle erst einmal kennen. Also befassten wir uns mit jedem / jeder von ihnen ... 
Ich entdeckte einen Jungen, der total souverän über das Eis flitzte und Pirouetten drehte, lobte ihn dafür und fragte ihn, warum er das so gut könne. Er freute sich natürlich sehr und versuchte daraufhin, mir ein paar "Tricks" beizubringen - verlorene Liebesmüh bei mir!
Auf dem Rückweg zur Schule fragte er, ob wir mal wieder zusammen Eislaufen gehen könnten, es habe so Spaß gemacht. Ich antwortete: Ja, sicher. Dann wollte er meine Nummer haben. DAS irritierte mich natürlich sehr, überrumpelt gab ich sie ihm und hoffte, dass er sich niemals melden würde ...


Meine Erlebnisse als Pädagoge (14):
Nun war ich an dieser Schule mit den schwierigen Schülern und musste gelegentlich schlucken, aber insgesamt lief es super und ich wurde sogar zum Sommerfest eingeladen (samstags nach dem Praktikum).
 Ich stand bei einem fünfzehnjährigen Schüler, der offensichtlich als der attraktivste Junge an der Schule galt, und ein paar Mädchen quatschten ihn an. Er wurde gefragt, ob er eine Freundin habe. Er sagte ganz ruhig: "Nein, habe ich nicht." Dann schielte er mich von der Seite an und sagte: "Aber ich bin trotzdem vergeben." Er legte seinen Arm um mich und ich schaute ihn äußerst verwirrt und übertölpelt an und fragte: "Ähm, wie meinst du das?"
Er blickte mir in die Augen, lächelte breit und meinte: "Du weißt genau, was ich meine."
Die Mädchen schauten uns verwirrt an und ich musste laut auflachen. Es wurde ein lustiges Sommerfest, irgendwie.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (15):
Ein Schüler fügte mich damals auf SchülerVZ hinzu, eine weitere Schülerin tat mich in die Gruppe "Berlin Studienfahrt". Dort schrieb jemand: "Ich nehme zwei Flaschen Vodka Red mit. Und ihr so?" Ich schrieb darunter: "Ihr Vögel, ich kann hier mitlesen - und bin eure Betreuungsperson." Haha. Schwach antwortete jemand: "Das war doch nur ein Scherz!"
Als ich dann meine erste Kontrolle im Hostel machte, wechselte eines der Mädchen gerade die Bettwäsche. Auf dem Spannbetttuch war ein gut sichtbarer roter Fleck. Vodka Red, würde ich mal vermuten. „wink“-Emoticon Ich sagte: "Aha, da ist schon etwas Alkohol ausgelaufen, was?" Die Erwiderung war: "Ne, ne, das war von den Vorgängern. Wir haben doch keinen Alkohol dabei!" Ob ich das glaubte? 

Montag, 17. August 2015

Bahnhofsviertelnacht 2015



Auch dieses Jahr bin ich bei der Bahnhofsviertelnacht vertreten und zum dritten Mal hintereinander im Programm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Nachdem ich vor zwei  Jahren eine kleine Präsentation zur RotZSchwul gemacht habe, im letzten Jahr im Waschsalon in der Moselstraße lesen durfte, gibt es dieses Jahr einen neuen Höhepunkt: ich lese in einem wunderschönen Oldtimer Bus. Yeah! :-) Wer mich hören möchte, ich bin um 19.40 und 22.20 Uhr dran - und lese aus einer noch unveröffentlichten Geschichte vor. Eine Weltpremiere also! Denn die Story wird es dann erst ab Mitte September in der Anthologie "Frankfurter Verkehrsliteratour" zum Lesen geben. :-) 


Der Botanische Garten, den man über den Grüneburgpark erreicht, war mein erster Zufluchtsort in Frankfurt. Mein erster Ort, den ich als Heimat betrachtete. Ich kämpfte in den ersten Monaten in Frankfurt nicht nur mit Fremdheitsgefühlen, sondern auch mit Liebeskummer, schwerem Liebeskummer. Es war klar, dass ich irgendwann eine Geschichte schreiben musste, die im Botanischen Garten spielt, sich um Liebeskummer dreht, um Botanik und um eine raffinierte Rache. Seid gespannt! :-)

