Montag, 17. Juli 2017

theke. texte. temperamente. - Nächstenliebe vs Kaltgetränkekonsum am 18.07.2017



  • Dienstag 19:30 - 22:00
    Yachtklub
  • Deutschherrnufer/Alte Brücke, 60594 Frankfurt Main
Hallo Ihr Lieben,

nachdem wir das letzte Mal noch im Knobbe mit Euch getagt hatten, verschlägt es uns nun mit Euch in die schwimmende Festung der Jünger Romanovs, nämlich in den Yachtklub. Dennoch solltet Ihr bis zum Ende des Jahres auch noch fleissig ins Knobbe gehen, denn am Ende des Jahres ist Schluß mit lustig, wenn die Gentrifizierer mit goldenen Schaufeln kommen und Ablagefächer für bankende Mauszeigerschluffies aus dem Boden stampfen.

Aber nun zurück zu den schönen Dingen des Lebens: Literatur, Liebe und lokale Kaltgetränke.

Im ersten Teil setzen wir uns mit einem aktuellen Werk aus dem Verbrecher - Verlag auseinander, einem Verlagshaus, welches wir alle so sehr lieben und die uns sofort und liebevoll die Bücher des Abends zur Verfügung gestellt haben, dafür auch an dieser Stelle: Danke schön, liebes Team vom Verbrecher - Verlag!

Das Buch:

"Fürsorge" - Anke Stelling (Verbrecher Verlag)

Balletdozentin Nadja liebt Kinder, ganz besonders ihr eigenes, und das sehr zum Entsetzen einer nicht in die Geschichte involvierten Erzählerin, die diese heftige amouröse Liason beobachtet.

Haben wir es hier mit gekonnt hartem Tobak im Stil einer Elfriede Jelinek zu tun, oder mit einer zielsicher inszenierten Inzucht-Lovestory für die SpOn - Liste? Emanzipierter Good Stuff oder Bücherschrankfüllstoff für Lobo- und Böhmermann - Nachlaberer?

Wir sagen es Euch!

Am Ende werden die Bücher unter die interessierte Zuhörerschaft gebracht!

http://www.verbrecherverlag.de/book/detail/886

Im zweiten Teil werden euch Martin Piekar und Clemens Naumann aka Raban Lebemann mit neuen Texten begeistern. Vielleicht wird auch der Moderator mal was Kleines lesen. Das wird sich alles zeigen - noch ist alles frei und in den Köpfen der Künstler*innen.

Aber: Das war doch noch etwas!

Zwischen den beiden Redeteilen wird musiziert: Der Live-Looping Künstler/Musiker Kenzo Römer, welcher mit Mikro, Effektgerät und Loopstation per Improvisation/Freestyle eine virtuelle Oneman - Band kreiert, wird Euch vorzüglich unterhalten. Gesehen und gehört wurde der Mann das erste mal vom Neuntausender auf der "sortenrein" - Veranstaltung des Frankfurter - Klang - Kombinates, und dort stellte sich heraus: Der Mann kann unglaublich gut unterhalten. Lasst Euch überraschen, denn der Römer ist ein wahrer Entertainer!

Die Veranstaltung findet auf dem Elbe - Flußbad, also dem Deck in Richtung Alte Brücke statt. Wir werden aus Unkostengrüden einen Eintrittpreis von 5€ veranschlagen, den der Neuntausender dann während der Veranstaltung kassiert. Wir nehmen keinen Eintritt am Eingang, weil das doof wäre für die Leute, die einfach abends nur nochmal ein Getränk auf dem Boot genießen wollen. Wir vertrauen Euch da auch, ne!

Agenda:

19:30 Uhr - Eintreffen bei sanfter Konversation, schimpfen über die Hitze
20:00 Uhr - Teil 1
20:30 Uhr - Kenzo Römer
21:00 Uhr - Teil 2

Lokation: Yachtklub, An der Alten Brücke, gegenüber Jugendherberge

Unkostenbeitrag: 5€

Die Zeiten sind nicht in Stein gemeisselt. Allerdings ist der Sonnenuntergang ist so schön, dass wir den gerne mit dabei haben wollten :-)

Wir sehen uns also am 18. Juli beim Hans auf dem Boot!

Bis dann,

Eure Temperamente!

Theke, Texte, Temperamente - Frankfurts einzige Literaturveranstaltung bei immer vollem Haus und niemals leeren Gläsern!

Foto: Charlotte Werndt aka Fotoraupe
Aufgenommen 1967 in Frankfurt, Bornheim - Gaststätte "Zum schmalen Handtuch"
(vlnr: Christian Klar, Gudrun Ensslin, Jörg Fauser, Andreas Baader)

Sonntag, 16. Juli 2017

CSD 2017 in Frankfurt


25 Jahre CSD in Frankfurt! Und wir brauchen ihn weiterhin, den CSD! So Vieles müssen wir noch erreichen, so viele Hürden noch abbauen. Die Ehe für alle ist nämlich ganz sicher nicht das Ende des Kampfes, sondern vielmehr der Beginn! Solange nicht mehr Rechte für Transmenschen erkämpft werden können, solange Jugendliche, die nicht hetero sind, die schwul, bisexuell, asexuell, Transgender sind, sich so unsicher und verzweifelt fühlen, so derbe gemobbt, so hilflos im Stich gelassen werden, solange diese Jugendlichen sich lieber selbst töten wollen ... ist noch ganz ganz viel zu tun. Solange rechte Parteien ungestraft gegen LSBTIQ-Menschen hetzen können, solange Politiker*innen der Union noch so viel Quatsch über diese Menschengruppe verzapfen, solange es keine Gleichheit, die in unserem Grundgesetz festgeschrieben ist, erreicht wird, muss es CSDs geben - Paraden und Stände, Kundgebungen auf der Bühne, Podiumsdiskussionen undsoweiter. Der CSD ist nämlich nicht nur feiern und sichtbar sein, sondern auch eine große politische Veranstaltung. 
Der CSD in Frankfurt ist vielleicht nicht der größte in Deutschland, aber er ist sympathisch, er ist akzeptiert in der Stadt, ganz Frankfurt steht an der Straße und erfreut sich an der Vielfalt der Paraden-Teilnehmer*innen. Man kommt ins Gespräch, man singt und tanzt miteinander. Vor allem an der Konstablerwache, an der sich dann LSBTIQ-Menschen mit allen anderen Menschen vermischen und gemeinsam feiern. Hier ein paar Impressionen von der Parade ... :-)




































Samstag, 8. Juli 2017

Der Helene Blues


Ein neues Projekt: Der Helene BluesAuf diesem Blog erscheint ein Fortsetzungsroman namens „Helene Blues“. Jeden Donnerstag wird ein neuer Teil des Werkes hinzugefügt. Neben dem Text sind auf dieser Seite viele Zusatzmaterialien zu finden, die auch im Laufe der Zeit wachsen werden. Also, immer mal schauen, was hier los ist! Aber alles, was hier online gestellt ist, ist unlektoriert und unkorrigiert. Hier auf diesem Blog soll eine Spiel- und Experimentierwiese entstehen. Viel Spaß beim Schmökern!