Samstag, 15. August 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (6-10)


Meine Erlebnisse als Pädagoge (6):
"Herr Plastikgras, bitte zum Hausmeister kommen! Schnell!" So schallte es durch die Schulflure. Ich saß unschuldig im Büro der Schulsozialarbeit und dachte: Whuuuuut?! Meine Kollegin schaute mich belustigt an: "Was hast du denn jetzt schon wieder ausgefressen, Jannis?!" - "Äh, nix!"
 Eine Regel gab es an dieser Schule: Leg dich niemals mit Frau K. aus dem Sekretariat an - und niemals mit Werner, dem Hausmeister. Ich raste also über den Schulhof, immer mit Überlegungen, was ich falsch gemacht haben könnte. Die Schlüssel-Krise: erledigt! Die Sporthallen-Krise: Nein, damit hatte Werner nix zu tun, war aber auch schon erledigt! Hm ...
Vollgeschwitzt gelangte ich an die Türe seines Raums, klopfte. Er strahlte mich an, der Werner, und ich fragte: "Was ist denn passiert?" 
Und er lächelte mich glücklich an: "Plastikgras! Hahaha. Das habe ich mir lustig ausgedacht, gell. Haha. Nichts ist! Warum bist du eigentlich hergekommen?" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (7):
Ein Quell witziger Geschichten war eine Studienfahrt nach Berlin mit dem zehnten Klassen - vermutlich sollte ich das eine oder andere Erlebnis verschweigen, doch das eine oder andere kann ich vielleicht erzählen. 
Ich hatte mir den Abend "frei genommen" und Freunde in Berlin getroffen. Um zwei Uhr nachts kehrte ich in unser Hostel zurück, dem "Generator". Ich dachte, ich schaue mal, ob meine "Schäfchen" alle schlafen. Als ich zum zweiten Mädchen-Zimmer kam, öffnete sich die Tür und die Damen schritten langsam heraus. Irritiert blickte ich sie an: "Warum seid ihr wach um diese Uhrzeit?" Sie sagten, sie könnten alle nicht schlafen und wollten einen Spaziergang machen - ob ich sie begleiten würde. Na klar, sagte ich, wir gehen ganz kurz an die frische Luft und kommen dann wieder nach oben. "Aber dann schlaft ihr sofort, ne!" 
Sie waren einverstanden und so wurde es auch gemacht. Als wir an der Rezeption vorbei liefen, hieß es: "Hm, wissen eure Pädagogen, dass ihr hier nachts rumrennt?"
"Jupp, ist dabei", antwortete ich. Wir sprangen ein bisschen draußen herum. Gingen dann wieder nach oben. Ich geleitete sie an ihr Zimmer. Dann plötzlich eines des Mädchen: "Schlaf doch bei uns, Jannis!"
Ich antwortete, dass das nicht ginge, ich als Pädagoge und so, als Mann blablabla. Die verständnislose Antwort der Mädels: "Aber du bist doch eh schwul und machst uns nichts!"
Ich musste herzhaft lachen. 


Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 a):
Auf dieser besagten Berlin-Studienfahrt gab es diesen letzten Abend, bei dem wir irrsinnigerweise mit allen Sechzehnjährigen der Stufe in einen Berliner Club gingen, in dem schon gefühlt eine Million Schüler/innen mit ihren Pädagog/innen drin waren. Und da sollten wir darauf achten, dass sie nicht mehr als zwei Bier trinken - ist ja nicht so, dass sie in der Masse dann doch alle gleich aussehen ... „wink“-Emoticon
Irgendwie haben wir es überlebt (mit Schrammen zwar - selten wurde ich so oft weggeschubst wie mit diesen wild gewordenen Jugendlichen), und stiegen geschafft in die Tram Richtung Hostel. Nur hatte ich ziemlich viel Hunger und sagte meinem Kollegen kurz vor dem Aussteigen, dass ich noch was zum Essen bräuchte, einen Döner oder so. Sofort meldete sich eines der Mädchen, fragte ihn, ob sie mitdürfe, sie habe auch so Hunger. 
Gut, wir zwei also in diesen absurden Döner-Laden, nach Mitternacht, nur Männer saßen drin, tranken Bier und schwatzten. Dann stiefelte dieses sehr hübsche Mädchen neben mir da rein und zwei Dinge passierten: a) staunten die Typen es mit weit aufgerissenen Augen an, pfiffen und klatschten, b) schauten sie mich an, schnalzten anerkennend mit ihren Zungen und riefen unisono aus: "Alta, DU hast es drauf!" 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 b):
Immer noch auf der Studienfahrt in Berlin, die Döner in der Hand, beschließen wir (die Schülerin und ich) uns in den Hof des Hostels zu setzen und da zu essen. 
Sie ist der Anziehungspunkt der Jungs hier unten, sie sind etwa 13-14 und schauen die ganze Zeit zu ihr rüber. Sie juckt es wenig, sie möchte rauchen, hat aber keine Kippen. 
Irgendwann fasst sich einer diesen Jungs ein Herz und redet sie an, er hätte eine Wette laufen, ob er ihre Nummer bekomme ... Sie gibt sie ihm natürlich nicht. War eh klar, viel zu jung, der Kleine, und so.
Ich möchte ihr einen weisen Rat (als Pädagoge) geben und sage: "Das war nicht so clever gerade. Die haben Kippen und du möchtest welche haben. Wieso nicht tauschen? Zigaretten gegen Telefonnummer. Meinetwegen auch eine falsche." Ich lächele sie verschmitzt an.
Sie schaut mich an: "Stimmt, hätte ich selbst drauf kommen können!" Dann ruft sie den Jungen wieder zu sich. 
Ich muss kichern. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (8 c):
Immer noch in Berlin, draußen mit dem hübschen Mädchen und den Jungs. Ich bin froh, dass ich diese schwarze, kuschelige Winterjacke vom Schüler N. anhabe. Das kam übrigens so: Zuhause in Frankfurt war schönes Wetter, so zog ich optimistisch meine neue Lederjacke an und machte mich auf den Weg nach Berlin. Kaum dort angekommen fror ich sehr. Dann sah ich N. mit seiner dicken Jacke und war neidisch auf ihn. Er wiederum erblickte meine coole Lederjoppe und wollte sie gerne einmal anprobieren. "Großzügig" tauschte ich sie also mit ihm: er stand vor dem Spiegel und ich sagte: ah und oh und wie gut steht dir die denn? Und er so: Ja, stimmt, gell, leihst du sie mir bitte, bitte aus? Und ich so: Hm, die ist neu und ich weiß ja nicht, sie ist schon cool und so, und nicht, dass du sie irgendwie verschandelst, ... aber ... ach, weil du es bist, N., dir kann ich ja vertrauen. Wenn du sie haben möchtest, dann nehme ich einfach deine. So waren wir beide glücklich - ich aber noch glücklicher als er, was er nicht wusste. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (9):
Wir waren mal wieder im Schwimmbad (Miramar) und ich sah meine Jungs im Whirlpool. Da bei ihnen kein Platz war, wollte ich in den benachbarten rein, fragte die Mädchen (die nicht zu uns gehörten), ob ich mich dazu gesellen dürfte. Ein rasches Ja vom ersten Mädchen - als ich jedoch schon fast saß, sagte das zweite Mädchen: Aber nicht, wenn Sie zu den Jungs da gehören. 
Zu spät, erwiderte ich, ich bin schon drin. Sie grummelten vor sich hin, die Jungs kommentierten belustigt (und etwas blöde). Ich sagte zu den Mädchen: Ja, ich weiß, die sind auf den ersten Blick etwas proletisch, aber eigentlich sind die total süß und liebenswert, echt. Und dann zeigte ich auf den ersten Jungen und ließ eine Lobeshymne folgen. Dann auf den zweiten usw. 
Sie kriegten das Ende auf jeden Fall nicht mit, weil sie schon längst aus dem Whirlpool verschwunden waren. Das fand ich seltsam. Ich fragte mich, wie sie von den Jungs angemacht worden waren ...
Ich rief zu ihnen rüber: Ich glaube, ich muss einen Kurs mit euch machen: Wie flirte ich mit Mädchen. 
Haha, lachten die, als hättest du es besser drauf, du hast sie ja wohl ganz vertrieben.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (10):
Der süßeste "gleichgeschlechtliche" Kuss begegnete mir übrigens in einem Praktikum in einem evangelischen Kindergarten vor fast zwanzig Jahren. 
Wir besprachen im Stuhlkreis irgendetwas zum Thema "Freundschaft" (ich kann mich gar nicht genau erinnern), als plötzlich ein fünfjähriger Junge aufstand und dem Jungen neben sich einen total spontanen Kuss auf die Wange drückte. Wir schauten den Jungen leicht irritiert an und er sagte fröhlich: "S. ist einfach ein total guter Freund, ich mag den!" 