Der Helene Blues
Dieses verlängerte Wochenende in einer herrschaftlichen Villa im Elsass, das Helene sich und ihren Freunden zu ihrem dreißigsten Geburtstag gönnt, hat sie sich doch etwas anders vorgestellt.
Sie möchte mit ihren Liebsten Cremant trinken, leckeren Käse essen, vor dem Kamin sitzen und gepflegt Whisky trinken, im Elsass pittoreske Dörfer besichtigen, in Kirchen meditieren und im riesengroßen Park der Villa chillen und grillen. Doch kaum haben sich die ersten Flaschen geleert, die kleinen aus der letzten stressigen Zeit resultierenden Wogen geglättet, verschwindet die hübsche, launenhafte Paula und macht aus dem feiernden Sextett ein Quintett.
Ist sie abgehauen? Wurde sie entführt? Hat sie Selbstmord begangen? Noch ist alles offen und keiner scheint etwas zu wissen …
Das Quintett besteht aus dem Erzähler Mitja, der als Künstler sich von Anfang an als Außenseiter identifiziert, seine große Liebe Helene, die, genau wie ihre engen Freunde aus reichem Hause stammt, und im Marketing in einem Museum arbeitet; Thees trägt einen Hipster-Vollbart, macht was Erfolgreiches mit IT und betätigt sich unter dem Namen Tease als DJ. Lars arbeitet in einer Agentur, macht seinen Doktor-Titel, ist immer stylish und wirkt wie ein Motivations-Coach in dieser Runde. Fanny ist eine Art Sherbatsky (HIMYM), scheut politische Diskussionen, jedoch nicht Schminktopf und Alkohol.
Die Fünf überlegen sich, erst einmal in der großen Villa, in der mal SS-Leute während der Nazi-Zeit gewohnt hatten, zu bleiben und ihre Freundin zu suchen. Mitja stellt unbequeme Fragen und erhält unliebsame Antworten. Paula bleibt spurlos verschwunden und die jungen Leute fahren zurück in die Großstadt Frankfurt, um ihr Leben weiterzuleben.
Wieso ist sie verschwunden? Mittlerweile scheint klar, dass sich Paula umgebracht hat – oder soll es nur so aussehen? Spielt die Gruppe ein Spiel mit dem ehrlichen Mitja? Immer mehr Indizien sprechen dafür und er muss sich fragen, ob er vielleicht der nächste sein könnte. Doch warum das alles? Was hat die Clique im Sinn?

 „Der Helene Blues“ ist ein locker-flockig geschriebener Thriller für diejenigen, die gerne die Vice oder die Missy liest, für die ein Facebook-Status Kunst sein kann, für die, die gerne Thriller im Kino anschauen oder große Fans von Serien sind. Ein reflektierter, unsicherer, in einer prekären Situation lebender Künstler trifft auf selbstbewusste, reiche Typen, die mit ihm spielen können, die sich in ihrer Herrlichkeit gefallen, im Trend leben und reden. „Der Helene Blues“ ist ein gesellschaftskritischer Thriller, er ist ein Großstadtroman mit hippen Figuren, Drogen, Sex und Rock’n’Roll.

Alles findet ihr hier: https://heleneblues.wordpress.com

Donnerstag, 6. Juli 2017

Tag des Kusses


Als ich im Park ankomme, steht er bereits am Märchenbrunnen und wartet auf mich. Shit! Vertrauen hin und her. Ich könnte ihn auffressen, so süß finde ich ihn gerade, wie er mir zuwinkt, mich von Weitem anstrahlt, als gäbe es nur mich auf der Welt. Er ist mein verwunschener Prinz, ich möchte ihn erlösen. Mit einem Kuss — und mehr. Er trägt kurze beige Hosen und ein langärmeliges, weißes Leinenhemd drüber, an den Füßen Jesus-Latschen. Mann, sieht er gut aus! Ich werde aufgeregter, je näher ich ihm komme. Mein Herz wummert. Er kommt mir entgegen, drückt mich fest an sich, küsst mich auf den Mund. Ich erwidere den Kuss. Lange. Wie sehr hat mir das gefehlt, dieses wilde Begehren, ich könnte auf der Stelle … Doch ich löse mich von ihm, frage ihn, ob er sich schon einen Platz ausgesucht habe. Er lächelt wissend und nimmt meine Hand. Das erste Mal seit langem, dass wir Händchen haltend spazieren gehen, es tut so gut. Die Vertrautheit ist da. Ich möchte so gerne, dass alles so wie früher ist. 