Samstag, 8. August 2015

Guido Rohm: Der Vorstellungskünstler


Das muss man sich mal vorstellen: Ohne diese sozialen Netzwerke hätte es dieses Werk nie gegeben. Wenn ich Guido Rohm nicht auf Facebook kennengelernt hätte, und er nicht Marion Vina und ich dann nicht Marion Vina. Verrücktes modernes Leben!
Ja, astikos ruft euch, hatte ich euch letzte Woche geschrieben - und jetzt stelle ich euch das erste ebook, das man bei uns kaufen kann, vor. Ich durfte es lektorieren, aber sehr viel wertvollere Arbeit leisteten zuvor Guido Rohm (er schrieb die Erzählung) und Marion Vina (sie illustrierte die Erzählung). Und danach, das möchte ich auch nicht unterschlagen, stellte Nikk Schmitz das ebook her und jetzt vertreibt es Daniel Bräuer. Ein Buch ist immer eine Zusammenarbeit - und sie ist auch das, was Spaß macht. Das Schreiben oder Illustrieren an sich ist ja eine einsame Sache ...

Also, worum geht es nun im Vorstellungskünstler?

Alles ist. Alles ist, weil er es sich vorstellt. Eine Katze namens Van Gogh existiert nur, weil Marius sie imaginiert. Angela Merkel fährt an seiner Seite U-Bahn, Justin Bieber auch. Sein Vater verschwand, weil er es sich vorgestellt hat. Vielleicht passiert alles auf der Welt nur deswegen, weil er es sich das vorstellt.

Er ist der größte Vorstellungskünstler aller Zeiten und wohnt in Frankfurt. Vielleicht gibt es Frankfurt jedoch gar nicht, diese Stadt wirkt so unwirklich. Gibt es diesen Marius überhaupt? Und wie gehen die anderen Menschen mit ihm um?

Und hier könnt ihr das Buch noch kaufen: http://astikos.de/urban-lesen/vorstellungskuenstler/

Viel Spaß beim Lesen!!!

Donnerstag, 6. August 2015

Meine Erlebnisse als Pädagoge (1-5)


Meine Erlebnisse als Pädagoge (1):
Ein schwuler Pädagoge (ich) macht einen Ausflug mit seinen Schüler/innen (7.Klasse) in die Moschee nach Darmstadt. Ein vorwitziger Schüler (Muslim) meldet sich und fragt die Dame, die die Führung macht: "Wie ist das eigentlich mit Homosexualität im Islam?" Sie schaut ihn irritiert und unsicher an, sagt dann so etwas wie: "Ja, also im Koran steht, dass das verboten ist, also ..."
 Schaut mich der belustigte Schüler an und meint: "Pech gehabt, was, Jannis?!" Ich verdrehe die Augen und denke amüsiert: Mistkerl!
 Später sitzen wir im Freizeitraum der Moschee-Gemeinde, die Kinder spielen, die Dame wendet sich an mich, sagt: "Also, vorhin, also, das tut mir Leid, also, das ist ja nicht meine persönliche Meinung, ich habe gegen diese Leute nichts." Und ich denke: Lady, das macht es jetzt nicht besser. Aber sage: "Schon gut! War sonst eine sehr informative Führung, danke!" und lächle sie allerliebst an.