aus: Rauschgefühle - http://astikos.de/urban-lesen/rauschgefuehle


»Dein Lieblingsfilm?«, fragte ich ihn in unserer ersten Nacht in Berlin ganz aufgeregt, ich hatte ein bisschen die unbegründete Furcht, dass er einen James Bond-Film wählt oder The Fast and the Furious, wie das Afyon getan hätte.
»The Eternal Sunshine of a Spotless Mind«, kam die Antwort blitzschnell.
Fast war ich geschockt, denn Vergiss mein nicht, wie dieser Film mit Kate Winslet in Deutschland heißt, ist auch mein Lieblingsfilm und ich kannte bis dahin nie- manden, der ihn ebenso toll findet wie ich.
»Wieso?«, wollte ich von ihm wissen und er antwortete genauso, wie ich es gemacht hätte, denn er sagte, dass es der schönste Liebesfilm der Welt sei, deswegen.
»Ich habe geweint«, sagte ich.
»Du Memme«, erwiderte Paul – und ich, der ihn noch 
nicht kannte, der nicht flirten konnte, nicht wusste, wie er reagieren sollte, fühlte einen Stich im Herzen.
Fand er mich zu schwul, oder um es böse auszudrücken: zu tuntig? Das fände ich sehr schlimm, dachte ich mir. Ich schaute ihn an und er machte plötzlich ein irritiertes Gesicht und fragte, was los sei.

»Was du gerade gesagt hast«, flüsterte ich, und er brach in ein lautes Gelächter aus.
Ich wusste jetzt erst recht nicht, was ich tun oder sagen sollte. Er kam mir ganz nahe und da passierte es: unser erster Kuss.
In so einer schrecklichen Situation, dachte ich im ersten Moment, aber dann war plötzlich alles weg, nur noch ein gutes Gefühl, nur noch ein Prickeln an der Zunge, an meinen Lippen, oh, wie wundervoll dieses Prickeln doch war, das sollte niemals wieder aufhören, fühlte ich, denn denken konnte ich gar nichts mehr ... 

aus: Großstadtgefühle - http://www.michason.de/grossstadtgefuehle

Wir standen alleine vor der Kneipe, kein anderer Mensch weit und breit. Ich schaute Leif erwartungsvoll an. Er streckte mir mein Glas entgegen, ich nahm einen großen Schluck. Er kam mir näher, trank ebenfalls aus meinem Glas, schaute mich lächelnd an – und kam noch näher.
»Das prickelt so angenehm«, sagte er kichernd. Dann presste er seine Lippen auf meine.
Das prickelte noch sehr viel mehr, dachte ich, doch nicht nur das: Ich fühlte mich seltsam, überall kribbelte es, ich hatte das Gefühl, gleich umzukippen, keinen festen Stand mehr zu haben. Der Kuss schmeckte nach Sekt, er schmeckte nach seinem obsessiv benutzten Lippenpflegeprodukt, er schmeckte nach Leif. Leif. Leif!
Er löste sich kurz von mir und trank einen weiteren Schluck Sekt, den er offensichtlich im Mund behielt. Er kam mir wieder näher, seine Zunge suchte erneut Einlass, und während sie das tat, sickerte der Sekt in meinen Mund und hinterließ ein wunderbares Gefühl in ihm. Jetzt nahm Leif seine Zunge zur Hilfe und liebkoste meine Lippen. Meine Hände suchten einen Weg unter sein Oberteil, bewegten sich ungestüm Richtung Brustwarzen, er stöhnte auf, sein Küssen wurde wilder, drängender, er biss mir leicht auf die Lippen, griff mir an mein bestes Stück, ich war hart und jetzt schon kurz vorm Kommen.

aus: Sekt und Sex - http://groessenwahn-verlag.de/verlagsprogramm/sekt-und-sex/