Meine Erlebnisse als Pädagoge (2 a):

Es ist Sonntag, keine Schulzeit, aber ich treffe mich trotzdem mit den Schülern zum Ausflug, denn das wichtige Pokalspiel der Lilien gegen die Hertha aus Berlin steht an. Die Zeit ist knapp, die Einverständniserklärungen eingesammelt - doch, halt! Da ist eine zu viel. Sag mal, soundso, du hattest dich nicht angemeldet, ich habe kein Ticket für dich. Ja, aber ... wir könnten noch am Ticketshop in der Stadt vorbei, noch ein Ticket holen. Der gelassene Pädagoge, der 90 Minuten Pokal-Gekicke eigentlich nicht ganz so spannend findet, wendet ein: Dann kommen wir zu spät. Macht nichts, sagen die noch gelasseneren Schüler. Also, Umweg über den Ticketshop und es kommt, wie es kommen musste: Wir schaffen es zwar noch rechtzeitig zum Anpfiff, aber nicht zu unserem Block. Macht nichts, sagen die coolen Schüler, dann gehen wir zu diesem Block da, sieht nicht so voll aus, und zeigen auf den gegnerischen Fanblock. Ja, aber da stehen die Gegner, sage ich. Macht nichts, macht nichts, erwidern sie. Dann stellen wir uns eben zu den Hertha BSC-Fans, da macht auch ein Türke mit. Neben uns stehen ebenso KSC-Fans (befreundet mit den Berlinern). Wir sind alle Fußball-Freunde und ganz easy. Die Lilien verlieren ganz knapp, aber macht ja nichts, sieh haben ja gekämpft, sagen die Schüler sportlich. Einer meiner Schüler steht ganz nah am Gitter, die Lilien Spieler laufen vorbei und er schaut sie strahlend an: "Kriege ich dein Trikot, Alta?" ruft er einem von ihnen zu. Der Darmstädter ist ganz verblüfft, dass ein Hertha-Fan sein Trikot möchte und reißt es begeistert vom Leib und schmeißt es über das Gitter. Mein Schüler überglücklich und am nächsten Tag der Held der Schule. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (2 b):
Nach dem Fußballspiel gehen wir gechillt Richtung Tram, plötzlich rennen gefühlt zwanzig Polizisten entschlossen an uns vorbei. Wir schauen nach vorne, und, ach ja, ein Pulk von Hooligans kloppt sich. Wir bleiben gelassen, versuchen außen rum zu gehen, schaffen es unversehrt in diese Tram mit Millionen Fußballfans. In meinem Kopf haben sich mittlerweile mehrere Szenarien abgespielt, was am nächsten Tag im Darmstädter Echo stehen könnte: "Schüler und Sozialarbeiter liegen nach dem Pokalspiel verletzt im Krankenhaus" undsowas. Ein Schüler schaut mich an, fragt mich, ob ich Single sei. Gedankenverloren nicke ich. Dann ein anderer: "Schau mal, der da vorne sieht doch nett aus. Sollen wir den für dich anquatschen?" Ich verneine irritiert. "Doch, doch, das machen wir!", sagen sie im Chor. Ich fuchtele mit den Armen, sage etwas zu laut: "Nein, tut es nicht!" Flüstere dann: "Woher wollt ihr überhaupt wissen, dass der schwul ist?!" Sie beachten mich gar nicht und quatschen ihn natürlich an.

Das Ende vom Lied: Sie unterhalten sich prächtigst mit dem guten Mann über das Spiel und das Leben an sich und er ist viel zu beschäftigt damit, die gut aussehenden Jungs anzuhimmeln. Mich beachtet er wenig. Aber nett war er. 

Meine Erlebnisse als Pädagoge (3):
Drei Schülerinnen holten mich regelmäßig zum Mittagessen im Büro ab. Sie standen dann im Türrahmen und fragten: "Jaaaanniiiiiiisss, hast du Zeit?"
Eines Tages fragte eine der drei Grazien: "Sag mal, Jaaaanniiiiiissss, wie alt bist du eigentlich?" Ich antwortete: "32." Darauf rief sie aus: "Boah, dann könntest du ja meine Mutter sein!!!" 

Ich lachte laut auf und schaute sie belustigt an. Kichernd erklärte sie: "Ich meinte, hihi, dass du ja so alt wie meine Mutter bist!"

Meine Erlebnisse als Pädagoge (4):
Beliebt als Ausflugsziel war das Miramar in Weinheim, immer wieder wünschten sich die Schüler zu diesem Spaßbad zu fahren. Eines Tages liefen wir also zu unserem Gleis am Darmstädter Bahnhof, zwei Zehntklässler vor mir. Der Pädagoge ist etwas irritiert, denn zwei Menschen und drei Taschen? Da stimmt doch etwas nicht. Ich frage also nach. Die Antwort: In der Tasche sei eine Schischa. Ich etwas perplex: "Wo wollt ihr denn da rauchen, das ist ein Hallenbad? Und überhaupt: Rauchen?!" Sie nuschelten irgendwas von "der Pool draußen und da ist ja auch eine Wiese und so": Ich denke nur: Ähm, 15 Grad, die werden ja wohl nicht in Badehosen draußen sitzen und Schischa rauchen. Und die Bademeister!
Später rutsche ich gefühlte 100 Mal mit den jüngeren Schülern um die Wette. Denke, ach, ich schaue mal nach den Älteren. Die ich natürlich nirgends finde. Also, Außenpool. Nix. Wiese? Oh ja, ich bibbere vor Kälte, aber sehe sie auf Badetüchern chillend. Sie rauchen. Also, zwei Möglichkeiten. a) Ich raste aus, beende diese Aktion sofort und komme mir selbst etwas uncool vor oder b) setze mich dazu, diskutiere über die Gefahren des Rauchens, insbesondere bei der Schischa, höre mir ihre Argumente und beende es erst dann. Allerdings wäre ich nicht ich, wenn ich nicht inkonsequent und leicht verführbar wäre. Ob ich denn selbst schon mal probiert hätte. Und es kommt wie es kommen musste. Ich ziehe ein paar Mal, mir ist schwindelig davon. Und dann säusele ich vor mich hin: Sobald es mir gut geht, packt ihr zusammen und wir gehen schwimmen, ne?! Peace yo!

Meine Erlebnisse als Pädagoge (5):
Ich schlug bei der Einteilung zu meinem ersten Schulpraktikum die Hände über den Kopf zusammen: eine 2.Klasse, Brennpunktschule, Deutsch und Mathe (!) - ich hatte den Schwerpunkt Hauptschule gewählt und dachte: die sind doch noch so klein und chaotisch! 
Dann kam aber beim zweiten Termin der kleine bosnische Junge E. zu mir und fragte: "Wann unterrichtest du mich, Herr Plastargias?" (und er sprach den Namen fehlerfrei!). 
Ich durfte in der großen Pause immer Fußball mit ihm spielen, und als ich ihn dann in Deutsch hatte, fiel meine anleitende Lehrerin hinten fast vom Stuhl. 
Hinterher sagte sie zu mir: "E. hat sich in anderthalb Jahren kein einziges Mal im Deutsch-Unterricht gemeldet. Und jetzt bei Ihnen ... ich bin immer noch fassungslos. Und dann so etwas Persönliches!" Er hatte eine schreckliche Geschichte, die er im Krieg erlebt hatte, erzählt.